Literaturgefluester

2015-03-30

Textvorstellungen mit Solo-Buch

„Die Merkmale der Textvorstellungen sind!“, sagte heute Angelika Reitzer in der „Alten Schmiede“, „daß hier immer zu einem bestimmten Thema drei oder auch vier (jetzt sind es auch schon zwei, füge ich hinzu) Autoren ihre Texte lesen, aber heute machen wir eine Ausnahme, denn heute gibt es nur ein besonderes Buch und dazu habe ich mir zur Untersützung, nicht nur weil es so dick ist, den Verleger und Autor Alfred Gelbmann mitgebracht!“

Ich habe es ja schon oft geschrieben, die „Textvorstellungen mit Angelika Reitzer waren für mich etwas Besonderes, weil sie immer neue interessante Sprachtalente, wie Anna Weidenholzer, Sandra Gugic, Valerie Fritsch, die heute längst ihre Romane in großen Verlagen haben und auch schon große Preise gewonnen haben, vorstellte, einmal hat sie, glaube ich, auch Peter Campa vorgestellt, da war ich im im Dreiraumtheater bei Stefan Eibl Erzberg, die letzten Male habe ich auch versäumt, so daß mir die Kontinuität und der rote Faden inzwischen abgegangen ist, vielleicht gibt es ihn auch nicht mehr, aber trotzdem etwas Neues, „Textvorstellungen“ mit nur einem Buch, einem Über-Buch könnte man so sagen und die Rede ist von Winfried Gindls „Maria Elend, Peter Flickers Aufzeichnungen über eine etwas umständliche kleine Reise“, ein fünfzehnhundert Seiten Buch, Bericht kein Roman, in zwei Bänden, bei „Kitab“ erschienen und den 1962 in Klagenfurt lebenden Winfried Gindl, kenne ich als „Sisyphus-Verleger oder Lektor“, habe mit ihm, als ich noch meine Mansuskripte herumschickte, korrespondiert, einmal hat er mich sogar angerufen und sich an einem interessiert gezeigt und die „Frauenbilder“ sind auch im „Sisyphus 7/1989“ erschienen, das ist der Text wegen dem mir J.J., vielleicht heute noch böse ist, weil ich mich in ihnen ein bißchen auf ihn bezogen habe und jetzt kenne ich Winfried Gindl auch als Autor, beziehungsweise als Herausgeber, denn dieses „Maria Elend-Überbuch“, scheint ein verzwicktes Werk.

Beginnt es doch mit einem Manuskript im schwarzen Mülltonnensackerl, das der Verleger eines Tages vor seiner Haustüre findet, ein Motiv, das ich so ähnlich im „Wilden Rosenwuchs“ auch verwendet habe, da wird das Manuskript in einer Mülltonne gefunden und die Bestsellerautorin mit Schreibblockade gibt es als eigenes heraus. Peter Flicker überläßt es dem Verleger sozusagen, es regidiert oder unregidiert bzw. selber zu verwenden und dann kommt auch noch ein anderer Verleger,  in diesem Fall, Wilhelm Baum vom „Kitab-Verlag“, wie Winfried Gindl später sagte und verlangte nach einem Manunskript und so erschien die umständliche kleine Reise auf fünfzehnhundert Seiten und entpuppte sich, wie Angelika Reitzer noch erklärte, als Live-Bericht und fast alles auch noch im Präsens geschrieben.

Es geht um eine Reise, die der fiktive Peter Flicker, denn natürlich hat Wilfried Gindl diesen Roman geschrieben, im Jahre 1981 machte, zuerst sollte es nach Griechenland gehen, dann ging es aber per Rail durch Österreich und man landete auch im Cafe Alt Wien und bezog sich dabei auf dies und das und all und jenes.

An dieser Stelle fing ich an an Peter Campa zu denken, der ja in seiner „Zweiten Reise“ vielleicht etwas ähnliches machte.

Aber natürlich ist es nicht zu vergleichen, sind zwei verschiedene Stile und Winried Gindl Präsens-Sprache klang auch sehr einfach melodisch und schön.

Es gab auch gleich eine zwanzig minütige Textprobe, wo die Reisenden gerade in Italien strandeten, dann kam Alfred Gelbmann, der „Mitter-Verleger“ und Germanist und hielt ein literaturwissenschaftliches Referat, in dem er das Buch in die Reihe der „Popromane“ einordnete, sich dann auf das „Präsens“ bezog, von dem ja behauptet wird, das man damit nicht erzählen kann.

Winfried Gindl kann es offenbar und die Stellen, wo er es nicht verwendete, wären meinte Alfred Gelbmann, viel flacher, als die anderen.

Im zweiten Lesungsteil ging es dann in das Cafe Alt Wien, wo der Erzähler strandete, um sich ein Nachtquartier zu suchen, dabei ein paar Leuten beim Telefonieren zuhörte, zwei Frauen beobachte, alte Plakate und die „AZ“ las und dann gab es noch viele Fragen von Angelika Reitzer an den Autor, wie lange er an dem Buch geschrieben hat, wie er auf die Form gekommen ist, warum das Jahr 1981, etc?

„Zufall!“, war glaube ich die universale Antworte, aber 1981 hat der Autor tatsächlich eine ähnlich umständliche Reise gemacht und Wilhelm Baum ist auch gekommen und wollte ein Mansuskript und so hat er an seine Reiseerinnerungen gedacht und die umgeschrieben, etc.

 Irene Wondratsch war da und hat das Buch zum Teil, glaube ich, schon gelesen, Thomas Northoff habe ich gesehen und andere Autoren und wieder ein interessantes Buch und eine interessante Schreibweise entdeckt, gibt es von denen jenseits des Mainstreams ja sehr viele, wenn ein fünfzehnhundert Seiten Buch auch nicht sehr leicht und sehr schnell zu lesen ist.

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