Literaturgefluester

2015-04-01

Die Älteste

Filed under: Bücher — jancak @ 00:20
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Weiter geht es sowohl mit dem „Picus-Frühlingsprogramm“ aus dem ich mir ganz intuitiv eine kleine Auswahl zusammengestellt habe und der Frage, wie authentisch ein Dokumentarroman sein muß und ob das „Ich“ hundertprozentig mit der ErzählerInnenbiografie zusammenpassen sollte.

„Nein!“, habe ich der Ruth am Freitag geschrieben, „bei einem Roman mit Handlung, kann das „Ich“ einer Autorin auch ein Mann, zwanzig Jahre, Südafrikaner, etc sein!“

Bei Thomas Sautner,  1970 geboren mit „Fuchserde“ und „Milchblume“ bekannt geworden, ich habe ihn einige Male bei „Rund um die Burg“ gehört und „Fremdes Land“  im Schrank gefunden, ist es eine Frau, Pressesprecherin beim Bundeskanzleramt, verheiratet, Mutter zweier Kinder,  an einen unheilbaren Krebs erkrankt und von den Ärzten austherapiert, so daß sie die Freundin Barbara zu einer Heilerin ins Waldviertel schickt.

„Nach  wahren Begebenheiten“, steht sowohl auf den ersten, als auch auf den letzten Seiten, dort gleich zweimal, einmal am Buchrücken und dann noch in einem Nachsatz, wo ein bißchen was von den Jenischen, von denen das Buch handelt und die Thomas Sautner, der im nördlichen Waldviertel lebt, sehr zu interessieren scheinen. Und von einem unheil- oder nicht mehr behandelten Krebs, habe ich vor kurzem geschrieben, als ich mich mit dem Thema Sterbehilfe auf etwas andere Art und Weise auseinandersetzen wollte.

Auch der Anfang des kurzen Romanes, hundertzweiundvierzig Seiten, erscheint mir bekannt, habe ich doch vor kurzen, nach einigen Verzögerungen, den „Traumfänger“ gelesen, wo es um ähnliche Einstiegsriuale geht und dazu die Nachsätze, was an diesem Buch erstunken und erlogen war und wie es die Leser täuschte.

Aber vielleicht war es nur eine Geschichte, ein Märchen zum darüber Nachdenken und das  ist Thomas Sautner neuer Roman in gewisser Weise sicher auch.

Da ist einmal Sophie, der ein Hirntumor diagnostiziert wurde, die von ihrer Freundin Barbara zu einer Einsiedlerin und Wunderheilerin ins Waldviertel gebracht wird, das heißt, eigentlich beginnt es mit einem Traum.

Sophie träumt da von einer alten Frau, die ihr, die in einer Blase steckt zuruft „Na du, Wunder des Universums, wie hältst du es mit dir?“

Dann ruft Barbara an, erzählt von der Wunderheilerin, zu der Sophie die letzten Meter allein gehen und als Geschenk zwei Flaschen Schnaps, zwei Kilo Kaffee und eine Dose Taback mitbringen muß. Die alte Frau, trägt ein Haushaltskeid mit einer Schürze und ein Kopftuch, so daß Sophie den langen weißen Zopf, den die Alte in ihrem Traum hatte, erst später erkennt. Sie hat auch die eintätowierte „Auschwitz- Nummer“ mit dem „Z“ am Körper, aber heute heißt das doch „Roma“ oder „Sinti“, sinniert der Kopf von Sophie, denn sie ist sehr Ego-gesteuert und wird von der Alten, die sich Lisbeth nennt, als „schwieriger Fall bezeichnet“.

Trotzdem sagt sie ihr den Tumor sofort zu und zeigt auf die Stelle, wo er sich befindet, obwohl Sophie allgemein nur von „Krebs“ sprach und der kann ja überall sei. Sie muß dann, ähnlich, wie die Ärztin in Australien ihr Handy und ihre Uhr vergraben, denn Lisbeth verträgt keine Störungen in ihrer Wohnwagenwelt, darf aber einmal am Tag mit ihren Lieben telefonieren. Dnn Empfang muß sie selber herstellen, wie Lisbeth zuerst auch von ihr fordert, Feuer zu machen, obwohl sie keine Streichölzer hat. Dann muß sie sich reinigen, das heißt im Schlamm baden, denn sie stinkt nach Angst,  Streß und Stadt und dann geht es los mit der Reinkarnation.

Lisbeth reibt ihr die Stirn mit Johanneiskrautöl ein, gibt ihr Weihrauch zu kauen und Stockschwammerlpulver zu trinken und Sophie lernt auch ihre andere Klienten, den Enkel Michl mit dem Bandscheibenvorfall, weil er abgelehnt hat, wie die Jenischen zu leben und seine wahre Natur verleugnet, den Urenel Martin an den Lisbeth ihre Heilkraft weitergeben wird, kennen und dann und da ist die spannende Geschichte, die ich wirklich in einem Zug in der Badewanne ausgelesen habe, obwohl ich das gar nicht wollte, vielleicht ein bißchen übertrieben, aber Thomas Sauter schreibt ja von wahren Begebenheiten und hat aus allem wohl eine kompakte Geschichte zusammengemixt, stribt auch noch Sophies Vater, so daß sie den Wohnwagen der Alten eingedeckt mit guten Vorsätzen vorzeitig verläßt.

Sie geht dann auch zur Kontrolle ins Krankenhaus und erzählt ihrem zitternden Mann im Wartezimmer, daß „Alles wie erwartet ist!“, worauf der Oberarzt den Kopf schüttelt, denn der Tumor hat sich um die Hälfte verkleinert und abgekapselt, aber und auch das finde ich übertreiben, so glaubhaft ich das andere nachvollziehen kann, hat Sophie so gewollt, um sich immer an die Störungen in ihr zu erinnern und nicht zu übermütig zu werden, wenn sie ihr neues Leben weiterleben wird.

Sie besucht dann als Erstes mit Barbara Lisbeth und findet sie von Kerzen beleuchtet, „Licht und Liebe!“, hat sie Sophie noch, das hätte ich fast vergessen, als Rat, mit ihrem Krebs umzugehen, ihn anzunehmen, statt ihn zu bemäpfen, mitgegeben, aufgebahrt im Wohnwagen liegen, ihr roter Fuchs ist dabei und knurrt die Eintretenden weg. Es kommt aber schon die Familie, um von der „Ältesten“ Abschied zu nehmen und Martin gibt der erstaunten Sophie und das ist, was mich an dem Buch nun wirklich stört und als unangenehm aufgesetzt finde, den Rat, all das Aufzuschreiben, mit.

Und so haben wir nun eine spannende Geschichte nach wahren Begebenheiten gelesen, die uns viel vom wahren einfachen Leben und dem der Jenischen erzählt und das sich wahrscheinlich sehr gut, vor, während, nach und zwischen einer Chemotherapie lesen läßt und auch allen anderen interessierten Lesern sehr zu empfehlen ist.

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