Literaturgefluester

2015-04-04

Fledermausland

Filed under: Bücher — jancak @ 00:36
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„Diverse Wahrheiten über Wasserstände, Paranoia, Jounalismus und Hunter S.Thompson“, sind in einer, beim „Gonzo-Verlag“ herausgegebenen Anthologie, die anläßlich des zehnten Todestages des US-amerikanischen Schriftstellers Hunter S. Thompson, der sich am  20. Februar 2005 erschoßen hat, zu finden.

Hunter S. Thompson, keine Ahnung wer das ist, noch nie etwas von  dem Journalisten und offenbar auch Beat Poeten gehört und auch von einem Gonzo-Verlag nicht, der  2007 von der damaligen fünfundzwanzigjährigen Studentin Miriam Spies, der Name basiert auf den Gonzo-Jounalismus, den von Hunter S.Thompson prägte, gegründet wurde.

Wieder etwas gelernt und das erste unverlangt zugesandte Rezensionsexemplar, das gleich als E-Book mitgeschickt  wurde, habe ich von Miram Spies vor ein paar Wochen auch bekommen und mir beim Lesen und beim Rezensieren ein wenig schwer getan, denn erstens von dem Beat-Poeten keine Ahnung und auch von die in derAntholgie versammelten Autoren, waren mir bisher unbekannt, so daß ich beim Lesen sehr viel nachschauen mußte und fast denke, daß ich mir mit einem herkömmlichen Printexemplar leichter getan hätte, da ich aber sehr neugierig bin und gerne, wie ich immer schreibe, über den Tellerrand schaue, habe ich mich durch die vier Teile, die auch noch englische Namen tragen, durchgesurft und allmählich  etwas von dem mir bisher ungekannten Autor mitbekommen.

„It never got weird enough  for me“ heißt der erste Teil und ein Vorwort von Miss Gonzo, wo sie ein bißchen die Schwierigkeiten der Herausgabe schildert und auch die Frage öfter kommt, wer Hunter S. Thompson war, offenbar war das auch nicht allen eingeladenen Autoren geläufig, gibt es auch.

Dann geht es schon in Medias Res da schildert die 1966 geborene Susan Klossek, die in Leipzig Germanistik und Slawistik studierte, wie sie sich beim „Frühstück mit Hunter“, plötzlich im Jahr 1974 und mitten in der Beatgeneration befindet.

Ein Autor bekannte, daß er nichts von gelesen hat, dann aber tauchen immer wieder, die selben Titel im Inhaltsverzeicnis auf.

„Angst und Schrecken in Bochum, auf der Buchmesse“ etc und ich kapiere, daß „Angst und Schrecken“ oder „fear and lLoathing in Las Vergas“ offenbar ein bekanntes Buch des Autors war. Dann gibt es noch das „Rum Diary“  und ein sehr schönes Gedicht von Florian Günther, 1963 in Ostberlin geboren, gibt es in der ersten Sektion auch.

„Gespannte Ruhe:  Als sich Stifter die Kehle durchschnitt…, als  Fallada mit einer  Rothaarigen anbändelte…, als der alte Jäger mit seiner Schrottflinte.., als Scott  Fitzergerald auf den Boden seiner letzten Flasche sank, war er so unbekannt wie ich…. Doch irgendetwas hielt ihn noch zurück.“

In „…which is only fun for amateurs“, vielleicht ein Hunter S. Thompson Zitat, gibt es Gedichte von Pablo Haller „Leda“ und  Marco Kerbler „Fahrt zum Literaturfestival“ und auch sonst einiges Schreibspezifisches, so behauptet Klaus Bittermann alles über die „Frankfurter Buchmessse 2012“ zu verraten, wo China viel gewonnen hat, Robert Menasse auftrat und der „Kommunst und Wespennest-Herausgeber Walter Famler angeblich einen  Skandal aufdeckte“ und der 1966 geborene Kersten Flenter berichtet in recht flapsigen Ton vom „Literarischen Leben“, nämlich den Literaturschreibwerkstätten, die sie in Hamburg Altona über Rockmusik macht, einen Poetry Slam aufführen läßt und die dabei enstandenen Texte gnadenlos zerlegt, damit sich nicht noch mehr Schreiber untereinander konkurrieren machen.

Um Hunter S. Thompsen geht es natürlich auch, so haben Mara Braun und Klaus Pfeiffer in  „gONZo loves you“, die richtige Schreibweise des Verlags, eine atmemlose Geschichte verfaßt, wo eine Journalistin auf der Suche nach dem Drogencocktail in einem Hunter S.Thompsen Shop einen Schriftsteller trifft,  der für eine Anthologie einen Text über Rotwild und Greifvögel schreiben soll und sich dabei mit ihm in einen Drogen- und Liebesrausch bzw. ins „Fledermausland“ verirrt.

Geschichten von echten Beatpoeten gibt es natürlich auch, so hat der 1935 geborene Lufthansa Pilot, Jürgen Ploog, der mit Jörg Fauser und Carl Weissner eine Literaturzeitschrift gründet hat, über Tristeza & der Matrose“  geschrieben und Stefan Gaffory schildert, wie das ist, wenn man „54 Stunden in einem Stück wach ist“, aufregend kann ich sagen und wechsle in die dritte Abteilung hinüber.

Da wurde die für mich eindrucksvollste Geschichte „Der richtige Zeitpunkt“ wieder von Kersten Flenter geschrieben und spielt nach dem Tod von Wolfgang Herrdorf, da sitzt der Erzähler nach einer Lesung mit drei über Sechzigjährigen zusammen und überlegt, welches Alter das richtige zum Sterben ist. Sechzig beschließt, der noch nicht Fünzigjährige, der bis dahin seinen großen Roman schreiben will, die Älteren sind betroffen.

Ein paar Texte über Leipzig gibt es auch, wie überhaupt sehr viele Autoren einen Ostdeutschen Hintergrund haben.

Der 1981 geborene Max Schober hat sein „Kaktuseis“ nach der Leipziger Buchmesse geschrieben, entnehme ich den Biografien undMax Beckmanns „Tag der deutschen Einheit“ dort und Hadayattuah Hübsch wurde als Paul Gerhard Hübsch 1946 in Chemnitz geboren, er war Schriftsteller und Aktivist der 68 Bewegung, sowie Imam in der Nuur Moschee und Leiter des Freitagsgebet. 2011 ist er gestorben, bei you Tube kann man sein Begräbnis sehen, das Gedicht „Es ist Sonntag“ ist Anne Waldman gewidmet und ist eine Hommage an die Beat Generation.

Dann kommen zwei Reportagenteile, in denen es seltsamerweise auch Gedichte gibt.

Das von Marcus Mohr „Selbstmord“ beispielsweise „Sie sagte sie würde es mit Rattengift machen. Er sagte er würde sich nen Strick nehmen, ihn an die Reling der Dentzer Brücke binden und abspringen. Und du, fragten sie mich, wie würdest du es anstellen? Mein Leben weiterleben.“

Während Andrea Mohr, verwandt, verschwägert oder verpseudonymisiert, aus ihrem ebenfalls sehr interessanten Leben erzählt, bzw. im Gespräch mit einem Psychiater in ihre Kindheitserinnerungen geht.

1963 ist sie geboren und hat als Drogenschmugglerin internationales Aufsehen erregt, war mehrere Jahre in Melbourne inhaftiert und kam dann zurück nach Deutschland, um ihre Autobiografien zu schreiben, die sowohl bei „gONZo“, als auch im österreichischen „Driesch-Verlag“, den ich ja kenne, erschienen sind.

Und Robsie Richters Reportage „Antropophagus“, die eigentlich auch mehr eine Short Story“ ist, geht ins Kannibalen- oder Menschenfreßermilieu. Da besucht einer eine entsprechende Seite, stellt sich als Opfer zur Verfügung und trifft sich dann mit dem, der ihn verspeisen will, in einem Mc Donald Restaurant.

Ein höchst ungewöhnliches Buch, wie schon zu bemerken war, auch wenn die nächsten Reportagen sich dann viel friedlicher gegen die „Hygiene“ oder „Passwörter“ wenden.

In der zweiten Reportageabteilung „like falling down an elevator shaft…“ folgend dann einige Aufsätze über den Journalismus, die sich auch auf Hunter S.Thompson beziehen, darunter ein Text des Liedermachers Konstantin Weckers und schließen tut es wieder mit einem Gedichts des zum Islam konvertierten  Hadayadullah Hübsch,  ich habe einige sehr interessante Autoren kennengelernt und danke Miss Gonzo sehr für das Rezensionsexemplar.

 

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