Literaturgefluester

2015-04-09

Veza Canettis Grundbuch

Es war die fünfundfünfzigste Grundbuchveranstaltung zur österreichischen Literatur nach 1945, wie Kurt Neumann in der „Alten Schmiede“ einleitete, ein paar davon, längst nicht alle habe ich gehört und bei dieser ist es gar nicht sicher, ob es eine solche ist, sind Veza Canettis sozialkritische Erzählungen, die von einer gelben Straße handeln, doch schon in den Dreißigerjahren in der „Arbeiterzeitung“ erschienen.

Das Buch „Die gelbe Straße“  ist dann 1990, vom Elias herausgegeben, eingeleitet und wahrscheinlich auch zusammengestellt, erschienen.

Da habe ich es mir dann gekauft und gelesen und war von der Geschichte des Ogers, der seine Frau unterdrückt, wohl auch so beeindruckt, wie Julyia Rabinowich, die ausgewählt wurde, daraus zu lesen und zu kommentieren und das Theaterstück „Der Oger“ habe ich mit dem Alfred auch einmal im Stadttheater St. Pölten gesehen.

Ansonsten ist  Veza Canetti auch zu mir erst später gekommen, an einem von mir organisierten „Tag zur Freiheit des Wortes“ im Literaturhaus, ich weiß nicht mehr welchen, habe ich das ja von 2003 bis 2009 dort gemacht, wahrscheinlich vor 2007, denn da hat die Judith Gruber-Rizy von einer Veza Magd, Veronika Knecht oder wie immer die Pseudonyme der Venetiana  Taubner-Calderon, so der Mädchenname, geheißen haben, gelesen, dann wurde sie damit zu der ersten Veranstaltung in die Ferdinandstraße eingeladen, vor zwei Jahren gab es eine zweite, eine Lesung in der „Alten Schmiede“ und ein Buch über die  1897 Geborene und 1963 Verstorbene, inzwischen gibt es auch einen „Veza Canetti- Preis“, den im Oktober zu meinem Erstaunen Olga Flor gewonnen hat, vielleicht wurde deshalb die Literaturreferentin der Stadt Wien und Literaturwissenschaftlerin Julia Danielczyk eingeladen, das wissenschaftliche Referat zum Grundbuch zu halten und Helmuth Peschina und Alexandra Millner, die di „Gelbe Straße“  für das Kabinetttheater inszeniert haben, waren im Publikum, zusammen mit Christel Fallenstein und einigen anderen und Julya Rabinowich hat aus den Geschichten, wie schon geschrieben, die des „Ogers“ oder  Herrn Igers gelesen, der seine junge Frau, in das Haus, in die gelbe Straße bringt, die er ihrer Mitgift wegen geheiratet hat und unterdrückt, nach außen spielt er den Wohltätigen, sie darf nur Reis mit Eier kochen, wenn sie sich ein Kleid kauft, schlägt er sie und sie kann sich leider nicht scheiden lassen, weil er sie zwischendurch vergewaltigt, so daß sie sich nur in den Wahnsinn flüchten kann, sehr beeindruckend, die armen Frauen in den Zwischenkriegsjahren und von der Eindringlichkeit mit Ödon von Horvath zu vergleichen mit der Marianne in „Geschichten aus dem Wienerwald“ und der Elisabeth aus „Glaube, Liebe, Hoffnung“, heispielsweise.

Daran knüpfte sich auch die Diskussion, die wieder Klaus Kastberger leitete und Kurt Neumann warf die Frage auf, wie weit das wirklich ein Roman ist oder von Elias Canetti zusammenmontierte Kurzgeschichten, die von ihr gar nicht als solcher geplant waren.

Elias Canetti hat aber offenbar in der Einleitung geschrieben, daß die Herausgabe des Romans geplant war, das Jahr 1934 und der Bürgerkrieg haben es verhindert, dann kamen die Nazis und Veza Canetti wurde, bis in die Neunzigerjahre vergessen und jetzt wiederentdeckt.

Spannend, spannend und sehr beeindruckend und ich kann wieder rätseln, wer heuer im Oktober Verza Canetti Preisträgerin wird?

Julya Rabinovich wäre sicher eine geeigente Kanditatin, hat Kurt Neumann  Ähnlichkeiten in der Schreibweise entdeckt, die „Erdfresserin“ ist auch eine Frau, die sich nur in den Wahnsinn flüchten kann und Parallelen in der Gegenwart gibt es, wie sie erwähnte auch, so daß sie eigentlich jederzeit den neuen  „Gelbe Straße Roman“ schreiben könnte.

Judith Gruber-Rizy wäre mir schon früher eingefallen, aber natürlich auch Ruth Aspöck, Marlen Schachinger Angelika Reitzer, Marlene Streeruwitz, etc und ich würde ihn, ganz ehrlich, auch sehr gern bekommen, werde wegen meiner Rechtschreibfehler wohl aber nicht vorgeschlagen werden, obwohl es an den sozialkritischen Themen wahrscheinlich nicht mangelt, wie man sich, wenn man will, bei der Lesung im „Reumannhof“ in zwei Wochen überzeugen kann.

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