Literaturgefluester

2015-04-12

Krems und Göttweig entschlüsselt

Josef Ostermayer

Josef Ostermayer

Lily Brett

Lily Brett

Nach den Osterferien ging es von der Alltagskultur des literarischen Nahversorgers über die, wie Gabi Rökl sagte, gut subventionierte „Alte Schmiede“ zum literarischen Event, beziehungsweise zum siebzehnteninternationalen Kulturfestival „Literatur und Wein“ nach Göttweig und Krems, von denen ich die ersten vierzehn versäumt habe, obwohl mir Sylvia Treudl immer die Programme in die Wohnung schickt, denn ich bin ja eine, die für Veranstaltungen nichts zahlen will und in Wien bin ich das auch gewohnt, daß die Literatur nichts kostet. So habe ich mich vor zwei Jahren über das ausverkaufte Literaturfestivial auch etwas gewundert, das Who is Who, das man zum Größtenteil in Wien immer noch gratis hören kann, aber sehr genoßen, obwohl, um diese Preise und diesen Publikumsansturm zu erzielen, nur bestimmte Stars lesen dürfen und das ist ja etwas was mir nicht so gefällt. Ausverkauft auch diesmal, so stand es schon vor der Eingangstüre des unabhänigen Literaturhauses und am Donnerstag Morgen informierte das Morgenjournal über das diesjährige Motto,“Von der Entschlüsselung der Welt“, das ich dann später nirgends im Programmheft finden sollte. Mit einem Staraufgebot ging es dann am Abend im  Krems los.  Lily Brett, Tochter von polnischen Holocaustüberlebenden, die von Australien nach New York gekommen ist und die, glaube ich, von dem kleinen Wiener „Deuticke-Verlag“ entdeckt wurde. Dort sind jedenfalls ihre ersten Bücher „Zu sehen“, „Einfach so“ etc erschienen und standen dann auf der Bestsellerliste und nicht bei „Libro“, der damals, Anfang oder Mitte Neunzig, glaube ich, eine Bestsellergarantie hatte, so sind die zwei genannten Bücher zu mir gekommen, ein drittes von „Mexiko nach Polen“ habe ich mir  von den zehn Euro Gutschein, da ich bei der „Thalia-Leser-Rezensenten-Aktion“ eingetauscht habe und jetzt die persönliche Begegnung, mit der 1946 geborenen, von der vor kurzem zwei Bücher, einen Essayband „Immer noch new York“ und die Gedichte „Wenn wir bleiben können“, erschienen sind. Aber zuerst gab es im Foyer ein Gläschen Wein, Small Talk und die Begrüßung, der mehr oder weniger bekannten Gesichter, einige Gratispublikationen, so eine Festschrift mit Texten von Christoph W. Bauer, Rosa Pock und Raphael Urweider und dann noch fünf Lyrikpulikationen von polnischen, litauischen, slowakischen Makedonischen und slowenischen Dichter und Dichterinnen, denn einen Lyrikschwerpunkt wird es diesmal am Samstag auch geben.

Gertraud Klemm

Gertraud Klemm

Jens Steiner

Jens Steiner

Den wahrscheinlich im kleinen Kreis, während am Donnerstag die Lily Brett Fans, wie ich beim Smalltalk hören konnte,  zahlreicherschienen sind. Zuerst begrüßte aber Sylvia Treudl ihr Pulikum und stellte ein paar Politiker und Eröffnungsredner vor. Dann kam die Autorin und las auf Englisch ein paar Kapitel aus ihrem New York Buch und auch ein paar Gedichte. Sylvia Treudl das für die nicht Englisch sprechenden mit einem Text über das Kochen eines Kichererbsencurries, das es das Jüdische an ihr ist, daß sie immer in zu großen Mengen kocht, hat Lily Brett schon vorher verraten, nun las Sylvia Treudl von den zehn Pfund Kichererbsen, die die Autorin sich bestellte, über Nacht einweichte und dann über sechzig Portionen einzufrieren hatte, wo schon die hundertsechzig Hackfleischleibchen lagerten, die sie einmal formte, weil ihr Mann soviel Fleisch nach Hause geschleppt hat. Ihr Vater, der aus seiner Tochter gerne eine Rechtsanwältin machen wollte und dann enttäuscht war, weil sie stattdessen nur die Rollingstones interviewte, kam  auch vor, beziehungsweise wurde das in dem anschließenden Gespräch, das die sehr charismatisch wirkende Autorin, die die Leute an wieder für mich gar nicht so lustig klingenden Stellen zum Lachen brachte, mit der Kulturjournalistin Dagmar Kaindl führte, erwähnt. Danach bildete sich eine lange Schlange von Leuten, die sich die Bücher kauften und signieren ließen, Wein konnte man auch wieder trinken, bevor es am Freitag mit der ersten langen Lesenacht im Stift Göttweig weiterging, wo wieder Sylvia Treudl mit einem Weinmoderator das Programm angkündigte und je ein Winzer, den sogenannten Patenwein auf den Autorentisch stellte. Die Wachau, das Kamptal und die Kremsergegend ist ja ein Weißweingebiet, daher nur vier Rotweine, ein Merlot, ein Pinot Noir, ein Cabenet und ein Zweigelt und Dorothea Elmiger, die ich von ihrer Bachmannlesung kenne, sie in der Hauptbücherei hörte und ihren Debutroman gelesen habe, begann mit einer Lesung aus ihrem zweiten Buch, wo es um Bettgeher  und wenn ich es richtig verstanden habe, um gesellschaftliche Dimensionen geht und der schon im Vorjahr in Leipzig vorgestellt wurde.

Nino Haratischwili

Nino Haratischwili

Robert Seethaler

Robert Seethaler

Anna Elisabeth Mayer, die Alpha Preisträgerin von 2011, deren ersten Roman, ich wiederhole es wieder, ich leider nicht gelesen habe, stellte ihren zweiten, einen sehr interessanten historischen „Die Hunde von Montpellier“ vor, der im sechzehnten Jahrhundert spielt. Die musikalischen Zwischenkonzerte waren von den Strottern und nach der Weinverkostungspause, die eifrig beworben wurde, richtig Bücher konnte man sich zwischendurch auch noch kaufen und signieren lassen, ging es weiter mit Peter Stamm,  sehr viele Schweizer Autoren im Programm und der dessen erster Roman „Agnes“, die Schulbuchlektüre, die einemal im Literaturcafe sehr zerzaust wurde und den ich demnächst lesen , las eine Erzählung aus seinem Erzählband „Seerücken“, den ich, glaube ich, im Vorjahr am „Tag des Buches“ im „Wortschatz“ gefunden habe, der von schlechten Wein und einem Korkenzieher handelt, er bekannte sich auch Rotweine zu mögen. Danach folgte Heinrich Steinfest, der auf der letzten Longlist des dBp stand und von dem ich schon einen Krimi gelesen habe, mit seinem neuen Buch, das auf den Blogs derzeit sehr beworben wird, es heißt „Das grüne Rollo“ und scheint ein Phantasiegegenstand eines Zehnjährigen zu sein und der Roman spielt auch im Jahr 2050, wo der Zehnjährige inzwischen vierzig ist, als Astronaut auf den Mars fliegt und dazwischen sein Leben analysiert, sehr interessant und Arno Geiger, der nach dem zweiten Konzertteil folgte, hat ja auch ein neues Kultbuch, aus dem ich schon in Leipzig hörte „Selbstportrait mit Flußpferd“, danach gab es Standing Ovations für die Musik und dann ging es nach Harland.

Barbara Öhlzelt

Barbara Öhlzelt

Daniel Glattauer

Daniel Glattauer

Der Samstag ist im Krems immer im Literaturhaus der Reihe „Transfair“ gewidmet, wo der in Frankreich lehrende Germanist Klaus Zeyringer zum Thema „Wie wir leben. Wie leben wir?“,  Krieg Flucht, Auseinandersetzungen, Gewalt, etc beleuchtet, vor zwei Jahren waren das Barbara Coudenhove-Kalergi, im Vorjahr Susanne Scholl mit „Emma schweigt“, diesmal dieskutierte er mit Florian Klenk, dem kritischen Journalisten vom „Falter“, Friedrich Orter, der gerade aus Bagdad zurückgekommen ist und Julya Rabinowich,  die ja auch bei Asylwerbern dolmetscht, über das Thema Grenzen und es gab Beispiele aus den Büchern drei.

Julia Rabinowich las ein Stück aus ihrer „Erdfresserin“, Florian Klenk der Erwin Egon Kisch und Max Winter, als seine Vorbilder nannte, las wieder ein trauriges Kapitel aus einer „Kremser Jagd“ wurde da ja vor fast zehn Jahre ein jugendlicher ASO Schüler bei einem Einbruchsversuch im Kremser Merkur-Markt von einem Polizisten erschoßen.

Danach ging es hinaus zur Weinwanderung, beziehungsweise zum zweiten Lyrikpunkt mit Sabine Gruber und Christoph W. Bauer, den ersten mit den Lyrikern, deren Gedichte verteilt wurden, hat es schon am Vormittag in einer Galerie gegeben und wir wanderten durch die Weingärten des Nikolaihofs, dessen Geschichte bis in die Römerzeit zurückgeht, das heißt dort hinauf, wo ich vor Jahren spazierengegangen bin, als ich noch diese Werbefahrten machte, jetzt erklärte Niki Saas genau seinen biologischen Weinbau, danach gings zurück ins Literaturhaus, wo Erwin Einzinger, den ich bisher nur vom Namen herkannte, aus seinem „Kirgisischen Western“ ein kleines Stück las, wo zwei polnische Studenten ohne Geld durch Norwegen trampen und es ein Kapitel gibt, wo es um Wolken geht.

Roland Neuwirth Trio

Roland Neuwirth Trio

Rosa Pock & Raphael Urweider

Rosa Pock & Raphael Urweider

Danach ging es wieder hinauf nach Göttweig zur sogenannten zweiten langen Lesenacht, die diesmal Gertrud Klemm mit  „Aberland“ gegann, gefolgt von Jens Steiner, einem Schweizer der 2013 mit „Carambole“ auf der dBp Longlist stand und damit auch den Schweizer Buchpreis gewonnen hat.

Er las ein Stück daraus, wo es um drei alte Männer geht, die eben Carambole spielen und dabei zum Thema passend, viel trinken.

Die musikalischen Einlagen wurden am Samstag von der „Hudaki Village Band“ aus den ukrainischen Karpaten gestellt, die sich selbst als Hochzeitsmusiker vorstellten und sehr viel Schwung in den Brunnensaal brachten.

Danach folgte die Georgierin Nino Haratischwili mit ihrem Kultroman „Das achte Leben für Brilka“, der immer noch sehr viel Ausehen in den Blogs erregt, womit sie die letzten hundert Jahre georgischer Geschichte an Hand des Großvaters der Ich-Erzählerin, der in Budapest das Kunstwerk eines Chokaladiers erlernte und es nach Georgien bzw. in den SU brachte, erzählten wollte.

Christoph Mauz

Christoph Mauz

Am Friedhof in Stein

Am Friedhof in Stein

Robert Seethalers Kultroman „Ein ganzes Leben“, den ich schon im „MUSA“ hörte, folgte, den Schluß des Lesereigens bildete Daniel Glattauer mit seinem letzten Roman, den ich schon gelesen habe und stieß mehrmal mit seinem Patenwein auf das Publikum an.

Eine Diskussion warum es sowenige Winzerinnen gibt, als einzige Frau kam nur am Schluß Barbara Öhlzelt mit einem grünen Vetliner auf die Bühne, ob diese Arbeit für Frauen zu schwer ist, gab es am Schluß und interessant, dazu ein Murren und ein Buhen für den Weinmoderator aus dem Publikum, der daraufhin versprach, für das nächste Mal mehr Patinnen zu suchen und Sylvia Treudl wünschte den Frauen mehr Mut „Ich bin Winzerin statt die Gattin vom Starwinzer sowieso!“, zu sagen, so daß wir auf die Zukunft, die Termine für das nächste Mal stehen schon im Internet, gespannt sein können.2

Am Sonntag schloß es dann wieder mit  einer Sektmatinee, beziehungsweise einer H.C. Artmann-Hommage, die musikalisch vom „Roland Neuwirth Trio“ begleitet wurde, das mir sehr gut gefallen hat.

Rosa Pock, die Artmann-Witwe, stellte zuerst mit dem Schweizer Rafael Urweider, die acht Gedichte vor, die in der Sonderpublikation enthalten sind.

Dann dam der Schauspieler Christoph Mauz mit einem Artmann-Programm und las da einige Gedichte und Prosa-Stücke, die zum Teil sehr bekannt waren, wie die Geschichte mit dem „Zoro“ beim Würstelstand, aber auch „Warte, warte, nur ein Weilchen, dann kommt Artmann mit dem Hackebeilchen“ und ich habe den 2000 verstorbenen Dichter, einmal bei einer GAV-Jubiläumsveranstaltung gehört und kann mich da an einem schlanken Mann mit weißen Anzug und Spazierstock erinnern, aber vielleicht täuscht das Gedächtnis auch.

Gedenkstein für die politischen polnischen Häftlinge in Stein

Gedenkstein für die politischen polnischen Häftlinge in Stein

Gedenkstein für die politischen griechischen Häftlinge in Stein

Gedenkstein für die politischen griechischen Häftlinge in Stein

Es gab auch, glaube ich, eine Veranstaltung im Literaturhaus, da weiß ich aber nicht so genau, ob die zu einem runden Geburtstag oder schon zum Gedenken war und vor zwei Jahren, war kurz vor der „Literatur und Wein-Session“ im „Wien Museum“ in der Bartensteingasse, auch ein Symposium zur „Wiener Gruppe“, wo sehr viel von H.C.s poetischen Akt gesprochen wurde. Rosa Pock ist da auch aufgetreten. Es gibt einen „H.C. Artmann-Preis“, den meistens experimentelle Lyriker bekommen und ich war ich auch einmal bei einer „Dracula, Dracula-Veranstaltung“, in der Kremser Minoritenkirche, wo früher die „Theodor-Kramer-Preise“ vergeben wurden.

Es gab auch eine kleine Ausstellung in der Bibliothek des Literaturhauses wo der Verleger Christian Tanhäuser „seine Kostbarkeiten aus dem Artmann-Archiv“ zeigte, aber da hatten wir eigentlich nicht mehr sehr viel Zeit, denn um drei gab es ja diese Kranzniederlegung am Steiner Friedhof, die auf die Ereignisse im April 1945 hinweisen sollte.

Der Alfred hatte in einem Landgasthaus bei Mautern einen Tisch bestelt, so daß wir fast ein bißchen zu spät kamen und ich staunte über die vielen Besucher der Veranstaltung.

Eva Jancak

Eva Jancak

Gedenkstein für die Bediensteten in Stein

Gedenkstein für die Bediensteten in Stein

Ein Bus war aus Wien gekommen, wo ich einige Bekannte aus der eher politischen Ecke sah. Der polnische Botschafter hielt eine Rede, denn im Krems ist außer dem Massaker am sechsten April noch etwas anderes passiert, am fünfzehnten April sind noch  Wiederstandskämpfer, darunter einige Polen, hingerichtet worden und denen wurde gedacht.

Dann ging es zur Strafanstalt, wo es schon einen Gedenkstein gibt, hier hat Robert Streibel ein Stück aus seinem Buch gelesen, eine Straße wurde nach einem der Gefangenen benannt und im Gefängnis, wo es auch einen Gedenkstein gibt, wurde  die Filmdokumentation „Die Helden von Stein“ von Piotr Szalsza und Zofia Beken gezeigt, der in ORF III am 9. Mai ausgestrahlt werden wird.

Alles sehr lang und ausführlich mit vielen Reden und auch noch Brot und Wein, leider wieder nur weißen und eigentlich wollte ich nur kurz  die Ausstellung „Stein 1945“, die die Geschichte einiger der Widerstandskämpfer zeigt, in der „Galerie Kultur Mitte“, wo wir schon bei Lesungen von Ruth und Robert waren, sehen.

Dort waren wir dann auch und so hat sich die Politik mit der Literatur ganz schön vermengt, aber natürlich gibt es da Überschneidungen und man kann das eine nicht vom anderen trennen.

So ist Claudia Romeder vom „Residenz-Verlag“ bei der Matinee gewesen, um Flyer  von H Cs gesammelter Prosa, die in zwei Bänden im Herbst erscheinen soll, aufzulegen und die Uli, die ich vom „Siebenstern“ kenne und die jetzt die „KritLit“ in der Brunnenpassage organisiert, war bei den Gedenkveranstaltungen und hat mir auch einen diesbezüglichen Flyer übergeben, aber da werden wir wahrscheinlich auf Urlaub sein.

Und um noch einmal auf „Literatur und Wein“ zurückzukommen, da habe ich ja vor kurzem einen diesbezüglichen Krimi gelesen, der allerdings in der Schweiz spielt, habe selber einmal ein Buch geschrieben, das sich mit dem Wein, beziehungsweise seinen Kehrseiten beschäftigt und über das „Weinwandern in Nußdorf an der Traisen“ habe ich auch einmal geschrieben und das wird nächste Woche wieder stattfinden und den Elsaß-Urlaub kann man ja auch irgendwie, als das beschreiben, auch wenn die Literatur, die ich dort gelesen habe, vielleicht ein bißchen allgemeiner war.

Inzwischen habe ich in Ö1 die ankündigung zu einem Literaturfestival bei der „Wasnerin“ mit ich glaube ziemlich identen Programm gehört, wo man auch Gratiskarten gewinnen konnte, was mich ein bißchen traurig machte, denn die „Großen“ werden immer wieder eingeladen, während die Kleinen sich an den Orten der Alltagsliteratur für fünf Euro selber nominieren können und dann wahrscheinlich kaum Publikum haben, weil ja alle nur das angeblich Größte, Schönste, Beste wollen.

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