Literaturgefluester

2015-04-14

Exodusroman

Filed under: Bücher — jancak @ 15:41
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Nach Ungarn mit Literatur eines ungarischen Autors, diese Tradition habe ich mir vor einiger Zeit angewöhnt und es gibt auch verschiedenes Ungarisches auf meiner Leseliste bzw. Bücherstapeln, so wartet noch eine Anthologie, von Sandor Marai habe ich mir das letzte Jahr etwas mitgenommen und ungelesen wieder zurückgebracht, genau, wie von György Dalos und da Ungarn 2000 Gastland auf der Frankfurter Buchmesse war und Walter Famler zu diesem Zweck in der „Edition Wespennest“ einige Bücher herausbrachte, die dann bei den Büchertürmen, der „Literaturur im März“ zu finden waren, habe ich mir diesmal Janos Köbanyai nach Bük mitgenommen und hatte, zugegeben auch einige Vorurteile, weil ich dachte, experimenteller Autor und schwer zu lesen.

Wie man sich irren kann, hatte ich doch von dem 1951 geborenen Autor, der als Schriftsteller und Fotograf in Budapest lebt oder lebte, noch nicht viel gehört, im Netz ist auch nicht sehr viel zu finden und irgendwie ist dieses Schicksal aus einem ungarischen Waisenhaus, die Lebensgeschichte einer ungarischen Jüdin, am Buchrücken steht, Tatsachenroman, auch experimentell, weil knapp und schnörkellos erzählt, aber leicht und rasch zu lesen und auf jeden Fall interessant, gibt es doch Parallelen zu vor kurzem Gelesenen einer Frühjahrsbucherscheinung.

Nimmt die Ich Erzählerin auf ihren Exodus nach Israel „doch ein eingeschmuggeltes Buch von Hanna Szenes“  auf ihre Schiffreise mit und von dieser jüdischen Widerstandskämpferin, die am 7. November 1944 in Budapest hingerichtet wurde, die auch Gedichte geschrieben hat, hat ja auch Schulamit Meixner in ihrem kürzlich erschienenen Roman „Bleibergs Entscheidung“ geschrieben.

Im „Exodusroman“, der 1998 in Ungarn erschienen ist und, wie ich dem Klappentext entnahm, „bei der Kritik und bei den Lesern enorme Resonanz auslöste“, wird das Schicksal eines Mädchens, das, obwohl die Eltern in der Nähe wohnten, in einem jüdischen Waisenhaus aufwuchs, auf knapp hundert Seiten  lapidar erzählt.

Vom Hunger und der Gewalt in diesem Waisenhaus wird berichtet, es gibt einen Bruder und einen Vater und eine Mutter, die wechselnde Beziehungen zu verschiedenen Männer hat und sich. um die Kinder nicht zu kümmern scheint, obwohl der Kontakt zu ihr, bis Israel besteht.

Die Deportation in ein Arbeitslager und die Verschiffung nach dem Krieg auf dem Luxusschiff „Exodus“ wird berichtet. Vorher haben die Kinder, beziehungsweise jungen Erwachsenen, längere Zeit in verschiedenen Hotels, die zu Kinderheimen umfunktioniert wurden, verbracht.

Es gab den Versuch den Vater zum Mitkommen zu überreden, der dies jedoch ablehnte, mehrere Trennungen und Wiedervereinigungen mit dem Bruder und auch eine seltsame Scheu der jungen Frau  sich mit Männern einzulassen, die wohl aus der Erfahrung mit ihren eigenen Eltern erklärt werden kann.

In Israel läßt sie sich als Krankenpflegerin ausbilden, geht, weil sie keine Bücher hat, heimlich in medizinische Vorlesungen, wird da zuerst vom Professor hinausgeschmissen, später bringt er ihr selbst medizinische Bücher und sie schließt auch als Beste in ihrem Jahrgang ab.

Dann meldet sie sich zum Militär als Lazaretthelferin, wird dabei verletzt, setzt es aber durch, weiter ihren Dienst zu machen.

Sie heiratet schließlich doch, kann aber keine Kinder bekommen, weil man ihr in dem Lager, in dem sie interniert war, Medikamente in das Essen mischte, die zur Unfruchtbarkeit führen sollten.

So kam es zu fünf Fehlgeburten, so daß sich ihr Mann  von ihr scheiden läßt. Sie kümmert sich dann zuerst, um die Kinder ihres Bruders, wird auch Vorsteherin eines Heimes für asthmatische Kinder, bevor sie einen Witwer mit vier Kinder kennenlernt und ihn schließlich heiratet.

Wie weit dieser „Tatsachenroman“ einem authentischen Schicksal entspricht und wie der Autor dazugekommen ist, diese Geschichte zu erzählen, ist dem dünnen Bänchen nicht genauer zu entnehmen.

Es gibt aber ein Glossar, das die verschiednenen jüdischen und israelischen Ausdrücke, die verwendet werden, erklärt.

Die Übersetzung stammt von Karlheinz  Schweitzer.

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