Literaturgefluester

2015-04-15

Moderne Erzähler der Welt: Ungarn

Filed under: Bücher — jancak @ 12:59
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„Moderne Erzähler der Welt“, heißt die Reihe, wo es Bände über Mexiko, Ägypten, Türkei, Westindien, Argentinien etc, gibt, ich habe, glaube ich, die mit Literatur aus Ungarn und Mazedonien in den Schränken gefunden und den über Ungarn diesmal nach Bük migenommen.

Das mit den modernen Erzählern ist differenziert zu verstehen, ist der Band aus dem Institut für Auslandsbeziehungen, doch 1975herausgegeben und das, was dort als modern gilt, heute höchstwahrscheinlich schon veraltet, dab es damals doch noch den eisernen Vorhang und die Erzähler beziehen sich nicht nur auf den zweiten, sondern auch auf den ersten Weltkrieg, was für die heutigen Lesegewohnheit vielleicht  schon ein bißchen ungewöhnlich ist.

Ein Vorwort gibt es auch und dann geht es los mit dem 1883 geborenen und  1954 verstorbenen Lajos Nagy, dessen „Weltkrieg  zwischen Haar und  Kahl, wohl eine witzig, ironisch satirische Kriegsbewältigung darstellt.

Laszlos Nemeths „Gendarmenlist“, 1901-1975, ist da schon direkter, da wird die Naivität der hochschwangeren Kathi geschildert, die von ihren Jani zwar sitzengelassen wurde, deshalb ist der Vater, ein Bauer bös auf sie, er ist aber auch einer der Roten, hat sich politischbetätigt, wird gesucht, muß sich verstecken, so schickt er Kathi eine Bohnschaft, daß sie mit Geld und Esen zum Bahnhof einer bestimmten Stadt kommen soll.

Sie ist aber noch nie mit dem Zug gefahren und kennt sich auch sonst in der Welt nicht gut aus und eine Hochschwangere, die mit einem Bündel zum Bahnhof eilt, dem Vater hat sie das Geld inzwischen aus einer Kasette gestohlen, fällt auf und einer der Gendarmen, den sie auf dem Weg begegnet, ist auch so schlau, Zivil anzulegen, ein Fahhrad zu nehmen und ihr zu folgen.

Sie verrät ihm auch alles, als er ihr Janis Namen nennt, weil sie glaubt, es sei einer seiner Kameraden, so wird er verhaftet und hingerichtet und athi kommt an der Stelle wo er baumelt, dann auch nieder.

Schlimm, schlimm die Geschichte, wie wohl auch die von Peter Veres,  1897-1970, die eine Kindheit in Armut, geschildert von einem kleinen Buben, der als „Muttersöhnchen“, der Vater ist nie da, erzählt. Die Mutter schimpft sehr viel und schlägt ihn auch, wenn er weint, denn das galt damals als Schande und nur das Kind, als artig, das wenig bis gar nicht weint. Trotzdem liebt er seine Mutter und sie ist auch lieb zu ihm und eines Tages zeigt sie ihm einen Brief, obwohl er noch nicht lesen kann. Der Vater kommt nach Haus, so will sie den Ofen heizen um Brot zu backen und Kuchen auch.

„Willst du Kuchen oder Strudel?“, fragt sie ihn.

„Ja, Pogatschen und Kuchen mit Marmelade!“, antwortet er freudig, es ist aber nur ein wenig Mohn da und Holz zum Heizen auch nicht. Das muß erst besorgt werden.

Nicht stehen, so nennt man das nicht und das machen auch alle, daß sie nachts ausziehen und sich das Holz vom Gut holen, die Mutter nimmt das Kind als Verstärkung mit, wird vom Verwalter erwischt. Da sieht er seine starke liebe Mutter, das erste Mal weinen und der „Kindeszorn“ ist erwacht, der später vielleicht zur Revolution führen wird.

Der 1928 geborene und 1972 gestorbene Laszlo Kamondy erzählt in „Das letzte Spiel“ auf sehr satirische Weise von einem Tennispiel in der Nazizeit in einem vornehmen Kurort am Plattensee zwischen einem deutschen Mayor und einem ungarischen Gymnasiasten.

Der Junge gewinnt, der Pfarrer, das Zigeunermädchen Gyöngyi und noch einige andere nehmen dabei auf mehr oder weniger unterschiedliche Weise Anteil und Ferenc Santas Geschichte, 1927 in Siebenbürgen geboren, heißt gleich „Nazis“ und erzählt, was passiert, wenn die Besatzer in ein kleines Dorf zu einem Hirtenjungen und seinem Großvater kommen.

Dagegen erzählt Aron Tamasi 1897-1966, ebenso aus Siebenbürgen in „Erlösung“ die Geschichte einer Herbergssuche, während György G. Kardos, 1925 in Budapest geboren, von dem ich ,glaube ich, „Die sieben Tage des Adam Bogatir“ auf meinem Harlander Lesestoß liegen habe, in „Theophile Gautier muß man einfach lieben“, wieder satirisch vom großen Krieg erzählt.

Da strandet der Held dessen Kleidung aus Uniformteilen der verschiedenen Nationen besteht, Schuhe hat er keine an den Füßen, in Bulgarien, eigentlich will er nach Budapest, wird aber nur bis Vidin mitgenommen, wo ihn alle, wahrscheinlich weil der Krieg zu Ende ist, beschenken und er einige Tage mit einer Gymnasiastin herumzieht, die ihm ständig französische Dichter zitiert, weil sie die Tochter eines Gymnasiallehrers ist.

So weit bin ich, glaube ich, bei meinem diesmaligen Ungarn Aufenthalt gekommen, werde das Buch wieder in das Regal zurückstellen oder auf die Stapel der ungelesenen Bücher legen, um es bei meinem nächsten Badeaufenthalt, sofern es einen geben sollte, weiterzulesen.

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