Literaturgefluester

2015-04-21

Lesetheateraufführung Irmgard Keun

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:07
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Eigentlich habe ich ja heute in die Hauptbücherei zur Präsentation des Kafka-Buchs, das für den Leipziger Sachbuchpreis nominiert war, gehen wollen und gestern doch in die „Alte Schmiede“ zu Robert Streibel und Erich Hackl, dann habe ich aber gesehen, daß in der Hauptbücherei Marlene Schachinger ihre bei „Septime“ erschienene Anthologie präsentiert und Ruth Aspöck, die ich angerufen habe, um ihr zu erzählen, daß sie im „Literaturmuseum“ in einer Endlosschleife zu sehen ist, sagte mir, daß am Dienstag im Literaturhaus ihre Lesetheateraufführung zu Irmgard Keuns „Nach Mitternacht“ stattfindet und als ich am Montag in die Hauptbücherei gekommen bin, streckte mir Ottwald John das diesbezügliche Flugblatt entgegen und erzählte mir stolz, er hätte am Sonntag der Warteschlange vor dem „Literaturmuseum“ etwa hundert solche Zettel verteilt.

Also umdisponiert, obwohl ich Irmgard Keun schon gelesen und bereits wieder vergessen habe, denn in den Siebzigerjahren hat sich die brave Psychologiestudentin in der Otto Bauer Gasse, die Zeitschrift „Emma“ gekauft und da wurde die 1905 geborene und 1982 verstorbene Irmgard Keun wiederentdeckt, ihre Bücher wieder herausgegeben, die ich mir kaufte, eines davon oder mehrere sind auch als Fortsetzungen in der Zeitschrift „Frau“ erschienen, die meine Mutter ja regelmäßig gelesen hat.

Inzwischen ist die Keun wieder vergessen, Ruth Aspöck war aber im Sommer in der Schriftstellerwohnung in Venedig, die einmal Anita Pichler gehört hat und hat da „Nach Mitternacht“ entdeckt, sie hatte seltsamerweise noch nie etwas von der Schriftstellerin gehört, war aber begeistert und bereitete eine Lesetheateraufführung mit Ottwald John, Christa Nebenführ, Andrea Pauli, Birgit Schwaner und Helga Golinger vor und brachte eine sehr genaue Einführung in das Leben der Autorin, die einem nichtjüdischen Bürgerhaushalt entstammte, Stenotypistin war und dann wahrscheinlich mit „Gilgi eine von uns“ begonnen hat, einen aufmüpfigen neuen Frauenroman zu schreiben, den die Nazis, als sie an die Macht kamen verboten haben, so daß sie nach Ostende fliehen mußte, dort in den Kreis der Emigranten aufgenommen wurde, mit Joseph Roth befreundet war, den Krieg dann versteckt bei ihren Eltern unter falschen Namen überlebte, „Nach Mitternacht“ ist in einem Exilverlag erschienen, dann gibt es noch „Das kunstseidene Mädchen“, „Das Mädchen mit dem die Kinder nicht verkehren durfgten“ und und und.

Wie geschrieben, die meisten Romane habe ich gelesen und schon wieder vergessen und war so überrascht über den frechen Ton, in dem sich die junge Frau über die Nationalsozialisten lustig machte und die Geschichte eines jungen naiven Mädchens namens Sana erzählt, die von der neuen Zeit und der Politik überrascht wird, obwohl sie sich eigentlich nur für die Liebe und das Leben interessiert.

Die Politik kommt ihr aber in die Quere und ihr Freund Franz wird von einem Denuzianten als Kommunist vernadert, als er  um zu heiraten einen Zigarettenladen aufmachen will, als er aus dem Gefängnis freikommt, bringt er den Verräter um und muß mit ihr nach Mitternacht nach Rotterdam fliehen.

Das Literaturhaus sehr voll, Erika Brunngraber, Frau Widhalm, die literarisch interessierte Dame, die ich in der „Gesellschaft für Literatur“ kennenlernte, Christian Katt, den ich schon vorher beim Bücherschrank, in dem einiges sehr interessantes zu finden war, getroffen habe, Ingeborg Reisner, die selbst ein Buch geschrieben hat, Werner Grüner und und und.

Die Ruth hat einen Teil ihrer Edition mitgebracht, die man sich gegen Spenden nehmen konnte, es gab nachher wieder Gespräche und Wein und eine junge Frau, die sich für das Lesetheater zu interessieren scheint, wurde von allen Seiten angeworben und es istauch eine interessante Sache, denn die Keun, ist inzwischen wieder sehr vergessen, hat aber einen wirklich interessanten frischen Ton, obwohl sie das Leben dann offenbar selber nicht so frisch fröhlich schaffte, sondern dem Alkohol und den Tabletten zugegriffen hat und auch mehrere Jahre in geschlossener Spitalsbehandlung war.

 

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