Literaturgefluester

2015-05-05

Stimmen

Es ist ein sehr poetischer, leiser, psychologischer Krimi, den die  1936, bei Fiesole geborene Dacia Maraini, die einige Zeitlang, die Gefährtin Alberto Moravias war und von der ich schon „Bagheria“ und „Kinder der Dunkelheit“ gelesen habe, da erzählt.

Eine sehr psychologische Geschichte, die auch Zeit für scheinbar Nebensächliches hat und sehr stimmungsvoll Szenen des römischen Alltagsleben der Neunzehnneunziger Jahre so nebenbei erzählt und außerdem war sie, die Feministin, wie ich „Wikipedia“ entnehme, eine der ersten, die das Thema Gewalt an Frauen, Kindesmißbrauch etc, salonfähig bzw. in die Literatur hinein brachte.

So handeln ja auch die „Kinder der Dunkelheit“ davon und da gibt es auch schon die zahnspangentragende Kommissarin Adele Sofia, halb Südtirolerin mit Tiroler Stube, halb Sizilianerin, die auch noch mit einer Frau zusammenlebt, die taucht in dem, wie am Buchrücken steht, „raffinierten Psychothirller“ wieder auf, die Protagonistin ist aber die Ich-Erzählerin Michela Canova, eine Rundfunkjournalistin, wahrscheinlich Dreißigjährig, die von einem Fortbildungsseminar in Mailand in ihre römische Wohnung zurückkehrt und von der Hausmeisterin Stefana erfährt, daß ihre Nachbarin Angela Bari mit mehreren Messerstichen ermordet wurde.

In siebenundfünfzig Kapitel wird der Fall nun aufgeklärt und „Stimmen“ heißt das Buch, weil die Rundfunkjournalistin, die oft am Mischpult sitzt, die Musik auflegt und sich über den Psychiater Baldi ärgert, der zu Hause, den weiblichen Anruferinnen, die ihm ihre Probleme schildern, oft seltsame Antworten gibt, ein Faible für Stimmen hat.

So läuft sie ständig mit ihrem „Nagra“ herum und nimmt die Stimme von Anglela Baris Verwandten und Bekannten auf, denn ihr Rndfunkdirektor hat ihr auch ein Angebot gemacht eine Serie über ungeklärte Gewalttaten an Frauen zu machen und die will sie an Hand des Falles ihrer Nachbarin aufrollen und die hat offenbar auch auf ihrem Antwortbeantworter angerufen und hat ihr dort ihre Stimme hinterlassen

Es gibt noch eine Reihe anderer seltsamer Begegnungen, so eine Inschrift an der  Hauswand gegenüber, die ständig wechselt, bzw. vom Hausmeister überpiselt wird, „KÜMMERDICH UM DEINEN EIGENEN DRECK!“, beispielsweise ist eine davon. Dann gibt es noch die Beschreibung eines seltsamen Mannes, der im Haus herumschleicht und einmal sogar mit Michela im selben Aufzug fährt.

Von dem hat Angelas Schwester Ludovica, eine chronische Lügnerin und ehemalige Psychiatrieoatientin Michela erzählt und während im Rundfunk Professor Baldi, den Frauen seine Ratschläge gibt, ruft eine Prostiutierte namens Sabrina an und erzählt, Angela hätte auch diese Profession ausgeübt.

Da kommt dann der Zuhälter Nando ins Spiel, er ist der Mann in Aufzug und er dingt auch in Angelas Wohnung ein, um dort eine Kassette zu entwenden und sie Michela zuszspielen und da wären wir wieder bei den Stimmen, denn darauf ist die von Angela, die Märchen erzählt, die alle von Töchtern und ihren gewalttätigen Vätern handelt.

Adele Sofia, die Michela ständig zum Essen einlädt und sehr gute Knödel macht, nimmt das nicht ernst, Nando Pepi wird aber doch verhaftet, als er sich im Gewand eines Scheichs nach Kuweit aus dem Staub machen will.

Seine DNA beweist aber, er war es nicht. Zwar hat sich inzwischen auch die Prostiutierte Sabrina umgebracht, die Spur weist aber weiter, zum Stiefvater Glauco Elia und sogar zu Michelas Freund, Marco, der sich gerade in Angola befindet und dort unerreichbar ist.

Der Stiefvater, der inzwischen von der Mutter Auguster geschieden ist, eine dreißigjährige jüngere Kindfrau geheiratet hat, die gerade in der Nacht des Mordes ein Kind gebiert, so daß der Bildhauer vorrübergehend ein Alibi hat.

Michela macht sich auf den Weg zu seinem verwunschenen Haus, rettet dabei eine verletzte Schildkröte, sie ist, wie die ermordete Angela sehr tierliebend, hat die doch immer ein Kilo Hackfleisch gekauft um die herumstreundenden Katzen damit zu füttern, was heute wohl verboten wäre.

Der Bildhauer schickt Michela aber auch ein Tonband, während er sich an einen sicheren Ort begibt, auf dem er von seinen Kindfrauen, beziehungsweise Beziehungen seinen Stieftöchtern erzählt und richtig Micheala verstorbener Vater taucht in ihren Träumen und Visionen auch immer auf und ich habe 2015, dank der offenen Bücherschränke einen inzwischen wahrscheinlich längst vergriffenen Krimi gelesen, der sehr eindringlich von der Gewalt an den italinischen und wahrscheinlich auch anderen Frauen erzählt und nachweist, daß Thriller auch sehr leise sehr poetisch und manchmal surreal sein können.

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