Literaturgefluester

2015-05-09

Die Dachkammer

Filed under: Bücher — jancak @ 00:09
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„Die Dachkammer“ der erste Roman, des 1935 in Subotica geborenenen und 1989 in Paris gestorbenen jugoslawischen Schriftsteller Danilo Kis ist ein Fund aus dem Bücherschrank, ausgeschieden aus der „Freizeitbibliothek der Nationalbank“ und von Danilo Kis ist derzeit oft im Radio zu hören, legt „Hanser“ seine Werke wieder auf, eine Biografie über ihn ist auch erschienen und wurde am vorigen Sonntag in „Ex Libris“ besprochen.

„Die Dachkammer“, ein handlungsarmes Buch, habe ich in einer Rezension, von denen im Netz nicht viele zu finden sind, gelesen, am Klappentext steht etwas von einem übermütigen Liebes- und Künstlerroman, der auch eine Parodie von Künstlerromanen darstellt.

So kann man den zwischen 1959 und 1960 in Belgrad geschrieben Roman, auf Deutsch ist er 1986 bei „Hanser“ erschienen und ich glaube, noch erhältlich, wohl auch bezeichnen.

Geht es da ja um einen Orpheus, das ist ein Dichter, und um eine Eurydike, das ist seine unglückliche Liebe und um einen Astronomen namens Bock Allwissend, es geht auch, wie schon der Name sagt, um eine Dachkammer, die scheint, habe ich auch irgendwo gelesen, sich in Belgrad zu befinden, ich hätte eigentlich auf Paris getippt, gibt es in dem Buch ja ganze Passagen auf Französisch, es wurden allerdings auch ein paar Worte im Original auf Deutsch geschrieben.

In der Dachkammer gibt es Ratten, Mäuse, Schaben und so flüchtet der Dichter auf Reisen in die Südsee, als er von dort zurückkommt, bringt er Muscheln mit und Bock Allwissend hat sich inzwischen an die Hausmeisterin herangemacht, die ihm Modell steht, soll sie doch in dem Roman den er schreibt als Prototyp aller Hausmeisterinnen vorkommen, das ist wohl die Parodie auf das Künstlerleben.

Seitenweise kommen auch Inschriften, Speisekarten und andere experimentelle Passagen vor, die auf Latein hätte ich jetzt ganz vergessen, das bezieht sich wahrscheinlich auf das übermütig.

Eine Handlung nachzuerzählen ist schwer, gibt es ja nicht wirklich eine solche, obwohl das Buch mehrere Kapitel hat, es gibt aber einige sehr eindruckvolle Stellen, etwa die wo der Held eine Hundemarke findet und sich dann einen Ring daraus schmieden will, die Freunde wollten auch ein Lokal gründen, deshalb die seitenlange Speisekarten und dort salzige Sardellen gratis servieren, damit sich die Gäste extra viel Wein dazu bestellen, das Projekt geht aber schief und am Schluß kommt Orpheus in die Dachkammer zurück um einen Roman über die solche zu schreiben.

Richtig, die Laute kommt natürlich auch vor und wird von der Hausmeisterin für eine Flöte gehalten und einer erzählt Orpheus noch, wie es kommt, daß seine Freundin Pelze trägt, obwohl er nur lumpige Anzüge hat.

Er geht in das Kaufhaus während der Stoßzeit, läßt sich den Pelz verpacken, geht dann an die Kasse um zu bezahlen, nur stempelt er das Wort bezahlt selbst auf die Quittung. Warum er das nicht auch bei Anzügen macht, die erstaunte Frage.

„Geht nicht, dann wäre ich ein Dieb!“

Danilo Kis, lese ich auf der „Hanser-Seite“ zählt zu den bedeutensten  europäischen Autoren der Gegenwart. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen, Gedichte und Essays. Neben dem Schreiben arbeitete er auch  als Übersetzer aus dem Ungarischen, Französischen und Russischen.

Interessant also auch seine Biografie zu lesen oder seine neu aufgelegten Romane, so bin ich gespannt, was ich von dem ungarisch serbischen Autor noch zu mir kommt.

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