Literaturgefluester

2015-05-11

Weltbefragung

Der 1965 in Sofia geborene Ilija Trojanow ist ein sehr politischer Mensch und Autor. Weltbürger, der auf den verschiedensten Teilen dieser Erde gelebt hat, ist er auch und ich habe ihn anläßlich des Südafrika Schwepunktes, als es die „Literatur im März“ noch gab, kennengelernt. Da ist er gerade, glaube ich, gerade von Johannesburg nach Wien gekommen, hat das Festival mitkuratiert und sich in Wien niedergelassen. Den „Weltensammler“, sein Kultbuch habe ich vom Alfred einmal zu Weihnachten bekommen und gelesen, dann war ich einmal im Kino bei „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“, inzwischen gibt es den „Überflüssigen Menschen“ und eine Gesprächsreihe im Augarten-Radius zu gesellschafts-politischen Themen, wo ich bei einem Abend war, hat es auch einmal gegeben. Ich war glaube ich auch bei der Präsentation seines Romanes „Eistau“ in der „Alten Schmiede“, der, glaube ich, auch auf der Longlist des dBP gestanden hat. Dann hat es auch ein Bulgarien-Buch gegeben und wahrscheinlich noch viel anderes und jetzt eine neue Gesprächsreihe in der „Alten Schmiede“, wo zum Thema „Weltbefragung“ von ihm „sechs Gespräche mit gelehrten mahnenden und visionären Petrsönlichlichkeiten der Zivilgesellschaft“ geführt werden, wie im „Schmiede-Programm“ steht. Die Veranstaltung ist in Zusammenarbeit mit der Obdachlosenzeitschrift „Augustin“ und heute war der erste Abend mit Christian Felber von „Attac Österreich“ und „Gemeinwohl Ökonomie“, ein Name der mir nicht viel sagte. Den anderen offenbar schon, denn als ich den Kellersaal um dreiviertel sieben erreichte, war es voll, wie sonst vielleicht bei der Friederike Mayröcker und die meisten Leute habe ich nicht gekannt, also nicht die üblichen Stammbesucher. Gut, das Besucherverhalten ist mir immer ein Rätsel und ich verschätze mich meistens dabei und dann kam auch schon Kurt Neumann und stellte die neue Reihe vor, danach folgte Robert Sommer, der Chef oder leitende Redakteur der Straßenzeitung und las einen Text zum Thema Wohlstand, denn das war das Motto des Abends. „Wohlstand ist mehr“ oder „Wohlstand ist meer“, für alle die meine Rechtschreibung anprangern, beides ist richtig, denn es ist dabei um das Meer gegangen, wo die Österreicher in den Sechzigerjahren, als der Nachkriegswohlstand angefangen hat, haufenweise hingefahren sind. Natürlich nicht alle, die Obdachlosen waren nicht dabei und so hat Hubsi Kramer einen Film von vier Straßenverkäufer gemacht, die in Venedig Eis aßen. Und die die aus Afrika, Syrien etceter mit einem Schlepperboot in den europäischen Wohlstand hinüberkommen wollen, finden oft ihr ihr Grab im Meer.

Das war der literarischste Text des Abends, denn der 1972 in Salzburg geborene Christian Felber, der Politikwissenschaften, Romanistik, Psychologie und Soziologie studierte, hat zwar offenbar auch einmal einen Lyrikband herausgegeben, jetzt unterrichtet er seine Wirtschaftsphilosophie aber offenbar auf der WU und er machte gleich weiter damit und hielt einen sehr ökonomischen Vortrag, bei dem zumindest ich mir recht schwer tat, da ich doch sehr am gesellschaftspolitischen Geschehen, weniger aber an der Ökonomie interessiert bin. Ilija Trojanow stellte kurze Zwischenfragen und so ging es eine Stunde lang dahin und es wurde davon geredet, daß der Staat immer autoritärer wird, ein bißchen ging es auch über das gescheiterte Experiment des realen Sozialismus, wie Christian Felber es nannte, dann kehrte er den Psychologien heraus, sprach von Kommunikation, Zuhören und Wertschätzen, danach über die Vermögenssteuer und schließlich über das Glück. Was das Ganze mit dem Wohlstand beziehungsweise, den Wohlstandsverlierern, die die Augustin Straßenzeitung verkaufen, zu tun hat, war mir nicht immer klar. Am Schluß kam aber das Experiment, das nach Christian Felber immer klappt und das beweisen soll, daß sich die Leute doch nicht alle eine Villa am See oder sonstwo wünschen. Denn man sollte die Augen schließen und sich vorstellen, wo man wann im Leben am Glücklichsten war und da kommt dann nur bei den Provakateuren die Villa heraus. Stimmt, ich tat mir recht schwer, den Glücksmoment zu orten, das ist genauso, wie wenn mich jemand fragt, wer mein Lieblingsautor oder mein Lieblingsbuch ist, hu keine Ahnung und dann fällt mir meistens „Thomas Bernhard nicht mehr!“, ein und die „Dämonen“ von Doderer, habe ich einmal gern gelesen, der „Don Carlos“ hat mich einmal fasziniert und noch viel früher „Onkel Toms Hütte“, was vielleicht einiges über meine psychische Struktur aussagt, aber jetzt ging ess ja nicht über Literatur oder doch vielleicht, denn Ilija Trojanow, der sich auch nicht für einen einzigen Glücksmoment entscheiden konnte, sagt wahrscheinlich auch sehr viel aus über den Globetrotter, wies schon am Anfang auf die Bücher von Christian Felber hin,“ die man sich zum Normalpreis kaufen konnte.“ Der fragte dann nach der Buchpreisbindung und es wurde kurz darüber diskutiert, daß es eine Katastrophe wäre, wenn sie fiele. Da habe ich zwar auch eine etwas differenziertere Meinung, beziehungsweise kaufe ich mir die Bücher eher, wenn sie einen, zwei oder höchstens drei Euro kosten und die Leute, um mich herum kamen dann mit ihren Glücksmomenten, wie Tiere, Natur, Taufe und Hochzeit, etc, da ist mir dann schon die literarische Anerkennung eingefallen und die Villa, ich gebe es gerne zu, nicht. Christian Felber war zufrieden, Ilija Trojanow kündete noch einen zweiten Abend mit ihm über das Glück an, aber im Mai und Juni geht es mit Stefan Schulmeister und Konrad Paul Lissmann weiter zur Erforschung, wie man die Lebensbedingungen ändern könnte, einen Infotisch gab es auch mit Foldern übrer das „Gemeinwohl Ökonomie“, offenbar eine soziale Geldanlangeinitiative und mit Stefan Schulmeister kann ich noch anmerken, habe ich einmal gemeinsam in der Rahlgasse gelesen, als dort die Anna in er Schule war und es eine Benefizveranstaltung, um irgendetwas anzuschaffen, ging.

Und im Vorjahr gab es unter Kuration von Angelika Reitzer ja auch eine umfangreiche Veranstaltungsreihe über den gesellschaftlichen Diskurs.

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