Literaturgefluester

2015-05-31

Joseph Roth und der Film

Joseph Roth, der sowohl als begnadeter Prosaschriftsteller, als auch als Journalist und Essayist bzw. Reiseschriftsteller in die Literaturgeschichte eingegangen ist und  in Paris, 1939, als die Faschisten langsam näherrückten, ein schreckliches Ende fand, wird jetzt wahrscheinlich von allen Seiten ausgeschlachtet, wo es noch ein Oatzerl unveröffentlichten Text von ihm zu entdecken gibt.

Es gibt eine „Joseph Roth-Gesellschaft“, dessen Präsident der vormalige Literaturhausleiter Heinz Lunzer ist, so gab und gibt es dort regelmäßige Veranstaltungen und Symposien und Helmut Peschina scheint auch ein Roth-Spezialist zu sein, hat er doch, glaube ich, einige seiner berühmten Romane zu Hörspielen umgearbeitet, die dann den Hörspielpreis gewonnen haben.

Ich habe mich wieder langsam den berühmten Dichter angenähert, „Radetzkymarsch“, den wir in der Wattgasse stehen hatten, habe ich lange nichts anfangen können, die berühmte Kehlmann-Verfilmung in den Siebzigerjahren hat mich entsetzt, lauter alte Herren, die über die vergangene Monarchie schwafeln und die einzige Frau ist eine Hure oder Haushälterin.

Dann habe ich aber zu einem runden Geburtstag eingekauft und inzwischen auch einiges gelesen, war bei einigen Veranstaltungen im Literaturhaus oder anderswo und bin dieser Tage mit dem „Leporello“ in der Früh aufgewacht, wo eine Ignaz Kirchner Lesung im Filmhaus Spittelberg angekündigt wurde, beziehungsweise sich mit Sendung mit Joseph Roth und der Film beschäftigte, obwohl der, wie herausgekommen ist, gar nicht so ein großer Kinofan war, dem Film kritisch gegenübergegstanden ist, aber Helmut Peschina hat mit Rainer-Joachim Siegl im „Wallstein-Verlag“, der jetzt Joseph Roth verlegt, einen Band mit achtundachtzig Kritiken und zwei Treatments herausgegeben und ich dachte mir Joseph Roth und der Film ist interessant, wußte ich ja noch von meiner Zeit der Courths Mahler Lektüre oder wenn ich Gesellschaftsromane, die in den Neunzehnhunderzwanzig- oder dreißiger Jahre spielen, lese, daß es damals viele Kinos gegeben hat und alle Welt dorthin gegangen ist.

Nach der Lesung von Ignaz Kirchner bin ich nicht mehr so davon überzeugt, aber wahrscheinlich war Joseph Roth tatsächlich eher ein Kiono-Skeptiker, hat aber, weil es damals noch keine eigene Kritiker gegeben haben dürfte, auch die Filmbranche mitgenommen und eigentlich war das, worüber er geschrieben oder Ignaz Kirchner gelesen hat, keine Filmkritiken, sondern Gesellschaftskizzen und um Filme ist es dabei relativ wenig gegangen.

So handelt das erste Stück von einer „Faust-Aufführung“ im Regen in Saarbrücken, denn wohin geht man wenn, wenn es regnet?

Joeseph Roth hat sich schließlich für das Kaffeehaus entschieden und im zweiten Stück schreibt er von den Regeln des Films bzw. der Zensur, die dort ausgeübt wird und das ist interessant, bin ich ja vor kurzem im Sigmund Freud Museum gelandet, nicht weil es geregnet hat, sondern weil ich für die „Kolik Lounge“ zu früh dran war und dort wurde gerade in die „Film Noir-Reihe“ eingeführt und der Einleiter sprach  sehr lang darüber, wie die Filme damals nicht sein durften.

Keine Erotik, keine Küsse, etc.

Die frühen Fiulme, die Joseph Roth gesehen hat, durften das, glaube ich, auch nicht und dann durften die Fürsten nicht Fürsten heißen, sondern wurden in Prinzen umgewandelt, weil man die, in den Zeiten, nach den Revolutionen, wo es keine solchen und auch keine Monarchie mehr gab, offebar für die Märchenwelt des Kinos brauchte.

Ein anderer Artikel befasste sich mit dem Unterschied, der Schauspieler zum Premierenpublikum und das man die einen oft nicht von den anderen unterscheiden konnte.

Dann ging, es zu zwei Filmen, die eigentlich auch Theaterstücke waren, nämlich zu den „Nibelungen“ und „Don Carlos“, die Joseph Roth nicht befriedigen konnten, dafür befaßt er sich aber sehr lange und ausführlich mit dem Drehbuchautor oder Filmdichter, Carl Mayer,  wie er ihn nennt, der das Script für den „Letzten Mann“ einen Stummfilm mit Emil Jannings geschrieben hat.

Ein Film, den ich in den Siebzigerjahren im Z-Club, den es damals gab, gesehen habe, der den Untergang eines alten Hotelsportier schildert, der in die Herrentoilette degradiert wird. Dann kommt ein märchenhafter Schluß, ein Millionär stirbt in seinen Armen, hinterläßt ihm seine Millionen und er kann fortan in dem Hotel tafeln.

Damals war ich von dem Film enttäuscht und bin erst später daraufgekommen, weilche Stummfilmjuwele ich da gesehen habe, jetzt war mein Resumee, daß sich die Filmwelt damals relativ „bescheiden“ war, obwohl es, wie Joseph Roth ausdrücklich erwähnte, es „damals schon den Tonfilm gegeben hat.“

Er beschäftigte sich aber auch mit inzwischen längst überholten Fragen, nämlich ob man eine Gerichtsverhandlung im Kino, in der Wochenschau zeigen darf?

Der Richter sagte nein, weil ihm die Geräusche stören.

„Ein anderer wird ja sagen!“, schrieb Joseph Roth und so ist es dann auch gewesen und dann hat sich im Februar 1935, die österreichische Filmkammer ganz reiwillig, der deutschen angeschloßen und Joseph Roth empört sich auführlich darüber, denn dann konnten die Deutschen ausführlich Nazipropoganda in Österreich betreiben, während sich die Österreicher verpflichteten, keine Deutschland schädigende Stoffe zu verfilmen und die Schauspieler, es hätte sonst dretausend Arbeitslose gegeben, konnten sich zwar nach Deutschland begeben, sie mußten aber natürlich arisch sein.

Damit schloß Ignaz Kirchner seine begnadete Lesung, es gab noch ein Gespräch, beziehungsweise, erzählten die Autoren ein bißćhen was über das Umfeld in dem Joseph Roth geschrieben hat.

Er hat in Wien bei den Zeitungen begonnen, ist dann nach Berlin gegangen und dort 1923, als Jounalist berühmt geworen, dann in Paris, wo er unter Geldnot litt, hat er auch einige Treatments seiner Bücher verfaßt, die allerdings nie verfilmt worden sind.

Es gab anschließend die Bücher zu kaufen und auch einige Bekannte im Publikum, so bin ich neben Claudia Erdheim gesessen, hinter mir saß Herbert J. Wimmer.

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