Literaturgefluester

2015-06-01

Das Museum in der Literatur

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:09
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Literatur im Museum, da gab es ja, wie heute auch Bernhard Fetz bemerkte im Vorfeld der Eröffnung massiven Widerstand auf Seite der Autorenschaft vor der Musealisierung, deshalb vielleicht die erste Vorlesung zur österreichischen Literatur, die ab nun auch im „Literaturmuseum“ stattfinden wird, auch von Konstanze Fliedl zum „Museum in der Literatur“

Konstanze Fliedl, die 1955 in Linz geborene Literaturwissenschaftlerin, Professorin am „Institut für Germanistik“ für neue deutsche Literatur, vor Jahren Bachmannpreisjurorin, zu Zeiten der wenigen Male, wo ich es mit einem Text dort versuchte, Staatspreisträgerin für Literaturkritik, Präsidentin der Arthur Schnitzler Gesellschaft, Herausgeberin seiner Werke und so weiter und so fort.

Auf jeden Fall eine freundliche Frau, die sich auf Veranstaltungen auch ansprechen läßt und auf Fragen Antworten gibt, so hat sie mir einmal, in Vorzeiten des „Wikipedias“ eines Lebenslauf der Vicki Baum geschickt, denn ich hatte oder habe ja kein Literaturlexikon.

„Die Literatur im Museum“, ein interessantes Thema, wie Direktor Fetz einleitend bemerkte und Konstanze Fliedl hat es in drei Kapitel aufgeteilt, in das „Heer“, in die „Kunst“ und in die „Provinz“ an Hand der entsprechenden Museen.

Da war ich einen Augenblick lang enttäuscht und dachte fast, das würde jetzt langweilig, dann begann Konstanze Fliedl aber mit Marlen Haushofers „Mansarde“, ein Buch, das meiner Sammlung noch entgangen ist und deren Protagonistin in das Arsenal oder in das „Heeresgeschichtliche Museum geht“ und Ingeborg Bachmann hat sich drei Jahre später in „Malina“ auch diesem Ort gewidmet.

Aha, doch interessant, denn nach 1945 dürfte ganz Österreich, wie ich es auch einmal von Klaus Kastberger hören konnte, ins Museum gegangen sein und geschrieen haben, „Wir waren es nicht, wir wollen unseren Kaiser Franz und die Kaiserin Sisi!“

Dann liefen solche Filme in den Kinos. Joseph Roth hat schon etwas früher seinen „Radetzkymarsch“ geschrieben und es hat bis 1973 gedauert, bis sich die GAV gründete und vom konservativen PEN abspaltete.

Das“ Museum in der Kunst“, beziehungsweise, der berühmteste Roman darüber, ist mir dann selbst eingefallen, bin ich ja einmal mit meiner kleinen Tochter im Bahnhof Hütteldorf gesessen, habe die „Alten Meister“ ausgelesen und beim letzten Satz schallend gelacht.

Arthur Schnitzler hat seine Figuren aber schon viel früher ins „Kunsthistorische Museum“ geschickt und jetzt bin ich vor kurzem selber dorthin gegangen, habe mir die Stücke der jüngeren Autoren zu den ausgewählten Bildern angehört und  Konstanze Fliedl hat auch das von der Museumsaufseherin vor dem Bruegel-Bild in das sie sich dann selber hineinphantasiert, bzw ihr Kind von dort hinausnimmt, erwähnt.

Soweit die realen Beispiele, die der Privinz, wie dann auch jemand fragte, sind weitgehend erfunden. Gerhard Fritsch hat das bei „Fasching“ getan, Robert Menasse, Antonio Fian, etcetera etceta.

Am Schluß kam Konstanze Fliedl dann auf das Literaturmuseum zu sprechen und lobte es als Ort, das den Schülern und Studenten, die die Literatur nicht mehr in Schule oder Uni lernen werden, hier Nachhilfe geben könne und Studenten und Studentinnen waren auch zahlreich im Publikum und stellten auch viele Fragen, was man im Gegensatz zu der von Renata Schmidtkunz moderierten Veranstaltung auch durfte.

Eine Frage war die nach dem Museum im Krimi?

„Da weiß ich zu wenig!“, antwortete Konstanze Fliedl.

Krimis gelten ja nicht als hohe Literatur, erwähnte einen der im „Marbacher Literaturarchiv“ spielt, aber der wäre schlecht und da fiel mir Manfred Rumpls „Jäger auf Hasenjagd“ ein, wo es um einen Kunstraub in der Albertina gibt.

Es gibt aber, wie Konstanze Fliedl erwähnte, auch österreichische Autoren, die sich mit ausländischen Museen beschäftigen, Ingeborg Bachmann wäre da wiederein Besipiel, mit dem „Ägyptologischen Museum“ in Kairo im „Fall Franza“ und Evelyn Schlag mit der „Architektur einer Liebe“.

Und da fällt mir jetzt noch das „Sigmund Freud Museum“ und Eva Rossmanns „Freudsches Verbrechen“ ein, einer der besten RossmannKrimis, die ich gelesen habe und am 18. Juni geht es mit den „Archivgesprächen“ im Literaturmuseum weiter, wie Bernhard Fetz noch betonte, denn da wird der vierte Band der Elfriede Gerstl-Werkausgabe vorgestellt und im Oktober gibt es dann noch eine Vorlesung zum Hofarchivdirektor Grillparzer,von dem es, wie Konstanze Fliedl erwähnte, derzeit offenbar keine aktuelle Werkausgabe gibt.

Eine kleine Anmerkung in eigener Sache darf ich zum Schluß vielleicht auch noch machen, kommt in „Kerstins Achterl“ ja das „Kunsthistorische Museum“ auch ein bißchen vor, feiert dort ja der kleine Hektor seinen Geburtstag und Kerstin soll ihn dabei für den Marmeladefeldzug seines Vaters fotografieren.

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