Literaturgefluester

2015-06-06

UnnützesWienWissen-Musik

Filed under: Bücher — jancak @ 00:09
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„Stadtbekannt“ beziehungsweise „Holzbaum“ macht weiter eifrig mit seiner „UnnützesWissenReihe“ und beschert uns solches nun, eh klar, nach Zeiten des Song Contests, der Wiener Festwochen, etc, in Sachen Musik.

Wien und Musik ist sicher ein breites Thema, klischeebeladen und gut für den Export bzw. Fremdenkehr, stehen doch wahrscheinlich nicht umsonst immer mehr junge Männer, die oft aus Polen oder Tschechien kommen, verkleidet, als Mozart auf der Kärntner Straße und bieten denen mit Fotoapparat und Stadtplan in der Hand „Concerts for the evening!“, an.

Es ist wahrscheinlich auch die Frage und zu diskutieren, was eigentlich „unnützes Wissen“ ist und dann auch noch sehr interessant, wie sich dieses verkaufen und vermarken läßt?

Aber wahrscheinlich verkauft sich das „Unnütze“ gerade am besten, könnte ich jetzt frech spekulieren, habe aber schon bei den „Wien-Büchern“, der „Holzbaum-Verlag“ ist ja so lieb und versorgt mich allem und frischt so mein Wissen über die Stadt, der ich ja, ich gebe es zu, sehr verbunden bin, schon weil ich so viel in ihr herumflaniere und sie sehr sehr mag, auf und so würde ich auch das „UnnützeWienWissen“ in Sachen Musik eher als großen Anekdotenschatz bezeichnen, von dem es nicht schaden kann, das Büchlein, vielleicht wenn man zu einem literarischen, musikalischen oder gesellschaftlichen Salon geht, von denen es vielleicht gar keine mehr gibt, in der Tasche trägt und in Gesprächen sein musikalisches Stadt Wien Wissen zu beweisen und solcherart zu brillieren. Vieles davon hat man vielleicht auch schon in der Schule gelernt und mitgesungen, so etwa W. A. Mozarts „unanständige Gstanzerls“ und Briefe an das Bäsle „jetzt wünsch ich eine gute nacht, scheissen sie in das bett, daß es kracht“.

Richtig, das Buch ist in verschiedene Kapitel eingeteilt und da ist das „Mozartliches“ das erste und wir erfahren, daß, was wir vielleicht eh schon wußten, es Mozart Spaß machte, Fäkalausdrücke zu verwenden, er Freimauer war, vom Grafen d`Arco aus dem Haus geschmissen wurde, er einen recht aufwendigen Lebensstil hatte und viel verspielte und sehr viel anderes mehr.

Dann geht es zum Herrn vom Rübenfeld.

„Wer ist das?“, werden meine Leser jetzt fragen.

„Nie von ihm gehört. Etwa ein Wiener Komponist?“

Wir sehen also ganz so unnütz ist der Kauf und die Lektüre dieses Büchleins nicht. Vielleicht kann man es auch bei einer der Präsentationen gewinnen, schmeißt da der Max ja immer ein Bällchen durch den Raum und wer es auffängt, bekommt ein Säckchen mit Bücher aus „UnnützenWien-Reihe“, um hier nicht zuviel „unnütze“ Kauffauforderung zu machen.

Rübenfeld heißt auf Holländisch, habe ich gelesen, offenbar Beethoven und der Ludwig van war gar nicht adelig, sondern ist vom Land, also vom Rübenfeld gekommen. Wieder was gelernt. Sehr gut setzen!

Er war auch und das habe ich schon von der Schule, hatte ich da ja in der Frau Grete Stürmer eine ausgezeichnete Musikpädagogin, ein widerlicher Zeitgenosse, der oft mit Eiern oder anderen schmiß und Sachen, die er nicht brauchte, aus dem Fenster warf. Vielleicht hat das auch mit seiner allmählichen Vertaubung zu tun, die ihn als Komponisten natürlich ärgern mußte und Probleme mit seinem Kopf beziehungsweise seinen Gebeinen, hatte er, wie Papa Haydn auch.

Da greife ich schon vor, denn das Thema Musiker-Anekdoten hat noch ein anderes Kapitel, zuerst geht es aber, wie in Zeiten, wie diesen zu erwarten, zum Song Contest.

Und da könnte man das Wissen vielleicht wirklich unnütz bezeichnen, gibt es ja da schon ein anderes Buch aus dem „Holzbaum-Verlag“ und wenn man es gelesen hat, braucht man das Kapitel vielleicht nicht mehr.

Also lasse ich die Beschreibung aus, um nicht alles stupide von vorne nach hinten nachzuerzählen und damit keine richtige Rezension, sondern nur eine „öde“ Beschreibung zu liefern und gehe gleich zum Wiener Lied über und das ist ein fündiges Thema, denn Wien, Tod und Depression gehören ja zusammen und da kommen die schwarzen Vögel und die Sänger stürzen sich dann aus den Fenstern der Spitäler und damit das Morbide nicht zu ansteckend ist und die Nachahmungsgefahr nicht zu groß, durften manche Lieder im Rundfunk nicht nicht nach zweiundzwanzig Uhr gespielt werden, weil da die Gefahr sich „hamzudrahen“ angeblich am größten ist.

Es gibt Wissenwertes oder Unnützes über Falco alias Hans Hölzl zu erfahren und es gibt das Kapitel „Requiem für Wiens Musiker“

Da erfahren wir, wie groß Franz Schubert war, dieses Wissen ist wahrscheinlich wirklich nicht sehr essientiell für die Leistungsgesellschaft, in der wir leben oder doch natürlich, denn es könnte ja dazu  animieren, daß man es auch als kleiner Mann oder kleine Frau sehr weit bringen kann und, daß er Mitglied der „Unsinnsgesellschaft“ war und dort „Ritter Cimbal“ gerufen wurde. Franz Schubert war auch ein Vielschreiber und hat in seinen einunddreißig Lebensjahren, er ist wie Mozart sehr jung gestorben, über tausend Werke geschrieben.

Und der „Radezkymarsch“ ist nicht nur ein Musikstück von Johann Strauss, sondern ein berühmter Roman von Joseph Roth, dessen Dichte und Genialität sich mir leider nur sehr spät erschlossen hat. Das ist vielleicht auch ein Stück Wien oder Literaturwissen, was nicht besonders interessiert, also wahrscheinlich eher „unnütz“ ist.

Interessant ist vielleicht, wenn wahr, nachprüfen kann man das alles ja recht schwer, daß Anton Bruckner immer „wasserdichte Unterhosen“ trug und sich seine Schüler den Spaß machten Ratten zu konditieren, bei Wagnertönen jagten sie sie herum, bei Brucknerklängen bekamen sie Zucker, was angeblich funktionierte und den Meister in Staunen versetzte.

Von Johann Nestroy, der ja eher Schauspieler und Dichter war, gibt es zu vermelden, daß er sich über die Erhöhnung der Semmelpreise lustig machte und deshalb einmal mit einem Anzug, der statt Knöpfe Semmeln hatte, auftrat, dafür kam er in Arrest und mußte sich entschuldigen. Er tats mit dem Dank dafür „daß die Bäcker ihm in der Nacht Semmeln durch Schlüsselloch gesteckt hätten.“

Ich könnte noch und noch aufzählen, der Anekdotenschatz um die Wiener Musik beziehungsweise Musiker scheint reich und unerschöpflich zu sein.

Ein „Wien Medley“ und ein „Kapitel über den „Austropop“ gibt es auch. Also wer alles Unnütze und vielleicht  auch das Nützliche über Wiens Musik  erfahren will, dem ist dieses Büchlein zu empfehlen.

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