Literaturgefluester

2015-06-12

Eröffnung des Wiener Bücherschmauses

Seit einiger Zeit steht auf meinen Regalen eine Karte mit einer altmodischen Fotografie wo ein kleines Kind mit einem Löffel in der Hand auf einem Polster sitzt und freundlich oder erwartungsvoll lächelt.

„Wiener Bücherschmaus – Macht Gusto auf Literatur!“, steht danaben und ganz ehrlich, so ganz habe ich nicht gewußt, was das ist und was ich damit anfangen soll?

Die Karte ist, glaube ich von Petra Öllinger gekommen, auch eine „mittlere Kollegin“ mit der ich vielleicht Texte in den „Milena-Anthologien“ oder dem „Women Science faction-Sammelband“ habe.

Kennengelernt habe ich sie wahrscheinlich durch den Frauenverlag, Ende des letzten oder Anfang des neuen Jahrtausends, beziehungsweise sind wir, glaube ich, beide zu der „Schreibwerkstatt der Gewerkschaft“ gegangen, die Eveline Haas in dem Gewerkschaftspalais bei der Strudelhofstiege, veranstaltet hat und und zu der ich eingeladen wurde, nachdem ich das erste Mal bei den „Luitpold Stern Preisen“ gewonnen habe.

Dann bin ich ihr durch ihren Blog den „Duftenden Doppelpunkt“ wiedergegegnet, wo ich einmal eine „Anthologie“ gewonnen habe und es öfter sehr schwierige Gewinnspiele zur Arbeiterliteratur gibt, bei denen ich schon mitgemacht habe.

Zum ersten Weltkrieg, dem Schwerpunktthema des vergangenen Jahres gab es wieder so ein Rätsel, da habe  ich  Anfang des Jahres ein Buch gewonnen und da ist, glaube ich die Karte mitgekommen, mit der Aufforderung mich für den „Bücherschmaus“ zu engagieren, Werbung dafür zu machen, etc.

Weil ich nicht genau gewußt habe, was das ist, ist die Karte am Regal stehengeblieben und ich habe darauf vergessen. Aber vor einiger Zeit bin ich durch diese immerwährende Blogger Diskussion, was ein guter Blog ist, auf eine österreichische Germanistin, namens Judith Massar gestoßen, die auf ihrem Blog dem „leseloop“ erstens Ratschläge erteilte, wie man gut bloggt:  keine Rechtschreibfeher, den Übersetzer nennen und nicht spoilern, aber auch nicht verreißen, ect.

Da kann man unterschiedlicher Meinung sein und es gab darüber auch eine größere Diskussion. Ich bin aber auch daraufgekommen, sie bloggt vor allem über die österreichische Gegenwartsliteratur und das ist ja mein Thema und so habe ich ich auf ihrer Facebookseite erfahren, daß vor ein paar Tagen in Wien eine neueB uchhandlung mit einem mehrtägigen Eröffnungsfest eröffnet wird und es da einige Veranstaltungen und ab Donnerstag, den regulären Verkaufsbetrieb gbt und das war der „Wiener Bücherschmaus“ in der Garbergasse.

Da war ich noch immer nicht viel klüger, bin am Mittwoch aber, als es dort Workshops gegeben hätte, mit meiner „Selma“ auf der Terasse gesessen und bis Seite achtundvierzig gekommen, ohne einen Fehler zu finden. Woi ich dann schon frohlockte, das geht sich aus, ich schreibe dann schnell den Text, und ab in die Garbergasse.

Meine Leser wissen wahrscheinlich schon, mitnichten nichts davon, die Fehler sind  schon gekommen und ich bin noch immer nicht fertig,  wollte am Donnerstag aber wieder zum klinischen Mittag, meine psychologisch- psychotherapeutischen Fortbildung, die ich ja auch brauche, gehen und da ist die Garbergasse kein zu großer Umweg.

Also losgestampft und dabei den Stadtplan vergessen, aber weil ich einmal, sowohl in der Otto Bauergasse. als auch in der Gumpendorferstraße wohnte, werde ich es schon finden, habe ich gedacht und bin zuerst einmal in dem Antiquariat in der Kirchengasse über eine Ein Euro Kiste gestolpert, in dem ein Buch aus dem Jahr 1946 „Adalbert Stifter und Wien“ gelegen ist. Jetzt liegt es dort nicht mehr und ich bin weitergegangen, zur ehemaligen „Buchlandung“ in der Lerchenfelderstraße, die heißt schon länger anders, ist aber das gleiche Konzept und sie strukturieren offenbar schon wieder um. So daß es einige Ein Euro Regale gab und ich dann  mit einer großen Papiertragtasche ins AKH gekommen bin.

Danach gehe ich ja immer über die Schränke zurück und weil ich nicht so genau wußte, wo die Garbergasse liegt,, bin ich zuerst den Gürtel entlang und zu dem am Brunnenmarkt gegangen, dann aber doch zur Zieglergasse und durch den Hausdurchgang bei der „Konditorei Aida“ auf der Mariahilferstraße zur Schmalzhofgasse.

Dort habe ich dann gefragt und gefragt. Keiner hatte eine Ahnung, bin aber die Schmalzhofgasse immer weiter in Richtung Westbahnhof gegangen, bis mir ein Mann erklärte, das ist die nächste Gasse.

Da stolperte ich dann gleich über das Gassenlokal, bzw. einen Hund, mit dem sich Petra Öllinger beschäftigte, die ich zuerst gar nicht erkannte. So bin ich in das Geschäft hineingegangen und habe gesehen, daß das eher ein Antiquariat sein dürfte. Regale mit Büchern und beispielsweise bei einem Fach alle von der Irmgard Keun aus den Siebzigerjahren aufgereiht, bei einem anderen lagen viele Eva Rossmann-Bücher.

Ein Herr erklärte mir  das Konzept.

„Der Wiener Bücherschmaus“ ist ein Sozialprojekt, das sich um die Leseförderung kümmert. Das heißt, sie sammeln Bücherspenden, tun sie in eine Kiste und schicken sie an ausgewählte Schulen und die Bücher in dem Geschäft scheinen auch solche Spenden zu sein.

Man kann aber, erklärte er mir, jedes Buch zum normalen Buchpreis bestellen und sie besorgen es dann. Nun ich hatte  eine Büchertragetasche in der Hand und jetzt fast vergessen, daß ich in dem kleinen altmodisch wirkenden Geschäft, in der Lerchenfelderstraße, das immer einige verstaubte Kisten vor der Auslage stehen hat, diesmal bei den Ein Euro Stücken, Stefan Thomes „Grenzgang“ fand, der, glaube ich, vor ein paar Jahren auf der dBp Longlist stand.

So habe ich mich noch mit Petra Öllinger unterhalten und einige meiner Literaturgeflüsterkarten in dem Geschäft abgelegt, um auch ein bißchen Werbung für mich zu machen und mich im Veranstaltungsverteiler eingetragen und kann hier mitteilen, Wien hat wieder einen literarischen oder kulturellen Nahversorger mehr und eine andere, neue Buchhandlung, nämlich in der Seestadt Aspern, wo ich vor einem Jahr schauen war, aber nicht viel mehr als eine riesige Baustelle fand. Jetzt gibt es einen Artikel bei http://www.buecher.at  und den Wunsch an die Verlage, daß sie die Bücher teuerer machen soll, damit sich das Geschäft rentiert.

Mir ist das zwar egal, weil ich  keine Normalpreisbücher kaufe, weiß aber nicht, ob das wirklich so eine gute Idee ist, den Leuten, die sich ihre Bücher  kaufen und nicht als Rezensionsexemplare beziehen oder sich aus den Schränken ziehen, die Karotte noch ein Stücken weiter von der Nase zu entfernen?

Aber natürlich sehr viele Kunden wird es in der Seestadt Aspern, die ja glaube ich, immer noch nicht sehr fertig oder bewohnt ist, geben.

Und bei den fünf Büchern, die ich in der ehemaligen „Buchlandung“ gefunden habe, war  eines von Roswitha Haring , und die wurde in Leipzig geboren, passt also gut zum deutschen bzw. Leipziger Lesen, das jetzt bald kommt.

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