Literaturgefluester

2015-06-22

Taschentricks

„Wir haben, um es uns in Sichtweise hinzuwerfen, stets ein knutschendes Pärchen in der Hosentasche. Heute gehen wir ins Literaturhaus. Es lesen Studierende des Instituts für Sprachkunst“, steht auf dem Programmzettel, auf dem  schön aufgereiht, die Namen der Lesenden folgen, man sieht das Bloggen hat vielleicht Erfolg, obwohl ich wahrscheinlich die einzige Institutsfremde Zuhörerin war und Barbara Zwiefelhofer, erwähnte in ihrer Einleitung, daß es seit Herbswt 2009 den „Hoschullehrgang für Sprachkunst“ an der Angewandten gibt und es seither schöne Tradition ist, die Studierenden zu Semesterende vorzustellen.

Stimmt glaube ich nicht ganz, die ersten zwei Studentenlesungen, waren eher  im Jänner, Februar, statt im Sommer und ich habe von Beginn an die Lesungen verfolgt, seit ich 2009 auf Cornelia Travinceks Blog gelesen habe, daß man sie wegen Überqualifierung nicht genommen hat, Sandra Gugic aber schon und einige der ersten Studenten, wie beispielsweise Irmamgard Fuchs bezogen inzwischen Staatsstipendien oder haben im MUSA gelesen und die Studenten heute, drei Blöckse mit jeweils vier bezihungsweise zwei Lesende am Schluß, stammten, wie Barbara Zwiefelhofer noch erwähnte, vorwiegend aus dem ersten Jahrgang.

Zwei Stuhlreihen waren aufgereiht und bis halb acht, als die Lesung verspätet begann, auch ziemlich angefüllt, außer mir, Sabine Konrad, Esther Dischereit und Barbara Zwiefelhofer, schätze ich, nurStudenten und ihre Freunde, was vielleicht auch ein bißchen schade ist, aber ich blogge und verbreite in die Öffentlichkeit, obwohl ich nach der ersten Studentenlesung von JuSophie, die ich dort traf, scharf kritisiert wurde und bei der zweiten Lesung einer meiner Leser meine Berichterstattung trottelig fand.

Aber ich tue was ich kann und gebe nicht auf, obwohl ich mich fast ein bißchen, ich gebe es zu, neben so viel Jugendlichkeit, deplaziert fühlte.

Um halb acht begann Markus Beck mit einem Text über den fünzehnten August, Maria Himmelfahrt und, füge ich hinzu, heuer der hundertste Geburtstag meiner Mutter,· Markus Beck bezog sich aber, glaube ich, auf das Jahr 1989 und brach dann irgendwann auch ab, Absicht oder nicht, Versprecher oder ein wohlkalkulierter Taschentrick, wer kann es wissen, in dem er vor sich hinschimpfte, fragte, wer denn immer neue Texte braucht und sich beim Literaturhaus für die Lesemöglichkeit bedankte.

Gunda Kinzl, eine stille junge Frau, hatte drei Prosatexte, im ersten verkauft ein Mann seiner Frau alle Möbel aus der Wohnung und stellt ihr dafür Blumen auf die Bücher, die kein Regal mehr haben.

Der zweite kurze, trug den langen Titel „Die meisten Katastrophen sind so klein, daß sie in eine Schneekugel passen“, da bin ich zwar nicht ganz sicher, ob das stimmt. Die junge Frau, wird aber schon wissen und der dritte Text hatte noch keinen Titel.

Teresa Thomasberger setzte sich auf den Tisch, damit sie sich weniger füchte, wie sie erklärte und Patrick Wolf nahm sich aus diesem Grund offenbar drei Kolleginnen mit und las mit ihnen im Quartett:

„Der Himmel liegt in Scherben, seit du weg bist!“ und nach der Pause, wo es schon den Rotwein gab, folgte die „wunderbare“ Nastasja Panzar, wie sich die Studenten gegenseitig ankündigten und die projezierte, glaube ich, Fotos von amerikanischen Präsidentschaftskanditaten und googlete Deutsch und Englisch munter durcheinander.

Auch das kann Sprachkunst sein und ich habe mir zwischendurch gedacht, daß die jungen Leute, die das heute studieren, gar nicht mehr so experimentell sind und wahrscheinlich auch keiner Wiener Gruppe angehören, sondern sogar erstaunlich realistisch sind.

So hatte auch Kadisha Belifore zwei Prosatexte, las von der „Zahnpasta für alle“ und von einem Mann, der glaube ich, am Kanal spazieren ging.

Der „wunderbare“ Timo Brandt hatte ein „Wiegenlied für Joseph Brodsky und Leander Fischer, der von ihm sehr lang geküßt wurde, las von einem „Toten Mädchen“ vor dem AKH Komplex, namens Amalie, also Wien modern, könnte man so sagen und nach der zweiten Pause folgten von Marie-Luise Lehner, die glaube ich, von ihrer Mutter las, bzw.einer Frau, die nach der Geburt ihrer zweiten Schwester, nie mehr ohne Kinderwagen aus dem Haus ging und im Schatten einer Parkbank nur mehr Bücher las, wenn das erste Kind im Kindergarten  und das zweite eingeschlafen war.

Dann kam noch Luca Manuel Kieser mit einem Auschnitt aus einer Erzählung, die am Land und von Schäfern handelte, also auch erstaunlich realistisch oder heimatgetreu, die er nicht fertiglas, sondern auf die Lesung am Donnerstag im Künstlerhaus verwies und am Freitag im Literaturhaus gibt es, wie Barbara Zwiefelhofer erklärte, noch einmal Sprachkunst, beziehungsweise eine sieben Stunden Lesung von Gerd Sulzenbacher und Matthias Vieider „Die Reise nach Sils Maria“, aber da werde ich selber in die Berge reisen und Performance versäumen.

Dafür ist heute das Programm für das „zweite Wiedner Hauptstraßen Straßenfest“ gekommen, wo ich um halb sechs, nach dem lieben Rudi Lasselsberger und vor dem Lesetheater ein Stückchen aus dem „Schutzengelchen“, vorausgesetzt, daß es nicht regnet, lesen werde und am 13. Luli trete ich beim „Sommerfestival“ im „Read!!!ingRoom“ auf, so daß es sich leichter verschmerzen läßt, daß bei der „Podium Sommerlesereihe“, zum Thema „Feminismus“ wirklich alle Bekannten, wie Cornelia Travniecek, Elfriede Haslehner, Ruth Aspöck, Hilde Langthaler, Ilse Kilic, Marlen Schachinger etc, aber nicht ich lesen, weil ich der lieben Christa Nebenführ zu wenig literarisch bin und die meisten Portraits der zehn starken Frauen und der vier Männer, die nächste Woche beim „Bachmannfestival“ lesen dürfen, sind inzwischen auch schon online gestellt.

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