Literaturgefluester

2015-06-23

Magazinpräsentation und Weltbefragung

Stephan Teichgräber von der „Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur“, kenne ich  aus der Zeit, als er die Veranstaltungen für die „Szene Margareten“ organisierte, mich zu einer bezahlten Lesung mit „Tauben füttern“ einlud, vorher hat es mit der honorarlosen Lesung, zu der mich Frau Bezirksrat Steininger eingeladen hat, Schwierigkeiten gegeben, dann hat er noch zweimal die „Goldene Margarite“, einen Wettbewerb in der Bücherei Pannaschgasse organisiert, wo außer den Margaretner Autoren sehr viele aus Ost und Mitteleuopa auf dem Programm standen, die nicht kamen, weil die Fahrt und die Hotelkosten offenbar nicht bezahlt wurden. Beim „Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters“ waren wir in der „Dokumentationsstelle“ in der Spengergasse und jetzt hat er mich zu dem Literaturfestival ins Theaterbrett eingeladen und mir da eine Einladung zu einer Buchpräsentation in die Spengergasse eingeladen. Magazinpräsentation „why nICHT“, das klingt geheimnissvoll und spannend, von der Komparatistik ist irgendwo auch noch wo was gestanden und dort ist Stephan Teichgräber auch, glaube ich, Professor und Dienstag siebzehn Uhr ging sich auch gut aus, denn um sieben war in der „Alten Scmiede“ wieder einmal „Weltbefragung“. Stephan Teichgräber breitete dann in der Dokumentationsstelle auf einem Lesetisch alle Magazine aus, die dort gesammelt werden, viele sind in Wien, wie er meinte, sonst nicht zu bekommen und ein jüngerer blonder Mann, Raoul Eisele, wie ich herausfand, stellte den etwa zehn bis zwölf anwesenden Personen, das Magazin vor, das für die Studierenden an der Literaturwissenschaft gedacht ist. Texte von Studenten dort wurden von ihm und zwei anderen gesammelt und der Titel sollte einerseits auf die Zweisprachigkeit, Deutsch und Englisch hinweisen und anderererseits auf das „Why not“, „Warum soll ausgerechnet ich nicht schreiben?“, eine Frage, die ich mir auch öfter stelle bzw. darauf noch keine befriedigende Antwort habe. Fünfunddreiíßig Literaturwissenschaftsstudenten haben Texte eingereicht, die zwanzig sprachlich besten wurden ausgewählt. Nadja Spiegel und ein paar andere, die schon länger schreiben, sind dabei und die Genre waren offen, Gedicht, Prosa, Romanausschnitt, auch einiges an Slam und Rap offenbar und was ich nicht ganz verstanden habe, beziehungsweise eher ungewöhnlich fand, die „Alice vom Wunderland“, beziehungweise, der Hase, der dort eine Rolle spielt, ziert das Cover, denn das Wunderland, soll offenbar eine Einladung in die Phantasie bedeuten. Als das dann erklärt, beziehungsweise vorgestellt war, begannen die Lesungen. Franziska Gartner hatte eine sehr spannende Geschichte von einer „Achana“, die im Zug fährt und dabei an ihre Kindheit, beziehungsweise an das kleine Mädchen, das sie dort hütete, denkt, oder war es umgekehrt, die Erzählerin ist die Kleine und denkt an die Babysitterin, die bald das Dorf verlassen hat. Eine andere junge Frau, namens Franca Schwab las von den „Stillen Weggefährten“, dann las Raoul Eisele den Text des abwesenden Erasmus Hoffmann namens „Zeitgeist“ ein fast philosophisches Gedicht, das gut zu der späteren Veranstaltung passte und dann seinen eigenen englischen Text „Revolution“. Dann konnte man Fragen stellen, beziehungsweise das Heft um vier Euro, den Selbstkostenpreis kaufen, es erscheint in kleinster Auflage, eben  „on demand“, ohne Subvention, soll Semesterweise erscheinen, vielleicht später mit einem Thema und die Germanisten und die Theaterwissenschaftler haben auch schon ihre eigene Literaturzeitschrift, was ich, die ich ja gestern bei der Studentenabschlußlesung des „Hochschullehrgangs für Sprachkunst“ war, für eine spannende Idee halte und  auch der Meinung bin, daß jeder schreiben soll, der es will, why not, natürlich, das ist ja jetzt ganz leicht und billig und als ich mich in den späteren Neunzehnsiebzigerjahren im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ literarisch sozialisierte, haben wir  auch ein Heftchen mit unseren Texten herausgebracht, ob wir es vorgestellt haben, weiß ich nicht mehr. Das geplante Buch „Gewalt gegen Frauen, Frauen gegen Gewalt“ ist dagegen leider nicht erschienen, in der „Alten Schmiede“ haben wir aber, ich glaube, so etwa 1980 gelesen und auch beim „Volksstimmefest“. Danach bin ich, weil es sich zeitlich ausgegangen ist, in die „Alte Schmiede“ gegangen, wo Ilija Trojanow den dritten Teil seiner „Weltbefragung“ präsentierte, den ersten mit Christian Felber zum Thema „Wohlstand“ habe ich gehört und mich gewundert, daß es so voll war, obwohl das ja eigentlich keine literarische Veranstaltung war, jetzt war es wieder voll und ich spät dran, so daß ich zuerst keinen und später nur einen der reservierten ersten Reihe Plätze ergattern konnte und dabei mit einem „höheren“ Herrn über die  „Hierarchien“ diskutierte.

Da bin ich neben Robert Sommer gesessen, den ich fragte, wie der zweite Abend mit Stephan Schulmeister war? Aber er war da nicht und hat auch nichts im „Literaturgefüster“ darüber gefunden, natürlich nicht, denn da war ich im „Literarischen Lenz im Centrope“ und dieses Mal ist es mit Konrad Paul Liessmann, der ein begnadeter Rhetoriker ist, über die „Wahrheit“ gegangen, die Ilija Trojanow mit einer Geschichte über einen Richter einleitete, der allen Parteien sagte, sie hätten recht, denn die Wahrheit ist wahrscheinlich subjektiv oder ein Konstrukt. „Aber ich muß Sie enttäuschen!“, warf Liessmann launig ein. „Die Zeit des Konstruktivismus ist vorbei!“ und unterschied zwischen Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Da kommt dann bald die Moral ins Spiel und da muß man aufpassen, beziehungsweise zwischen wissenschaftlicher und religiöser Wahrheit unterscheiden, was zu der interessanten Frage führt, ob der Staat einen Zeugen Jehovas zwingen kann, an seinem Kind eine Bluttransformation durchzuführen? Es ist dann auch die Frage, wie man es mit der Lüge hält und ob die Werbung die verbreitet und wir sie nur zu gerne glauben. Ob die Politiker lügen ist auch so eine Frage und zwischen Macht und Hilflosigkeit wurde auch unterschieden. Eine spoannende Diskussion, der alle lauschten und die am Ende mit der Behauptung endete, daß die Literatur immer recht behält und übrig bleiben würde. So schenkte Ilija Trojanow Konrad Paul Liessmann auch ein Buch, wo vier Schweden  in ein Land der Diktatur reisen und das dann als Paradies beschreiben und das die Frage untersucht, wie das bei vier Intellektuellen passieren kann, daß sie sich so täuschten. Dazu fällt mir Lion Feuchtwanger ein, der 1937 nach Moskau reiste und in seinen „Reisebericht an Freunde“ das Stalin-Regime sehr lobte. Die Wahrheit, ist eben sehr dehnbar und sehr subjektiv und kann zu den unterschiedlichen Zeiten auch unterschiedlich erlebt, interpretiert und beschrieben werden.

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1 Kommentar »

  1. Oh, wie schön 🙂 Grade erst gesehen… Ich verlinke den Artikel mal auf meiner Webseite. (erasmushoffmann.com)

    Kommentar von Erasmus Hoffmann — 2016-02-03 @ 13:47 | Antwort


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