Literaturgefluester

2015-06-27

brennt

Weiter geht es mit dem „Deutschen Lesen“ beziehungsweise den Büchern, vom „Augustin-Flohmarkt“ 2012.

Da habe ich ja Sudabe Mohafez „brennt“ gefunden, 2010 bei „Dumont“ erschienen und daraus hat sie 2008 beim Bachmnannpreis gelesen, das ist der, den ich, wie immer zwischen meinen Stunden, es gab, glaube ich auch eine Fortbildung und wir waren mit der Anna essen, Angelika Reitzer und Clemens J. Setz haben aus Österreich gelesen, Tillmann Rammstedt, dessen Text ich in Buchform sehr sehr überhöht gefunden hat, hat gewonnen und ich habe in den Pausen bei Christiane von Zintzen und Hella Streicher nachgeschaut, was die darüber bloggen und mir dann bzw. dem Alfred, die Frage gestellt, ob ich auch bloggen kann?

Eine Antwort, die, wie ich fürchte, sehr umstritten ist, denn manche halten ja das „Literaturgeflüster“ für das allerschlechteste was sie je gelesen haben, aber das sind sicher Spamer, die glauben, das man das im Internet so machen muß.

Sieben Jahre wird mein literarisches Manifest trotzdem demnächst alt und wahrscheinlich mit einer Lesung auf der Wiedner Hauptstraße gefeiert werden und Sudabeh Mohafezs Monolog einer Frau, die aus einem brennenden Haus gerettet wird, ihre Katzen an sich presst, den Feuermann, der sie rettet küssen will, etc, hat mich tief beeindruckt, so daß ich, glaube ich, bei dem ersten Publikumspreis, den es gab oder bei dem ich mitmachte, für sie gestimmt habe und später  von ihr hörte, weil ihr Blog, zu denen gehört, der von Christitiane Zintzen öfter erwähnt bzw. präsentiert wurde.

2012, das Buch also in den Augustin Flohmarktregalen gesehen und mich lange auf das Lesen des Romans, der 1963 in Teheran geborenen und in Stuttgart lebenden Autorin, die eine deutsche Mutter und einen iranisches Vater hat, gefreut.

Sie ist, wie ich dem Netz entnehme, auch als Pädagogin tätig, hat ein Frauenhaus geleitet und „brennt“ ist, obwohl hochliterarrisch und in der Sprache sehr differenziert poetisch, wieder so etwas wie ein Krisenbewältigungsroman oder die Schilderung eines Traumas.

Jetzt würde ich zwar wieder behaupten, daß man, wenn das Haus brennt und man vom Feuermann die Leiter hinuntergeführt wird, keine Zeit hat, für poetisch hochstilisierte Sätze.

Aber was weiß man schon so genau, vielleicht ist man gerade dann hochpoetisch und stilistisch dicht? Interessant ist, daß ich ja einmal fast ertrunken wäre, mit sieben und mich da noch an einige Gedanken erinnern kann, die ich damals hatte und, daß mir Ruth Aspöck, als ich sie vorige Woche am Markt von St. Pölten traf, erzählte, daß es in ihrem Haus gebrannt hat und eine Gasexplosion gegegeben hat.

In dem Studio im Haus der Ich-Erzählerin tut es das auch, es gibt ein „Puff-Geräusch“, das sie hörte und das ihr, wie ihr der Feuermann später erklärte, das Leben rettete. So ruft sie ihre Katzen, gibt sich Ich-Befehle und sinniert ständig davon, den Feuermann zu küssen, während die Leiter hinuntersteigt, ihren Namen bekanntgeben soll, etc.

Später wird klar, das Feuer war gelegt, sie muß mit der Polizei und einem anderen Feuerwehrmann nochmals in die ausgebrannte Wohnung, um nachzusehen ob was fehlt, kann sich dann entscheiden, ob sie vorläufig zur Cousine oder ins Obdachlosenasyl will und beginnt einen Dialog mit imaginären Personen. Ein Lars, eine Pia und ein Hjartan kommen dabei vor, der das Feuer offenbar aus Rache legte.

Die Stimmen im Kopf, normal nach einer posttraumatischen Depression, wie der Hausarzt und die Cousine Klara sagen, solange sie nicht schädigende Befehle geben, die Psychotherapie und Psychopharmaka empfiehlt, verraten langsam, daß Mane, die Musikerin, deren Studio abbrannte, in Island bei einer Aufnahme in einem Leuchtturm war und sich dort offenbar in den Musiker Hjartan verliebte, das aber nicht zulassen wollte.

Der ist tot und hat den Brandt doch nicht gelegt, denn jetzt taucht der Feuerwehrmann Sebastian, den sie am Anfang küssen wollte oder küßte, wieder auf und erzählt von einer Nachbarin, die als Brandtstifterin verhaftet wurde.

Ein „Klangkind“, das vierjährige Nachbartöchterlein der Cousine, deren Mutter ständig im Bett liegt, weil sich der französische Vater, auch eine Art jemanden zu verlassen, erhängte und sich Coraline den Kopf gegen die Mauer blutig stößt und dann behauptet, die Wand wäre auf sie gefallen, dringt in Manes traumatisiertes Leben, die eigentlich gegen Dezember wieder ausziehen sollte, weil die Cousine dann die Wohnung braucht.

Das Leben geht weiter, die Musikerkollegen werden aufgesucht, Mane kann in der nächsten Zeit nicht mitmachen, weil Störgeräusche im Ohr und sie nachts wegen der Stimmen, den Flaschbacks und anderen nicht schlafen kann und manchmal bis fünfzehn Tropfen Baldrian braucht.

Ob sie die Stimmen noch hört?, will die gestrenge Cousine wissen, als ihr Mane von der Entführung der kleinen Coraline erzählt, der sie doch täglich Spielsachen kaufte, weil die depressive Mutter, die offenbar für Mane, die posttraumatische Depression erleidet, das nicht will oder kann.

Uje, zu weit gegangen, also schnell verneint, nicht mehr, seit sie mit dem Fahrrad zu Sebastians Häuschen fährt und Pia kichert laut und in dem Häuschen des Feuerwehrmannes trifft sie seinen Zwillingsbruder Fabi, nach einem Zeckenbiß behindert, er malt oder fotografiert aber schön und will das auch bei Mane tun und Sebastrian möchte wissen, was sie an Weihnachten vorhat?

Da gibt es einen Plan, eine Idee, nämlich nach Reykjavik zu  Hjartans Schwester fliegen, die mit einem Pfarrer verheiratet ist und das Grab besuchen, wo zwei Namen stehen, Hjartan und Tira.

Das ist das Kind, mit dem im Bauch, sie sich damals um zwei Uhr aus dem Krankenhaus gestohlen und mit einem Taxi zum Flugplatz gefahren ist.

Der Rest ist einfach oder schwer und im Nachhein stellt sich heraus, daß wieder einmal alles ganz anders, wie erwartet war.

Der Brandt, hat ihn jetzt die alte Nachbarin gelegt oder nicht, hat nicht die PTSD ausgelöst, sondern offenbar eine vier Jahre alte Starre zum Verschwinden gebracht, so daß das Leben weitergehen kann, mit dem Feuerwehrmann, den sie küssen wollte oder küßte.

Aber vielleicht habe ich mir das nur so interpretiert und man kann das Buch bei der Fülle des Materials, das es bietet, auch ganz anders lesen.

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