Literaturgefluester

2015-07-27

Der Marques de Bolibar

Filed under: Bücher — jancak @ 00:46
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Ich muß gestehen, Leo Perutz, der 1882 in Prag geborrene und 1957 in Bad Ischl gestorbene  Autor von  berühmten phantastischen Romanen und Namesgeber, des seit 2010 vom Hauptverband und der Stadt Wien vergebenen Krimipreises, ist bisher eher an mir vorbeigegangen.

Das heißt, Otto Lambauer, mein zeitweiliger literarischer Verstärker, schwärmt sehr von ihm und liest sich, glaube ich, durch sein Werk und als ich 2005 in der Bücherei Pannaschgasse einen Buchgutschein für meine „Mozart-Geschichte“ gewonnen habe, hätte ich beim „Thalia“ auf der Mariahilferstraße, fast nach ihm gegriffen, da lag aber Theodors Sappers, Hilde Langthalers Onkel „Kettenreaktion kontra“ vor dem Regal und ich habe umdisponiert.

In den Bücherschränken findet man auch sehr wenig von dem berühmten Autor, aber den „Marques de Bolibar“ habe ich bei der „Seedose“ gefunden und inzwischen auch den Prag-Roman „Nachts unter der steinernen Brücke“, 1953 geschrieben, was wiedereinmal bestätigt, daß die offenen Bücherschränke Lese- und Wissenslücken auffüllen können.

Ansonsten habe ich mich mit dem 1920 erstaufgelegten Roman, der in der Zeit der napoleonischen Kriege spielt und den Untergang zweier deutscher Regimenter schildert, ein wenig schwer getan, was daran liegen mag, daß ich keine Kriegsromane mag, aber das ist es sowieso nicht.

In dem Nachnwort meiner 2011 erschienenen Taschenbuchausg be von Hans Harald Müller wird auch eine Rezension zitiert, wo der Autor meinte, Perutz hätte den Krieg falsch geschildert und hinzufügte, dieser hätte sich darüber wahrscheinlichgefreut, denn der „Marques de Bolibar“ ist wohl mehr eine Satire des Kriegsgegners, der den ersten Weltkrieg aktiv miterlebte, als eine realiste Schilderung des Truppengeschehens von 1812.

Es beginnt mit einem Vorwort: im Nachlaß des verstorbenen Rittergutbesitzers Eduard von Jochberg wurde eine Schrift gefunden, die den Untergang der beiden deutschen Regimenter „Nassau“ und Erbprinz von Hessen“ in der andalusischen Bergstadt La Bisbal schildert und die der Herausgeber, verkürzt, veröffentlicht hat.

Eduard von Jochberg hat als Achtzehnjähriger als Rittmeister diese Schlacht mitgemacht, ist als Einziger mit dem Leben davon gekommen und schildert die Ereignisse in den kleinen Dorf.

Das heißt, er begegnet zuerst einem sonderlichen weißhaaren alten Mann, der von seinen Bediensteten, die im Garten versteckt sind, begrüßt wird und dann in seinem Haus verschwinden.

Als er auch dorthingeht und den Marquis de Bolibar,wie er genannt wurde, zu begrüßen, ist der verschwunden und taucht  an anderer Stelle wieder auf, entpuppt sich als Widerstandskämpfer gegen die deutschen Truppen und  erläutert seinen Plan, wo durch drei Signale, die Truppen geschlagen werden sollen.

Die deutschen Offiziere haben aber  ein Geheimnis, sie alle haben „erotische Beziehungen“ zu der toten Frau des Oberst gehabt und wenn der, der die Kleider der Verstorbenen auf dem Feld mit sich führt, ihnen von ihr erzählt, wissen sie nicht recht, wie sie sich verhalten sollen.

Dieses Geheimnis könnte der Marquis, der von einem verwundeten Deutschen belauscht wurde, ausplaudern, so ermordet ihn, der sich inzwischen als Bauer verkleidet hat, Jochberg, wird aber mit einem Fluch versehen, nämlich, daß die Signale durch die deutschen Truppen selbst gegeben werden und das passiert dann auch auf den nächsten zweihundert Seiten, denn der Obert hat sich inzwischen eine neue Geliebte gefunden, die seiner toten Frau auf Haar glich, die Monjita und die Leutnants wollen nun alle mit ihr und so konnte es passieren, daß Leutnant Günther, das erste Signal auslöst.

Das zweite passiert dann durch zwei andere Herren der Truppe, „aus Eifersucht und Liebe“, wie im Beschreibungstext steht und das dritte, ein Messer nimmt dann die Monjita an sich, die von Jochberg, damit das Geheimnis nicht verraten wird, an die andere Seite gebracht wird.

So gehen die deutschen Truppen unter.

„Einen ewigen Juden“, der sterben will und das nicht kann, gibt es in Hauptmann Salignac auch und am Ende der Geschichte wird der achtzehnjährige Jochberg, dessen Haar über Nacht ergraut ist, für den Marques selbst gehalten und so spaziert er auf der letzten Seite durch das blühende spanische Dorf und bekommt von allen Seite Würste, Nüsse und andere spanische Köstlichkeiten von den Marktfrauen angeboten.

Leo Perutz, der, wie ich „Wikipedia“, entnahm, war im Nebenberuf, obwohl er ein schlechter Schüler war, als Versicherungsmathematiker tätig war, hat viele seiner romane nach mathematischen Grundlagen konzipiert und wird oder wurde auch von vielen anderen Autoren wie Daniel Kehlmann oder Friedrich Torberg bewundert und wiederentdeckt.

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