Literaturgefluester

2015-08-01

Katzenberge

Filed under: Bücher — jancak @ 00:46
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Weiter geht es mit den Büchern, die ich mir 2012 bei diesem „Augustin-Flohmarkt“ kaufte, Rezensionsexemplare, die zwei oder drei Jahre früher erschienen sind und oft „Bachmann“ oder „Buchpreis-Nominierungen“ hatten.

Allmählich werde ich damit fertig und kann mich dann wahrscheinlich zeitgerecht entscheiden, ob ich in in einem Monat mit der Leseliste weitermachen oder die zwanzig  2015 Buchpreisbücher vorziehen will, bzw. einen Teil davon.

Sabrina Janeschs Debutroman „Katzenberge“ ist 2010 nicht auf der Longlist gestanden, sie hat aber daraus beim „Bachmannpreis“ gelesen.

Besonders aufgefallen ist sie mit dem Roman über ihre polnische Vergangenheit und die Spurensuche bis zu den Wurzeln nach Galizien, glaube ich, nicht. Es gibt aber inzwischen einige andere Romane  der 1985 geborenen deutsch/polnischen Autorin, die in Hildesheim studierte und auch Stadtschreiberin  in Danzig war.

„Ambra“ beispielsweise und „Tango für einen Hund“, 2012 und 2014 bei „Aufbau“, erschienen, Katzenberge erschien dort 2010, „Nicht vor dem 26. 7. besprechen“, steht auf meinem Leseexemplar.

Hanns-Joseph Ortheil, ich glaube, ein Hildesheimer Professor, hat die Widmung am Buchrücken geschrieben, ihm wird von der Autorin auch gedankt und das Buch ist der Familie, beziehungsweise dem Großvater gewidmet.

Und da ist Nele Leibert, eine junge Frau mit einer polnischen Mutter und einem deutschen Vater, offenbar in Deutschland aufgewachsen, in Berlin lebend. Sie ist Journalistin und hat gerade bei einem Magazin zu arbeiten angefangen.

Einen Freund namens Carsten gibt es auch, deren Großvater, Stanislaw Janeczko, von ihr Djadjo genannt, ist gestorben, sie fährt von Berlin aus nach Wrozlaw-Breslau, Schlesien zum Begräbnis, wird dort von der Tante Aldona aufgepäppelt, die Onkel Darek und Jozek gibt es auch und die Mutter, eine Historikerin, die mit dem deutschen Vater, der es bei der Verwandtschaft schwer hat, die auch zum Begräbnis gekommen ist, rät ihr noch ein paar Tage zu bleiben und in die Ukraine oder nach Galizien in die Heimat des Großvaters zu fahren, um sich alles anzusehen und die Familiengeheimnisse zu erforschen.

Das wird von der polnischen Verwandtschaft gar nicht so gern gesehen, denn in die Ukraine, dahin fährt man nicht, da gibt es gar keine Straßen, etc und die Schaffnerin weigert sich auch ihr eine Fahrkarte dorthin zu verkaufen und Nele hat wegen ihrer deutsch polnischen Doppelidentität ohnehin schon Schwierigkeiten. Sie spricht zwar akzentfrei Polnisch, die Deutsche sieht oder hört man ihr aber trotzdem an und es ist auch peinlich zu den Deutschen zu gehören, die mit ihren BMWs durch das kommunistische Polen gefahren sind und sich die Häuser  anzuschauen, so als wollten sie sagen, das sind unsere Häuser in denen ihr lebt, wir wollen sie wieder zurück.

Denn da gab es ja den Krieg und da wurden die Grenzen verwischt und so ist heute da die Ukraine, wo früher Polen war oder Polen dort, wo früher Deutschland und der Djadjo stammt aus Zastavne, früher Galizien heute Ukraine, hatte dort eine Frau, sein erstes Kind und auch den Bruder Leszek.

Dann wurde er in einen Zug gesetzt, er und einige andere Ukrainer und vier Tage bis nach Schlesien gebracht, dort sollten sie sich ein Haus aussuchen. Djadjo wählt sich eines im Wald, ein wenig abseits und hat dann in der Nacht Alpträume, denn er hört die ganze Zeit Geräusche. Am Morgen geht er auf den Dachboden und findet dort den Bauer Dietrich mit dem Hakenkreuz erhängt am Dachboden. Djadjo begräbt die Leiche, die Geister von Schuld und Sühne kann er  trotzdem nicht vertreiben. Er holt aber die Frauen nach und die können es  besser mit Waldmeistersud etc.

Das ist ein bißchen mystisch, die Baba Jaga, kommt auch einmal vor und damit tue ich mir ein wenig schwer, auch wenn man es wahrscheinlich poetisch interpretieren kann  und vielleicht auch der polnische Aberglaube so ist.

Das war auch die Stelle, die Sabrina Janesch in Klagenfurt gelesen hat.

Tante Aldona gibt dann doch nach, denn da gibt es noch ein Familiengeheimnis und gibt Nele die Adresse der Adamczyks, die in einem Dort in Ostpolen wohnen. Dorthin fährt sie mit dem Bus. Die haben auch ein Geheimnis mit der deutschsprechenden dementen Uroma.

Aber Djadjo hat mit Maria,  seinen Bruder und Eltern, eine Zeitlang nach der Vertreibung dort gelebt und soll den Bruder umgebracht haben. Nele, die eine sehr enge Beziehung zu ihrem Djadjo hat, das Buch ist in abwechselnden Perspektiven bzw. Zeitabschnitten geschrieben und der Großvaterteil beginn immer mit „Großvater sagte“, das erinnert mich ein bißchen an Irene Dische, die das glaube ich, auch mal tat, will das nicht glauben, fährt nach Zastavne und wird dort von einem Kind angesprochen, dessen Großmutter wissen will, was sie hier macht?

Und diese Oma, Malina Rafailiwna, klärt sie dann auf, daß  Leszek vor wenigen Jahren in Lemberg gestorben ist. Nele ist erleichtert, kann wieder nach Bagno, wo die Katzenberge sind und an das Grab des Großvaters zurückkehren und ihren Freund Carsten, bei dem sie sich lange nicht gemeldet hat, kann sie auch anrufen.

Dazwischen gibt es noch Begegnungen in einem ehemaligen Schloß, daß in der Kommunistischen Zeit zu einem Erholungsheim umgewandelt wurde, vorher wurde die Baronin von dort vertrieben, ihre Bücher, zum Beispiel „Brehms Tierlieben“ mußte sie zurücklassen und Djadjo, der von der Gemeinde einen Lohn erhält, wenn er mitumbaut, findet das Buch und ist gerührt, denn er ist in eine Schule gegangen, wo das einzige Buch, das es gegeben hat, dem Lehrer gehörte.

Spannend, spannend von der deutsch polnisch ukrainischen Vergangenheit zu lesen, mit der ich mich während unserer Masurenreise vor vier Jahren auch ein bißchen beschäftigt habe und mit einem Bus bin ich Anfang der Neunzigerjahre auch vier Tage lang nach Lemberg und Krakau gefahren, was ich ein bißchen in meiner „Reise nach Odessa“ verarbeitet habe.

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