Literaturgefluester

2015-08-04

Sein Kampf – Antwort an Hitler

Filed under: Bücher — jancak @ 00:55
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Jetzt kommt ein wahres Schmankel aus dem „Augustin-Flohmarkt“, ausnahmsweise kein Rezensionsexemplar und auch nichts was beim Bachmannpreis gelesen wurde oder auf der dBpListe stand, nämlich Irene Harands, 1935 im Eigenverlag herausgegebenes Buch, weil kein Verlag es im noch nicht angeschlossenen Österreich drucken wollte, 2005 im „EPHELANT-Verlag“ auf Anregung von  Peter Marboe und Kardinal Schönborn, wieder herausgegeben und 2005, dem Jahr wo ja der Staatsvertrag sehr groß gefeiert wurde, gab es auch eine Nonstop-Lesung des Buches bei der Stephanskirche, die im Internet übertragen wurde, so daß ich mir Teile davon anhörte und mit dem Buch und Irene Harand zum ersten Mal in Berührung kam.

Damals hat es, glaube ich, auch die Literatur im März und ihre Büchertürme noch gegeben und da hatte ich ein paar Büchlein des „EPHELANT-Verlages“, meistens Literaturgeschichteliches auch gefunden, so daß ich dachte, kein Problem, das finde ich bestimmt im nächsten Jahr.

War aber nicht so, denn das Literaturfestival von Walter Famler und der „Alten Schmiede“ organisiert, wurde dann eingestellt, beziehungsweise auf den Herbst verschoben, so daß ich 2012  wieder mit dem Buch in Berührung kam, natürlich danach griff, da ich da aber schon meine Leseliste hatte, die inzwischen weiter (endlos) angewachsen ist, hat es einige Zeit gedauert und ich habe mich auf das Lesen, eines sehr wichtigen Werkes, einer sehr engagierte katholischen, christlich sozialen  Wienerin, wahrscheinlich auch Monarchistin, die den 1943 ermordeten Kanzler Dollfuß sehr verehrte, 1900 geboren wurde, durch die Zustände in Deutschland empört, die „Harand-Bewegung“ und eine Volkspartei gründete, sowie eine Zeischrift herausgab und 1938, als dann auch Österreich, was sie mit ihrem Buch  verhindertn wollte und eigentlich auch nicht daran glaubte, angeschloßen wurde, zum Glück mit ihrem Mann in England war, so daß sie nach Amerika emigrierte, wo sie 1975 starb, sehr freute.

1970 hat Peter Marboe, als Direktor des österreichischen Kulturinstituts in New York, Irene Harand kennengelernt, war von ihr und ihrem Engagement sehr begeistert, begeisterte auch den Kardinal, der auf auf das Cover schrieb „Christ und Atnisemit sein ist unvereinbar“ und imVorwort, erwähnte, daß Kardinal Innitzer, sein Vorgänger, der ja glaube ich, die Nazis lobte oder wenigstens nicht energisch genug gegen sie auftrat, hat Irene Harand eines der Bücher gewidmet,  in seinem Dankschreiben schrieb „Der letzte Absatz Ihres Buches möge Gemeingut und Parole aller Nicht-Nazis werden.“

Warum der dann unter PS anfügte, „Bitte mein Urteil nicht zu veröffentlichen“, war dem Kardinal unbekannt. Vielleicht war er ein Feigling oder glaubte als Diplomat den Mund halten zu müssen, Irene Harand war das nicht und hat sich sehr offen mit Hitlers Kampf, der sie, wie das Hakenkreuz sehr empörte, auseinandergesetzt. Hat das Buch in heute fast naiv anmutender Art und Weise Kapitel für Kapitel widerlegt und sich dabei wahrlich kein Blatt vor den Mund genommen.

Dafür wurde es auch, das dann irgendwann doch in einer fünftausender Auflage, die sich aber glaube ich, nicht verkaufen ließ, herauskam, in Salzburg auf die Liste der verbotenen Bücher gesetzt und bei der Bücherverbrennung verbrannt.

IreneHarand hat sich aber 1935 nicht gescheut und auch nichts unversucht geleassen Hitler zu widerlegen und die braune Gefahr, von der sie wahrscheinlich nicht ahnen konnte, wie sich die noch ausbreiten wird, zu verhindern.

In elf Kapitel ist das Buch gegliedert, beginnend mit „Der Lüge, die Haptwaffe des Hakenkreuzes“, dann geht es weiter mit dem „Rrasenden Nationalismus“ und dem „Rassenwahn“ und Irene Harand beginnt Satz für Satz, die Lügen zu zerlegen, schreibt, daß Moses und Jesus Juden waren und, daß es sowohl keine reinraßigen Arier, als auch keine reinrassigen Juden gibt.

Die reinrassigsten Arier sind in Schweden zu finden, die Deutschen waren gar nicht so blond und blauäugig, wie sie zu sein vorgaben und als ein nationalsozialistischer Lehrer, die Parolen der Rassenhygieniker in seiner Klasse gleich demonstrieren wollte, fand er nur ein einziges Kind, bei dem die Merkmale zutrafen, das war natürlich jüdisch, der verzweifelte Lehrer fragte, nach möglichen Vermischungen „Ich bin reinrassig nichtarisch“ war die Antwort.

Es geht dann weiter mit den „Rassischen“ Eigenschaften der Juden“ und den „Lügen vom jüdischen Wucher“.

Irene Harand weist nach, daß die Juden vom Staat gezwungen wurden Wucher zu betreiben, um das erwucherte Geld dann wieder dem Staat zu geben.

„Die Lügen über den Talmud“ bis zu den „Ritualmordlügen“, da geht es hinein in die jüdische Geschichte, zeigt wie standhaft die Juden waren, wenn es um ihren Glauben ging, wie oft sie gefoltert und Morde beschuldigt wurden, die sie nicht begangen haben.

Es gibt auch ein Kapitel über den „Jüdischen Idealismus und Opfermut“, da wird dann am Schluß angeführt, wie tapfer die Juden im ersten Weltkrieg waren, daß die „Protokolle der Weisen von Zion“ auf die Hitler seine Rassentheorie aufbaute, gefälscht waren, beweist sie auch und dann kommt es zum langen zehnten Kapitel „Juden sehen dich an“.

Das ist ein im damaligen Deutschland erschienes Propagandabuch eines Johann von Leer, der es dem berüchtigen Gauführer Julias Streicher gewidmet hat und in dem es um „Blutjuden“, „Lügenjuden“, „Betrugsjuden“, „Zersetzungsjuden“ und „Geldjuden“ geht, zu den „Blutjuden“ werden die jüdischen Sozialisten gezählt, Albert Einstein und Lion Feuchtwanger zu den „Lügenjuden“, „Zersetzungsjuden“ ist zum Beispiel der Sexualforscher Magnus Hirschfeld, Charly Chaplin gehört zu den „Kunstjuden“, etc.

Dem mußman natürlich die vielen Nobelpreisträger, Künstler, Erfinder, etc, entgegensetzen, die das Judentum hervorgebracht hat und die von Irene Harand sehr bemüht seitenweise aufgezählt werden, wobei sie nicht zu erwähnen vergißt, daß es natürlich auch unter den Ariern hervorragende Menschen gab, wie unter den Juden Betrüger, etc, waren.

Einer berühmtesten „Kunstjuden“ war wohl Heinrich Heine, dessen „Denkt man an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht“, wohl als das Motto der nächsten nicht tausend Jahre, gelten konnte.

Juden haben aber auch das Telefon, das Auto, das erste Luftschiff gebaut bzw. erfunden, was wohl den meisten Nichtjuden, die da von Deutschland aufgehezt und mit einer verlogenen Rassenlehre konfrontiert wurden, gar nicht bewußt war.

Dann geht es weiter zur „Bilanz des Hakenkreuzes“ und die war 1935 leider nur ein Vorspiel, von dem was später folgte, aber schon schlimm genug, denn es gab ja schon KZs und Bücher, die, von denen geschrieben wurden, die darin inhaftiert waren.

Fast naiv rührt es wieder an, wenn Irene Harand davon schreibt, wie zersetzend es für die deutschen Kinder sein muß, wenn sie sich zu Mittag in der Schule, um ihr Stück Brot und Glas Milch mit den jüdischen Schülern anstellen müßen und kommen dann die an die Reihe, schreit die Lehrerin „Jüdin geh weg!“ ode,r daß das kein guter Deutscher sein kann, der in den KZs prügelt, foltert, etc.

Die Gesetze wurden gebrochen, die Gewerkschaften verhindert, die Preise stiegen an und wenn man in den deutschen Kinos in den Wochenschauen Julius Streicher, Goebbels, Hitler, etc, von den Herrenmenschen reden hörte, konnte man auch deutlich sehen, daß sie diesem Ideal optisch keineswegs entsprachen, sagen durfte man aber dagegen nichts.

„Es gibt keinen Zweifel, daß die Welt krank ist,“ schreibt Irene Harand auf den letzten Seiten, und schließt mit den Worten „Das Hakenkreuz bedeuted eine große Gefahr für die Menschheit. Das Hakenkreuz ist die größte Gefahr des jahrhunderts. Wenn wir ihr begegnen wollen, müssen wir gerade die Waffen anwenden, die dem Hakenkreuz fremd sind: Idealismus und Opfermut, Vernunft und Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit.“

Wie man inzwischen weiß, hat das für die  nächsten Jahre leider nichts geholfen und irene Harands Buch ist auch nach seiner Neuauflage und nach dem Lesemarathon wieder untergegangen.

Für eine Aufführung im Lesetheater bei „Frauen lesen Frauen“ war sie wohl auch zu austrofaschistisch eingestellt, wie mir Judith Gruber Rizy sagte, aber trotzdem, der Mut dieser Frau so katholisch und monarchistch sie vielleicht auch war, irgenwo steht auch, was die Rassenhygiene betrifft, daß man die Alkoholiker erst heilen soll, bevor sie Kinder bekommen sollten, ist zu bewundern und schade, daß so wenig Leute davon wissen, weil wir in einer Zeit, wo man angesichts, des überfüllten Flüchtlingslager in Traiskirchen, der hilflosen Politikerworte, die seit Monaten nicht in der Lage sind, etwas dagegen zu verendern, obwohl doch sicher genug Wohnungen, Kasernen, Schlößer, etc leerstehen, in den letzten Tagen in den Medien, von der Angst der Bevölkerung und der Zunahme der Haßtpostings im Internet, hören und lesen konnte, vielleicht schon wieder auf den Weg in eine Katatrophe sind, die wir verhindern  müßten, können, sollten….

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