Literaturgefluester

2015-08-25

Eins im Andern

Jetzt kommt das zweite „Droschl-Buch“ auf der Liste, Monique Schwitters „Eins im Andern“, die auch beim „Bachmannpreis“ ein Kapitel daraus gelesen hat, das von der Jury sehr gelobt und in Preisnähe gerückt wurde, mich aber eigentlich nicht vom Stockerl gerißen hat.

So kann man sich täuschen, denn der Reigen, um die Liebe und die Männer, der Ich-Erzählerin, in der ich, auch wenn in dem Buch steht, daß das Protagonistinnen-Ich nicht mit dem Autoren-Ich verwechselt werden darf, wieder viel Ähnliches erkenne, eine sehr poetische Geschichte.

Poetisch schön dieser Reigen, diese zwölf Apostelgeschichten, die die Ich-Erzählerin, verheiratet mit Philipp, dem Spieler, Mutter zweier Söhne, einen Hund gibt es auch, Revue passieren läßt, beziehungsweise in einem Roman zu verarbeiten versucht.

Monique Schwitter wurde 1972 in Zürich geboren und ist eine Deutsch Schweizer Schauspielerin und Schriftstellerin, wie in „Wikipedia“ steht und das Cover, des im August erschienen Romanes, ist auch sehr auffallend, wenn auch fast ein wenig kitschig.

Eine Madonna mit einem blutenden Herzen, aber vielleicht ist sie so die Liebe, vor allem, wenn man sie märchenhaft zu erzählen versteht und das Geschehen dabei in poetisch schöne Wendungen schmückt.

Da ist also Petrus im ersten Kapitel, der erste Freund der Protagonistin, die glaube ich, Germanistik studierte, zumindestens eine Seminararbeit über Becket schrieb, dann nach Salzburg ans Theater ging und jetzt mit ihren zwei Söhnen und ihrem wahrscheinlich nicht so geliebten Mann, dem fünften in der Reihenfolge, in Hamburg sitzt und über Petrus nachgooglet.

Da erfährt sie, er ist schon vor Jahren aus dem Fenster gesprungen und der Reigen fängt an.

„Ähnlich schnell, wie ein Mensch geht“, heißt so auch das erste Kapitel und da feiern wir Silvester und die Erzählerin geht mit ausgeborgten Schneeschuhen durch den Schnee zu der Kirche in Mistail, wo sich Bild oder die Statue des heiligen Christophorus befindet.

Sehr poetisch und fast ein wenig unwirklich, daß sie sich dabei im Schnee wälzt,  einen Schuh der Freundin verliert, die darauf während des Fondueessens böse auf sie ist und dann geht es weiter im zweiten Kapitel, auf eineSchaffarm mit Petrus Bruder Andreas und den Hunden, die nur Englisch verstehen, so daß man zu Ihnen „lie down!“, sagen muß.

Märchenhaft, die Apostelliebhaber der Protagonistin, Jakob ist ein Schauspieler, den lernt sie in Salzburg kennen, als sie dort die Minna von Barnhelm inszeniert und weil das Buch international ist, geht es auch sehr oft nach Graz oder Wien dabei.

Dann gibt es die Großmutter, die schon gestorben ist, aber immer schöne Sprüche auf Lager hatte: „Es gibt keinen Grund traurig zu sein, mein Liebchen, es endet wie es beginnt, und wenn du müde bist, schlaf!“

Es gibt dann auch die Geschichte von Udine und dem schönen Ritter Julius und die von Nathanel, der sich im Wald von Buxtehude, das Grab für seine Mutter und die übrigen Familienmitglieder, neben denen er dort bestattet sein will, aussucht, die Geschichte, die in Klagenfurt gelesen wurde und die mir nicht so gefallen hat.

Jetzt hat mich Monique Schwitters schöne Sprache und ihre leicht unwirkliche Surrealität sehr beeindruckt, gibt es bei den zwölf Apostelmännern ja auch wieder fliegende Pinguine, die mit der Protagonistin Zugfahren, von Zürich nach Hamburg und wieder zurück.

Zn Zürich schreibt sie ihren Roman in Simons Küche auf einen Notizblock, während der ältere Sohn anruft und fragt, wann die Mama wiederkommt und mit Simon und mit Petrus gab es einmal einen flotten Dreier und Philipp. der Spieler, der das Sparbuchguthaben seines Sohnes vertut, war der fünfte in der Reihe, ein oder mehrere abgetriebene Kinder gibt es auch und eines wäre jetzt siebzehn, wie Mathieu aus Togo, der Madame zu ihr sagt und den sie offenbar in einer Schreibwerkstatt kennenlernt.

Er darf den Protagonisten für das Buch, das dort geschrieben werden soll, aussuchen und die Erzählerin kommt über einen Doppeljakob am Ende ungewollt und ungeplant zu ihrem Bruder, der an seinem Krebs verstarb, wärend sie mit Petrus durch den Schnee in die Kirche von Mistail stapfte und dabei Elfis Schneestiefel verlor.

Ein wahrhaft poetischer Reigen, ich wiederhole mich, eine schöne Sprache, ein leicht unwirklicher Ton und ich bin froh, daß ich über das Longlistenlesen, Monique Schwitters Sprache, die sonst an mir vorbeigegangen wäre, kennenlernten durfte und danke dem „Droschl-Verlag“ herzlich für das Belegexemplar, das ich als PDF bekommen und gelesen habe, was ein wenig mühsam war, weil ich ja eine Anstreicherin bin und es hier sehr viele schöne Satzkrümeln zum Merken und zum Aufschreiben gegeben hätte.

Aber das Longlistenlesen in Buchhandlungen, in lauten Berghütten, in E-Bookform, etcetera ist ja ein Experiment und ich habe jetzt ein schönes Buch in einer sehr schönen Sprache kennengelernt.

Eine „Amazon Leserin“ ist sich nicht sicher, ob ihr das Buch gefallen hat? Mir hat es, trotzdes etwas kitschigen Covers und dem Kapitel, das beim Bachmannlesen fast an mir vobeigegangen wäre.

So kann man sich täuschen und wie heißt es doch so schön? Es geht oder kommt alles von eins ins andere, das Leben ist ein Reigen und „Was  das die Liebe? Wieso kann sie kommen und gehen und wohin geht sie?“, hat die Protagonistin, die tote Großmutter in Kapitel drei gefragt.

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