Literaturgefluester

2015-09-04

Blogkommentare und Hilferufe

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 12:07
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Mein Blog ist ja einer auf dem kommentarmäßig nicht so viel passiert, so daß ich mich schon manchmal wunderte, daß niemand auf meine Gewinnspiele einsteigt und ein Buch von mir gewinnen will oder mal schnell „Wird schon, machs gut, nur nicht aufgeben!“, kommentiert, wenn ich mich darüber beklage keinen Erfolg im Literaturbetrieb zu haben, nicht auf die LL komme oder den „Veza Canetti- Preis“ gewinne.

Das Internet ist ein Fluch oder ein Segen, eine Möglichkeit der Demokratisierung, so daß jeder, der das will, über sich und seine Befindlichkeit schreiben, seine Bücher, etcetera, einstellen kann und dann platzt das Netz aus allen Nähten, so daß man auf Kommentare nicht antwortet und auf das Persönliche, das sich da einem bietet, nicht regiert.

Man kann ja nicht auf alles antworten, sich für alles interessieren, ist schon klar, wenn man mit dem Lesen der LL und der anderen Herbstneuerscheinungen nicht klar kommt, kann man sich nicht auch noch für das Selbstgemachte, das ja wahrscheinlich nicht gut ist, wenn es keinen Verlag gefunden hat, interessieren.

So weit so gut, sehe ich ein und schreibe trotzdem meine Schreibberichte, weil ich das Internet für eine Form mich zu präsentieren halte und ich lese auch sehr gerne die Blogs der anderen und kommentiere auf ihnen.

Auf einigen, nicht allen, auch meine Zeit ist begrenzt, ein so ein Blog ist Christiane Zintzens „In/ad/ä/quat“, der sich ja sehr für die eher experimentelle österreichische Kleinliteratur einsetzt und da hervorragendes bietet.

Es gibt den Blog schon etwas länger als meinen, als 2007 die GAV-Vollversammlung in Graz war, hat Christane Zintzen ihn vorgestellt und durch die „Elfriede Jelinek Seite“ bin ich dann etwas später auf ihn gekommen und auch auf ihn geblieben und habe von ihm einiges sehr Interessantes  erfahren.

Christiane Zintzen, die früher auch in der „Alten Schmiede“ tätig war und die ich da einmal sehr verwirrte, als sie mir empfahll, ein Buch zu kaufen und ich ihr darauf etwas patzig antwortete, ich hätte schon eines zu Hause, in Wahrheit habe ich ja, wie meine Leser wissen, viel viel mehr, kuratierte die „Radiokunst“ auf der Hörspielleiste, kam manchmal im „Inadäquat-Leiberl“ in die „Alte Schmiede“, hat sich, wie ich einmal bei „Rund um die Burg-alt“ gesehen habe, sehr um Elfriede Gerstl gekümmert, war, glaube ich, auch einmal in Ö1 als es über den „Steinhof“ ging, worüber sie glaube ich, literaturwissenschaftlich gearbeitet hat und sie war auch vor ziemlich genau sieben Jahren eine der Ersten, die mir auf meinen Blog einen Kommentar schickte.

Damals hat sie auf ihren Blog auch das Volksstimmefest vorgestellt, das es ja morgen und übermorgen wieder gibt, aber ich war bis gestern schon lange nicht mehr auf ihren Blog, weil ich irgendwie den Eindruck hatte, daß es ihn nicht mehr gibt oder er nicht mehr, wie früher funktioniert.

Gestern bin ich aber durch einen Aufruf auf meinen Blog, ich habe sie in meinen nicht sehr verwalteten Blogroll und da dachte ich, klicke ich wieder hin, das war am Nachmittag und vorher habe ich im Radio in Ö1 bei „Von Tag zu Tag“ eine Sendung über „Zuerst denken, dann kliquen!“ gehört, wo es um das Facebook und die Falschmeldungen dort gibt.

Da berichtete beispielsweise einer, daß man sich im Kino durch infiszerte HIV Nadel in den Sitzen, anstecken kann und alle fangen an das zu posten und weiterzuverbreiten und da gibt es eine Seite, die diese Internet-Lügen aufdeckt.

Interessant habe ich gedacht, aber ich falle nicht herein, wenn mir jemand meldet, daß ich eine Millionen gewonnen habe und ich ihm meine Bankdaten bekanntgeben soll.

„Natürlich gleich löschen!“, hat der Gast im Radio geraten.

Gar nicht erst ankliquen, aber was tue ich, wenn ich im Internet eine Nachricht finde, daß es jemanden schlecht geht, daß er sich umbringen möchte oder das schon hat und das vielleicht schon seit Monaten so geht und  es gibt keine Kommentare?

Gar nicht erst anklicken? Geht nicht! Bei einer Psychologin sowieso schon nicht, also reagieren, aber wie weiß ich, daß das ernstzunehmen und vielleicht nicht bloß ein literarischer Text ist?

Eine schwierige Frage mit dem wir alle vielleicht viel zu wenig Erfahrung habe, zumindestens habe ich, obwohl ich schon einige Jahre mehrere Blogs intensiv verfolge, diese Erfahrung noch nie gemacht und ich bin wahrscheinlich mit meinen Jammereien ohnehin der persönlichste Blog, den ich da kenne?

Was macht man aber in einem solchen Fall? Eine Selbsthilfegruppe wär da gut!

Ich habe dann einen persönlichen Kontaktversuch gestartet, kommentiert und mich bei Freunden beziehungsweise GAV-Kollegen umgehört und würde ganz allgemein dazu aufrufen, zu reagieren, zu kommentieren, zu fragen, ob man helfen kann?

Auch wenn es, wenn sich die entsprechende Person in einer Ausnahmesituation befindet, vielleicht nicht sofort nützt.

Vom Internetstalking habe ich schon einiges gehört, war aber persönlich noch nicht sehr betroffen, außer, daß ich angeblichsten am allerschlechtesten schreibe, was ich eigentlich nicht glaube, daß es einer Person, die ich per Blog verfolge, schlecht gehen könnte, habe ich bis jetzt auch nicht wirklich sehr erfahren.

Daß es einen Bloggeburtstag zu feiern gibt, habe ich schon öfter gelesen und kommentiere, dann auch immer „Gratuliere!“, gepostet.

Eine junge Frau hat einmal gemailt, daß sie ihre Wohnung verloren hat und hat auch verschiedene Reaktionen bekommen.

„Buzzaldrin“ ist jetzt nach Hamburg gegangen um ein Volontariat zu beginnen, was auch viele Glückwünsche  und Kommentare zur Folge hatte.

Dann gibt es Blogs, wo nichts passiert. Monatelange Hilferufe und keine Reaktion, das ist eigentlich sehr arg und so denke, ich, daß man manchmal im Netz nach dem Denken vielleicht auch reagieren und nicht nur wegkliquen und „Interessiert mich nicht, was belästigt die mich mit ihrer persönlichen Befindlichkeit?“, denken sollte.

Auch wenn das Netz sehr voll ist mit Informationen.

Manchmal sind vielleicht auch Hilferufe dabei und da wären Erfahrungsberichte, was man in einer solchen Situation macht, vielleicht ganz nützlich und so würde ich mich sehr freuen von meinen Lesern vielleicht ausnahmsweise eine Reaktion zu bekommen, ob schon  etwas Ähnliches erlebt wurde und was man in diesen Fall am besten macht?

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2 Kommentare »

  1. Vor ein paar Monaten hat ein Blogger einen „Abschiedstext“ auf seinem Blog gepostet. Es gab massig Reaktionen, vor allem auch auf Twitter – und es gab offenbar Leute, die im richtigen Leben Kontakt zu ihne aufnahmen, der zum Glück noch lebte. Und dann auch weiter lebte. Es war kein „Fake“, sondern ein Tiefpunkt und man kann ja froh sein, dass er seinen Entschluss nicht umgesetzt hat. Es war eine Person, die immer anderen geholfen hat…

    Ob bei Hilferufen Reaktionen kommen, hängt wesentlich davon ab, wie präsent man ansonsten im Netz ist. Ein Twitter-Account ist auf jeden Fall hilfreich, zudem lange nicht so komplex und aufwändig wie ein FB-Account. Und es kommt auch darauf an, was die Person ansonsten von sich zeigt. Immer nur geschliffene Texte ohne persönlichen Bezug schaffen keine emotionale Nähe, die zum Helfen-Wollen inspirieren könnte.

    Selbst hab ich vor Jahren in einem finanziellen Tief mal meine Leser/innen gebeten, Blogposts zu sponsern. Ich hab Themenvorschläge gemacht, die sie buchen konnten – und auch selbst gewählte Themen waren möglich. Einige der so entstandenen Texte gehören noch heute zu den „meistgelesenen“ im Blog. Binnen kurzem kamen 600 Euro zusammen, die mir damals sehr geholfen haben. Dann war das Finanzloch vorbei und ich hab damit wieder aufgehört, weil ich merkte, dass mir das „verpflichtete“ Schreiben nicht liegt.

    In ganz anderer Dimension wurde vor Jahren eine bekannte Bloggerin bespendet, deren neue Eigentumswohnung komplett abgebrannt war. Die Familie musste ins Hotel ziehen, alles war weg. Binnen kurzem kamen über 20.000 Euro zusammen, dann haben sie die Aktion gestoppt (die von Freunden, nicht von der Autorin selbst gestartet wurde), weil ja irgendwann die Versicherung zahlen würde. Dass soviel Geld kam, lag ganz klar daran, dass sie in diversen Communities aktiv und immer hilfreich war, teils auch als Admin/Moderatorin. Wer gibt, dem wird gegeben… wobei das Geben sich auf etwas beziehen muss, was auch gebraucht / geschätzt wird.

    Der letzte erfolgreiche Fall eines Hilferufs war dieser hier: https://robinsurbanlifestories.wordpress.com/2016/12/15/hilfsgesuch-wollt-ihr-meine-persoenlichen-helden-sein/
    Es kam MEHR als das gewünschte Geld zusammen. Robin hat eben eine große Leserschaft, berichtet aus ihrem realen Leben und hilft auch hier und da, wenn es sich ergibt (sie hat z.B. das Buch „Fettlogik überwinden“ redigiert, das heute ein Bestseller ist – und zwar, als es noch nicht raus war, einfach so als Hilfe für die Autorin.)

    Kommentar von ClaudiaBerlin — 2017-01-13 @ 13:36 | Antwort

  2. Vielen Dank für Ihre Reaktion und Inormationen! Das sind ja interessante Beispiele!

    Kommentar von jancak — 2017-01-13 @ 16:11 | Antwort


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