Literaturgefluester

2015-09-17

Hundert Bücher und gute Literatur

Am Mittwoch, die richtige Eröffnung der einundvierzigsten literarischen Saison in der alten Schmiede und ein sehr großes Konkurrenzprogramm, nämlich das Come together nach dem Fest im Amtshaus Margareten, Meg Wollitzer von der die Litblogger so begeistert sind, in der Hauptbücherei, Sabine Gruber, Thomas Havlik moderiert von Robert Schindel im Literaturmuseum und dann noch eine achtzehn Uhr Klientin, die allerdings nicht gekommen ist.

Die  Literatin in mir hat sich für die „Alte Schmiede“ entschieden und das dann eine Zeitlang bereut, denn dort im Zeitschriftensaal standen die Assistenten mit ihren Mappen und Kurt Neumann begrüßte die geladenenen Gäste, wahrscheinlich die hundert Literataten, die die hundert Büchern zu den Projekten der „Alten Schmiede“ geschrieben haben und ich bin nicht dabei.

Naürlich nicht, denn ich stehe ja mit meinen selbstgemachten Büchern außerhalb und bin froh einen Termin bei den „Textvorstellungen“ zu bekommen, also neben den Begrüßungsküsschen stehen und trotzdem mitbekommen, daß unten im Keller die Plätze für die geladenenen Literaten, Marie Therese Kerschbaumer, Barbara Frischmuth, Ferdinand Schmatz, Ann CottenAnna Migutsch, Markus Köhle und und und reserviert waren und im Schmiedesaal nahm eine Schulklasse Platz, ein paar Mädchen mit Kopftüchern und eine Lehrerin, die ihren Schülern draußen vor dem Tor die Fragen einprägte, die sie stellen sollten, denn das wird wahrscheinlich für die Matura relebvant.

Ich weiß gar nicht, wann Gelegenheit dazu war, denn zuerst gab es die Ausstellungseröffnung im Galeriesaal, das heißt, damit nicht so ein Gedränge wäre, wurde das in den Schmiedesaal übertragen.

Ich bin ganz hinten zwischen Friedrich Achleitner und Renata Zuniga gesessen, in der Seitenloge  Ilse Kilic und Fritz Widhalm und Kurt Neumann eröffnete  die einundvierzigste Saison mit einem Hinweis auf die katastrophale aktuelle Lage, der Flüchtlingsstrom von Syrien durch Österreich und kam dann zurück zu den hundert Büchern, die auf Grund von Veranstaltungen der vorangegangenen vierzig Saisonen entstanden sind.

Denn da gab es ja einige , den Club Poetique, die Autorenlabors, die Grundbücher, die Vorlesungen zu Literatur, die Assistenten von denen es inzwischen auch schon viele gibt, haben die in Folge dessen entstandenen Büchern mit fünf Farben markiert, damit man sich auskennt und außerdem  im aufgelegten Handout nachschauen kann.

Kurt Neumann zählte einiges auf und erzählte Anekdoten, nannte Namen von den Veranstaltungen und den Reihen, Angelika Reitzer hat eine neue, wo sie sich mit den literarischen Neuerscheinungen beschäftigen, Michael Hammerschmid kuratierte die „Poliversale“ beziehungsweise im vorigen Juni das Kurzfestival „Dichterloh“ und und und dann konnte man sich die Ausstellung eine viertel Stunde ansehen, bevor es im reservierten Kellersaal weiterging.

Trotzdem habe ich einen Platz gefunden, neben Cornelius Hell und hinter Petra Ganglbauer, für Bernhard Fetz war auch ein Platz reserviert, aber der eröffnete oder moderierte wahrscheinlich im Literaturmuseum und die Frage was gute Literatur ausmacht wurde von der „Alten Schmiede“ vor einiger Zeit vierzig Autoren, Literaturwissenschaftlern, Verlagsmenschen etcetera gestellt, mich hat keiner gefragt, aber ich gehöre ja nicht zum experimentellen Insiderteam, obwohl zehn gar nicht geantwortet haben, die nächsten zehn sind dann in weiterer Folge verschwunden und der Rest wurde zu Paaren zusammengestellt um diese Frage zu beantworten, daraus ergab sich dann ein dreihundertfünfzig Seiten Briefwechsel.

Spannend die Frage, wieviele Bücher daraus entstehen könnten?

Es wurden aber auch vier Kuratoren bestimmt, Anna Kim, die Schriftstellerin, Thomas Eder der Literaturwissenschaftler,  Florian Neuner der Philosoph und Verlagslektor, der einmal den Rimbaud-Preis für Menschen unter neuenzehn gewonnen hat und Helmut Neundlinger ebenfalls Literaturwissenschaftler, Publizist und Autor, die erstellten einen fünf Fragenkatalog und stellten dazu die Antwort der Autorenkorrespondenz zusammen, von der sie dann kurze Beispiele gaben.

Jeder der Kuratoren hat sich mit zwei Tandempaaren beschäftigt, die da Ann cotten und Ferdinan Schmatz, Leopold Federmayr und Retro Ziegler, Karin Fleischanderl und Markus Köhle, Lydia Mischkulnig und Vladimir Vertlib, Anna Migutsch und Christian Steinbacher, Samuel Moser und Andrea Winkler, S.J. Schmidt und Hermann Wallmann, sowie Thomas Stangl und Anne Weber waren.

Da sich darunter ja auch einige experimentelle Autoren befanden, waren die Ausführungen dann auch sehr theoretisch, aber ich habe derzeit durch mein Buchpreisbloggen und mein LLlesen ja eher praktische Erfahrungen und zum fünften Punkt, dem schlechten Schreiben, etwas was ja ich angeblich betreibe, sind wir  gar nicht mehr gekommen, denn das Publikum drängte zum Wein, den Trauben und den Traubensaft, es gab auch  noch Gespräche über die Veranstaltung, von der ich mir, da ich derzeit ja sehr viel lese und darüber bücherblogge, vielleicht mehr Praktischeres erwartet habe.

Es kam zwar das Bonmot, daß Literatur aufrühren und verstören müße, Kafka hat da auch etwas von einer „Axt“ gesagt, während Karin Fleischanderl, mit der ich mich unterhalten habe, meinte, daß sie auch trösten könne.

Das trifft zwar vielleicht den Kitschvorwurf, die Leser wünschen sich das, wie man an der Buchpreisdebatte sehen kann, aber und die Buchhändler natürlich, die ihre Bücher an die Leute verkaufen wollen und die interessieren sich wahrscheinlich mehr für Krimis oder für die Alina Bronsky als für die hundert in der „Alten Schmiede“ ausgestellten Bücher.

Die berühmten Bücherblogger reagierten auch irritiert und verärgert, daß Ulrich Peltzer auf die Liste kam und vor zwei Jahren Reinhard Jirgl, den hat Tobias Nazemi  abgebrochen, weil er ihm zu sperrig zu lesen war. Da stellt sich natürlich die Frage, schreibt der Autor für sich oder für den Leser?

Arno Schmidt, die Autoren der hundert Bücher in der „Alten Schmiede“ und wahrscheinlich auch die „Büchner-Preisträger“ tun wahrscheinlich Ersteres.

Die Krimiautoren sehen das wahrscheinlich anders und betrachten sich eher als Dienstleister für die Leser und ich würde gute Literatur hauptsächlich über die Authentizität definieren.

Wenn sie ehrlich ist, dann ist sie für mich wahrscheinlich gut, auch wenn sie realistisch und eine Handlung hat oder sagen wir gerade deshalb, obwohl ich ja auch zu Andrea Winkler Lesungen gehe und Richard Obermayr lese, dessen erster Roman, wie Kurt Neumann erklärte, ja auch durch seine Mitwirkungen bei den „Textvorstellungen“ entstanden ist.

Bei Valerie Fritsch, die ich ja auch gelesen habe, ist es mir jetzt passiert, daß mich „Winters Garten“ etwas enttäuschte und ich das Buch eher kitschig als poetisch fand.

Sonst bin ich ich ja wahrscheinlich nicht sehr kritisch, verreiße eher nicht, sondern lese mich, wie ich vermuten würde wertschätzend durch den literarischen Gemüsegarten und für die, die es wissen wollen, ich halte mich und mein Schreiben auch für gut, obwohl es ja Stimmen gibt, die etwas anderes behaupten.

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