Literaturgefluester

2015-09-27

Wie ihr wollt

Nun kommt das vierzehnte LL-Buch und das dritte das es auf die Shortlist geschafft hat, nämlich Inger-Maria Mahlkes historische Annäherung „Was ihr wollt“ aus dem Leben, der Mary Grey, eine Cousine von Elisabeth der I, die von ihr, wegen unerlaubter Heirat und vielleicht auch anderer Aufmüpfigkeit in Hausarrest gehalten wurde, bis sie dreiunddreißigjährig, 1578 an der Pest starb.

Nun mag ich eigentlich keine historischen Romane, zumindest keine, die vor dem ersten Weltkrieg spielen, bis dahin interessiert es mich sehr, die Gawalttaten der Tudors, Stuarts, etc,  aber nicht und ich hätte solche Romane, Julia Kröhn schreibt regelmäßig welche, eigentlich auch nicht für besonders literarisch gehalten, bei der 1977 in Hamburg geborenen Juristin, Inger Maria Mahlke, die in Berlin lebt, ist das aber anders, denn die, habe ich, 2012, glaube ich, in Zuge des Bachmannpreislesens kennengelernt und da hat sie einen Text gelesen, der mich sehr interessierte, handelte er doch von einer Hartz IV Empfängerin und der  2014 erschienene Roman „Rechnung offen“, am Cover ist eine Gegensprechanlage zu sehen, hätte mich auch sehr interessiert.

So war ich eigentlich sehr zufrieden, als ich den Namen Inger-Maria Mahlke auf der Longlist sah, das Buch wurde mir dann auch, als ich von meiner Sommerfrische wieder nach Wien zurückgekommen bin, auch angeboten, es war dann ein bißchen schwierig, es zu bekommen, so habe ich vorher noch, den mir später avisierten Zaimoglu geslesen, aber da wußte ich schon, daß ist ein Roman, der in Shakespeares Zeiten spielt, der Titel scheint auch darauf anzuspielen und diese Mary Grey ist auch noch eine kleinwüchsige Frau, böse Zungen würden Zwergin schreiben und mit einem solchen Buch, ist glaube ich im Vorjahr Thomas Hettche auf die Shortlist gekommen.

Nun habe ich das Buch gelesen und es war, wie auch Jochen Kienbaum von „LustaufLesen“ einer der Bücherblogger schreibt, ein angenehmes Lesen, eine schöne Sprache und Inger-Maria Mahlke, die gründlich recherchiert hat und am Schluß des Buches einen genauen Anhang gibt, schreibt auch „Lieber Leser, ich bin keine Historikerin und dies ist auch kein historischer Roman, sondern eine literarische Aneignung eines historisches Stoffes“

Nun denn, die prekären Verhältnisse von Berlin oder sonstwo wären mir zwar lieber. Aber prekär genug geht es in dem leisen stillen Buch eigentlich ohnehin zu, werden doch da in moderner Sprache, die Kämpfe einer Frau gegen Gewalt und Unterdrückung und ihr Auflehnen dagegen geschildert und ich bin sicher, die wahre Mary Grey, es gibt im Anhang auch ein Portrait von ihr, 1571 gemalt, hat wahrscheinlich anders gesprochen und gedacht und sie ist mit ihrer Magd, Kammerzofe, Dienerin, etcetera, Ellen, wahrscheinlich auch anders umgegangen.

Aber diese Ellen, schreibt Inger-Maria Mahlke im Anhang weiter, hat es nie gegeben. Se ist eine Erfindung und so wird die kleinwüchsige Mary Grey, die von ihrer berühmten Cousine gegangengehalten wird, von ihr auch bespitzelt und tyranisiert. Manchmal sperrt sie sie auch ein und manchmal muß Mary den Schlüßel für die Kassette in der sie ihre Schriften aufbewahrt, sie schreibt nämlich alles auf, vor ihr im Mund verstecken.

Mary Grey wohnt mit ihrer Dinerin im ersten Stock des Hauses eines Lord Gresham und da sie rangmäßig über ihn steht, müßener und seine Frau sich auch erheben, wenn sie hinunter zum Diner geht, deshalb will er sie auch gerne loswerden, was ihm,  wie Inger-Maria Mahle weiter im Anhang erklärt, 1572 auch gelingt, da wird sie aus dem Hausarrest entlassen und wird, bis sie in jungen Jahren stirbt, sogar Ehrenmädchen, ich nehme an, eine Hofdame ist damit gemeint, bei der Queen Elisabeth.

Bis dahin wehrt sie sich, in dem sie ihre Geschichte, die Verehlichung ihrer Schwester Janet, dann gab es noch eine Katharina, so intensiv aufschreibt, daß sie offensichtlich eine Sehnenscheidenentzündung davon bekommt und Ellen muß ihr die Arme einreiben und bandagieren, sie verläßt auch heimlich das Haus und schreibt Briefe an einen Robert.

Der Roman ist in zwei Stränge gegliedert, in dem einem streitet sich Mary mit Ellen herum, könnte man salopp formulieren, im anderen wird sehr kunstvoll, das was bisher geschah, die Gewalttaten, die Familiengeschichte, die Glaubenskriege, die ganze Historie, die mich nicht so interessiert, beschrieben.

Die Kritik ist, glaube ich, begeistert, der Verlag hat mir auch ein Mail geschrieben, als das Buch auf die Shortlist kam und ich könte mir auch vorstellen, daß es gute Chancen hat, denn eine literarische Aufarbeitung eines historischen Stoffes einer Bachmannpreisträgerin, werden die Schwiegermütter und Gattinnen gerne zu Weihnachten lesen, so wünsche ich dem „Berlin Verlag“ und Inger-Maria Mahlke für das Finale alles Gute und mir für das nächste Buch ein zeitgemäßeres Thema, der Holocaust, die Achtziger und Neunzigerjahre, die prekären Verhältnisse der Jahrtausendwende, aber auch das Leben in Berlin, Graz, Baden bei Wien mit seinen überforderten Hausfrauen, Stalkern, Borderlinen, Drogensüchtigen, Abhängigen, etcetera, wäre sicher interessant, aber wenn mich nicht alles täuscht, kommt das ohnehin  demnächst auf mich zu.

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