Literaturgefluester

2015-10-02

Geburtstagsschreiben

Filed under: Schreibbericht,Textbeispiel — jancak @ 23:14
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Heute war das „Westbahn-Spontan-Schreiben“ wieder mal am Freitag, weil Peter Czak am Donnerstag Geburtstag hatte und das war dann gleich das Thema, habe ich ja zufälligerweise gestern auch begonnen, mein literarisches Geburtstagsfest vorzubereiten, das am sechsten November mit Lesungen von Ruth AspöckElfriede Haslehner, Rudi Lasslsberger, Peter Czak und mir, die üblichen Verdächtigen halt, stattfinden wird,  Hilde Schmölzer habe ich auch angefragt, die ist aber, wie hörte, drei Wochen auf Kur, also wird es spannend werden und das Geburtstagsschreiben, löste, wie sich herausstellen sollte,heftige Diskussionen aus.

Ruth Aspöck, Robert Eglhofer, Peter Czak und Fritz Widhalm waren anwesend und hier mein Text, den ich eigentlich auch auf der Lesung vorstellen könnte:

„Geburtstage sind ein Ereignis, die jeder mal zu feiern hat, um die man nicht herumkommt, die man so oder so, haßen, ignorieren, lieben, etcetera kann.

Ab einem bestimmten Datum geraten Frauen leicht in Verdacht sich darum zu drücken oder ewig gleich alt zu bleiben. Fünfzig oder sechszig plus und dazu ein verschämtes Lächeln im Gesicht.

Ich kenne eine Wiener Autorin, die sich standhaft weigert, ihr Geburtsdatum anzugeben, weil sie sich dadurch behindert, diskriminiert, etcetera, fühlt.

Es ist, bleibt wie es ist, würde dazu  vielleicht Poet Erich Fried fein fabulieren. An dessen Geburtstag Jahr für Jahr im Literaturhaus ein Symposium veranstaltet und ein Preis vergeben wird oder handelt es sich dabei um seinen Todestag?

Geurtstag, Geburtstagstorte, Geburtstagskerzen, Geburtstagsfeier.

Ich wünsche dir ganz herzlich. alles Gute zum Geburtstag, gratuliere sehr und zünde dir auf deiner Torte eine Kerze an.

Wie auch ich ganz ehrlich, meinen Geburtstag mag und ihn regelmäßig zelebriere. Die Geburtstagshasser wiederum ganz ehrlich nicht verstehen kann und ich auch nichts gegen die Preisgabe meines Geburtsdatums habe.

Ich werde heuer zweiundsechzig. Na und?

Vielleicht hängt die Wichtigkeit der Geburtstage auch mit der sozialen Erwünschtheit zusammen. Ein eher unerwünschtes Kind muß sich vielleicht behaupten und seinen Geburtstag besonders zelebrieren, während das selbstbewußte Wunschkind eher ein Geburtstagshasser sein und nicht älter werden will.

Happy birthday, happy birthday to you, ich wünsche dir zum Geburtstag alles Gute, alles Liebe für dich!

Und dann gibt es noch die geschichtsträchtigen Ereignisse, die einen Geburtstag prägen können und die sind bei mir ganz besonders intensiv.

Neunter November 1953, da war doch fünfzehn Jahre vorher die Nacht, wo die Synagogen brannten, während sechsunddreißig Jahre später eine Mauer erstürmt wurde, die eine Stadt in zwei Teile trennte.

Und der Herr Palmers, ich weiß nicht, ob man sich noch daran erinnern kann, wurde 1977, glaube ich, von der Wienerischen RAF Abteilung entführt und in einem Keller festgehalten.

Geburtstag, Geburtstagsfeier, Geburtstagskerzen.

Ich wünsche dir ganz herzlich, alles Gute zum Geburtstag, würde mir meine Geburtstagstorte auch selber backen, wenn es keinen gibt, der das für mich tut und wenn darauf nur Platz wäre, auch siebzig, achtzig, fünfundachtzig Geburtstagskerzen stecken oder hundert rosarote Luftballons aufblasen und in die Luft verschicken oder nein, das nicht, so alt will ich eigentlich nicht werden, obwohl mir ja, wie schon geschrieben, mein Geburtstag sehr wichtig ist.

Geburtstag, Geburtstagskerzen, Geburtstagstorte. Diesesmal werden es zweiundsechzig Kerzen sein, die darauf kommen könnten und das ist eigentlich ganz schön.“

Und das Geburtstagsgeschenk, habe ich, wenn man so will, auch schon im Schrank gefunden, nämlich Doris Knecht „Wald“, ein Buch von dem sich ja viele wünschten, daß es auf der heurigen Longlist steht.

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