Literaturgefluester

2015-10-11

Facts and Fiction und Erich Fried Preis

Das internationale Erich Fried Symposium wurde heuer um einen Monat vorverlegt und findet, glaube ich, ab heuer  jedes Jahr im Literaturhaus statt, thematisch knüpft es an die Lyrik und die Short Stories an und widmet sich heuer der literarischen Reportage.

Joseph Roth und Egon Erwin Kisch könnte man meinen, aber das ist wahrscheinlich eine andere Liga und ein anderer Zeitrahmen, bietet doch das Symposium lauter Österreich- oder sogar Europapremieren und einige Nobelpreisträger an, am Dienstag beispielsweise die Eröffnung im Akademietheater mit V. S. Naipaul und Christoph Ransmayr für achtzehn oder zwölf Euro Eintritt, aber da war gleichzeitig  die Kriminacht und ich in der Hauptbücherei bei Philiph Kerr und am Mittwoch als es um Polen ging, wurde im MUSA der Veza Canetti Preis vergeben.

Am Donnerstag hat dann Swetlana Alexjewitsch, die, glaube ich, auch  literarische Reportagen schreibt, den Nobelpreis gewonnen.

Robert Huez und die anderen Veranstalter wird das gefreut haben, ich war da im Cafe Industrie und habe Ernst Hinterberger gelesen, der vielleicht auch nicht ganz unpassend wäre und bin erst am Freitag ins Literaturhaus gekommen.

Da gab es wieder Thomas Ballhausen und den Film, es gibt inzwischen auch viele Fanartikels, wie T-Shirts und Schals zu kaufen, so trug er einen solchen und kündigte zwei Vorträge mit Beispielen des filmischen Reportagenschaffens von der 1980 geborenen Judith Zdesar und der Amerikanerin Hope Tucker an.

Der Open Lecture von Judith Zdesar war total interessant, sprach sie doch von Entblößung und zur Schaustellung ihrer Person, wenn sie ihre Filme zeigt und von ihren Reisen, die sie in ihren Zwanzigerjahren alleine machte, um Leute kennenzulernen und Großes zu erleben, so war sie in Grönland und beim Nordkap ist sie zwanzig Kilometer vorher zurückgefahren und hat sich anschließend in Psychoanalyse begeben.

Sie gab auch drei Beispiele, einen Film über das Thema Einsamkeit, wo sie die Soldaten die die öerreich-ngarische Grenze bewachen sollten, sich filmen ließ, dann filmte sie zum thema Trauer ihren Großvater nach dem Tod der Großmutter und zur Angst ging es dann um Grönland.

Für das vierte Beispiel war dann leider keine Zeit und auch für die anschließend geplante Diskkussion nicht mehr und Hope Tucker, die 1974 in Memphis geboren wurde, zeigte Beispiele aus einem Film über Atomkraftwerke, wo es auch über Zwentendorf ging.

Dann kam eine Europapremiere, nämlich der 1959 in Kalifornien geborene William B. Vollmann, von dem man am Büchertisch eine Unzahl meist sehr dicke Bücher bewundern oder kaufen konnte. Ein paar davon gibt es auf Deutsch und die hat er dann eine Stunde lang präsentiert.

„Huren für Gloria“und „Hobo Blues von Thomas Melle übersetzt, beispielsweise oder „Europe Central“, wo es um den zweiten Weltkrieg ging.

Es gab dann noch eine Lesung aus einem nur auf Englsch erschienenen Buches. Sebastian Fasthuber, den ich schon am Dienstag in der Hauptbücherei hörte, moderierte und erzählte von einem Zyklus von Amerikaromanen, die der vielschreibene und in Österreich offenbar noch nicht so bekannte Autor schon geschrieben hat.

Am Samstag ging es  weiter mit zwei gezeichneten Reportagen, nämlich zuerst mit den Skizzenbüchern des 1985 in Paris geborenen und in München aufgewachsenen Sebastian Lörscher, der mit seinem Skizzenbuch zuerst nach Bangladesch, dann nach Haiti und zuletzt durch das „Wilde Österreich“ gezogen ist und den Leuten, die eines seiner Bücher kaufte, dann noch lang daraufzeichnete, der zweite Bildvortrag ging von Kroatien nach Italien und wieder zurück und zwar ist die Mutter, der 1991 in Florenz geborenen  Fotografin Caterina Sansone von Fiume dorthin deportiert worden.

In dem Buch „Palatschinken“ hat sie diesen Weg mit ihrem Mann Alessandro Tota, einem Comiczeichner nachverfolgt, die Mutter dabei interviewt und auch Leute befragt, die die Wohnorte der Mutter von früher gekannt haben.

Dann ging es nach Spanien oder auch nach Tschernobyl, denn der 1962 in Saragossa geborene Javier Sebastian, hat ohne dort gewesen zu sein, den Ficton-Fact-Roman „Der Radfahrer von Tschernobyl“ geschrieben, der mir in der Diskussion um das neue LL-Buch der Alina Bronsky, als die bessere Tschernobyl Beschreibung empfohlen wurde. Es gibt auch ein zweites Buch, das auf Deutsch gerade erst erschien, in Spanien aber vor dem  „Ciclista“ dran war, nämlich „Thallium“, wo es um Spaniens Afrika Kolonisierung und um mit Thalium vergiftete Trüffel geht.

Das „Radfahrerbuch“ würde ich gerne einmal finden, es ist, wie der Autor, glaube ich, erwähnte, der neuen Nobelpreisträgerin gewidmet, die  auch über Tschernobyl schrieb.

Dann ging es wieder nach Amerika oder in den Irakkrieg, denn der 1983 geborene Phil Klay, ist Veterarn des US Marine Corps und war von 2007-2007 Presseoffizier in der irakischen Provinz Al-Anbar.

Dann schloß er seinen Master of Art ab, war Assistent bei Richard Ford und hat für  „Redeployment“ auf Deutsch „Wir schossen auch Hunde“, Erzählungen aus dem Irak-Krieg, den National Book Award bekommen.

Daraus hat er sehr lebhaft drei Szenen gelesen, wurde von Florian Höllerer, der glaube ich, das Berliner Colloquium leitet und vorige Woche mit Richard Ford, der Klay sehr talentiert nannte, gesprochen hat, interviewt und am Sonntag wurde, um elf der Erich Fried Preis an Dorothee Elmiger verliehen, die einmal in Klagenfurt gewonnen hat und die ich schon in der Hauptbücherei  und in Leipzig hörte.

Da traten wieder die üblichen Prominenten und ein paar der Stammesucher auf und die die Politiker, die die Eröffnungsreden hielten.

Minister Ostermayer mußte zu einer Matinee ins Burgtheater, schaffte aber vorher noch ein paar Verknüpfungen.

Anne Zauner gab eine Zusammenfassung des bisherigen Geschehens und Robert Huez eröffnete. Dann wurde der alleinige Juror von Beatrice van Matt vorgestellt, der sich sehr viel mit James Joyce  beschäftigt zu haben schien.

„Blums Schatten“ heißt so eines seiner Bücher und Dorothea Elminger hatte von den Veranstaltern den Auftrag bekommen, eine literarische Reportage zu schreiben.

„Ich bin keine Reporterin!“, begann sie ihre Ausführungen.

Natürlich, denn die gilt bei den Sprachkünstlern ja nicht für literarisch gut genug, ist aber trotzdem deshalb im Sommer nach Athen gefahren und ist dort dann im Fieber in einem Hotelzimmer gelegen.

Nachher gab es Sekt zum Anstoßen und Nachlesen kann man dieses internationales Festival, in dem man wirklich, glaube ich, sehr viel Neues erfahren konnte, in den Blogs von Robert Prosser und Judith Nika Pfeifer, wie Anne Zauner bekanntgab und natürlich, wenn auch nur zum Teil im“ Literaturgeflüster“.

Und ich möchte ich noch anmerken bin sehr interessiert an dem literarischen Reportieren und glaube, daß auch einiges, was ich schreibe, darunter einzureihen ist.

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