Literaturgefluester

2015-10-15

Schwarze Liebe, Schwarzes Meer

Filed under: Bücher — jancak @ 00:01
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Daß man die literischen Genres nicht vermischen darf, weil die Leser keine Bücher wollen, wo sich ein Krimi, als Liebesroman erweist oder umgekehrt, lernt man, glaube ich, in den Schreibseminaren und auch, daß man diese Regeln durchaus mal brechen darf und so hat sich der 1946 in Konya geborene Zülfü Livaneli, einer, wie im Klappentext steht, der bekanntesten Künstler, Sänger, Filmer der Türkei, in seinem neuen, mir freundlicherweise von „Klett-Cotta“ zur Verfügung gestellten Roman „Schwarze Liebe, Schwarzes Meer“ nicht daran gehalten, aber wahrscheinlich hat er gar keine Schreibseminare besucht und Schreibratgeber gelesen.

Ich bin ja auch eine, die sich für Neues und für Regelbrecher interessiert und so habe ich den stillen Roman mit dem Genremix sehr genoßen, obwohl nicht wirklich viel Neues in ihm zu lesen ist und man manches vielleicht auch als  kitischig interpretieren könnte.

Aber trotzdem interessiert mich ein in der heutigen Türkei spielender Roman, ich habe noch nicht sehr viele davon gegelesen und Feridun Zaimoglus „Siebentürmeviertel“ kann man wohl nicht wirklich echt türkisch benennen, sein Roman spielt auch in der Vergangenheit und die Beziehung zwischen einem jungen Mädchen und einem hier als alt, obwohl er erst Ende fünfzig ist, beschriebenen Mannes, klingt auch sehr interessant.

Zwei Beschreibungen, eine für den Krimi, eine für die Liebesgeschichte, kommt auch noch dazu. Verlag oder Autor machen es wirklich spannend, so daß ich lange nicht wirklich wußte, lese ich jetzt einen Krimi oder einen Liebesroman?

Wahrscheinlich beides oder auch nichts davon, sondern die Erzählungen des fast siebzigjährigen Autors, der sich  irgendwie mit der Scheherazade aus „Tausend und einer Nacht“ zu vergleichen scheint und raffiniert aufgebaut, sind diese Verwirrungen und Fallstricke auch.

Es geht in ein kleines Dörfchen bei Istanbul, am schwarzen Meer gelegen, wohin sich die reichen Istanbuler am Wochenende oder in den Ferien zurückziehhen.

Dort wohnt Ahmed, ein Ingenieur und Rentner, obwohl er erst Ende fünfzig ist und irgendwie ein seltsamer Mensch. Er geht wenig aus dem Haus, hat darin jede Menge Bücher und seinen Zimmer auch den Namen der jeweiligen Genres zugeteilt. So gibt es ein „Liebeszimmer, Eifersuchtszimmer, etcetera.

Das stimmt nun auch nicht ganz, denn er geht doch hinaus, einerseits mit seinem Hund Kerberus ans Meer spazieren, aber auch auf die Party von Arzu Kahraman, einer jungen Frau, die mit einem älteren Künstler verheiratet ist.

Dort zieht er sich bald in den Oberstock und zu Büchern zurück und am nächsten Morgen erfährt er von seiner Putzfrau, sie wurde ermordet.

Dann klopft die junge Journalistin Pelin Soysal, aus Istanbul, bei ihm an, die für ihre Zeitung über den Mord recherchieren will und er erzählt er,  wie einst Schererazade zwar nicht in tausend Nächten, aber in einigen, die Geschichte seines Zwillingsbruders Mehmet, der in seinem Leben keine Liebe finden konnte und nun einsam herum zu irren scheint.

Mit der Liebe von Ahmet scheint es auch ein wenig seltsam zu sein. Denn er verträgt keine Berühungen, hat im Keller aber einen Umarmungsapparat stehen, der offenbar für die Therapie von Auisten verwendet wird,  den er für sich selbst gebraucht.

Die beiden Brüder haben ihre Eltern sehr früh durch einen Autounfall verloren, sind bei den Großeltern aufgewachsen, Ingenieure geworden und nach Weißrußland gegangen.

Dort verliebte sich Mehmet in die schöne Olga, da sie kein Englisch und er kein Russisch spricht, brauchen sie zur Verständigung, die Dolmetscherin Ludmilla, was auch ein wenig seltsam ist und zu spannenden Geschichten anregen kann.

Mehmet will Olga zuliebe sogar konvertieren, sie nach Istanbul mitnehmen, aber zuerst fliegen sie nach Sotschi, die Brüder, Olga und die Dolmetscherin. Sie kommen aber nicht soweit, denn vorher wird Mehmet verhaftet, in ein Loch geworfen und harrt dort eineinhalb Jahre aus, bis ihm der Bart und die Haare bis an den Bauch reichen, ist das wirklich realistisch und sich die Verwechslung aufklärt?

Er wurde für einen tschetschenischen Terroristen gehalten und dann vergessen, nach einenhalb Jahren kommt er nach Weißrußland zurück und findet Olga, sowohl im Wahnsinn, als auch in den Armen einer anderen wieder, so daß er fortan herumirrt oder selber wahnsinnig wird.

Dazwischen die Krimigeschichte, die eigentlich keine wirkliche ist, obwohl die bulgarische Kinderfrau des Mordes verdächtigt wird und am Schluß gibt es noch einen Liebestod, sowie eine überraschende Wende, man sieht Zülfü Livaneli versteht zu plotten.

Briefe an den Staatsanwalt und die weisen oder auch listigen Sätze des Autors, beziehungsweise des Protagonisten „Vergessen Sie nicht, daß auch mein Bruder und ich nichts weiter als eine Geschichte sind!“

Wahrscheinlich genau das Buch, das man den berühmten Schwiegermüttern zu Weihnachten unterm Christbaum legen kann. Meiner würde es, glaube ich, gefallen.

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