Literaturgefluester

2015-11-20

Mach mir den Garten, Liebling

Filed under: Bücher — jancak @ 00:24
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Ein Chick Lit aus dem „Aufbau-Verlag“, durch meine Longlistenleseverlagsanschreiberei bin ich zu diesem Buch gekommen, weil ich ja ganz ehrlich, gelegentlich auch gern das sogenannte Leichtere lesen, was man vielleicht nicht überall zugeben kann, merkte aber wieder, man lernt sehr viel dabei, denn hier wird oft das sehr plastisch an- und ausgesprochen, was in der sogenannten experimentellen Literatur oft verloren geben.

Die kleinen wichtigen Dinge des realistischen Lebens, das ganz normale tägliche Mobbing am Arbeitsplatz beispielsweise, der Liebeskummer, die Intrigen darum herum, aber auch die Frage, ob man seine Life-Balance durch einen Garten wieder in Schwung bringen kann?

Da ist ist also Luisa Fröhlich, Ellen Berg, eine 1969 geborene, offenbar  schon sehr erfolgreiche „Aufbau-Autorin“, die über eine lange Werkliste verfügt, hat es mit den sprechenden Namen und Luisa Fröhlich, an die Vierzig, ist so etwas wie ein Arbeitstier und die gute Seele der Firma „Fun Conncetion“, die wackelnde Dackel und Glücksschweinchen herstellt, schon seit dreißig Jahren tut sie das, denn der Chef Herr Haase, von allen nur Karnickel genannt, ist ein wenig konservativ und geizig ist er auch, so schmeißt er Luisas Verbesserungsvorschläge in den Müll, trotzdem macht sie sich Hoffnung Betriebsleiterin zu werden, als sie zur großen Jubiläumsparty geht.

Das Arbeitsklima in der Firma ist sehr mies, die Kollegen machen sich gegenseitig herunter, strengen sich nicht an und fangen jeden Nachmittag an zu trinken. So geht es mit der Firma auch hinab und ein neuer Geschäftsführer muß her, der zurst einmal allen mit Kündigung droht und dann, um halb sechs Uhr früh oder in der Nacht Mails shickt, um die Mitarbeiter zu „motivieren“.

Genau in diese Situation platzt ein anderes Problem, denn wie oft in Bestsellerbüchern, ist es auch hier ein wenig problembeladen und mit allerhand Konflikten überfrachtet, Luisas Tante Ruth meldet sich, die seit einem Jahr in Italien lebt, vorher aber Luisa ihren Garten übergeben hat und den jetzt wiedersehen will.

Uje, uje, denn die fleißige Arbeitsbiene Luisa hat alles, aber keinen grünen Daumen, so hat sie einen Friedhofsgärtner mit der Gartenarbeit beauftragt und der hat ein Grab daraus gemacht, wo doch alles blühen und grünen sollte und Luisa muß sich anstrengen, das Chaos zu beseitigen.

Hat aber in der Firma genug zu tun, denn der neue Chef, der gleich mit einer protzigen Assistentin antanzt, hat wie die Mitarbeiter bald herausfinden, nichts anderes vor, als die Firma zu ruinieren.

Aber vorerst organisiert Luisa ein Mitarbeiterseminar in ihrem Garten, verliebt sich in den schönen Eddie, findet eine neue Produktlinie heraus, die die Firma retten könnte, kommt aber bald in große Schwierigkeiten und so geht es hin und her, bis es zum Happyend kommt, der Garten wieder blüht, die Mitarbeiter zusammenfinden und mit einer neuerwachten Soldarität an einer neuen Produktschiene unter der neuen Produktleiterin Luisa fröhlich tätig sind.

Im wirklichen Leben wird es mit den Happyends wahrscheinlich nicht so einfach sein, ein total verkorkster Garten blüht wahrscheinlich nicht in zwei Wochen und Leute die sich jahrelang heruntermachten, werden sich nicht plötzlich wirklich lieben und sich total verändern, trotzdem ist die Geschichte trotz einiger Übertreibungen spannend erzählt und die Charaktere  glaubhaft geschildert.

Da gibt es einen Zauberkünstler, eine dicke Esoterin, aber auch den Computer Nerd und die Idee, Tante Luises Garten durch ein Crowd funding Projekt zu retten ist originell, auch wenn es wahrscheinlich in der Praxis nicht funktioniert, wenn jeder sich wünschen kann, was er geplanzt haben will, denn manche Pflanzen passen wahrscheinlich nicht zusammen und dann gedeihen nicht.

Auch die Spitznamen der Crew mit denen sie sich gegenseitig beschimpfen sind originell, Lämmchen Annikas Wandlung in die böse Schlampe, die den neuen Chef verführt und dann mit Perlenkette und Stöckelschuhen am Nachmittag Sekt trinken geht, erscheint mir nicht ganz realistisch, aber in den Unterhaltungsromanen muß man wohl ein wenig übertreiben, weil der normale Büroalltag wahrscheinlich in seiner grauen Tristesse niemanden interessiert und ein Garten kann wahrscheinlich heilen und gute Sprüche, wie, die „Willst du eine Stunde glücklich sein, einen Tag, ein Leben lang… dann….“ gibt es natürlich auch.

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