Literaturgefluester

2015-11-27

Schreiben als Widerstand

Das interdisziplinäre Sympsium „Schreiben als Widerstand-Elfriede Jelinek & Herta Müller“,  veranstaltet vom Elfriede Jelinek Forschungszentrum fand am 26. und 27. November im MUSA statt

Elfriede Jelinek und Herta Müller zwei Nobelpreisträgerinnen, die wahrscheinlich in vielen ähnlich sind, die  1946 in Mürzzuschlag geborene Elfriede Jelinek hat den Preis 2004 bekommen,  die 1953 in Rumänien geborene Herta Müller, 2009,  sind beide sehr politische Autorinnen und haben in den Systemen, in denen sie lebten Gewalt erfahren, Herta Müller, die 1987 nach Deutschland ausreiste, durch die Securitate, die sie noch immer zu prägen scheint, Elfriede Jelinek in den Neunzehnneunzigerjahren durch Plakate der FPÖ „Lieben Sie Peymann, Jelinek oder Kunst und Kultur?“, beide haben ihre Formen gefunden politisch dagegen anzuschreiben und über beide und das ist ein Zufall, habe ich auch geschrieben.

Über Elfriede Jelineks Nobelpreis in „Die Stimmungen der Karoline Wagner oder Fluchtbewegung“, über den der Herta Müller in „Heimsuchung oder halb eins“, wahrscheinlich weil ich beide Reaktionen, Elfriede Jelinek ist ja nicht zur Preisverleihung nach Stockholf gefahren, Herta Müller hat ihre Teilnahme damals bei der „Literatur um Herbst“ abgesagt, als ähnlich empfunden habe und nun das Symposium, das am Donnerstag begonnen hat.

Organisiert wurde es von Pia Janke (und Teresa Kovacs), die schon einige Elfriede Jelinek Symposien versanstaltet hat,  sie hat auch eine Reihe von Organisationen zur Mitarbeit einbezogen, so sind Experten von vier rumänischen Universitäten dabei, Robert Huez, der Literaturhausleiter moderierte und die Philosophin Isolde Charim hielt den Eröffnungsvortag „Im Teufelskreis der Wörter: Wortbilder und Teekesselchen. Über politische Poetikstrategien und poetische Politstrategien“ und verwendete dabei Herta Müllers Nobelpreisrede, wo sie mit einem Taschentuch auf einer Stiege sitzt und sich an die Verhöre durchdie Securitate erinnert.

Dann kamen Christa Gürtler, die in Salzburg einiges im Literaturbereich veranstalt et und auch in der Elfriede Gerstl Forschung beziehungsweise Herausgabe tätig ist und erzählte etwas über die österreichische Literatinnen, ab der Fünfzigerjahren, beginnend von Ingeborg Bachmann und Ilse Aichinger.

Elfriede Jelinek hat 1972  „Wir sind Lockvögel Baby“ veröffentlicht, 1975 folgten die „Liebhaberinnen“ und verstörten, weil sie kein Subjekt und kein Mitleid mit den Personen kennen, das hat auch mich damals verwirrt, als ich Elfriede Jelienek, die damals noch öffentlich aufgetreten ist, sagen hörte, daß sie sich nur für Muster nicht für subjektive Schicksale interessiert.

Christa Gürtler lobte aber Marie Therese Kerschbaumers „Der weibliche Name des Widerstands“ als ein Beispiel  gelungener politischer Literatur, damit haben wir uns ja auch  im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ beschäftigt. Elisabeth Reichert, die im Dezember den Preis der Stadt Wien bekommt, hat sich mit „Februarschatten“ mit der Vergangenheit beschäftigt, in jüngster Zeit tut das Katrin Röggla und wenn man an Elfriede Jelinek denkt, kommt man an Marlene Streeruwitz nicht vorbei, die sich von der Theaterarbeit zurückzog, weil sie das Regietheater entäuschte, während Elfriede Jelinek ihre Texte den Regisseuren ja ziemlich freimütig zur Bearbeitung überläßt.

Beide Autoren publizieren viel im Internet, Elfriede Jelinek war ja eine der ersten, die ihre Texte dort hineinstellte, beispielsweise den Roman „Neid“, spannend, spannend und weil das Symposium als Dialog angelegt ist, kam Maria Sass von der Universität Sibiu und sollte  etwas über rumänische Autorinnen im Umfeld Herta Müllers erzählen. Leider verwendete sie kein Powerpoint, so habe ich die Namen nicht verstanden und kenne eigentlich auch nicht sehr viele rumänische Autoren.

Es kamen dann aber noch zwei Vorträge, einer von der Co-Veranstalterin Teresa Kovacs, der zweite von Graziella Predoiu von der Universität Temeswar über die „Machtstrukturen“ beziehungsweise  „Subversion bei Jelinek und Müller.“

Von Elfriede Jelinek habe ich  sehr viel gelesen „Die Ausgesperrten“, „Die Klavierspielerin“, „Die Kinder der Toten“, „Gier“ und „Neid“, „Die Liebhaberinnen“ und nicht alles verstanden, von Herta Müller „Die Atemschaukel“, wo sie, wie Isolde Charim in ihrem Vortrag erklärte,  dadurch Widerstand leistet, in dem sie die Gräuel des Lagerlebens vergegenständigt, und so beispielsweise von einer „Herzschaufel“ spricht.

Die anschließende Diskussion und die politischen Essays, die von Andrea Eckert und Anne Bennet gelesen wurde, habe ich, weil ich in meine Praxis mußte, versäumt, am Freitag ging es aber schon um neun mit drei Vorträgen von Historikern über „Totilarismus und Repression“ weiter.

So erzählte Roman Hutter wissenswertes über die „Politische Vereinnahmung der Rumänendeutschen“ und Dieter Siegert erzählte etwas über den „Staatssozialismus“

Dann ging es wieder in die Literatur und zu Herta Müller und zu Elfriede Jelinekm beziehunsweise de Teufelskreis der Dikturen in Literatur und Sprache.

Der rumänische Professor Andras  I. Balogh erzählte, daß Herta Müller noch als Studentin eine Erzählung über ihre Familie veröffentlichte und der ehemalige Operndirektor Ioan Hoender, der am  Abend  auftrat, stellte in Abrede, daß es Ähnlichkeiten zwischen Herta Müller und Elfriede Jelinek abgesehen vom Nobelpreis gäbe, ich denke aber schon, daß es die gibt und wurde durch die Diskussion und Referate auch darin verstärkt.

Ein Gemeinsames ist sicher auch die Senibilität mit der die Beiden gegen die Diffamierungen, die ihnen begegneten, reagieren, die eine geht nicht mehr aus dem Haus, die andere fühlt sich noch immer verfolgt und beide inszenieren das inzwischen wahrscheinlich auch ein bißchen.

Um das ging es dann am Nachmittag, da wurde über „Tabubruch und Nestbeschmutzung“ referiert und diskutiert und Daniela Strigl hatte den genauen Wortlaut des FPÖ Plakates aufgeschrieben „Lieben Sie Scholten, Jelinek, Häupl, Peymann, Pasterk oder Kunst und Kultur“, hat es geheißen, heute würde sich das die FPÖ nicht mehr trauen, vermutete Daniela Strigl, da hat der Nobelpreis sicher sehr geholfen.

Am Schluß wurde es wieder politisch,  da wurde mit Ioan Holender, Karin Cervenka, der ehemaligen Leiterin des Kulturinstituts in Bukarest, einem Professor und einem Historika über die Folgen von 1989 diskutiert.

Ioan Holender erwies sich wieder als Avocat Diabolo, wies aber auf das rumänische Kulturinstitut hin, wo ich schon manche interessante Literaturveranstaltungen hörte,  Karin Cervenka erzählte von der Demostration in Bukariest vor wenigen Tagen, der sie beiwohnte und die zum Rücktritt des Präsidenten führte und ich denke, es war sehr interessant  mein Elfriede Jelinek und Herta Müller Wissen aufzufrischen und ebenfalls interessant, daß die Beiden in den letzten Jahren den Nobelpreis bekommen haben, sovielen noch relativ jungen Frauen passiert das ja nicht.

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