Literaturgefluester

2015-12-11

Fremde Geografien

Filed under: Bücher — jancak @ 00:21
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Jetzt geht es gleich wieder zur „Edition Exil“ und zu der 1990 in Bulgarien geborenen Antina Zlatkova, die seit 2009 in Wien lebt und 2012 den „Exil-Preis“ für Lyrik gewonnen hat, ein Preis, der nicht jedes Jahr vergeben wird.

Das Buch wurde im vorigen Jahr bei der „Edition-Exil entdeckt-Veranstaltung“ vorgestellt und ist zweisprachig erschienen.

„Jedes Gedicht ist ein Mensch, jedes Gedicht ist ein Übersetzungsversuch des Selbst durch eine fremde Kultur, eine poetische Körperstudie über die Anatomie der Welt“, steht am Buchrücken.

Anton Thuswald hat das Buch rezensiert, das in mehrere Teile gegliedert ist.

So gibt es die „Mystifikationen der Stadt“, „Topographie des Körpers“ und den namensgebenden Titel „Fremde Geografien.“

Im ersten Teil können wir ein bißchen Bulgarisch lernen. Werden da doch einige Namen vorgestellt und wir erfahren, daß Ida „Ich komme“ heißt, Valya „ich regne“, Goran kommt vom Wald, Sharzad beideuted Sherazade, etcetera und Zacharina bedeutet natürlich Zucker:

„So verkostet man das leben  buchteln bücher streusel und glasur doch manchmal fehlen mir der feuchte blätterteig die dicken nüsse und der sirup die die zunge einzuschläfern wissen“

Zum „Bäcker“ geht es dann auch „dann schlüpft die sonne aus dem dotter und zerfließt im roggenteig die nacht rinnt dünn und flüssig im gärschrank hebt sich der tag“

Man sieht in Antina Zlatkovas Gedichten, die sich auch immer wieder an ihre Familie erinnert, kulinarisch sinnlich zu.

Und wenn im „kaffeehaus“ „um elf zugesperrt wir““betrachtet die kellnerin lange alle reste zeichnet in den sud das portrait eines gastes und leckt den löffel ab“, ob es in den wirklichen Kaffeehäusern wirklich so poetisch zugeht?

Ebenfalls sehr poetisch das Gedicht vom „tabakverkäufer“ „mein vater gestern angekommen asche und ein stück papier“

In der „topographie des körpers“ geht es durch den Körper. Es gibt „schulterblatt“, „beckenkamm“ und „atlas-Gedichte“.

Der Süße des „baklava“ entkommen wir trotzdem nicht „in ihrem mund zerbröckeln halbwache erinnerungen wie baklava“ und „handlesen“ wendet sich den kochenden Frauen zu „frauen die kochen haben andere hände hügelig salzig und feucht“

In „fremde geografien“ geht es  in die weiten dieser Welt, wir kommen nach Java, Uzbekistan, Istanbul und eine „rückkehr“ gibt es auch „in der hemdtasche schwitzt der zettel jetzt bin ich endlich in wien“

Sehr poetische Gedichte einer sehr jungen Frau, von der wir noch mehr und öfter hören sollten.

Christa Stippinger sucht ja für Werkstattautorinnen, wie sie bei Veranstaltungen immer sagt, größere Verlage nach dem in der Edition Exil erschienenen Debutbändchen. Mal sehen wie es hier gelingt.

„Deuticke“ und „Droschl“ machen wahrscheinlich keine Lyrikbände, in Österreich sind im letzten Jahr aber einige Lyrikreihen entstanden, in denen Antia Zlatkovas Gedichte sicher passen.

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