Literaturgefluester

2015-12-12

Bücherflohmärkte oder warum man Lesen soll

Filed under: Büchergeschichten — jancak @ 16:55
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Es ist der dritte Adventsamstag und wir sind wiedermal nach Harland gefahren, obwohl es in der Grünangergasse, dem Sitz des Hauptverbandes, am Samstag, einen Bücherflohmarkt mit Punsch zu Gunsten der „Caritas- Flüchtlingshilfe“ gegeben hätte.

Ohne Punsch hat es das schon auf der „Buch-Wien“ gegeben und da habe ich mir ein paar der drei Euro Rezensions- oder Messeexemplare gekauft, die größeren und besseren hätten fünf Euro gekostet, aber ich habe  schon soviele Bücher und muß mich jetzt schon anstrengen, mein Soll für 2015 einigermaßen, weil ich immer wieder Anfragen bekomme oder was gewinne, zu schaffen und für 2016 habe  ich wirklich und wahrhaftig vor, nicht wieder im Herbst ein Drittel davon abzutragen, weil sich ein anderes Drittel vorgeschoben hat.

Ob das wirklich geht, bin ich ein wenig skeptisch, weil 153 Stück stehen schon auf der Leseliste, wenn ich da am Tag der Longlistbekanntgabe eine Anfrage starten will und, „Holzbaum-Verlag“ und inzwischen auch „Aufbau“ schickt und ich  auch selber hin und wieder anfrage, kann ich mir denken, so ganz wird das nicht gehen.

Aber ist ja egal, lesen ist schön und wichtig, „Lesen ist Leben“, heißt ein Buch von Cornelius Hell, der am nächsten Mittwoch mit Katja Gasser wieder eine „Lese-Auslese“ in der „Gesellschaft für Literatur“ mit Punsch und Keksen geben wird und der glorreiche Buchpreisblogger Tobias Nazemi, der kritische, der den Ulrich Peltzer nach sechzig Seiten weggeschmissen hat, hat jetzt wieder einen Artikel mit sieben Gründen geschrieben, warum man lesen soll?

Da wäre ich zwar, wie bei allen Zwangsbeglückungen ein wenig sekeptisch, weil ich denke, daß wer will, lesen soll und wer es nicht will, weil er Besseres zu tun zu haben glaubt, soll es lassen und da braucht es keine Erklärung, das Lesen sexy ist, damit er vielleicht doch zu einem Buch greift und außerdem ganz ehrlich, denke ich mir manchmal, das Lesen eigentlich und genau genommen, Leben aus zweiter Hand ist und man eigentlich seine Erfahrungen selber machen sollte, als aus einem Buch zu lesen, wie es geht.

Das schreibt eine, deren Leseliste schon ins Jahr 2030 reicht und in deren Wiener Schlafzimmer die ungelesenen Bücher stapeln, eine die immer schon gern und viel gelesen hat, vielleicht auch weil die Wiener Kinderfreunde jedes Jahr den Kindern der SPÖ Mitglieder ein Buch schenkten, mein Vater einen Bücherkasten im Wohnzimmer hatte und er als einen seiner Nebenjobs auch die Bücher der „Büchergilde Gutenberg“ vertrieb.

Ich habe mir als Studentin die ganzen teuren Bücher gekauft und damals schon gesammelt, jetzt kaufe ich nur mehr in Flohmärkten oder gehe zu den Bücherschränken und auch da denke ich, daß ich das eigentlich nicht sollte, denn wer weiß, ob ich im Jahr 2030 noch lebe und lesen kann, wenn ich da beispielsweise heute ein dBp-Buch von 2014 finde, die von 2015 habe ich ja schon alle gelesen oder das neue Buch der Cornelia Travnicek, der Andrea Grill, etcetera.

Warum man lesen sollte?

Weil es interessant ist, vielleicht auch weil es bildet, wie diesbezügliche Studien ja nachweisen, stimmt alles höchstwahrscheinlich, ich tue es inzwischen, glaube ich, auch, weil ich herausfinden will, was die anderen besser als ich können und freue mich jedesmall, wenn ich ein Buch erwische, wo ich mir nachher denke, das kann ich eigentlich auch.

Natürlich, die Publikumsverlage haben ein Lektorat, ich bestehe auf meine Rechtschreibung und der Alfred, der kein Germanist und zunehmend mit meiner Bücherflut überfordert ist, sucht mir dann die S- Fehler heraus.

Das zum Thema lesen und warum man es soll?

Ich bin keine Zwangsbeglückerin, wenn mir einer sagt, er braucht es nicht, werde ich die Achseln zucken, obwohl es schon ein bißchen kränkend ist, daß die vielen Bücherblogger, die auf ihren Über mich- Seiten: „Ich lese alles, was mir in die Finger kommt“ schreiben, sich dann bei meinen Gewinnspielen nicht melden und eines meiner selbstgemachten Bücher höchstwahrscheinlich nie besprechen würden.

Schon um diesen „Fehler“ nicht zu machen, bemühe ich mich quer über den Tellerrand zu lesen und sage auch auf Anfragen von sehr unbekannten Verlagen bzw. Autoren zu und bin dann auch nie enttäuscht, allerdings komme ich angesichts meiner langen Leseliste auch nicht mehr umhin, mir genau zu überlegen, was ich jetzt lese oder vielleicht doch nicht, was ich ganz ehrlich nicht will.

Das zum Thema Flohmarkt in der Grünangergasse und dann bin ich gestern mit dem Rad zum „Kika“ gefahren, um dort mit dem Alfred Mittagzuessen, wo er mir sagte, daß es in der Wiener Straße einen Flohmarkt gibt.

Am Freitag und am Samstag und ich bin nicht gleich anschließend hingefahren, sondern erst heute kurz vor zwölf hineingeschaut, weil ich mich,  um zwölf, wie immer wenn wir in Harland sind, mit dem Alfred, um zwölf am Markt treffe, um ein Würstl dort zu essen und war dann von der Größe dieses „Lyon-Flohmarktes“ in der ehemaligen Passage sehr überrascht.

Ganze Hallen waren da mit Bücherschachteln gefüllt und ich habe schon beim Hinkommen, zwei Mädchen mit einen  Stoß  Büchern  in der Hand weggehen gesehen.

Ich bin aber vorläufig  wieder gegangen und erst um halb eins mit dem Alfred noch einmal dorthin, dann aber zugeschlagen und alte Freunde für meine 2030 Leseliste gefunden, obwohl ich ja, wie schon geschrieben, keine Ahnung habe, denn da werde ich ja bald achthzig sein, ob ich noch lebe oder lesen kann?

Aber „Kruso“, das dBp-Buch 2014, sollte man lesen und Sasa Stanisic „Vor dem Fest“, hätte ich mir vom Alfred ja fast beim vorigen „Buch und Wein“ kaufen lassen.

Also um es kurz zu machen, fünfzehn neue Bücher um fünfundzwanzig Euro, es sind ein paar Taschenbücher dabei, aber die Hardcover  kosten das ja schon mal und ich habe mir im Sommer ausgerechnet, daß dich vier bis fünhundert Euro gebraucht hätte, wenn ich mir die zwanzig Bücher gekauft hätte.

Der Otto hat es getan und die Brigitte Salanda wird es ihm wohl danken, während ich mir wieder einmal denke, es gibt zweifelsfrei zuviele Bücher oder sagen wir einmal, sehr sehr viele und viel mehr als die Leute lesen, denn ich bin mit meinen hundertfünfzig im Jahr und da nimmt meine Lesefrequenz inzwischen auch ein bißchen ab, ohnehin schon an der Spitze.

Eine Frau, die ich beim ersten Besuch gefragt habe, ob sie wisse, was die Bücher kosten, „Keine Ahnung!“, sagte sie, „Ich glaube, sie werden billiger, wenn Sie mehr nehmen!“,, weshalb ich das eine, das ich mir schon ausgesucht habe, wieder zurücklegte und später nicht mehr gefunden habe, sagte mir, daß sie sich freue, daß es das kurz vor Weihnachten gäbe.

„Aber man kann die Bücher ja nicht wirklich verschenken, weil sie gebraucht sind!“, sagte ich zweifelnd, worauf sie antwortete, wenn man den Geschmack trifft schon und ein paar von den von mir ausgesuchten machen auch einen noch ungelesenen Eindruck. Eine dreihundert Seiten Leseprobe von Ulla Hahn ist dabei, keine Ahnung, ob da das Hardcover nur in TB Form gedruckt wurde oder ob das Ende fehlt, von Thomas Glavinic „Die Arbeit der Nacht“, das glaube ich auch einmal auf der LL stand, von Christoph Hein „Landnahme“, von Herber Dutzler „Letzter Applaus“, von Gerhard Roth „Der Stronm“, „Die Töchter der Roza Bukovska“ von Zdenka Becker, „Elsa Ungeuer“ von Astrid Rosenfeld“ von der ich ja von Buzaldrin, deren Hund gestorben ist, neulich „Fünf Tage im Juli“ gewonnen habe, was, glaube ich, auch auf der 2030 LL steht, die „Schattenuhr“ von Alfred Komarek und „Elementarteilchen“ von Michel Hoeullebecq, von Cornelius Hell, den besagten Band über das Lesen, von Hennig Mankell „Der Chronist der Winde“ und dann noch eines von Patrik Modian,o dem Nobelpreisträger von 2014, von dem ich noch nichts gelesen habe und dann noch ein ganz ein altes aus dem Jahr 1955, nämlich Othmar Franz Lang  „Die Männer von Kaprun“.

Soweit die fünfzehn, die ich mir aus den Bücherbergen von wahrscheinlich hunderten Büchern ausgesucht habe und das kurz vor eins, wo dieser Flohmarkt dann beendet war.

Spannend, was es alles noch gegeben hätte, wenn ich am Freitag gleich um zehn gekommen wäre, oder vielleicht auch nicht, weil vielleicht die St. Pöltner Krimi oder Chick Lit oder was auch immer Leser sind.

Ich weiß es nicht und will mich auch nicht in Vorurteile begeben, der Flohmarkt war jedenfalls sehr gut besucht und eine junge Frau mit einem ganzen Stoß  Büchern habe ich ja hinausgehen sehen, allerdings keine Ahnung, um welche es sich dabei handelte und auch nicht, welche Bücher, die andere Dame sich für ihre Weihnachtsgeschenke ausgesucht hat.

Ich habe jedenfalls wieder einige Schmankelrln auf meiner Bücherliste, lese gerade  Nadine Kegele, die ich beim Bücherquiz auf der vorigen „Buch-Wien“ gewonnen habe, weil ich vorlaut alle Antworten auf Günter Kaindlsdorfer Publikumsfragen hinausgeschrieen habe und wer meine Meinung wissen will?

Natürlich soll man lesen, aber nicht weil es sexy ist, sondern, weil es soviele interessante und wie man sieht, auch billige Bücher gibt und wenn man sich darüber mit anderen auch noch austauscht, ist die alte Frau nebenan, von der Tobia Nazemi in seinem Artikel schrieb,  vielleicht auch nicht mehr einsam und, um einiger dieser einsamen älteren Frauen, die Bücherschränke regelmäßig frequentieren und dann in Bibliotherapie-Gruppen gehen, geht es auch in meinen Büchern.

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