Literaturgefluester

2015-12-13

Land der Berge

Filed under: Bücher — jancak @ 00:20
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Ein neuer Band aus dem „Holzbaum-Verlag“ von Rudi Hurzlmeier, dem Maler, Cartoonist und Autor, der ständiger Mitarbeiter des Satiremagazins „Titanic“, der „Süddeutschen“,  des „Spiegel-Online“ und der „Zeit“ ist und diesmal ist es etwas Besonderes, denn es ist sehr viel Text dabei.

„Schwindelerregende Steilwandmalerei und Hochgebirgspoesie“, steht am Buchrücken, wo der Rudi offenbar in Mozartuniform herunterlächelt und ein Gebirge mit Österreichflagge auf einem Tablett entgegenhält.

Und die Hochgebirgspoesie, es sind auch Prosatexte dabei und eine Art Kurzkrimi, stammt von Heinz Erhardt, Kurt Tucholsky, Robert Gernhardt, Ödön von Horvath, etcetera und natürlich auch von Rudi Hurzlmeier.

Das Vorwort zu dem Buch stammt von Michael Ziegelwagner, dem St. Pöltner, der  auch für das Satiremagazin „Titanic“ arbeitet „Naturkritik spezial“, heißt es und ist eigentlich gar kein solches und das Cover ziert eine romantische Berglandschaft in die ein Hündchen mit Rucksack hinaufspaziert oder stehenbleibt und seine neugierigen Blicke schweifen läßt.

Ein richtiges Buch für den Weihnachtstisch von Österreichpatrioten oder Bergliebhaber, Bergsteiger vielleicht und richtig ein Text, beziehungwweise Interview von  Luis Trenker „Der Mountain Climber“- „Was tut denn ein Mountain Climber? Verdient er dabei Geld?“, ist auch dabei.

Daneben ist das Bild des „Yetis“ freundlich lächelnd und ganz in blau weiß zu sehen und so geht es durch die romantisch-kitschige Berglandschaft oder Landschaftsidylle, der österreichischen, schweizer oder was auch immer Alpen oder gehen wir an den Anfang zurück, denn da ist ein Schifahrendes Osterhäschen zu sehen, wie es den Berg hinabflitzt und wenn die Kühe den Berg hinabgetrieben werden, geht es zu „Endreinigung“, wo die Bäuerinnen oder Mägde, die Fladen wegkehren oder wischen, um die Wiese wieder schön sauber zu bekommen.

Dann ist gleich ein „Biwak bei Zermatt“zu sehen,  ein Luxusbett mit einem großen Käse, mitten im Bergmassiv und Robert Gernhardt reimt daneben „In Worten gäb das keinen Sinn, wie sagt man doch im Engadin, sìsch verbal nicht zu fassen!“

Also weiter mit den Bildern:

Da gibt es dann die „Skischaukel“, wo der Schifahrer am Schwanz der Kuh den Berg hinaufgezogen wird, das „Saisonende“, aber auch die „Angetrunkenen Schneekanonenfahrer“, wo das Wasser nur so herumspritzt, daneben kann man dann den „Maskenball im Hochgebirge“ von Erich Kästner lesen und das „Wintersporthotel zwischen Graubünden und Vorarlberg“ ist irgenwie ein wenig schiefgeraten.

Beim „Wallfahrtsort“ ragen die Bergspitzen in Kathedralenform entgegen und den  „Sunset Boulvard“ habe ich, glaube ich, schon einmal in einem Museum gesehen oder auch nicht, denn da steht ein einsamer Beobacher in einem Massiv von gelbrote leuchtenden Bergen.

Dann gehts gleich wieder zu Robert Gernhardt, der in diesem Buch eine starke Stimme hat und in „Wenn Dichter einen Ausflug machen“ und über Goethes, Nietsches, Rilkes Natureindrücken rätseln läßt.

Der „Sonnenaufgang in Tirol“ hat, meint Rudi Hurzlmeier ein Kürbisgesicht mit einer Knollnase und „Integration“ ist, wenn das Kamel  mit Hirschgeweih röhrend in der Alplandschaft steht. Minister Kurz hat da vielleicht eine andere Sichtweise. Man könnte  darüber nachdenken, wie sich so ein Kamel  im Hochgebirge fühlt oder wir uns in der Wüste, aber es geht schon weiter mit der Tierwelt, denn ein paar Seiten später läßt Rudi Hurzmeier im „Aquarium“, die Fische um die Berge schwimmen und die schauen, würde ich meinen, nicht besonders glücklich aus.

Dann gibt es noch den „Bergvagabund“, vierarmig mit vier Enzianen in der Hand und auf dem Kopf und einer riesengroßen Sonnenbrille und wir sind schon bei Rudi  Hurzlmeiers Texten.

Es gibt eine „Gulasch-Boutique“, das ist ein Gasthaus mit Hirschgeweih und eine „Kirche von Hinten“ zu der das  Weglein führt, nur leider gibt es Hinten kein Eingangstor. Ganz schön hinterfotzig könnte man meinen.

Und eine „Gruselgeschichte“ von Rudi Hurzlmeier gibt es auch, sowie ein K-Gedicht, das dem „K2“ gewidmet ist und schon sind wir fast am Ende, wo der Waldi vom Cover noch einmal den Berg hinaufspaziert.

„Dem Himmel nah, der Arbeit fern, so hammas gern!“, reimt dazu der Volksmund.

Beim „Plötzlichen Wintereinbruch“ steht der Pinguin am Grashaufen neben den Sonnenblumen und die Hühner schauen ihm zu und einen „Sennenhund mit seiner Sennerin“, der uns an die „Erhabende Jungfrau“ erinnern könnte, gibt es auch noch.

„Die Berge üben seit jeher eine große Faszination auf die Menschen aus – so auch auf Rudi Hurzlmeier. Seine schwindelerregende Steinwandmalerei huldigt mit viel Liebe zum Detail und feinen Humor dem vermeintlich naturbelassenen Universum abseits des Urbanen“, steht weiter am Klappentext .

Ein Buch für mich könnte man meinen, denn ich bin ja auch gelegentlich in den Bergen unterwegs und Poesie mag ich auch sehr gern, so habe ich dem „Holzbaum-Verlag“ wieder einmal sehr zu danken.

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