Literaturgefluester

2015-12-25

Christtag

Filed under: Alltagsgeplauder,Textbeispiel — jancak @ 00:57
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Der Weihnachtsabend ist vorbei, die Kerzen am Christbaum wurden angezündet, die Geschenke verteilt, der Fisch mit Kartoffelsalat und die Weihnachtskekse gegessen.

Meine Weihnachtsbücher vom Alfred hat es dieses Jahr ja schon im Sommer gegeben, habe ich das ja für mein Longlistenlesen ein bißchen vorgezogen, trotzdem habe ich noch Cornelia Travniceks „Junge Hunde“ und Sandra Gugics „Astronauten“ bekommen und muß die Bücher auf meiner Leseliste jetzt so verteilen, daß ich das Lesen noch erlebe, beziehungsweise nicht soviele Folgebücher der jungen Autorinnen inzwischen entstehen.

Von der Anna gab es wieder Badekugeln und Massageöle, das was, wie wir gleich erfahren werden, auch Harald Schwabendeder Nika schenkte, von der Schiwegermutter einen Hunderter und Lindt-Kugeln und die Weihnachtsfeiertage kann ich dazu nützen, die vier bis fünf Bücher die noch auf meiner heurigen Leseliste stehen, auszulesen und jetzt gibts wie versprochen, den „Freitag, 25. Dezember“, der Nika Weihnachtsfrau:

„Am nächsten Tag läutete kein Wecker und Nika konnte schlafen, solange sie es wünschte, wie sie dankbar beim Aufwachen dachte. Halb zehn! Sie mußte nicht mehr auf die Mariahilferstraße, sich nur noch am Montag bei der Nachweihnachtsfeier, eigentlich ein blödes Wort, einfinden und würde dort wahrscheinlich ein verspätetes Weihnachtspäckchen oder einen Geschenkgutschein des Hauses bekommen, von dem sie Harald eine Krawatte oder ebebenfalls eine Flasche Wein, beziehungsweise Whisky besorgen konnte, dachte sie und stand auf. Adventkalenderfenster war keines mehr zu öffnen. Da strahlte schon der Christbaum mit den leuchtenden Kerzen vom Donnerstag und den gab es genausowenig, wie einen Adventkranz in ihrer Studentenbude. Bei ihren Eltern hatte es einen gegeben und darunter hatten jede Menge Geschenkpakete gelegen. Dabei hatte sich einige Strampelanzuüge, Schühchen und Mützen für die noch ungeborene Zoe-Philipa befunden, die die Mutter gestrickt und Ruth mit einem scheelen Blick auf ihren langsam wachsenden Bauch überreicht hatte und der Vater hatte im spitzen Tonfall gesagt, daß er hoffe, daß die Sache mit ihrem Kindesvater nun bereinigt sei, weil er keine Lust habe, von seinen ehemaligen Kollegen immer zu hören, daß sie schon wieder den Namen seiner Tochter in der Zeitung gelesen hatten und von ihm wissen wollten, wann die Hochzeit mit diesem Schauspieler sei?

„Die wird es nicht geben, Papa!“, hatte Ruth genauso spitz geantwortet und auf Vera Mosebach gezeigt.

„Denn ich habe schon eine Lebenspartnerin und, wie du vielleicht weißt, auch eine eingetragene Partnerschaft!“

„Friede, Friede!“, hatte die Mutter ängstlich ausgerufen und zu Tisch gebeten, auf dem die Lachsforelle schon auf einer Wärmeplatte prangte. Der Vater hatte aber Vera gemustert und hinzugefügt, daß er auch über sie viel zu oft in der Zeitung gelesen habe und, daß er es eigentlich für keine gute Idee halte, Mißbrauchstäter zu therapieren! Das sei nur neumodisches Zeug, denn die gehörten hinter Gitter und für sein ungeborenes enkelkind sei es wahrscheinlich auch nicht gut, wenn es in Kontakt mit solchen Menschen käme!

„Hast du da keine Angst?“, hatte er Ruth scharf gefragt, die blaß geworden war und vom Geruch der Lachsforelle wieder einen Brechreiz zu bekommen schien. Vera hatte ihre Hand auf sie gelegt und zum Vater „Keine Sorge, wir wohnen nicht in meiner Praxis und die Kleine wird nicht sehr oft dort hinkommen!“, geantwortet. Die Mutter hatte aufgeatmet und wieder  „Friede, Friede!“, aufgerufen, sich dann bei ihr für die Bonbonniere bedankt und sie hatte das bei dem „H und M-Gutschein“, der sich in ihrem Geschenkkuvert befunden hatte, gleichfalls getan. Ob sie dafür eine Krawatte für Harald kaufen sollte? Was aber wahrscheinlich schwierig war, da die Geschäfte erst wieder Montag öffneten, sie Harald aber schon in zwei Stunden wiedersah, wenn er kam, um sie für die Nichtweihnachtsfeier bei Fatma Challaki abzuholen. Für die hatte sie einen „Wien-Führer“ und für die Nachbarin einen kleinen Weihnachtsstern gekauft, den sie ihr gestern, bevor sie mit Ruth und Vera zu den Eltern aufgebrochen war, überreicht hatte. Für Haralds Geschenk war es sich aber nicht mehr ausgegangen und sie könnte ihm höchstens den Teller mit den Weihnachtskeksen übberreichen, den ihr die Mutter eingepackt hatte. Von Ruth und Vera hatte sie eine Thomas Bernhard-Biografie bekommen.

„Für deine Dissertation!“, hatten die Beiden mit strahlenden Lächeln gesagt und sie hatte versichert, daß sie das Buch schon lange haben wollte. das war also auch nichts für Harald und wenn sie ihm den Clemens J. Setz überreichte, hatte sie bezüglich ihrer Nachbarin ein schlechtes Gewissen und war das ohnehin nicht möglich, handelte es sich doch , um ein unverkäufliches Leseexemplar und war von dem Rezensenten, der es abgegeben hatte, auch an einigen Stellen angestrichen worden. das ging auch nicht, wie Nika dachte, als sie vor ihren Kaffeeautomaten trat, Wasser in den diesbezüglichen Behälter füllte und den mütterlichen Keksteller auf den Küchentisch stellte, weil sich kein Brot im Haus befand und sie nicht immer Fertigmüsli essen wollte. Die mütterlichen Kekse dufteten dagegen verführerisch und es war ein Feiertag. Sie würde Harald, der wahrscheinlich gar kein so ein weihnachtlicher Typ war, wenn er kommen würde, davon anbieten und das Geschenk würde sie ihm versprechen, wenn sie sich am Sonntag zu ihrer höchstpersönlichen Weihnachtsfeier treffen würden. Bis dahin würde sie es auf einem der Bahnhöfe schaffen und sich für eine Flasche Wein entscheiden, die sie auch für den alten Max und die Weihnachtsjause bei ihm brauchte, dachte sie und seufzte auf.

„Scheiße!“, hatte sie dann zwei Stunden später gedacht, als sie Harald geöffnet und von ihm prompt ein imposant aussehendes Geschenkpaket in die Hand  gedrückt bekommen hatte.

„Frohes Fest, Nika Weihnachtsfrau! Ich hoffe du hast bei deinen Eltern schön gefeiert!“, hatte er gesagt und hinzugefüngt, daß er wisse, daß sie erst übermorgen feiern würden.

„Aber das hat mir das Christkind schon für dich gegeben und überreiche ich dir hiermit!“

Sie war ein wenig rotgeworden, hatte etwas Unverständliches gestammelt, auf den Tisch mit dem Keksteller gezeigt und zu erklären versucht, daß sie ihm sein Geschenk am Sonntag überreichen würde.

„Kein Problem, Nika, Weihnachtsfrau!“, hatte er geantwortet und sie in den Arm genommen.

„Ich bin, wie du weißt, kein so besonderer Weihnachtsfan, aber die liebe Mama hat ihren Einzigen sehr verwöhnt und eine Menge Kekse für mich geacken! Ob sie so gut sind, wie die von deiner Mutter, werden wir gleich herausfinden!“, fach einen der Zimtsterne gegriffen „Mhm“ gemurmelt und sich bei ihr noch einmal erkundigt, ob das Fest schön gewesen sei?

Wie man es nimmt!“, hatte Nika geantwortet.

„Der Papa hat etwas gegen Frauenliebe und will ruth mit Joe Prohaska zusammenbringen! Die Mama hat die ganze Zeit „Friede, Friede!“, ausgerufen und Ruth hat beim Anblick der Lachsforelle, die ausgezeichnet war und gut schmeckte, kotzen müssen! Aber sonst ist es schön gewesen und alle haben sich über das kommende Weihnachtsengerl sehr gefreut und es mit Geschenken ausgestattet!“

„Ich verstehe!“, hatte Harald lachend gesagt.

„Das mit dem Joe wird sich dein Papa wahrscheinlich abschminken müsssen, denn der hat sich, wie wir am Sonntag gesehen haben und du inzwischen noch einmal beobachten konntest, wirklich in sein Gretchen verliebt und offenbar nur mehr soviel Interesse an deiner Schwester, wie sie an ihm und wir brechen jetzt am besten zur Nichtweihnachtsfeier bvei deiner syrischen Freundin auf und das ist sicher eine angenehme Art Weihnachten zu feiern und dabei den Anstandswauwau zu spielen, damit sie den Tag mit ihren irakischen Freund verbringen kann!“

„Wahrscheinlich!“, hatte Nika geantwortet und nach dem Bildband gegriffen.

„Und damit es doch ein wenig festlich wird, packen wir ein paar von Mamas Keksen ein, die auch bei einer Nichtweihnachtsfeier schmecken!“

Dann waren sie in Sandras Wohngemeinschaft aufgebrochen, wo Fatma Challaki, die wieder ein blaues Kopftuch zu ihren Jeans und einer weißen Bluse trug, schon wartete und sie in das Wohnzimmer führte, wo Hassan Arawani neben Professor Eberhard saß, der sie, als er sie kommen sah, in beinahe flüßige Deutsch mit „Ich wünsche ein frohes Weihnachtsfest!“, begrüßte.

„Das wünsche ich gleichfalls!“, meinte Professor Eberhard und nickte Nika freundlich zu.

„Wir werden uns auch morgen bei der Weihnachtsjause bei meinem Kollegen treffen, den ich auf der Mariahilferstraße wiedertraf, wobei uns ein kleines Weihnachtswichtelchen und eine Weihnachtsfrau geholfen haben, was so berührend war, daß wir verwitweten alten Herrn beschlossen haben, den Stefanitag zusammen zu feiern und damit wir dabei nicht einsam sind, haben wir uns auch das Wichtelchen mit seiner Mutter und die Weihnachtsfrau eingeladen!“

„Das ist schön!“, antwortete Fatma und wies auf den gedeckten Tisch.

„Dann bitte ich Platz zu nehmen“ Es gibt bei uns zwar keinen Weihnachtsschmaus“ Keine Gans und keinen Truthahn“ ich habe etwas Syrisches für euch und Hassan gekocht, von dem ich hoffe, daß es schmeckt und für den Bildband und die Kekse bedanken wir uns sehr!“, sagte sie und wurde, als sie Hassan ansah, wieder etwas rot. Die junge Syrierin schien sich in den jungen Iraker verliebt zu haben, der sich ebenfalls für das Geschenk bedankte und hinzufügte, daß Fatma Linsensuppe, syrische Fleischbällchen mit Joghurtsauce und Reis gekocht habe und es dann noch eine Mandeltorte gäbe.

„Das klingt ausgezeichnet und ist sicher nicht mit Tafelspitz und Kirschenknödel, wie die Haushälterin im „Radektzkymarsch“, den Fatma, wie sie mir erzählte in der deutschen Schule in Damaskus mit ihrem österreichischen Deutschlehrer gelesen hat, servierte, zu vergleichen, aber bestimmt ebenfalls sehr gut!“, sagte Professor Eberhard und Fatma, die wieder rot geworden war, antwortete, daß sie sich bemüht habe, aber sicher die Speisen nicht so gut, wie ihre Mutter zusammenbrachte.

„Aber die ist leider nicht hier und ich allein nach Wien gekommen und da ist es sehr fein, daß Sie Zeit haben uns  zu besuchen, so daß ich mit Hassan auch ein wenig feiern kann, obwohl wir in Syrien Weihnachten nicht kennen!“

So weit, so gut! Was bisher geschah läßt sich hier und hier ein bißchen nachlesen.

Weihnachtskekse gibt es hier zu sehen und ein Weihnachtsgedicht habe ich auch für meine Leser auch!

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