Literaturgefluester

2015-12-21

Die vielen Tode unseres Opas Jurek

Weiter geht es mit dem Buchpreisbloggen könnte man so sagen oder nachdem ich jetzt  alle zwanzig Romane gelesen haben, kommen Dank Mara Giese und ihrem Gewinnspiel noch vier deutsche Romane an die Reihe, die in diesem Jahr erschienen sind und es nicht auf die Longlist schafften.

Einer davon  von dem 1979, in Opole, Polen geborenen und als Kind nach Deutschland gekommenen Matthias Nawrat, der 2012 mit einem Auszug aus seinem zweiten Roman „Unternehmer“ beim Bachmannpreis gewonnen hat, da habe ich ihm kennengelert und der Roman ist 2014  auf der Longlist gestanden.

Und mit diesem, einem wahrscheinlich Schelmen- oder Episodenroman, der die Geschichte Polens vom zweiten Weltkrieg bis zu Wende auf eine etwas andere Art und Weise neu erzählt, habe ich mir am Anfang etwas schwer getan, obwohl mich die deutsch ponische  Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg ja sehr interessiert.

Wahrscheinlich ist es die „umgekehrte Humoristik“, wie Nawrat, die Ironie, die er dabei verwendet, selbst betitelt, die mich etwas störte.

Denn Hitler und Stalin waren wahrscheinlich nicht lustig, auch wenn Humor, das weiß ich schon, ein Abwehrmechanismus ist, aber wenn der Enkel über die Geschichte des Großvaters lacht, in dem er sie sehr verdreht erzählt, weiß man am Ende nicht wirklich, wie sie der Großvater empfunden hat.

Da ist also der Ich-Erzähler, ein Jugendlicher habe ich verstanden, der mit seinem Bruder und seiner Mutter ein paar Jahre nach der Wende zum Begräbnis seines Opas Jurek nach Polen fährt und danach in einem sehr kindlichen Stil, die Familiengeschichte erzählt, kindlich oder mit umgekehrter Humoristik, das letztere wohl und so wächst der Opa in Polen auf, verliebt sich in die Cousine Janka mit der Augenklappe, geht in die Realschule, beginnt zu arbeiten und dann kommt der weltberühmte Politiker mit dem Chaplin Bärtchen daher und der Opa wird von freundlichen Herren zur Befragung zusammen mit der Belegschaft seiner Firma abgeholt und in ein schönes Örtchen namens Oswiciem gebracht.

Da erleidet er dann seine ersten Tode, nämlich Hungersnöte, die zur Folge haben, daß er sich in seinem späteren Leben bei den mehrgängignen Mittagessen immer vier- fünf Nachschläge geben läßt, bis seine Organe nicht mehr mitspielen.

Aber zuerst erleidet er Hunger und hat aus diesem Grund vielleicht sogar einen Mithäftling umgebracht, ja die Menschen sind nicht alle gut und edel, auch die in Auschwitz und im stalinistischen Polen nicht.

Denn der deutsche Chef der ehemals polnischen Firma holt den Opa aus dem Lager heraus und der wird  nach 1945 Direktor eines Warenhauses, wo es keine Waren gibt.So läßt er in dem von einem Deutschen gestohlenen schwarzen Direktorsanzug, die Verkäuferin das Regal hin und herstellen und diskutiert mit seinen Parteigenossen über die Gleichheit, die ja das Ziel der neuen Gesellschaft ist und als statt Weißkraut ein paar Felljacken ankommen, teilen sich die die Direktoren untereinander auf und sagen sie opfern sich für die Allgemeinheit, so weit so gut und auch weiter.

Der Opa findet dann die Oma Zofia, die ihm die mehrgängigen Mittagessen kocht und eigentlich nach Paris möchte, weil er Opa aber so viel ißt, reicht das Geld dazu nicht aus und das Ausreisen war zu Zeiten des weltberühmten Politikers mit der weißen Kellnerjacke, des großen Nachbarlandes wahrscheinlich auch nicht so einfach.

Der Vater des Erzählers will aus aus diesem Polen und möchte über die hohe Tatra und den Rizy nach Canada kommen, dafür läßt er sich in ein Pfadfinderlager stecken, denn nur so kam er nach Zakopane, der Plan scheitert an der mangelnden Kondition des Gruppenleiters, so eröffnet er mit tschechischen Utensilien, ein Sportgeschäft in Opole in dem die Jugendlichen, die Seile, Karabiner, Bergschuhe und Rucksäcke auch gerne kaufen und auch der berühmteste Bergsteiger des Landes besucht einmal seinen Laden.

Da gibt es dann  eine groteske Szene, wo dieser Sportler von der Geheimpolizei bewacht an einer Gala in Warschau teilnehmen und dann den Himalaya besteigen  oder nicht besteigen soll.

Der Vater reist ihm mit seiner besten Grundausrüstung nach, logiert sich in dem Hotel ein, wo auch der Staatspräsident wohnt und klettert an der Fassade in seine Suite. Der ist begeistert, schleift ihn auf die Gala und läßt sich mit ihm fotografieren.

Nur nachher brechen die freundlichen netten Geheimpolizisten seine Beine, so daß es aus mit dem Traum nach Canada zu kommen.

So reist der Vater mit der Mutter und den zwei Söhnen nach Deutschland aus. Das wird auch sehr grotesk geschildert, denn der Opa weigert sich die Familie zu verabschieden, so fangen sie solange zu streiten und auszupacken an, bis er widerwillig zwar, aber doch erscheint und er scheitert als Direktor eines Warenhauspardieses, der er dann geworden ist, an einer Verkäuferin, die gleichzeitig die Frau eines  Polizisten ist.

So wird der Opa wieder in den Keller der Geheimpolizei gebeten, kommt dort lange nicht heraus, verliert seinen Job, wird Hausmeister eines Ferienlagerns und fängt zu schieben an.

Auch eine köstliche Szene, wie er eine Flasche Schnaps, gegen Jeansstoff tauscht, damit nach Budapest auf der Suche nach Kalbfleisch fährt und dieses nicht bekommt, während ihn die Oma von der Plizei suchen läßt.

Dazwischen ändern sich die Zeiten und die Generäle, es wird eine Partei namens Solidarnosc gegründet und am Schluß verliert der Opa seine Organe, sie geben ihre Funktion auf und er verstirbt mit achtunddreißig Kilo und der Enkel kommt mit dem Bruder und der Mutter nach Opole, läpt sich von der Oma bekochen und vom Onkel die Stadt zeigen, während er Episode um Episode aus dem Leben seines Opas neu erzählt.

„Mit poetischer Verdichtung und Verfremdung erschafft Mathias Nawrat eine Welt im Schwebeustand zwischen Wirklichkeit und Phatasie schreibt die Ndeue Zürcher Zeitung.

Wie schon erwähnt, habe ich mir damit ein bißchen schwer getan, kann aber nicht verhehlen, jetzt  mehr über die ponische Geschichte nach 1945 und das Leben in Polen in dieser Zeit zu wissen.

Sabrina Janesch hat in „Katzenberge“ das ich diesen Sommer gelesen habe und das sie auch in Klagenfurt vorstellt, über die ponischen Vorfahren ganz anders geschrieben.

Mit der umgekehrten Humoristik läßt sich das Leben vielleicht ein bißchen besser ertragen, ich mag sie, glaube ich nicht so sehr.

Es gibt aber auch Auschwitz-Romane,  die auf diese Art und Weise beschrieben wurden und natürlich ist es gut, wenn man über die Geschichte lachen kann, auch wenn sie nicht immer lustig ist.

 

Werbeanzeigen

2015-12-20

Lese- und Schreibbericht

Der Dezember ist ja durch den Adventkalender, beziehungsweise, dem Versuch weihnachtlich zu bloggen ziemlich ausgelastet, Veranstaltungen hat es auch gegeben und eine ziemliche Leseliste, die ich noch „abarbeiten“ will, so sind die Schreibberichte in der letzten Zeit vielleicht ein bißchen zu kurz gekommen und da gibt es einiges zu berichten.

So habe ich in den letzten Tagen sowohl die „Selma“ als auch die den „Sommernanowrimo“ durchgesehen.

Die „Selma“ ist ja schon ziemlich ferttig, da geht es um die letzten Fehler, wie schreibt man beispielsweise Houellebecq, bevor es an den Digitaldruck gehen wird.

Vor Weihnachten wird  das wahrscheinlich nicht mehr fertigwerden, so wird das Buch voraussichtlich wieder im Jänner erscheinen und mit der „Sommergeschichte“ fängt der Alfred gerade zum Korrigieren an. Da brauchen wir auch noch das Titelbild, das den Hund „Ouzo“ zeigen soll und dann wird Buch sieben- und achtundreißig, wenn ich mich nicht irre und durcheinander komme, fertig sein.

Ich korrigere inzwischen an meinen „Adventkalender“, beziehungsweise habe ich am Donnerstag im „Read!!ingroom“ daraus gelesen und am Samstag noch ein Fensterchen in den Blog gestellt.

Wenn mir im Dezember der Blogstoff ausgeht, es gibt ja jetzt keine Veranstaltungen mehr und ich mit dem Lesen nicht nachkomme und auch sonst den Weihnachtlichen Alltag nicht beschreiben will, kann ich noch andere Kapitel hineinstellen, mein Adventkalender geht ja bis in den etrsten Jänner, weil ich vorher keine fünfzigtausend Worte hatte und dann geht es irgendwann wieder an das neue Schreiben.

Da habe ich  neulich geschrieben, das ich keine Ahnung hätte, was ich als nächstes schreiben soll, weil ich schon über alles geschrieben und alle meine Themen angerissen habe.

Stimmt nicht ganz, werden meine Leser jetzt vermuten, beziehungsweise verrate ich, es ist mir etwas eingefallen und das könnte auch etwas Neues, abseits von den bekannten Pfaden, depressive Frau, Büchersammlerin, prekäre Arbeitsverhältnisse, Älter werden, Sterben, Demenz, etcetera, werden.

Nämlich ein Roman mit dem spannenden Titel „Paul und Paula“ und die Paula kann ich gleich verraten, ist als Paul geboren worden und umgekehrt und die Treffen sich im „Gasometer“, wo sich Paula ihrem neun roten Seidenkleid und Stöckelschuhen präsentieren will und  haben sich gekannt, sind beziehungsweise  als Paula und Paul gemeinsam in die Schule gegangen, er ist dann Informatiker geworden, sie hat Kunstgeschichte studiert und jetzt treffen sie einander wieder und räsumieren über ihr Leben.

Eine Geschichte, wo ich  zeigen könnte was ich kann, beziehungsweise mir was Neues ausdenken und die bekannten Pfade verlassen muß.

Mal sehen, wie es geht, bevor ich mit dem Korrigieren der Nika nicht fertig bin, fange ich nicht damit an.

Das sind so die Schreibepläne und was das Lesen betrifft, bin ich  entgegen meiner Bücherbeschränkungspläne in der letzten Zeit auf einigen Flohmärkten gewesen und habe mir sehr viele Bücher sehr billig gekauft und so kann ich jetzt Andrea Winkler, Lutz Seilers „Kruso“, Sascha Stanisic „Vor dem Fest“ etcetera in zehn Jahren lesen, während mir für heuer noch die Bücher bleiben, die nicht auf der LL standen und die ich bei „Buzzaldrin“ gewonnen habe.

Ich habe auch noch bei Tobias Nazemi vom „Buchrevier“ einem anderen, der glorreichen Bücherblogger, ein Buch gewonnen, nämlich Wilhelm Bartschs „Amerikatz“, denn der hatte  eine Bloggeraktion, wo man zwanzig dieser Bücher gewinnen konnte.

Einige der Bücherblogger wollen ja sehr eng mit Verlagen zusammenarbeiten und bieten sich für solche Aktionen an.

Ich verstehe da meinen Blog anders, nämlich als mein persönliches literarisches Tagebuch, als die Präsentation meines Schreibens, Lesens und  Veranstaltungskalender, mein Weg in den Literaturbetrieb hieneinzukommen oder mich neben ihm zu zeigen, wie es einmal Hans Raimund in Frage stellte.

Ich will mit meinen Blog nichts verdienen, sondern zeigen, da ist eine, die schreibt und liest und interessiert sich sehr für Literatur, schaut her und interessiert euch auch dafür!

Funktioniert nicht ganz oder nicht so, wie es mir wünschen würde, denn ich habe nicht sehr viele Kommentare und schaffe es auch nicht sehr viele meiner Leser zu meinen Lesungen zu bringen oder sie für meine Bücher und Gewinnspiele zu interessieren, aber ich bekomme immer öfter Bücher von Verlagen oder Autoren angeboten und da sage ich selten „Nein!“, sondern greife ich zu, denke, eines geht schon noch und so werde ich auch 2016 an dem Kunststück zu üben haben, möglichst alle mir vorgenommenen Bücher zu lesen und nicht, wie in den letzten zwei Jahren, immer mehr auf später zu verschieben.

Ach ja, es gibt soviele oder auch zuviele Bücher und ich interessiere mich sehr dafür,  will sie eigentlich alle lesen,  und ich eine Auswahl, wie „Ich lese nur gute Bücher!“,nicht treffen will, denn was ist ein gutes Buch? Gür mich sind das  eigentlich die meisten.

Also spannend beispielsweise dieser Literaturhaus-flohmarkt, mit dem ich mich  bisher nicht beschäftigt habe und jetzt am letzten und am vorletzten Tag zweimal hinging und gesehen habe, da kann man wirklich die „Haymon“ „Droschl“, „Residenz“ und auch andere Bücher, oft noch im Erscheinungsjahr, um zwei Euro kaufen, während sie ja sonst an die zwanzig kosten.

Die Buchhänder werden stöhnen, ich finde das toll, obwohl ich mir  angesichts meiner langen  Leseliste keine mehr kaufen sollte. Aber was soll ich machen, ich interessiere mich dafür und habe den Ehrgeiz möglichst viel zu lesen und so bin ich schon auf das nächste Jahr gespannt, beziehungsweise bin ich neugierig, wie es mir da mit meinen Bücherbeschränkungsplänen geht, die ich mir immer vornehme, aber  angesichts des Bücherreichtums um mich herum, dann nicht schaffe oder vielleicht auch nicht wirklich schaffen will.

2015-12-19

Vierter Adventsamstag

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:00
Tags: , ,

Jetzt  wie versprochen eine Nika-Geschichte aus dem Adventkalender.

Die Probelesung im „Read!!ingroom“ ist absolviert und trotz der geringen Zuhörerzahl ein Erfolg geworden und am vierten Adventsamstag werde ich mich doch nicht in den Marihailferstraßeneinkaufstrubel begeben, sondern meine Recherchen als abgeschlossen betrachten.

Weiß ich doch jetzt, daß der Gerngroß am Donnerstag und Freitatag bis einunzwanzig Uhr offen hat und am Freitag und es am Samstag beziehungsweise am Feiertag ein Weihnachtsengerl gibt.

Also keine Weihnachtsfrau, die gibt es nur in meiner Phantasie und die hat  schon Tradition, beziehungsweise eine Vorgeschichte.

Also lasse ich es bei dem Gehabten, beziehungweise  beim Korrigieren das Wort „Gerngroß“ weg und die Nika nur vor einem Kaufhaus auf der Mariahilferstraße stehen, damit niemand sagen kann „In der Realität ist das aber anders!“, denn ich will  eine Weihnachtsfrau und kein Engerl.  Das ist der Clou meiner Geschichte und so brauche ich in den Text auch nicht die Schaufester hineinkatapultieren, hinter denen als Dekoration ein kleines lachendes Mädchen auf einer Schaukel sitzt.

Einen entsprechenden Katalog, den die Nika vielleicht doch verteilen könnte, hat mir ein Klient in die Praxis gebracht, denn auch Klienten kaufen Weihnachtsgeschenke  und ich bleibe am Samstag zu Hause und nütze meine Zeit zum Korrigieren, während die Nika am vierten Adventsamstag durchaus ihre Erlebnisse hat:

„Samstag, 19. Dezember

„Das wird ja immer besser!“, dachte Nika am nächsten Morgen, als sie das goldglänzende Weihnachtsengerl mit aufgebauschten Wattehaaren von einem Konkurrenzunternehmen vorüberhuschen sah.

„Guten Morgen, Weihnachtsfrau!“, hatte es ihr zugerufen und sie, wenn sie sich nicht irrte, mitleidig angesehen.

„Fünf Tage noch, dann ist es vorbei! Hast du schon den Truthahn für den Weihnachtsschmaus bestellt?“

Mitnichten, Weihnachtsengel hatte keine Ahnung und war sicher eine ebenfalls prekär beschäftigte Studentin, aber die Telecomfirma, die sie engagiert und ihr seine Broschüren in das goldglänzende Körbchen gesteckt hatte, schien sie nur an den Einkaufssamstagen zu brauchen oder überhaupt nur am letzten, denn Nika hatte es noch nicht gesehen oder hatte sie nicht genau genug hingeschaut?

„Weihnachten feiere ich mit der Familie, mit Schwesterchen, deren Freunden und dem noch nicht geborenen Weihnachtskind bei Papa und Mama und da gibt es, wenn ich richtig verstanden habe, heuer eine schicke Lachsforelle, statt des fetten Weihnachtskarpfen, damit der Papa keinen Cholesterinhochstand bekommt!“, rief sie Engelchen fröhlich zu und steckte ihm, Widerlich Seidlers Anweisungen forsch ignorierend, ein Stollwerkzuckerl entgehen.

„Oder möchte Engelchen lieber ein Naps? Nougat- und Erdbeergeschmack habe ich zur Auswahl!“, rief sie und das junge Mädchen in dem Engelskostüm griff zu.

„Endlich etwas Süßes!“, rief es erfreut.

„Ich habe nur Handyverträge in meinem Körbchen! Lachsforelle klingt aber gut! Meine Mama schwört dagegen noch  traditionell auf die Gans! Sie wohnt im tiefsten Mühlviertel und der Papa hält es mehr  mit Bier und Anisschnaps, so daß zu befürchten ist, daß er auch heuer am Weihnachtsabend besoffen ist und auf die Geschenkpapekte kotzt, weil er die sentimentale Stimmung nicht verträgt! Das von wegen Weihnachtsfrieden! Aber ich höre schon auf, dich anzulabern, damit wir keinen Ärgern mit unseren Chefs bekommen! Willst du einen Handyvertrag? Ich bin übrigens die Claudia!“, rief es , streckte ihr das das Napspapier entgegen und rauschte ab. Alles bestens am vierten Weihnachtssamstag! Widerlich Seidler war nicht zu sehen und schien am Samstag frei zu haben! Dafür stapften zwei Weihnachtsmänner in ihren rotweißen Kutten und wallenden Rauschebärten an ihr vorbei zur nächsten Punschhütte, schrieen stilecht „Ho, ho, Weihnachtsfrau!“, rasselten mit einem Glöckchen und einer von ihnen war sich auch nicht zu blöd, ihr auf das Hinterteil zu klopfen.

„Paß auf, Santa, das ist sexuelle Diskriminierung, das kann ich bei der Gewerkschaft anzeigen!“, rief Nika ihm nach. Aber er hörte nicht zu und eine mittelalte Frau, die schon einige Einkaufssäcke schleppte, schaute sie neugierig an und sagte vermittelnd „Seien Sie großzügig, Weihnachtsfrau, in  fünfTagen feiern wir das schönste Fest des Jahres und da sollen wir uns alle freuen!“

Ach wirklich! Die Weihnachtsmänner waren schon verschwunden und schräg gegenüber war ein Geschenkbus zu entdecken, in denen die Omas und die Mamis ihre Geschenkpäckchen verstauen, damit sie ungestört einkaufen, konnten und sie mußte das auch noch tun! Für Ruth, Vera und die noch nicht geborene Zoe-Philipa etwas aussuchen! Für die Mama eine Bonbonierre, für den Papa eine Flasche Whisky, für Harald Schwabeneder eine CD! Aber wann sollte sie das alles besorgen, wenn sie von neun bis sieben auf der Straße stand? Sie brauchte auch ein Weihnachtswichtelchen und da stand ein solches schon vor ihr, strahlte sie mit ihren Pippi Langstrumzöpfen über die es wieder eine graue Strickmütze gestülpt hatte an und sagte fröhlich „Guten Morgen, Weihnachtsmannfrau, hast du etwas Süßes für mich? Ich gehe wieder Weihnachtsshoppen, denn jetzt kann ich die CD für Onkel Max besorgen, damit er mit „Stille Nacht“ und “ O Tannenbaum“ in Stimmung kommt! Er hat mir, nachdem ihm meine Zeichnung sehr gefallen hat, nochmals fürnf Euro gegeben und um 9.80 bekomme ich eine! Die geh ich jetzt besorgen und dann noch in den „Merkur“! Er hat mir eine Liste gegeben, was ich für die Weihnachtsfeiertage kaufen soll, falls wir uns  nicht mehr sehen! Aber ich komme natürlich noch  her, um die Mama ein bißchen zu ärgern!“, sagte Jessica Nikolic grinsend, dann brach sie ab und zuckte verlegen mit den Achseln.

„Uje, uje, du mußt gar nicht so böse schauen und mich beim richtigen Weihnachtsmann verklagen, Nika, Weihnachtsfrau! Ich weiß, das soll man nicht und ich will sie auch nicht ärgern, denn sie ist im Streß, alles zu besorgen, damit der Truthahn am Donnerstag rechtzeitig fertig ist, wenn sie bis zwölf im Geshäft stehen muß, damit die Männer, die auf die Weihnachtsgeschenke vergessen haben, ihren Frauen noch schnell Handschuhe kaufen können! So erzählt es mir die Mama immer! Ich habe dagegen schon alles beisammen, für die Mam, die Oma und den kleinen Dominik! Das ist der Vorteil, wenn man öfter herkommt und für Onkel Max habe ich extra viel zu besorgen! Denn stell dir vor, Weihnachtmannfrau, er hat auf der Mariahilferstraße, als es ihm besser ging und er hinunter konnte, einen alten Freund getroffen! Aber das weißt du  schon, denn du warst  dabei! Einen Kollgen vor der Schule, wo er unterricht hat! Einen Deutschlehrer! Onkel Max hat Mathematik und Physik unterricht und der ist so allein, wie er, weil er seine Frau am Krebs verloren hat, während die von Onkel Max einen Herzinfarkt hatte! So haben die Beiden beschlossen, gemeinsam zu feiern und dazu braucht Onkel Max eine Gans, Rotkraut und Semmelknödel und ich helfe beim Kochen! Denn das kann ich auch! Schaue ich der Mama immer in die Töpfe, beziehiungsweise muß ich mir zu Mittag mein Essen wärmen, wenn sie in der Handschuhabteilung steht und einen Kuchen werde ich auch besorgen, denn am zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es Gäste! Aber das darf ich nicht verraten, Weihnachtsmannfrau! Das will Onkel Max, der Mama und dir selber mitteilen! Ich habe einen Brief für euch!“, sagte sie in ihre Tasche greifend. Dann streckte sie Nika ein blaues Kuvert entgehen und schaute noch einmal begierig in ihren Jutesack.

„Ich bin die Briefbotin, beziehungsweise ein fliegendes Weihnachtsenger! Dafür ich ich mir sicher etwas Süßes verdient, nicht wahr Weihnachtsmannfrau und jetzt schaue ich zur Mama, denn der habe ich auch ein Brieflein zu übergegeben, bevor ich in die Musikabteilung flitze! Bis später, Weihnachtsmannfrau und streß dich nicht, damit du nicht auch einen Herzinfarkt bekommst und Weihnachten heuer ausfällt!“, rief sie mit pfiffigen Gesichtsausdruck und winkte ihr, die Handvoll Süßigkeiten, die sie sich aus Nikas Extrasäckchen stibitzt hatte, in die Tasche steckend, fröhlich zu.

„Und das wäre eine Katastrophe für die Kinder dieser Welt! Das wollen wir verhindern, Weihnachtsfrau! Bis später also und noch einen schönen Tag!“

So weit der neunzehnte Dezember, den fünften gibt es hier zu lesen,  den ersten und den siebzehnten habe ich im „Read!!ingroom“ vorgestellt und eine frühere Fassung vom dreizehnten und dreiundzwanzigsten Dezember aus dem Jahr 2013 gibt es auch und noch einen Schreibbericht.

2015-12-18

Bei Schlechtwetter bleiben Eidechsen zu Hause

Nadine Kegeles Debutroman, den ich auf der vorvorigen „Buch-Wien“ beim Bücherquiz gewonnen habe, beginnt schon einmal erschreckend brutal:

„Zum Glück gibt es genügend Tierärzte, die gesunde Hunde einschläfern!“

„Hoffentlich nicht! „, könnte man denken und merkt schon, das ist ein sehr kraftvoller Roman, der 1980 in Bludenz geborenen Autorin  ist, die ich im Zuge des Volksstimmefestes kennenlernte, dann bei einer „Textvorstellung“ mit Angelika Reitzer war, den Erzählband „Annalieder“ gerne gelesen hätte, jetzt aber den Roman, aus dem die Autorin schon ein Stück 2013 in Klagenfurt gelesen hat und damit den Publikumspreis gewonnen hat.

Bei der Jury, die Diskussion habe ich mir jetzt ein bißchen angehört, ist er dagegen nicht so gut angekommen, wie bei dn Nadine Kegeles Fans und das kann ich ein bißchen nachvollziehen, denn es ist auch sehr verwirrend, was da auf verschiedenen Ebenen erzählt wird.

Der Klappentext spricht von der seltenen Gabe „Poesie und Komik“ miteinander zu verknüpfen, aber komisch habe ich den Text eigentlich nicht gefunden, eher wortgewaltig, metaphernreich, Tiere kommen in den verschiedensten Formen vor und es ist auch wahrscheinlich nicht alles realistisch, was da erzählt wird.

Es geht um Nora, eine Protagonistin, die vielleicht Ähnlichkeiten mit der Autorin hat, es geht ihr aber nicht gut und sie hat, salopp gesagt, einen Minderwertigkeitskomplex, hat sie ja nicht studiert, ist keine Akademikerin, nicht aus reichen Haus, wie ihre Freundinnen Vera, Ruth und die Füchsin, sondern hat offenbar eine schlechte Kindheit hinter sich und Probleme mit ihrer Mutter, die sechundfünfzig Jahre alt, im Koma liegt.

Die geht Nora im Spital besuchen, wie, um sich zu überzeugen, ob sie schon endlich gestorben ist?

„Schätzchen!“, sagt dann die Krankenschwester mit dem großen Busen und es passt wieder nicht und der Hund, der eingeschläfert wurde oder werden sollte, gehörte offenbar der Mutter.

Dann gibt es eine zweite Erzählebene, in abwechselnden Kapiteln wird von Nora und von einer Erika erzählt, die vielleicht Noras Mutter ist. Ganz klar kommt das, wie vieles in dem hochpoetischen Roman nicht heraus, weil die Tochter dieser Erika, sie ist eine Kellnerin, die von verschiedenen Männern Kindern bekam, mit ihnen nicht zurecht kommt, ihre Schreibabies dann in die Toilette legt, damit sie sie nicht mehr hören muß, kein Geld hat und von den Männern ausgenützt wird, heißt auch Erika, wie sie, Rika genannt und nicht Nora, es könnte aber trotzdem hinkommen.

Diese Erika lebt also ihr armes Frauenleben der Sechziger und Siebzigerjahre bis sie ins Koma fällt und Nora leidet  unter ihren drei priveligierteren Freundinnen, Vera ist die Tochter eines Sektimperiums, die Füchsin ist Jogalehrerin, Ruth Religionslehrerin und Lesbe und möchte ein Kind, gleich welchen Geschlechts, nur Mädchen oder Bub sollte es nicht sein, man sieht es ist sehr kompliziert!

Nora ist Telefonistin in der Mahnabteilung einer Stromfirma, wird dann aber entlassen und hat kein Geld, sie hat aber einen Freund, den Anton, einen Architekten, der schon eine Tochter namens Maresa hat und sie mitnimmt als er mit Nora nach Roma fährt, dann verläßt er Nora, die dann alleine nach Rom fährt.

Dazwischen hütet sie noch Veras Katze, die nach Brasilien fährt und ihre Nachbarin, eine alte Jüdin und Holocaustopfer nahmens Sarah Tänzer, die sie betreut, beziehungsweise mit ihr auf den Friedhof fährt, hat einen Hund namens Moby, die Füchsin füttert Blutegeln und die Eidechsenmetapher, beziehungsweise der Romantitel bezieht sich auf die Romfahrt mit Anton und Maresa, denn dort beobachet Nora solche.

Am Ende ist sie im Krankenhaus, denn dort hat die Füchsin inzwischen ein Kind geboren, wobei es allerdings Komplikationen gab und Nora geht dann in das Zimmer ihrer Mutter, findet sie aber nicht mehr, nur die Schwester kommt ihr am Gang entgegen und sagt „Wir haben Sie schon gesucht, Schätzchen, geht es Ihnen gut?“

Sehr verwirrend also, nicht nur für die Bachmannjuroren, die allerdings, glaube ich , einen etwas anderen Text hatten, denn da kommt eine Contessa vor, die mir entgangen wäre, auch in den Rezensionen kann man viel von der Tragik des Lebens und dem schrecklichen Schicksal, denen die Frauen ausgesetzt wären lesen. Bei einigen wird dann auf die Autrin, die ja auch im zweiten Bildungsweg studierte und zuerst eine Bürolehre machte, zurückgeknüpft und von Arbeiterschicksalen gesprochen, die in der Gegenwartsliteratur eher selten wären.

Finde ich gar nicht und ich habe die Beschreibung der Mutter eigentlich sehr stark empfunden, sie hat mich auch an mein dreimonatiges Praktikum im Hospitz Hotel in St. Anton am Arlberg, das ich 1972 in der Strassegasse machen mußte, erinnern, da ist es im Service und in der Schank wahrscheinlich ähnlich zugegangen.

Die Polarsierung zwischen arm und reich und die Minderwertigkeitsgefühle, die Nora zwischen ihren reichen Freundinnen empfindet, habe ich dagegen eher ungewöhnlich gefunden, denn meistens wird das, was mich beispielsweise sehr interessiert, in der Gegenwartsliteratur eher nicht thematisiert.

Ansonsten geht es um die Problematik, die moderne Frauen haben können, Kinderwunsch, Verlassenwerden, alternative Lebensweisen, da habe ich ja vor kurzem  erst einen preisgekrönten Roman gelesen, in dem das auch beschrieben wird.

Die vielen Tiere sind sehr auffällig und Nadine Kegele springt von einer Metapher mit einer wortgewaltigen Poetik in die andere, spannend einerseits und hochkomplex, andereres habe ich dagegen noch nicht so ausgereift und eher unfertig gefunden und bin gespannt, was ich noch von der Autorin hören werde, die ich ja gelegentlich bei Veranstaltung sehe und die mir einmal auch ein sehr liebes Mail bezüglich meines „Kevin-Textes“ geschrieben hat, den ich ja am Volksstimmefest gelesen habe

2015-12-17

Adventlesung im Read!!ingroom

Filed under: Lesung — jancak @ 23:23
Tags: , , ,

20151217-205816

Heute also die Vorstellung meiner Adventgeschichte, dem heurigen „Nanowrimo“ im „Read!!ingroom“ im Rahmen des dortigen Adventfestivals „Weihnachten im Advent“ und die Nika hat ja, das habe ich auch bei der Einleitung so erzählt, eine lange Vorgeschichte.

Denn eigentlich wollte ich immer über einen Weihnachtsmann auf der Mariahilferstraße schreiben, der dort herumsteht, seine Zuckerl verteilt und die abenteuerlichsten Begegnungen macht.

Dann ist irgendwann eine Weihnachtsfrau daraus geworden, aber vorher hat es noch einen Adventkalender gegeben, wo ich jeden Tag im Dazember ein Stück geschrieben habe und dann einen „Adventkalender“ daraus machte, der im „Best oft“, meinem ersten Erzählband, 2003 erschienen ist.

Da ist die Heldin eine Johanna Richter und einen vom Himmel Heruntergefallenen, der die Menschheit bestrafen und die Welt zerstören soll, gibt es auch und keine Idee von einer Weihnachtsfrau namens Nika.

Die, die achtundzwanzigjährige Germanistin Nika Horvath, taucht dann erst in den „Dreizehn Kapiteln“ auf, die ich im Sommer 2013 geschrieben habe.

Da erscheint die „Weihnachtsfrau für alle Fälle“ im vierten Kapitel und ist die Nachbarin der Laura Augustin und dann hat mich diese Idee nicht mehr losgelassen und so gibt es im Dezember 2013, am 13. und am 23. Dezember je eine Nika Geschichte und die Idee, einmal mache ich daraus einen Adventkalender.

20151217-210042

2014 bin ich nicht dazugekommen, beziehungsweise habe ich in der Schreibgruppe „Westbahn Spotan“ am fünften Dezember, Weihnachten oder Nikolo zum Thema gemacht und da eine Nika Geschichte geschrieben und mir fest vorgenommen, nächstes Jahr mache ich daraus den „Nanowrimo“ und das hat auch gut geklappt, so ist heuer der Advent im November gewesen und ich habe die fünfzigtausend Worte in drei Wochen geschrieben und bin jetzt am Korrigieren, beziehungsweise gestern wieder zum recherchieren auf der Mariahilferstraße gewesen.

Inzwischen weiß ich, es gibt keine Weihnachtsfrau auf der Mariahilferstraße,  aber  die Nika im „Read!!ingroom“ und diese Idee hat eingeschlagen, denn Dorias Glaser hat sie beim Ö1 Quizz auf der „Buch Wien“ erwähnt und also ganz Österreich auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht und gestern in der „Gesellschaft für Literatur“ hat die Journalistin, die ich einmal im Rahmen der „Anderen Buchmesse“ kennengelernt und die mich seither interviewen will, schon aus dem „Augustin“ von der Nika gewußt.

Trotzdem sind nur wenige Leute gekommen, ein Stammbesucher, neben den Veranstaltern, die Ruth und der Alfred. Das war es das schon, vielleicht ist Weihnachten  zu nah, vielleicht liegts auch an mir, obwohl ich versucht habe in den letzten Tagen viel Werbung dafür zu machen.

Daß ich den ersten und den siebzehnten Dezember lesen will, habe ich mir schon länger vorgenommen. Dazu gibt es auch ein kleines Gedicht:

Eva Jancak

Eva Jancak

„Weihnachtswald, Weihnachtskind

Weihnachtsmann, komm her geschwind

Weihnachtsfrieden, ach genau

Weihnachtsmann sucht Weihnachtsfrau“

Das erste Kapitel ist ziemlich lang und stellt eigentlich fast alle Personen vor und auch in die Krimihandlung, die ich mir von dem letzten „Krimischnupperworkshop des Writersstudio“ sozusagen mitgenommen habe.

Dann kam ein Sprung zum siebzehnten, aber den fünften kann man hier schon nachlesen und am Samstag werde ich höchstwahrscheinlich zwar nicht mehr auf die Mariahilferstraße gehen, das neunzehnte Fenster aber hier einstellen und in den nächsten Jahren wird man im Dezember wahrscheinlich auch in die Nika Weihnachtsfrau hineinschnuppern können, entweder als E-Book im Ganzen oder kapitelweise, mal sehen, das weiß ich noch nicht so genau.

Dazu muß das Buch erst fertig werden. Jetzt gab es aber schon die Probelesung und Weihnachtskekse und ein Glas Wein.

Und dazu wieder Bücher, denn der Read!!ingroom verfügt ja ebenfalls über offene Bücherregale und da habe ich Andreas Okopenko „Kindernazi“ aus dem alten „Residenz-Verlag“, ein Klassiker, den man lesen solle und Erika Mitterers „Der Fürst der Welt“, was ich immer schon lesen wollte, gefunden.

Und wem es interessiert, im Literaturhaus bin ich heute um vier auch gewesen und habe sozusagen die letzte Stunde des Flohmarkts, warum bin ich nicht schon früher darauf gekommen, ausgenützt.

Der war dann zwar schon ziemlich ausgesucht, habe ich ja auch gestern in der „Gesellschaft für Literatur“ davon erzählt.

Einige schöne Bücher aus österreichischen Verlagen sind trotzdem zu mir gekommen.

Zwar habe ich Daniel Zipfels „Eine Handvoll Rosinen“ das ich gestern liegen gelassen habe, nicht mehr gefunden.

Dafür aber Susanne Gregors bei „Droschl“ erschienener neuer Roman und man glaubt es kaum Andreas Unterwegers „Gelbes Buch“, etcetera.

Jetzt muß ich das alles noch lesen, das und anderes, denn dieser Advent war heuer ja sehr Flohmarkt reich.

2015-12-16

Mariahilferstraßenbummel und Lese.Auslese

Ich habe ja schon im Oktober für die „Nika, Weihnachtsfrau“ recherchiert, den Text dann im November geschrieben und korrigiere seither an ihm.

Daß ich im Dezember wieder auf die Mariahilferstraße gehen will um das authentische Weihnachtsflair einzufangen, habe ich mir schon Ende November vorgenommen. Bisher ist es nicht dazu gekommen, sind wir ja Anfang Dezember nach Ungarn gefahren, dann war in meiner Praxis sehr viel zu tun mit zwei bis dreimal Diagnostik am Tag, aber jetzt wirft Weihnachten schon seine Schatten und so hatte ich am Mittwoch Zeit und am Donnerstag wenn ich wieder zum klinischen Mittag gehe, komme ich auch zur Mariahilferstraße, also habe ich zuerst gedacht, mache ich am Mittwoch meinen Recherchetag, dann das wieder auf den Donnerstag verschoben, weil ich befürchtete, daß mir ein ganzer Tag zu lang sein wird, dann hat sich eine Klientin für Mittwoch zehn Uhr angemeldet und die Anna,  der ich am Donnerstag beim „Thalia“  den Setz kaufen wollte, hat auch umdisponiert und so bin ich doch heute nach dem Mittagessen losmarschiert und die ersten zwei Stunden mit der Anna herumgestiefelt, sie sogar in den „Freßnapf“ in die Neubaugasse begleitet, wo sie ihrem Hund Ouzo Weihnachtsgeschenke kaufte.

Dann habe ich mich  noch entschlossen, den Flohmarkt im Literaturhaus der morgen endet einmal zu besuchen, wo es Bücher der österreichischen Verlage „Haymon“, „Residenz“ etcetera von ein bis drei Euro gibt.

Da hatte ich dann fünf sechs Stück in der Hand, die ich vorerst zurücklegte, denn ich habe ja schon so viele Bücher und brauche eigentlich nicht noch Geld für neue ausgeben.

Aber im Bücherschrank, wo ich dann hinging, war  nichts zu finden, so bin ich wieder zurück und habe mir die beiden Andrea Winkler Bücher „Drei, vier Töne, nicht mehr“ und „König, Hofnarr und Volk“, sowie das TB von Maria Matios „Darina, die Süße“ gekauft, dann war es schon vier vorbei, bis ich  wieder auf die Mariahilferstraße kam und da zuerst zum „Peek und Cloppenburg“ ging, weil ich, wie ich mit der Anna dort war, gesehen habe, daß es dort schöne Weihnachtskarten gibt das das Kaufhaus schloß ausnahmweise schon um halb sieben, weil es nachher eine Veranstaltung gab, wofür schon eine Bühne aufgebaut wurde.

Vielleicht die Personalweihnachtsfeier, die ich in meinem „Adventkalender“ am 28. 12. ansetzte. Ich werde dort den Gerngroß wahrscheinlich weglassen, denn das Kaufhaus Gerngroß hat am Donnerstag und Freitag bis neun Uhr offen und dann spaziert dort auch ein Christkindl und keine Weihnachtsfrau herum. Das hat man davon, wenn man das Ambiente studiert, man bekommt heraus, wo  die Phantaise unpräzis war.

Morgen werde ich dann nur über die Mariahilferstraße laufen, wenn ich ins AKH gehe,  aber eine „Weihnachtsbücherkastentour“ machen und wenn ich will, kann ich nochmals ins Literaturhaus gehen und das was ich liegen ließ nachkaufen, eine Frau hat mir aber schon die „Annalieder“ von Nadine Kegele weggekauft.

Am Samstag wenn das das Christkindl vor oder im Gerngroß steht, kann ich ja auch noch einmal kurz hinschauen und das in meinem Blog vielleicht mit dem neunzehnten Adventkalenderfenster verbinden.

Dann bin ich bin nach meiner neuerlichen Romanrecherche, in die „Gesellschaft für Literatur“ zur Lese.Auslese gegangen, die dort  zweimal im Jahr stattfindet. Vor dem Sommer und vor Weihnachten stellen dort Katja Gasser und Cornelius Hell jeweils literarische Neuerscheinungen vor und zu Weihnachten gibt es h nachher Punsch und Kekse und das war für mich der Grund hinzugehen,  denn normalerweise bin ich ja kein so großer Fan von Leseempfehlungen und im „Literaturmuseum“ wäre auch eine Veranstaltung gewesen.

Ein bißchen neugierig war ich aber schon auf die ausgewählten Bücher, denn durch mein Buchpreisbloggen und die neun Bücher die ich bei „Buzzaldrin“ gewonnen habe, von denen ich gerade den Mathias Nawrat lese, bin ich da ja besonders gut eingelesen.

Also hätte ich einige der vorgestellten Bücher gelesen haben können. War aber nicht so, was wieder einmal bestätigt, es gibt  viel mehr Bücher, als die zwanzig die auf der LL stehen.

Bekannt waren mir allerdings schon einige davon, denn einige wurden schon auf der „Buch-Wien“ vorgestellt und Marianne Gruber hielt wieder eine sehr schöne Einleitung über den Wert der Bücher und was das Lesen mit einem machen kann.

Dann begann Cornelius Hell mit Johannes Bobrowski „Lewins Mühle. 34 Sätze über meinen Großvater“.

Das ist ein DDR-Autor, der zu seinem runden Todestag wieder aufgelegt wurde und von Sujet her ein wenig an Mathias Nawrats „Die vielen Tode unseres Opas Jureks“ erinnert, obwohl er schon 1965 gestorben ist.

Dann kam Ludwig Fels „Die Hottentottenwerft“, bei „Jung und Jung“ erschienen und das Buch zeigt, wie Katja Gasser  und Cornelius Hell erklärten, daß die Deutschen nicht nur im Holocaust, sondern auch während der Kolonalisierung sehr gewaltätig waren.

Dann folgte Katharin Hackers „Skip“, eine in Österreich, wie Katha Gasser meinte, nicht so bekannte Autorin. Mir ist sie bekannt, habe ich ja sowohl, die „Habenichtse“ und heuer auch „Eine Art Liebe“ gelesen.

 

Drago Jancars „Die Nacht, als ich sie sah“ wurde während der „Buch- Wien“ in der „Alten Schmiede“, ich glaube, sogar von Cornelus Hell moderiert, vorgestellt,Adolf Muschs „Die japanische Tasche“ auf der ORF Bühne, wahrscheinlich von Katja Gasser moderiert und György Dragomans „Der Scheiterhaufen“ wurde während der Bühne wahrscheinlich von Cornelius Hell auf der „Donau Lounge“ vorgestellt.

Dann kam noch der neue Gedichtband von Chrostoph W. Bauer „stromern“, bei „Haymon“ erschienen, da habe ich schon einiges von dem Autor gelesen und Thomas Bernhard ist mir auch nicht unbekannt.

Manfred Mittermayer hat eine Biografie über ihn geschrieben, die bei „Residenz“ herausgekommen ist und zwischen Cornelius Hell und Katja Gasser entspann sich die Diskussion, ob man die Biografie kennen muß, um sein Werk zu verstehen?

Da denke ich, wahrscheinlich nicht unbedingt diese, aber etwas über das Leben des großen Autors zu wissen, ist sicherlich sehr nützlich, der ja wie Katja Gasser bemerkte, selbst sehr emfpindlich geenüber Kritik war. So hat ihn Herbert Eisenreich einmal sehr verissen und Bernhard hat dann an den Verlag geschrieben, daß sie das nächste Mal einen Schimpansen. als Rezensenten bestellen sollen.

„Deshalb liebe ich Thomas Bernhard“ hat Cornelius Hell eingeworfen. Ich würde das eher für eine  ungezogene Bermerkung halten.

Dann waren die Bücher vorgestellt und Marianne Gruber kam mit einer Schachtel und einer Schüßel, denn da hat es eine Umfrage gegeben, wo man seine Meinung zur „Gesellschaft“ sagen konnten und jetzt wurden zehn der Antworter gezogen, die je ein Buch gewonnen haben.

Leider scheint keiner der Anwesenden diesen Zettel vorher gesehen zu haben, ich habe ihn auch erst später ausgefüllt, so daß ich da erst im nächsten Jahr etwas gewinnen kann.

 

2015-12-15

Joeseph Roths Städtebilder

Im Literaturhaus gibt es eine Internationale Joseph Roth Gesellschaft, zumindestens ist Heinz Lunzer, der ehemalige Literaturhausleiter der Vorstand oder Präsident und es finden auch immer Veranstaltungen über den großen Dichter, der 1894 in Ostgalizien geboren wurde und 1939 in Paris gestorben ist und der schon zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts das Kunststück zusammenbrachte, die Literatur mit dem Journalismus zu verbinden, statt.

Meine Jeseph Roth Geschichte, habe ich glaube ich, schon aufgeschrieben, im Bücherkasten meiner Eltern gab es den „Radetzkymarsch“, den habe ich lange ehrfürchtig angestarrt, bis ich das Buch 2012 gelesen habe, da hatte ich in den Siebzigerjahren aber schon die Michael Kehlmann Verfilmung gesehen und war entsetzt, nur eine einzige Frau und die ist eine Hure, eine Haushälterin gibt es, glaube ich, auch und dann das ewige Geschwafel vom Untergang der Monarchie.

Gott, war ich damals naiv, aber das sind wohl die Entwicklungsschritte einer schreibenden Psychologiestudentin aus einer nicht so beaugoisen Schicht, dann gabs irgendwann ein Gedenkjahr und ich habe mir gedacht, ich darf mir keine Bücher kaufen und habe mir dann das „Im Spinnennetz“, „Rechts und Links“ und „Hotel Savoy“ gekauft und wohl auch gelesen.

Die „Kapazinergruft“ habe ich  bewußt ausgelassen und hoffe, daß ich sie noch irgendwann finde und 1994 oder 1995, als ich mit der Betreuung meines Vaters bechäftigt war, habe ich mir von ihm einen Bildband, den, glaube ich, Heinz Lunzer herausgegeben hat, schenken lassen und zu dieser Zeit wäre ich mit Heinz Lunzer und der Gesellschaft fast auch auf eine Studienreise nach Lemberg mitgefahren.

2007 gab es im Literaturhaus, glaube ich, die große Joseph Roth Ausstellung oder war es 2008, ich habe jedenfalls noch nicht gebloggt und ein paar Bücher habe ich mir inzwischen auch gekauft und war bei ein paar Veranstaltungen im Literaturhaus, andere habe ich versäumt, so eine große Roth Spezialistin, Liebhaberin oder Fanin bin ich ja nicht, zu letzt war ich glaube ich im Spittelhauskino bei der Veranstaltung Joseph Roth und der Film und jetzt die „Städtebilder“.

Die letzten Wochen ist es in meiner Praxis und auch so ja ziemlich intensiv zugegangen, so daß ich einige interessante Veranstaltungen, beispielsweise das Symposium zur Sprachkunst auslassen mußte und auch heute hatte ich eine sechs Uhr Stunde, dann bin ich aber mit dem Bus ins Literaturhaus gefahren und ich bin gerade noch zu der Einleitung von dem französischen Literatrurprofessor, es ist ein Germanist, der an der Sorbonne lehrt, Stephane Pesnel zurechtgekommen, der erklärte, daß der Band, der gemeinsam mit den Lunzers und Erika Tunner herausgegeben wurde, auf Grund eines Symposiums, beziehungsweise einem Gespräch in der U-Bahn entstanden ist, denn Joseph Roth ist ja in verschiednen Städten aufgewachsen, beziehungsweise hat er in ihnen gelebt oder über sie geschrieben. Brody, Wien, Berlin, Paris und wahrscheinlich auch noch einige andere und der Professor zählte auch auf, daß bis zum achtzehnten Jahrhundert wenig über Städte geschrieben wurde.

Dann kam E. T. A. Hoffmann und etwas später Alexander Döblin mit Berlin, vorher noch Fontane, Zola über Paris oder Kafka über New York, das er nie bereiste und Joseph Roth war ja auch ein Journalist und hat über die verschiedensten Städte Artikel und Feuilletons geschrieben.

Der jetzt erschienene Baqnd ist auch ein Sammelband, wo die verschiedensten Aspekte von Städteschilderungen von Joseph Roth, Marseille zum Beispiele oder auch westunagrische Städte und Albanienreisen, etcetera von den verschiedensten Autoren beleuchtet wurden.

Stephane Pesnel führte durch das Buch, dann kam schon Heinz Lunzer und erzählte in seiner sehr empathischen Art, daß man den Band geschenkt bekäme, wenn man seinen Mitgliedsbeitrag für 2015 schon bezahlt hätte.

Sonst würde er im Buchhandel fünfzig Euro kosten, wenn man aber jetzt Mitglied wird, bekommt man ihm für fundundreißig, den Mitgliedsbeitrag und bekommt dann noch einen anderen Band der Gesellschaft hinzu, der auch einen ähnlichen Titel hat und über den referierte dann auch Heinz Lunzer, beziehungsweise löste er einen Krimi auf, den 1927 ist Joseph Roth in die SU gereist und hätte dafür für die FAZ vier Artikel schreiben sollen.

Er hat aber nur drei geschrieben, dann gibt es im „Interessanten Blatt“ aber einen, der mit t.- unterzeichnet ist und über Krigisen handelt.

„Die Herren der Steppen – Spezialbericht aus dem Land der Kirgisen“, der ist von Roth, kombinierte Heinz Lunzer messerscharf und teilte  den entsprechenden Artikel zum Nachlesen aus.

Interessant, interessant, nachher gab es Wein und was zum Knabbern und man konnte gleich bei Vikotia Lunzer, die mit ihrem Mitgliedsbuch beim Büchertisch saß, Mitglied werden.

Wurde ich nicht, denn ich bin,  wie bereits erwähnt, keine so große Roth Sepzialistin, wie ich auch Robert Huez sagte, der mich danach fragte.

„Ich trinke Rotwein!“, habe ich ihm geantwortet und offenbar mitverstanden und ja natürlich bin ich, das irgendwie oder sagen wir auf jeden Fall beeidruckt von dem großen Dichter, der sich offenbar aus Verzweiflung zu Tode gesoffen hat und das mit der Monarchie und den alten Herren, die da in einigen seiner Romane herumfstiefeln und um den verstorbenen Kaiser trauern, sehe ich jetzt auch ein wenig anderes und nächste Jahr haben wir  ein besonderes Jubiläum, nämlich Franz Josephs hundertsten Todestag und da habe ich gesehen, als wir gester von St. Pölten nach Wien gefahren sind, wird jetzt schon in Schönbrunn eine Ausstellung angekündigt, die auf dieses Ereignis hinweist.

2015-12-14

Das fröhliche Wohnzimmer im Read!!ingroom

20151214-204353

Patricia Brooks

Patricia Brooks

Der „Read!!ingroom“ dieser kleine feine kulturelle Nahversorger in der Anzengrubergasse, wie er sich, glaube ich, selber nennt, hat ja nicht nur einen Büchertauschdienstag und ein Sommerfestival, wo ich meinen heurigen Sommerroman sozusagen vorvorstellte, sondern auch ein „Adventspezial“ – Weihnachten im Advent, wo nicht nur Weihnachtliches gelesen wird.

So stellte Luis Stabauer dort seine „Atterwellen“ vor, ich komme am Donnerstag mit meiner „Nika Weihnachtsfrau“, meinen heurigen „Nanowrimo“ an die Reihe und eine Verlagspräsentation, nämlich die des fröhlichen Wohnzimmers mit Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Michaela Hinterleitner und Patricia Brooks gab es auch und es war in dem kleinen Lesezimmer so voll, wie ich es höchstwahrscheinlich nie zusammenbringen. Da könnte man wieder neidig werden, Wolfgang Helmhart, Ruth Aspöck, Jota Joakim, Dieter Berdel, Gabriele Petricek, die ganze experimentelle Literatenszene oder einen Teil davon und um noch ein wenig beim „Read!!ingroom zu bleiben, die „Dienstagsschreiber“ und eine „Bibliotherapiegruppe“, Bezirksspaziergänge und vieles andere gibt es dort auch.

Michaela Hinterleitner

Michaela Hinterleitner

Ich komme  eigentlich nicht sehr oft dorthin, bin aber einmal mit Rolf Schwendter von dort aus durch den Bezirk gewandert, bei Günter Vallaster, wo er Manuela Kurz und Helga Pregesbauer vorstellte, die inzwischen beide in die GAV gekommen sind, war ich auch, einmal wurde die Volksstimmeanthologie dort präsentiert, einmal habe ich das „Haus“ und die „Radiosonate“ dort vorgestellt und jetzt also eine Verlagspräsentation in dem kleinen feinen Raum, die mir ja nicht unbedingt fremd war, war oder bin ich mit Ilse und Fritz ja auch in einer Schreibgruppe und Michaela Hinterleitner habe ich im Sommer im Sonnenpark in St. Pölten kennengelernt und mit Patricia Brooks habe ich auch schon gelesen.

Fritz Widhalm

Fritz Widhalm

Aber trotzdem interessant die Verlagspräsentation, das xxxxx-small gibt es ja nicht mehr im Amerlinghaus und ob es die Veranstaltung im AI noch gibt, weiß ich gar nicht, obwohl eigentlich nur zwei Verlagspublikationen oder zwei Verlagsautoren vorgestellt worden, nämlich Michaela Hinterleitner mit „Common Sense“ und Patricia Brooks mit Texten aus einer Anthologie und dann noch einem Gedichtband.

Ilse und Fritz haben aus dem Verwicklungsroman in Günther Vallasters Ediiton erschienen, wo es inzwischen schon neuen Teile gibt, alle zwei Jahre, einenund zwar aus dem letzten und vorletzten Teil von dem Naz und der Jana, die im achten Bezirk in einer Wohnung wohnen, dort das fröhliche Wohnzimmer gründeten, aber selbstverständlich, wie Ilse Kilic betonte, nichts mit ihnen zu tun haben, es gibt nur wieder Ähnlichkeiten und auch ihre Beziehungsgeschichte aus dem neunten Band, während im anderen Janas Weihnachten geschildert wurde, von den fünfziger Jahren bis zu Gegenwart oder wenigstens an die, an die Jana sich erinnern kann, das heißt, die erste Puppe, der Tod der Mutter und dann die, wo sie dem Vater im Pflegeheim besuchten, beziehungsweise die, die Jana mit dem Naz feierten und das ist eine interessante Idee, die gesammelten Weihnachten eines Weihnachtsfreaks aufzuzählen und da habe ich mit meinen „Adventkalender“ vielleicht auch einiges anzubieten und habe heute auch von Peter Gstöttmeier, dem heurigen Ohrenschmausgewinner und seiner Schwester Weihnachtspost, beziehungsweise ein selbstgemachtes Weihnachtsgedicht sowie eine Weihnachtsgeschichte geschickt bekommen:

Ilse Kilic

Ilse Kilic

„Ruhig werden! Zur Ruhe kommen, nicht immer durch die Gegend hetzen

Zur Ruhe kommen, nicht immer im Dauerstress stehen

Zur Ruhe kommen, sich Zeit nehmen, um die Menschen um sich herum zu betrachten.

Zur Ruhe kommen, sich Zeit nehmen, um mit Menschen zu reden“,

hat er geschrieben, was mich daran erinnert meinen Lesern mitzuteilen, das diese Woche Felix Mitterer, der „Ohrenschmaus-Schirmherr“ in den „Gedanken für den Tag“ ist um die schönsten „Ohrenschmaus-Texte“ vorstellen wird und ich kann noch einmal an den Donnerstag erinnern und alle Interessierten in den „Read!!ingrool“ zur „Nika Weihnachtsfrau“ einladen.

Ich werde den ersten und stilecht den siebzehnten Dezember lesen. Einen Vorgeschmack, nämlich den fünften, gibt es schon hier.

2015-12-13

Land der Berge

Filed under: Bücher — jancak @ 00:20
Tags: , ,

Ein neuer Band aus dem „Holzbaum-Verlag“ von Rudi Hurzlmeier, dem Maler, Cartoonist und Autor, der ständiger Mitarbeiter des Satiremagazins „Titanic“, der „Süddeutschen“,  des „Spiegel-Online“ und der „Zeit“ ist und diesmal ist es etwas Besonderes, denn es ist sehr viel Text dabei.

„Schwindelerregende Steilwandmalerei und Hochgebirgspoesie“, steht am Buchrücken, wo der Rudi offenbar in Mozartuniform herunterlächelt und ein Gebirge mit Österreichflagge auf einem Tablett entgegenhält.

Und die Hochgebirgspoesie, es sind auch Prosatexte dabei und eine Art Kurzkrimi, stammt von Heinz Erhardt, Kurt Tucholsky, Robert Gernhardt, Ödön von Horvath, etcetera und natürlich auch von Rudi Hurzlmeier.

Das Vorwort zu dem Buch stammt von Michael Ziegelwagner, dem St. Pöltner, der  auch für das Satiremagazin „Titanic“ arbeitet „Naturkritik spezial“, heißt es und ist eigentlich gar kein solches und das Cover ziert eine romantische Berglandschaft in die ein Hündchen mit Rucksack hinaufspaziert oder stehenbleibt und seine neugierigen Blicke schweifen läßt.

Ein richtiges Buch für den Weihnachtstisch von Österreichpatrioten oder Bergliebhaber, Bergsteiger vielleicht und richtig ein Text, beziehungwweise Interview von  Luis Trenker „Der Mountain Climber“- „Was tut denn ein Mountain Climber? Verdient er dabei Geld?“, ist auch dabei.

Daneben ist das Bild des „Yetis“ freundlich lächelnd und ganz in blau weiß zu sehen und so geht es durch die romantisch-kitschige Berglandschaft oder Landschaftsidylle, der österreichischen, schweizer oder was auch immer Alpen oder gehen wir an den Anfang zurück, denn da ist ein Schifahrendes Osterhäschen zu sehen, wie es den Berg hinabflitzt und wenn die Kühe den Berg hinabgetrieben werden, geht es zu „Endreinigung“, wo die Bäuerinnen oder Mägde, die Fladen wegkehren oder wischen, um die Wiese wieder schön sauber zu bekommen.

Dann ist gleich ein „Biwak bei Zermatt“zu sehen,  ein Luxusbett mit einem großen Käse, mitten im Bergmassiv und Robert Gernhardt reimt daneben „In Worten gäb das keinen Sinn, wie sagt man doch im Engadin, sìsch verbal nicht zu fassen!“

Also weiter mit den Bildern:

Da gibt es dann die „Skischaukel“, wo der Schifahrer am Schwanz der Kuh den Berg hinaufgezogen wird, das „Saisonende“, aber auch die „Angetrunkenen Schneekanonenfahrer“, wo das Wasser nur so herumspritzt, daneben kann man dann den „Maskenball im Hochgebirge“ von Erich Kästner lesen und das „Wintersporthotel zwischen Graubünden und Vorarlberg“ ist irgenwie ein wenig schiefgeraten.

Beim „Wallfahrtsort“ ragen die Bergspitzen in Kathedralenform entgegen und den  „Sunset Boulvard“ habe ich, glaube ich, schon einmal in einem Museum gesehen oder auch nicht, denn da steht ein einsamer Beobacher in einem Massiv von gelbrote leuchtenden Bergen.

Dann gehts gleich wieder zu Robert Gernhardt, der in diesem Buch eine starke Stimme hat und in „Wenn Dichter einen Ausflug machen“ und über Goethes, Nietsches, Rilkes Natureindrücken rätseln läßt.

Der „Sonnenaufgang in Tirol“ hat, meint Rudi Hurzlmeier ein Kürbisgesicht mit einer Knollnase und „Integration“ ist, wenn das Kamel  mit Hirschgeweih röhrend in der Alplandschaft steht. Minister Kurz hat da vielleicht eine andere Sichtweise. Man könnte  darüber nachdenken, wie sich so ein Kamel  im Hochgebirge fühlt oder wir uns in der Wüste, aber es geht schon weiter mit der Tierwelt, denn ein paar Seiten später läßt Rudi Hurzmeier im „Aquarium“, die Fische um die Berge schwimmen und die schauen, würde ich meinen, nicht besonders glücklich aus.

Dann gibt es noch den „Bergvagabund“, vierarmig mit vier Enzianen in der Hand und auf dem Kopf und einer riesengroßen Sonnenbrille und wir sind schon bei Rudi  Hurzlmeiers Texten.

Es gibt eine „Gulasch-Boutique“, das ist ein Gasthaus mit Hirschgeweih und eine „Kirche von Hinten“ zu der das  Weglein führt, nur leider gibt es Hinten kein Eingangstor. Ganz schön hinterfotzig könnte man meinen.

Und eine „Gruselgeschichte“ von Rudi Hurzlmeier gibt es auch, sowie ein K-Gedicht, das dem „K2“ gewidmet ist und schon sind wir fast am Ende, wo der Waldi vom Cover noch einmal den Berg hinaufspaziert.

„Dem Himmel nah, der Arbeit fern, so hammas gern!“, reimt dazu der Volksmund.

Beim „Plötzlichen Wintereinbruch“ steht der Pinguin am Grashaufen neben den Sonnenblumen und die Hühner schauen ihm zu und einen „Sennenhund mit seiner Sennerin“, der uns an die „Erhabende Jungfrau“ erinnern könnte, gibt es auch noch.

„Die Berge üben seit jeher eine große Faszination auf die Menschen aus – so auch auf Rudi Hurzlmeier. Seine schwindelerregende Steinwandmalerei huldigt mit viel Liebe zum Detail und feinen Humor dem vermeintlich naturbelassenen Universum abseits des Urbanen“, steht weiter am Klappentext .

Ein Buch für mich könnte man meinen, denn ich bin ja auch gelegentlich in den Bergen unterwegs und Poesie mag ich auch sehr gern, so habe ich dem „Holzbaum-Verlag“ wieder einmal sehr zu danken.

2015-12-12

Bücherflohmärkte oder warum man Lesen soll

Filed under: Büchergeschichten — jancak @ 16:55
Tags: ,

Es ist der dritte Adventsamstag und wir sind wiedermal nach Harland gefahren, obwohl es in der Grünangergasse, dem Sitz des Hauptverbandes, am Samstag, einen Bücherflohmarkt mit Punsch zu Gunsten der „Caritas- Flüchtlingshilfe“ gegeben hätte.

Ohne Punsch hat es das schon auf der „Buch-Wien“ gegeben und da habe ich mir ein paar der drei Euro Rezensions- oder Messeexemplare gekauft, die größeren und besseren hätten fünf Euro gekostet, aber ich habe  schon soviele Bücher und muß mich jetzt schon anstrengen, mein Soll für 2015 einigermaßen, weil ich immer wieder Anfragen bekomme oder was gewinne, zu schaffen und für 2016 habe  ich wirklich und wahrhaftig vor, nicht wieder im Herbst ein Drittel davon abzutragen, weil sich ein anderes Drittel vorgeschoben hat.

Ob das wirklich geht, bin ich ein wenig skeptisch, weil 153 Stück stehen schon auf der Leseliste, wenn ich da am Tag der Longlistbekanntgabe eine Anfrage starten will und, „Holzbaum-Verlag“ und inzwischen auch „Aufbau“ schickt und ich  auch selber hin und wieder anfrage, kann ich mir denken, so ganz wird das nicht gehen.

Aber ist ja egal, lesen ist schön und wichtig, „Lesen ist Leben“, heißt ein Buch von Cornelius Hell, der am nächsten Mittwoch mit Katja Gasser wieder eine „Lese-Auslese“ in der „Gesellschaft für Literatur“ mit Punsch und Keksen geben wird und der glorreiche Buchpreisblogger Tobias Nazemi, der kritische, der den Ulrich Peltzer nach sechzig Seiten weggeschmissen hat, hat jetzt wieder einen Artikel mit sieben Gründen geschrieben, warum man lesen soll?

Da wäre ich zwar, wie bei allen Zwangsbeglückungen ein wenig sekeptisch, weil ich denke, daß wer will, lesen soll und wer es nicht will, weil er Besseres zu tun zu haben glaubt, soll es lassen und da braucht es keine Erklärung, das Lesen sexy ist, damit er vielleicht doch zu einem Buch greift und außerdem ganz ehrlich, denke ich mir manchmal, das Lesen eigentlich und genau genommen, Leben aus zweiter Hand ist und man eigentlich seine Erfahrungen selber machen sollte, als aus einem Buch zu lesen, wie es geht.

Das schreibt eine, deren Leseliste schon ins Jahr 2030 reicht und in deren Wiener Schlafzimmer die ungelesenen Bücher stapeln, eine die immer schon gern und viel gelesen hat, vielleicht auch weil die Wiener Kinderfreunde jedes Jahr den Kindern der SPÖ Mitglieder ein Buch schenkten, mein Vater einen Bücherkasten im Wohnzimmer hatte und er als einen seiner Nebenjobs auch die Bücher der „Büchergilde Gutenberg“ vertrieb.

Ich habe mir als Studentin die ganzen teuren Bücher gekauft und damals schon gesammelt, jetzt kaufe ich nur mehr in Flohmärkten oder gehe zu den Bücherschränken und auch da denke ich, daß ich das eigentlich nicht sollte, denn wer weiß, ob ich im Jahr 2030 noch lebe und lesen kann, wenn ich da beispielsweise heute ein dBp-Buch von 2014 finde, die von 2015 habe ich ja schon alle gelesen oder das neue Buch der Cornelia Travnicek, der Andrea Grill, etcetera.

Warum man lesen sollte?

Weil es interessant ist, vielleicht auch weil es bildet, wie diesbezügliche Studien ja nachweisen, stimmt alles höchstwahrscheinlich, ich tue es inzwischen, glaube ich, auch, weil ich herausfinden will, was die anderen besser als ich können und freue mich jedesmall, wenn ich ein Buch erwische, wo ich mir nachher denke, das kann ich eigentlich auch.

Natürlich, die Publikumsverlage haben ein Lektorat, ich bestehe auf meine Rechtschreibung und der Alfred, der kein Germanist und zunehmend mit meiner Bücherflut überfordert ist, sucht mir dann die S- Fehler heraus.

Das zum Thema lesen und warum man es soll?

Ich bin keine Zwangsbeglückerin, wenn mir einer sagt, er braucht es nicht, werde ich die Achseln zucken, obwohl es schon ein bißchen kränkend ist, daß die vielen Bücherblogger, die auf ihren Über mich- Seiten: „Ich lese alles, was mir in die Finger kommt“ schreiben, sich dann bei meinen Gewinnspielen nicht melden und eines meiner selbstgemachten Bücher höchstwahrscheinlich nie besprechen würden.

Schon um diesen „Fehler“ nicht zu machen, bemühe ich mich quer über den Tellerrand zu lesen und sage auch auf Anfragen von sehr unbekannten Verlagen bzw. Autoren zu und bin dann auch nie enttäuscht, allerdings komme ich angesichts meiner langen Leseliste auch nicht mehr umhin, mir genau zu überlegen, was ich jetzt lese oder vielleicht doch nicht, was ich ganz ehrlich nicht will.

Das zum Thema Flohmarkt in der Grünangergasse und dann bin ich gestern mit dem Rad zum „Kika“ gefahren, um dort mit dem Alfred Mittagzuessen, wo er mir sagte, daß es in der Wiener Straße einen Flohmarkt gibt.

Am Freitag und am Samstag und ich bin nicht gleich anschließend hingefahren, sondern erst heute kurz vor zwölf hineingeschaut, weil ich mich,  um zwölf, wie immer wenn wir in Harland sind, mit dem Alfred, um zwölf am Markt treffe, um ein Würstl dort zu essen und war dann von der Größe dieses „Lyon-Flohmarktes“ in der ehemaligen Passage sehr überrascht.

Ganze Hallen waren da mit Bücherschachteln gefüllt und ich habe schon beim Hinkommen, zwei Mädchen mit einen  Stoß  Büchern  in der Hand weggehen gesehen.

Ich bin aber vorläufig  wieder gegangen und erst um halb eins mit dem Alfred noch einmal dorthin, dann aber zugeschlagen und alte Freunde für meine 2030 Leseliste gefunden, obwohl ich ja, wie schon geschrieben, keine Ahnung habe, denn da werde ich ja bald achthzig sein, ob ich noch lebe oder lesen kann?

Aber „Kruso“, das dBp-Buch 2014, sollte man lesen und Sasa Stanisic „Vor dem Fest“, hätte ich mir vom Alfred ja fast beim vorigen „Buch und Wein“ kaufen lassen.

Also um es kurz zu machen, fünfzehn neue Bücher um fünfundzwanzig Euro, es sind ein paar Taschenbücher dabei, aber die Hardcover  kosten das ja schon mal und ich habe mir im Sommer ausgerechnet, daß dich vier bis fünhundert Euro gebraucht hätte, wenn ich mir die zwanzig Bücher gekauft hätte.

Der Otto hat es getan und die Brigitte Salanda wird es ihm wohl danken, während ich mir wieder einmal denke, es gibt zweifelsfrei zuviele Bücher oder sagen wir einmal, sehr sehr viele und viel mehr als die Leute lesen, denn ich bin mit meinen hundertfünfzig im Jahr und da nimmt meine Lesefrequenz inzwischen auch ein bißchen ab, ohnehin schon an der Spitze.

Eine Frau, die ich beim ersten Besuch gefragt habe, ob sie wisse, was die Bücher kosten, „Keine Ahnung!“, sagte sie, „Ich glaube, sie werden billiger, wenn Sie mehr nehmen!“,, weshalb ich das eine, das ich mir schon ausgesucht habe, wieder zurücklegte und später nicht mehr gefunden habe, sagte mir, daß sie sich freue, daß es das kurz vor Weihnachten gäbe.

„Aber man kann die Bücher ja nicht wirklich verschenken, weil sie gebraucht sind!“, sagte ich zweifelnd, worauf sie antwortete, wenn man den Geschmack trifft schon und ein paar von den von mir ausgesuchten machen auch einen noch ungelesenen Eindruck. Eine dreihundert Seiten Leseprobe von Ulla Hahn ist dabei, keine Ahnung, ob da das Hardcover nur in TB Form gedruckt wurde oder ob das Ende fehlt, von Thomas Glavinic „Die Arbeit der Nacht“, das glaube ich auch einmal auf der LL stand, von Christoph Hein „Landnahme“, von Herber Dutzler „Letzter Applaus“, von Gerhard Roth „Der Stronm“, „Die Töchter der Roza Bukovska“ von Zdenka Becker, „Elsa Ungeuer“ von Astrid Rosenfeld“ von der ich ja von Buzaldrin, deren Hund gestorben ist, neulich „Fünf Tage im Juli“ gewonnen habe, was, glaube ich, auch auf der 2030 LL steht, die „Schattenuhr“ von Alfred Komarek und „Elementarteilchen“ von Michel Hoeullebecq, von Cornelius Hell, den besagten Band über das Lesen, von Hennig Mankell „Der Chronist der Winde“ und dann noch eines von Patrik Modian,o dem Nobelpreisträger von 2014, von dem ich noch nichts gelesen habe und dann noch ein ganz ein altes aus dem Jahr 1955, nämlich Othmar Franz Lang  „Die Männer von Kaprun“.

Soweit die fünfzehn, die ich mir aus den Bücherbergen von wahrscheinlich hunderten Büchern ausgesucht habe und das kurz vor eins, wo dieser Flohmarkt dann beendet war.

Spannend, was es alles noch gegeben hätte, wenn ich am Freitag gleich um zehn gekommen wäre, oder vielleicht auch nicht, weil vielleicht die St. Pöltner Krimi oder Chick Lit oder was auch immer Leser sind.

Ich weiß es nicht und will mich auch nicht in Vorurteile begeben, der Flohmarkt war jedenfalls sehr gut besucht und eine junge Frau mit einem ganzen Stoß  Büchern habe ich ja hinausgehen sehen, allerdings keine Ahnung, um welche es sich dabei handelte und auch nicht, welche Bücher, die andere Dame sich für ihre Weihnachtsgeschenke ausgesucht hat.

Ich habe jedenfalls wieder einige Schmankelrln auf meiner Bücherliste, lese gerade  Nadine Kegele, die ich beim Bücherquiz auf der vorigen „Buch-Wien“ gewonnen habe, weil ich vorlaut alle Antworten auf Günter Kaindlsdorfer Publikumsfragen hinausgeschrieen habe und wer meine Meinung wissen will?

Natürlich soll man lesen, aber nicht weil es sexy ist, sondern, weil es soviele interessante und wie man sieht, auch billige Bücher gibt und wenn man sich darüber mit anderen auch noch austauscht, ist die alte Frau nebenan, von der Tobia Nazemi in seinem Artikel schrieb,  vielleicht auch nicht mehr einsam und, um einiger dieser einsamen älteren Frauen, die Bücherschränke regelmäßig frequentieren und dann in Bibliotherapie-Gruppen gehen, geht es auch in meinen Büchern.

« Vorherige SeiteNächste Seite »

Bloggen auf WordPress.com.