Literaturgefluester

2016-01-03

Ein Geschenk des Himmels

Das neue Jahr beginnt mit den Harland-Büchern und da gab es ja einmal vor ein paar Jahren, war es 2012 oder 2013 oder danach beziehungsweise davor, einen Abverkauf bei „Thalia“ und ein Geschäft in der Wiener Straße wurde auch geschlossen.

Von da stammen, glaube ich, die KuttnerBücher und der Naipaul, der, glaube ich, ein paar Cent kostete und Siri Husvuedts „Der Sommer ohne Männer“, das eigentlich an erster Stelle steht, aber das passt ja zu den Sommerbüchern, also habe ich nach Buch zwei begriffen und mit Anne Enrights „Ein Geschenk des Himmels“ begonnen.

„Erlebnisse einer Mutter“ steht noch auf dem Cover und als Illustrationen baumeln auf einer Wäscheleine verschiedene Kuscheltierchen.

Aha, interessant, ein paar Seiten weiter steht dann natürlich „Roman“, weil das, wir wissen es schon, die Verlage es so wollen oder das auf die Käufer schieben.

Es ist aber keiner, es ist ein „Memoir“ oder ein „Personal Essay“, wie ich aus den Schnupperworkshops des Writersstudio weiß. Der Unterschied ist mir jetzt selbst nicht ganz klar, ich würde es beiden Gattungsbegriffen, die es im Deutschen ohnehin nicht gibt, zuordnen und es passt auch, obwohl ich meine Tochter ja schon 1984 geborenen habe und mich in dem Jahr davor für die Erlebnisse einer Mutter wahrscheinlich mehr interessierte und mir solche Bücher in der Frauenbuchhandlung in der Langegasse auch kaufte.

Aber zu der  1962 geborenen Bestsellerautorin, die jetzt wieder ein neues Buch herausgegeben hat, verbindet mich auch eine besondere Geschichte.

Hat sie ja 2008 als es die Buch Wien das erste Mal gab, ihr „Booker-Preisbuch“ „Das Familientreffen“ im „Freud-Museum“ vorgestellt.

Ich wollte hingehen, die Troubles wegen dem „Ohrenschmaus-Lyrikpreisträger“, der sein Gedicht von Astrid Lindgren abgeschrieben hatte, hinderten mich aber daran, dank der offenen Bücherschränke ist mir Anne Engright aber im Gedächtnis geblieben, so habe ich einen Erzählband vor einigen Jahren dort gefunden und deshalb wahrscheinlich auch begierig nach dem „btb“ Taschenbüchlein gegriffen, ohne mich zu überzeugen, ob das wirklich ein Roman ist, was da als solcher angeboten wird.

Das heißt, ich habe es wahrscheinlich sowieso angenommen, den Untertitel und die Kuscheltierchen verdrängt und war jetzt erst erstaunt, daß es Geschichten um das Mutterwerden sind, die ich da zu lesen bekomme.

Üblicherweise sind solche Bücher ja  Zusammenfassungen von Kolumnen, von Doris Knecht habe ich so ein  Buch am Stapel liegen und von Daniel Glattauer, hier ist das aber, glaube ich, nicht so und ein bißchen habe ich mir, wie man vielleicht merkt, mit dem Thema schwergetan, obwohl meine Tochter Anna jetzt gerade besonders häufig in Harland ist, um an dem Haus, das ihr Opa einmal für sie begonnen hat, fertigzubauen und die Erinnerungen an meine eigene Schwangerschaft, Geburt und die Zeit mit dem kleinen Kind, natürlich kamen, aber und das war vielleicht das Problem, sie unterschieden sich sehr von denen in dem Buch präsentierten, die ich manchmal ein bißchen zu künstlich, zu lustig, zu aufgesetzt, für den Markt oder zur Unterhaltung der Mütter und Schwangeren empfunden habe.

So beginnt es auch gleich mit einer Entschuldigung. Anne Enright entschuldigt sich bei den Nicht Müttern sich so wichtig zu nehmen und bei den Mütter wahrscheinlich, daß ihre Erlebnisse so sind, wie sie sind und dann geht es los in den verschiedenen Kapitel, das erste beginnt mit der Schwangerschaft oder Annäherung an das Mütterwerden.

Anne Enright hat zwei Kinder, ein Mädchen und einen Buben und den besten Ehemann der Welt, namens Martin und sie ist erst sehr spät Mutter geworden und hat sich, wie sie schreibt, irgendwie blitzartig dazu entschieden.

Eines Morgens ist ist aufgewacht und hat gedacht, jetzt ist es soweit. Bei mir war es so, daß ich immer wußte, daß ich ein Kind wollte, aber erst mit meinen Studium fertig werden mußte, dann habe ich ein Inserat im „Falter“ aufgegeben, aber auch dann habe ich erst eine Stelle, den halben Assistenposten auf der HNO gebraucht und ab dann ist es es eigentlich sehr einfach und von selbst weitergegangen.

Ich hatte eine Hausgeburt und habe dazu die Hebamme gewechselt, das heißt bei der Silversterparty bei Matrtin und Gerlinde, wo die erste eingeladen war, hat sie mich zur Seite genommen und gesagt, ob mir ein Tausch etwas mache, sie würde nämlich gerne zu der Zeit nach Südamerika oder sonstwohin fahren.

Anne Enright die in einem Spitel, einer Gebärklinik entbunden hat, ist etwas ähnliches passiert, die eine Gebärhelferin sagte,“Ich gehe jetzt nach Hause, Sally wird dir jetzt beistehen“.

Es ist überhaupt viel los auf der Geburtstation, die Wehen kommen, aber nicht die Kleine, so wird Martin weggeschickt und wieder hergeholt und die Idee von der natürlichen Geburt, die eigentlich geplant war, aufgegeben, bis schließlich alles klappt und Anne Enright es ein paar Jahre ein zweites Mal wiederholt.

Diese Erlebnisse schreibt sie später am Küchentisch, während die Kinder schlafen, erinnert sich an die Namensgebung und auch daran, daß sie ihrem Mann einmal sagte, daß sie eigentlich auch ein drittes Kind wollte, der war dann wohl nicht so einverstanden.

Ansonsten werden die ersten zwei Lebensjahre der Kleinen beschrieben und die Veränderungen, die bei der Mutter dabei vor sich gingen, das Gefühl am Anfang nicht gehen zu können, die Veränderungen des Körpers, die Geschichte mit dem Milchfluß und dem Stillen, das sind Erinnerungen, die ich so nicht habe, obwohl sich der Körper während der Schwangerschaft natürlich verändert, man in dieser Zeit rotzt und kotzt und einer der Körper später wehtut und ich die Anna glaube ich auch ein Jahr oder mehr gestillt habe.

Anne Enriht hat ihre Mutter vorher gefragt, wie eine Schwangerschaft ist „Es tut weh, aber man vergißt es!“, hat die ihr geantwortet.

Dem widmet Anne Enright ein Kapitel, in dem sie d zu erklären versucht, wie das sein kann, daß man obwohl man ja weiß, wie es ist, das Ganze ein Jahr später und gegebenfalls noch zehnmal oder öfter wiederholt. Da spielt die Natur wohl mit, um die Menschheit nicht aussterben zu lassen und ich kann von mir nur sagen, ich wollte ein Kind, im Gegenteil zum Alfred aber kein zweites. Auch, um die Schwangerschaft und die Geburt nicht noch einmal zu erleben und die Geburt war schmerzhaft, aber als das Kind  da war, war es vorbei und ich habe gedacht „Ich habe es so gewollt und es gehört dazu!“ Ansonsten war auch meine natürliche Geburt keine sehr natürliche, das Licht hat gebrannt, das Radio war an und, daß man die Nachgeburt im Garten vergraben hätte können, ist mir erst später eingefallen.

Dann kommt ein sehr langes Kapitel, das sich „Babies: Ein Ratgeber für Mütter“ nennt und, wo in nicht alphabetischer Reihenfolgen verschiedene Themen behandelt werden, eines davon heißt „Hausgeburt“, auf das ich natürlich sehr begierig war. Seltsamerweise handelt es dann nicht von einer solchen, sondern über die „Erfahrungen beim Überrollen eines Kleinwagens“

Ein anderes widmet sich den „Socken“ und rechnet aus, daß eine Mutter ein Jahr ihrers Lebens damit verbringt, dem Baby die Söckchen, die es auszog wieder anzuziehen, weshalb Anne Enright ihr Kleines solange es ging in Strampler hüllte.

Auch eine Erfahrung, die ich nicht nachvollziehen kann. Ein Kapitel widmet sich dem „Buggykauf“ und das Kapitel vorher ist der „Wissenschaft“, nämlich, den verschiedenen idiotischen Untersuchungen gewidmet, die nachweisen wollen, was Babies dumm, klug oder etcetera macht.

Am Schluß geht es dann an die „Sterblichkeit“ und da erzählt Anne Enriht wieder von sich. Nämlich, daß sie während der Pubertät an Krebs erkrankte, was für ihre Eltern schlimm, für sie eher harmlos war. Viel wichtiger war es mit einer Freundin eine heimliche Zigarette zu rauchen. So begab sie sich auch locker zu Operation und wunderte sich gar nicht, als der Arzt nacher „Alles in Ordnung!“, sagte. Das heißt, sie wunderte sich nur über ihre Mutter, die zum Telefon sprang, um den Vater anzurufen und ihrer Tochter dann verriet, daß die Ärtin gemeint hätte, daß sie sterben würde.

„Aber sag das nicht weiter!“

Es gab dann auch noch einen Selbstmordversuch und einen Aufenthalt in der Psychiatrie, bevor es wieder zu dem Baby und den Erfahrungen einer Mutter, beziehungsweise an das Ende des Buches geht.

Ein Buch das mich vor dreißig Jahren wahrscheinlich mehr interessiert hätte, aber da war es noch nicht geschrieben und Anne Enrights Kinder noch nicht geboren. So finde ich den Ausflug einer Bestsellerautorin in den „Personal Essay“ oder „Memoir-Bereich“ interessant und denke, daß die Verlage wahrscheinlich wollen, daß ihre Bestsellerautoren auch mal was Persönliches schreiben.

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