Literaturgefluester

2016-01-15

Zustands- und Schreibbericht

Filed under: Schreibbericht — jancak @ 12:41
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„Wie geht es mit dem neuen Schreibprojekt der Transgendergeschichte Paul und Paula?“, werden meine Leser vielleicht fragen.

Nun wahrscheinlich so, wie vor ein paar Jahren mit der „Paula Nebel“, die mich ja in eine Krise stürzte und anschließend zum „Literaturgeflüster-Texte-Buch“, meinem einunddreißigsten Selbstgemachten führte und ansonsten gar nichts änderte.

Das heißt ich habe weiter geschrieben und geschrieben, wurde zum Leidwesen vom Alfred immer schneller dabei und hatte gleichzeitig das Gefühl ausgeschrieben zu sein.

Das hatte ich auch im November und Dezember, als ich am „Adventkalender“ schrieb, beziehungsweise korrigierte. Jetzt kann ich nichts mehr Neues schreiben, jetzt ist alles angeschrieben und dann unbeachtet geblieben, jetzt werde ich vielleicht im neuen Jahr ein paar Skizzen machen, etcetera.

Dann kam die Idee zu „Paul und Paula“,  ich habe, während ich korrigierte, die ersten Notizen gemacht.

Was ich hatte, war eine Einstiegsszene, Paul triff Paula in der „Villa“, er trägt ein rotes Seidenkleid und singt mitllerweile Zarah Leander oder Marlene Dietrich in eben diesen Lokal.

Ob das der Prolog ist oder ab in die Vergangenheit der Beiden, um zu erklären, wie es dazu kam, daß sie wurden, wie sie sind oder die Einstiegsszene war mir lange nicht klar, auch nicht ob die Beiden zusammenkommen?

Die Einstiegsszene, weder Prolog, noch erstes Kapitel genannt, habe ich dann in der ersten Schreibgruppe des Jahres, also letzten Donnerstag geschrieben.

Da hatte ich mich schon ein bißchen in die Transgenderliteratur eingelesen, es gibt ja auch zufällig gerade einen diesbezüglichen Film und mir einige „You-tube-Videos“ angesehen.

Spannend vielleicht auch, daß das Thema der Schreibgruppe Künstler war, denn Transvestiten, sind Kunstfiguren erklärte in der Diskussion Klaus Khittl und schickte mir einiges Material, damit ich mich in das Thema einlesen kann.

Ob ich das will und soll oder die Geschichte frei aus dem Bauch ganz naiv sich entwickeln lassen, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht ganz klar. Aber, daß ich dazu, ähnlich, wie bei der „Mimi“ einen Probleleser brauche, ist schon wichtig und fein, wenn es einen gibt.

Dann habe ich wieder losgeschrieben, ab letzten Freitag, glaube ich und es gibt bis dato 14  711Worte, cirka 32 Seiten und 11 Szenen und ich habe in der letzten Woche zwischen meinen Stunden und am Wochenende geschrieben und geschrieben.

Habe erste Ideen entwickelt und Material gesammelt. Den Prolog weggelassen und es gleich mit Paul beziehungsweise Paula beginnen lassen. Die ersten vier Szenen spielen in der „Valla“, dann besucht Paul seine Schwester, Paula geht laufen, der Paul singt in der „Villa“: „Kann denn Liebe Sünde sein“, mit Küßchen in die Menge und entsprechenden Schwungaufschlag, wiederholt das nocheinmal bei seiner Schwester beim Geburtstagsfest seiner dreizehnjährigen Nichte und freundet sich dazwischen ganz vorsichtig und unverbindlich mit  Paula an, bei der sich die Schatten der Vergangenheit melden.

Die Mutter ruft an, der Vater hat Diabetes und grauen Star, ein Fuß soll amputiert werden und er möchte sich mit seiner Tochter aussöhnen. Sie bekommt wieder Panikattacken und sieht Gespenster auf der Straße.

So weit, so what und klingt eigentlich ganz gut, nicht wahr?

Aber und das ist vielleicht das Problem, so ist es mir mit „Paula Nebel“ vor ein paar Jahren vielleicht auch gegangen. Da habe ich auch ohne Konzept Szene für Szene vor sich hingeschrieben war nach sechzig bis siebzig Seiten fertig und habe gebloggt, ich bin in der Krise.  „Paula Nebel“ ist trotzdem erschienen und hier ist das Problem, daß ich eigentlich noch nicht wirklich weiß, wo ich hin will und auch nicht wie es weitergeht.

Auch kein Problem, könnte man meinen, denn merke dir endlich, liebe Eva, ein Roman schreibt sich nicht in einer Woche, das braucht Jahre und das scheint auch die Profis von den Amatueren und den Gebrauchsschreibern zu trennen.

Also das Ganze noch einmal durchgehen, die Schneeflockenmethode hernehmen, clustern oder ein neuerliches Brainstorming machen, was alles noch passieren kann. Die Handlung von A-Z konzipieren oder mir mögliche Szenarien aufschreiben.

Eine Idee habe ich ja noch,  ins „Sigmund Freud Museum“, wo  Paula gearbeitet hat, könnte ich auch zurückgehen und  Paul hat eine Nichte, die vielleicht magersüchtig ist, also wäre das ja schon Stoff.

Beim Szenarienschreiben und geduldig wieder von vorne anfangen, war ich ja nie gut, aber vielleicht wäre das eine Chance, mich weiterzuentwickeln, statt wieder nur das Nächste anzufangen, den Februarroman zum Beispiel, um bei Jaqueline Vellguts Plänen zu bleiben.

Ich will ja endlich einmal ein Jahr für ein Rohkonzept brauchen und müßte mir vielleicht auch überlegen, wie ich mit dem Material, das ich habe, einen Roman aufbaue.

Am Wochenende korrigieren und plotten und am Mittwoch vielleicht in der Stadt spazieren und Szenen sammeln, in die Theorie kann ich mich auch noch einlesen, mit Betroffenen sprechen, etcetera.

Im Hintergrund lauert, glaube ich, die Angst, daß es wieder nichts wird, bei der „Paula Nebel“ und dem Folgeprojekt „Die Wiedergeborene“ war es so und, ich glaube, inzwischen die Hauptursache der Krise, war das mangelnde Feedback.

Denn was ist, wenn mir der große Wurf gelingt und niemand merkt es und niemand geht hin?

Und da hatte ich gestern in der „Alten Schmiede“ auch wieder deprimierende Erfahrungen, habe ich da ja wieder die Journalistin getroffen, die mir seit zwei Jahren verspricht, daß sie mich irgendwann ganz sicher interviewen wird,“Im Juni melde ich mich, wenn das mit der Radioschiene klappt!“, etcetera und der Journalist oder Autor war auch da, den ich vor ein paar Jahren einige meiner Bücher für eine Literaturhausrezension gegeben habe, was ja auch nicht und nicht zu klappen scheint.

Da hat der Janko Ferk zwar die der „Sophie Hungers“ gemacht, aber wenn ich es versuche, scheint es nicht zu klappen, weil kein Geld oder „Eigenverlag wollen wir nicht!“ oder was auch immer…

Keine sehr rosigen Alternativen also, aber wenn ich nicht zu schreiben aufhören will, bleibt mir nichts anderes über, als weiterzumachen und versuchen aus dem „Paul und Paula-Thema“ einen ultimativen Roman zu machen, ganz egal, ob das jemanden auffällt oder nicht.

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