Literaturgefluester

2016-01-26

Reisen wir?

Während im Literaturhaus die GAV beziehungsweise Helmut Rizy drei oberösterreichische Autoren vorstellte, ging es in der „Gesellschaft für Literatur“ zumindest auf dem ersten Blick ums reisen, stellte nämlich Mirko Bonne seinen ersten Erzählband „Feuerland“ und Wilhelm Hengstler den bei „Droschl“ erschienen Roman, Memoir oder „doppeltesReisebuch“ „flußabwärts, flußabwärts“ vor und ich habe mich gegen Rudolf Habringer, Waltraud Seidlhofer und Walter Kohl entschieden, weil ich Mirko Bonne, den 1965 in Tegernsee geborenen und in Hamburg lebenden n Autor kennenlernen wollte, der 2013 mit „Nie wieder Nacht“ auf der Shortlist des dBp und 2009 mit „Wie wir verschwinden“, da habe ich ihn kennengelernt.

Dann kam Alfred bibliophile WU-Kollegin und verkaufte um je zwei Euro ihre Buchbestände darunter „Der eiskalte Himmel“ 2006 erschienen, das steht immer noch auf meiner Leseliste und „Nie mehr Nacht“ habe ich dann voriges Jahr im Schrank gefunden.

Daß er einen Erzählband namen „Feuerland“ geschrieben hat, wußte ich nicht und die „Gesellschaft für Literatur“ war auch nicht besonders voll, Marianne Gruber moderierte und entschied im Vorgespräch, daß der 1944 in Graz geborene Willi Hengstler, der mir  vom Namen her ein Begriff war und von dem ich „fare“ auf der LL habe, beginnen soll.

Sie hielt auch eine ihrer sehr langen und sehr gelehrten bemühten Einleitungen, die Mirko Bonne, glaube ich, zum Lächeln brachte, wies auf Gemeinsamkeiten zwischen beiden hin, daß sie nämlich daß „er“ zum „Ich“ machen würden oder umgekehrt, wenn ich es richtig verstanden habe.

Und“ flußabwärts flußabwärts“ ist, wie schon der Name sagt eine doippelte Reisegeschichte und auch ein deja vue Erlebnis, denn da will einer mit dem Rad die Donau hinunter ans schwarze Meer fahren, bereitet sich darauf schon vor, dann bekommt er einen stechenden Schmerz im Bein und muß den Sommer statt auf dem Rad im Spital verbringen. Da beschließt er aus dem Spitalsaufenthalt eine Reise im Kopf oder Zimmer zu machen und als er später gesund wird, holt er die Reise nach und geht dabei, wie Marianne Gruber in ihrer Einleitung erwähnte, an seine Grenzen, denn er ist ja offenbar schon über siebzig, will, wie alle Männer, wie Marianne Gruber vermutete, keine Schwäche zugeben, ringt sich die Fahtrt also ab und die beiden Geschichten dürften auch ineinander verschachtelt sein und richtig, außer seiner Frau nimmt er noch „Proust auf seine Reise mit.

Wo ist da das Deja vue Erlebnis werden meine Leser vielleicht fragen?

Nun 2007 bin ich mit Ruth Aspöck und der Dichterkarawane die Donau von Ybbs bis Regensburg entlanggefahren und dann zurück gekommen und habe in „Und Trotzdem“ meine Helga Schwarz eine Krebsdiagnose bekommen lassen, worauf sie beschließt mit dem Rad bis an das schwarze Meer zu fahren.

Interessant, interessant, die Parallelen und dann kam Mirko Bonne an die Reihe und Marianne Gruber erzählte von den elf Erzählungen, die den Band umfassen, die erste heißt der „Eichelhäher“.

Da erzählte sie den Inhalt nach und interessant ist, daß es dem Protagonisten, der sich vorher von seiner Mutter verabschiedet hat, um auf eine Reise ins „Feuerland“ zu gehen, ähnlich schlecht, wie vorher vielleicht Wilhelm Hengstlers Erzählfigur ging. Er kommt auch, wie Mirko Bonne dann erklärte, gar nicht ins Feuerland an und das ist das Gemeinsame der Geschichten, das zwar in allen irgendwo das Feuerland vorkommt, aber keine der Geschichten dort spielt.

Mirko Bonne hat lange an den Erzählungen gearbeitet, Romankapitel, Auftragsarbeiten und auch Geschichten, die Romane werden hätten sollen, hineinverwoben und las die zwölfte, die nicht in dem Buch enthalten ist, weil sie der Verlag nicht wollte, wo Väterlein Stalin Boris Pasternak anruft und von ihm will, daß er sich für Ossip Mandelstamm einsetzt.

Das hatte ich schon einmal, beziehungsweise vor kurzem über Ossip Mandelstamm gelesen und Mirko Bonne las dann noch eine „Der Kuß“ genannte Geschichte, wo sich das Feuerland in einem Buch befindet und ein Vermieter sich in die Freundin seines Mieters verliebt, bezeihungsweise mit ihr Pfingsten verbringt.

„Ist der Kuß real?“ fragte am Ende Marianne Gruber.

„Er eröffnet dem Leser Vorstellungen oder Weiten!“, antwortete, glaube ich, Mirko Bonne und ich fragte mich, wie wohl er sich bei der Lesung gefühlt haben mag?

Er hatte aber, glaube ich, Fans beziehungsweise Experten im Publkum und die wollten wissen, wieso einer der soviele Romane geschrieben hat plötzlich Erzählungen schreibt?

Die Antwort habe ich schon beschrieben und  ist auch für mich interessant, denn ich habe ja als nächstes auch ein Erzählprojekt vor und meine persönliche Antwort wäre, weil ich ein wenig ausgeschrieben bin, will ich mich an kürzere Texte wagen.

Das mag ein wenig unprofessionell klingen oder auch sein, „literarische Restlverwertung“ hat es Christl Greller, die auch im Publikum war, genannt und Mirko Bonne hat ihr widersprochen, aber ich werde mir meine Themen ja erst erwerfen oder finden.

Habe heute wieder einen sehr interessanten literarischen Abend gehabt und einen Autor kennengelernt, den ich, wie ebenfalls Marianne Gruber, die von ihm noch wissen wollte, ob er Hemingway mag, erwähnte, wahrscheinlich sobald nicht mehr sehen werde, freue mich auf „Nie mehr Nacht“, den „Eiskalten Himmel“ und natürlich auch auf die Erzählungen, wenn ich sie mal finden sollte, bezeihungsweise auf die, die ich vielleicht demnächst schreiben.

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