Literaturgefluester

2016-01-30

Die letzte Liebe meiner Mutter

Filed under: Bücher — jancak @ 00:02
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Weiter gehts mit der „alten Bücher Challenge“ beziehungsweise meiner Leseliste, nämlich der „Letzten Liebe meiner Mutter“, des 1972 in Belgien geborenen  Dimitri Verhulst, dessen Bestseller „Die Beschissenheit der Dinge“ ich vor einem Jahr gelesen habe.

Ich bin ja eine gute „alte Bücher-Leserin“ und Stammbesucherin der Bücherschränke, von da stammt „Die Beschissenheit“, die „Letzte Liebe“ kommt von einem „Tahali“ 3.99 Abverkauf her.

Wieder ist es vermutlich autobiografisch, so steht es  im Klappentext, der kleine Jimmy, elf Jahre alt, fährt mit seiner Mutter Martine und ihrem neuen Freund oder Mann Wannes mit einem Bus eine Woche lang auf Schwarzwaldurlaub und das wird in der Verhulstenschen Art witzig, sarkastig, kräftig und deftig erzählt, ein Kontrast zur Brigitte Kronauer, aber mehr mein Stil, wenn es bei mir vielleicht nicht ganz so kräftig deftig ist.

Sein Vater, ein Alkoholiker hat die Mutter geschlagen und mußhandelt, sie ist Näherin in einer Fabrik, der neue Vater Wannes, froh eindlich eine Frau, aber gleich eine mit Kind? gefunden zu haben, ist Arbeiter in einer Autofabrik, die Mutter Martine ist sparsam bis zum Geiz, wie das die kleinen Leute, die nicht viel haben, eben sind und so wehrt sie sich auch zuerst gegen die Urlaubsreise. Dann stimmt sie doch zu, packt zwei große Koffer, ein Bügeleisen kommt hinein, jede Menge Tabletten, aber auch Ersatzbettwäsche, weil man der im Hotel nicht trauen kann und dann kommen sie fast zu spät zum Bus, denn sie muß noch einmal zurückgehen und nachschauen, ob ohnehin alles abgesperrt ist, diese Gelegenheit nützt Wannes seinem Sohnemann einzureden, daß er ihn mit Papa, Vater oder Pa anreden soll, worauf der beschließt überhaupt nicht mehr zu reden.

Das hält er zwar nicht lange durch und ein, um vier Jahre älteres Mädchen sitzt dann auch noch im Bus und bald neben ihm. Die Busfahrt wird köstlich geschildert, es ist die erste der Familie Impens, während die anderen schon das zehnte, elfte Mal in den Schwarzwald zu den Fleischbergen und den Kuckucksuhren fahren. Sie geht über Frankreich, was Wannes nicht einkalkulierte, deshalb keine Franc bei sich hat. Das Ganze dürfte in den Siebzigerjahren spielen, wenn ein autobiogrfisch ist, wären es die Achtziger. Aber der Busveranstalter bietet seinen Gästen, was Besonderes, nämlich einem Besuch bei Mc Donald, den es in Frankreich, aber offenbar noch nicht in Belgien gibt.

Ich war das erste Mal  in Stockholm beim Mc Donald, das war Mitte Siebzig, den am Schwarzenbergplatz hat es dann in Wien 1977 oder 1978 gegeben.

Die fünfzehnjährige Heloise empfiehlt dem Kleinen einen Bic Mac, die anderen fragen noch Bik was? und mokieren sich über den amerikanischen Schweinefraß.

Dafür gibts im „Knusperhaus“, dem Schwarzwaldquartier Rostbratwürstl, Rinderbraten, Schwarzwälderkirschtorte und Martine ißt und ißt, während  Wannes enttweder vom Mc Donald Fraß oder vom Zwetschegenwasser, das er der Runde spendieren muß, Durchfall bekommt.

Vorher ißt Martine ihrem Jungen noch aus Nervisität die ganze Schokolade weg, worauf die gewitzte Heloise gleich fachmännisch kneißt, daß sie schwanger ist.

Es kommt zu Konflikten zwischen Nicht-Vater und Sohn, der überlegt einen Handtaschendiebstahl, wobei er sich erwischen lassen will, um den erstaunten Fragenden zu verkünden, daß er das deshalb tat, weil er seinem echten Vater eine Ansichtskarte mit einer „Zentzi mit nackten Busen und Bierkrüge stemmend“ schicken wollte, aber der Liebhaber seiner Mutter weigterte sich sie zu bezahlen.

So geht es die ganze Woche dahin und die Fernsehserie, die man damals in Begien sah „Home is whre my children cry“ wurde, sehr zu Martines Leidwesen versäumt.

Auf den letzten zehn Seiten beginnt das zweite Kapitel. Da ist Jimmy schon ein Greis, hat eine Pflegerin, die ihn bestiehlt, er ist Philosoph geworden, Heloise hat ihm das damals vorgeschlagen und Wannes ihn deswegen angeschrien, daß er ihn nicht so brüskieren soll und die Mutter hat ihn noch gefragt, wie ihm der Name „Kenneth“ gefällt?

Jetzt bekommt er Besuch von seinem zwölf Jahre jüngeren Bruder mit diesen Namen, den er offenbar noch nicht oft gesehen hat, denn  oder Wannes haben den Elfjährigen damals, nach der Reise hinausgeworfen und jetzt sechzig oder siebzig Jahre später ist es offenbar Zeit zum Versöhnen oder sich all das zu erzählen…

Interessant vielleicht noch ein Zitat oder eine Beschreibung von dem was Wannes für Bildungsbürgertum oder kulturelle Interessen hält, nämlich fünf Bücherim Jahr zu lesen, manchmal in Kino gehen, auf den Fußballplatz und eine politische Meinung haben. Und dafür nimmt er in den Urlaub auch zwei Konsaliks mit, kommt aber eigentlich nicht recht zum Lesen.

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