Literaturgefluester

2016-02-29

Wurfgeschichten versus Roman?

Für die die es wissen wollen, wie es mir mit dem Weiterschreiben geht und ob ich bezüglich meiner Recherche- oder Materialsuchtouren schon zu einer Wurfgeschichte gekommen bin?

Mitnichten, nichts davon,  denn vielleicht wird doch nichts aus einer Geschichtensammlung und ich schreibe demnächst wieder an einem neuen Roman, der dann vielleicht  eine kurze Erzählung wird, aber vielleicht komme ich damit auch nicht wirklich weiter, obwohl in meinem Notizbuch schon ein paar diesbezügliche Notizen und Eintragungen stehen.

Vorige Woche bin ich ja sowohl mit der Endkorrektur der „Sommergeschichte“ fertig geworden, die inzwischen auch schon an die Druckerei gegangen ist, als auch mit der Rohkorrektur von „Paul und Paula“.

Das hat jetzt der Alfred zur gefälligen Bearbeitung und ich habe dann am Mittwoch die Fenster geputzt und bin am Donnerstag auf eine Recherche-beziehungsweise Materialsammeltour gegangen.

Da hatte ich allerdings schon ein paar vage Einfälle aufgeschrieben, ich könnte nochmals, genauer, anders etcetera über das Umgehen mit einer Alzheimerdiagnose schreiben oder aber, weil mich das immer nervt zu hören, daß eine Geschichte, ein Roman etcetera nur dann gut ist, wenn er berührt und ich ja genau das mit meinen Texten nicht zu schaffen scheine, weil die niemanden interessieren, obwohl das eigentlich interessante Themen sind, über die ich schreibe, das Downsyndrom beispielsweise oder jetzt die Transgenderproblematik, etcetera…

Dann schreibe ich das, lasse es drucken, zeige es dem Ersten, den ich in der „Alten Schmiede“ oder an einem anderen Ort sehe und der nimmt es mit spitzen Fingern, sagt „Schön!“ und fügt vielleicht hinzu, daß er es aber jetzt nicht anschauen kann!

Na gut, berühre ich eben nicht, die Themen, die ich aber behandle sind trotzdem interessant. Darüber zu schreiben, vielleicht auch, obwohl ich schon weiß, daß ich damit nicht weit entfernt von meinen gewohnten Fahrwasser bin und in der „Dora Faust“ habe ich ja etwas sehr Ähnllichres behandelt.

Nun gut, durch Wien marschiert und diesbezügliche Ideen aufgesammelt, darüber habe ich schon geschrieben und am Freitag, wo ich es mir eigentlich gut gehen haben lassen wollen, in meinen Texten schmökern, meine Schreibutensilien ordnen, etcetera, ist dann plötzlich der Entwurf für einen neuen Roman entstanden, von dem ich mir allerdings nicht ganz sicher bin, ob ich ihm schreiben, kann, soll und will.

Die Frage, was berührt mich, wäre ja schon eine ganz gute Ausgangslage und da könnte die Erzählerin, Anna Augusta Augustin steht schon ganz lange in meinem Notizbuch zu ihrem Therapeuten gehen, in der „Frau auf der Bank“ gibt es ja den Psychiater Theo Hardenberg, der sich mit der Sveti befreundet, der könnte auch Psychotherapeut sein und dem erzählt die Augusta von einer Rezension, die sie bekommen hat, daß ihre Geschichten nicht berühren würden.

Dabei hat sie ja schon eine Idee, Achtung auch nichts Neues, da wird ihre Helden sechzig, geht in Pension und möchte fortan ein schönes Leben leben, mit Geld von der Bank abheben und um die Welt reisen etcetera.

Aber kann man das in Zeiten, wie diesen, wo die Flüchtlingsströme kommen, wir von uneren Politikern in Sachen Angst im Kreis geschickt werden, etcetera, die Hildegard Himmelblau, irgendein kürzerer Name ist mir auch noch eingefallen und habe ihn jetzt vergessen, könnte irgendwo auf dem Weg dies zu tun, ihre ehemalige Schülerin, sie war Lehrerin, Zahra Kashrim treffen, die jetzt Germanistik studiert, eine Diplomarbeit über Anne Frank schreibt, aus dem Iran kommt, die ihr zwei junge Männer mit Namen Stefan Zweig und Heimito von Doderer vorstellt.

Ja, genau, das sind Schauspieler bei dem Flüchtlingstheater, sie kommen aus Bosnien und Russland, wo Zahra auch mitmacht und sie proben in diesen Rollen ein Stück, das das Wien der Dreißigerjahre schildert, wo die beiden Dichter sich begegnen und über den Zustand der Welt reflektieren. An eine Begegnung in den Wolken habe ich auch gedachtund während, die gute Augusta nicht recht weiß, soll sie jetzt diesen Roman schreiben oder nicht, kann sie das überhaupt, geht sie vielleicht wöchentlich zu ihrem Psychiater und erzählt ihm ihre Wurfgeschichten.

Am Freitag bevor ich zu den schönsten Büchern und der „Kurzen Nach des Hörspiels“ gegangen bin, war ich recht niedergeschlagen und unzufrieden mit meinen Notizen, habe auch gedacht, kann ich das überhaupt und was berührt mich daran und das habe ich doch alles schon in unzähligen Varianten?

Dann bin ich zu meinen Bücherstößen gegangen, im Internet habe ich da von einer sehr viel jüngeren Schreiberin einen diesbezüglichen Tip gefunden, man sucht sich wahllos eine Handvoll Bücher heraus und schreibt sich einen Wort, einen Satz vom Klappentext heraus, der berührt.

Das habe ich dann auch getan und bin auf die Worte: „Erkundungen, Dosenbier, Geld, Feindschaft und Lügen“ gekommen, die entsprechenden Bücher weiß ich jetzt gar nicht mehr alle, Cornelia Travnicek war aber, glaube ich, mit „Chucks“ und dem Wort „Dosenbier“ dabei.

Auch nicht sehr ergiebig, habe ich gedacht, aber ich kann natürlich eine Geschichte schreiben, wo das Wort „Dosenbier“ vorkommt und habe dann noch zu Ljudmila Ulitzkaja „Die Lügen der Frauen“ gegriffen oder schon vorher, denn das  Wort „Lügen“ stammt sicher daraus, interessant ist aber die Widmung, die da jemand hineingeschrieben hat.

„Dieses Buch soll ein Anfang dafür ein, daß du deinen Traum realisierst! Dieses Buch gilt als erster Schritt in die Psychologie. Ich hoffe sehr, daß es dir gefällt, vielleicht kannst Du dann meine Fehler analysieren und entsprechend behandeln!“

Wow, interessant, was man alles in den Bücherschränken findet und die Augusta Augustin, die ausgebrannte Autorin, könnte ja auch eine diesbezügliche Bücherschrankbenützerin sein.

Sie findet das Buch,  geht damit zu Theo Hardenberg und liest  ihm die Widmung vor, beziehungsweise hat sie schon etwas für ihren Roman und wenn ihr diesbezüglich nichts mehr einfällt, weil sie ja nicht alles hundertausendmal, wie weiland Martin Walser, der sich ja, glaube ich, auch in der Kunst übt, immer wieder denselben Roman neu zu schreiben oder das auf jeden Fall vorgeworfen bekommen hat, kann sie dem guten Theo pro Stunde immer eine Geschichte über eines dieses Wörter erzählen und so Kapitel an Kapitel reihen…

So weit so what und da war ich, glaube ich, in der Freitag Nacht, bevor ich dann zu der GV der IG Autoren gegangen bin und gedacht habe, damit könnte ich ja mal anfangen und sehen, wie weit  ich damit komme und am Ende habe ich dann einen Roman, zu dem ich ein Jahr, ein Monat oder was auch immer brauche, beziehungsweise eine kurze oder längere Erzählung für die Wurfgeschichtensammlung oder alles oder auch nichts davon.

Ich könnte ja auch und das hat mich ja einmal meine Psychologiekollegin Irmgard G. gefragt, ob der Blog mein Schreiben ersetzt, eine Zeitlang Artikel, „Wie schreibe ich einen Roman in das „Geflüster“ stellen und den Entstehungsprozeß als solchen beschreiben.

Ich lasse mich überraschen, ob das Bloggen das Schreiben, ergänzen, ersetzen oder was immer wird.

Wär auch mal spannend und vielleicht wird der Prozeß über das Schreiben ein Blogroman. So etwas passiert ja derzeit auch bei anderen und von Romanfiguren, die ins Leben treten, wird ja jetzt auch geschrieben oder Geschichten erzählt, die dann ein Roman werden, denn die meisten anderen, haben ja auch schon einiges geschrieben und stehen vielleicht an.

Ich schleppe jedenfalls meine sogenannten Mißerfolge und das nicht Wahrgenommen werden mit mir herum, das schon Ausgeschrieben sein, bei all den Bücherbergen, die es schon gibt, die aber keiner kennt und, ob es eine neuerliche Geschichte einer ausgeschriebenen Autorin und einer Flüchtlingsbetreuerin wirklich ist, weiß ich gar nicht so genau.

Man schreibt immer denselben Roman, sein Leben lang, das weiß ich schon, sollte man vielleicht auch nicht und eigentlich will ich auch nicht schon wieder über eine depressive Pensionistin schreiben, dann fällt mir aber doch eine neue Variante dazu ein. Vielleicht wären die Wurfgeschichten ein Ausweg daraus oder auch der Weg hinein? Mal sehen, ich bin gespannt, und werde weiter berichten…

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Poem ohne Held

Jetzt kommt wieder was ganz Altes. Kein Fund aus dem offenen Bücherschrank, sondern eines der Bücher, die ich mir für Günter Ms. „Thalia-Gutschein“ kaufe, den er mir einmal zu meinen Geburtstagsfest mitgebracht hat.

Da gab es auf der Mariahilferstraße eine Kiste, wo ein ganzer Stapel von „Reclam-Leipzig-Ausgaben“ lagen. Ein paar davon habe ich schon gelesen, die Jane Austen kommt wahrscheinlich als nächstes dran, wenn ich mit den Frühlingsneuerscheinungen, die ich einschieben sollte, fertig bin und es war interessant, Anna Achmatowa kurz nach Henry James zu lesen.

Stilistisch haben sie sich zwar nichts zu sagen und sind wahrscheinlich wie Hund und Katz miteinander zu vergleichen, aber Henry James Todestag jährte sich am Sontag, glaube ich, zum hundertsten Mal, und da häufen sich die Neuauflagen und Brigitte Schwens-Harrant, die Staatspreisträgerin für Literaturkritik, erklärte diese Woche jeden Morgen, warum man Henry James lesen sollte, obwohl das auf dem ersten Blich ja nicht so eindeutig scheint. Denn ich würde meinen, daß in Zeiten, wie diesen Anna Achmatowa viel aktueller ist, aber die ist eine Lyrikerin, also noch ein Grund, weil sich ja die „Lyrik im März“ bald naht, als solche aber wahtrscheinlich schwer verständlich, dann noch eine Russin und eine Frau, etcetera, da wären wir schon wieder bei den Vorurteilen, dabei hat man den Namen Anna Achmatowoa höchstwahrscheinlich schon womal gehört.

Bei mir war es jedenfalls so, eine berühmte russische Dichterin, deshalb habe ich auch nach dem Bändchen gegriffen, das bei „Thalia“ wahrscheinlich unverkäuflich war, so daß es in der Wühlkiste landete, aber viel mehr als den Namen, habe ich auch nicht gekannt, also zuerst einmal nachgegooglet, obwohl das Buch über einen sehr langen und ausführlichen Anmerkungsteil verfügt.

Es ist aber nicht ganz einfach zu lesen und der Titel ist eigentlich auch ein wenig irreführend, denn es ist ja nicht nur Anna Achmatowas wohl berühmtestes Gedicht darin enthalten, sondern überhaupt späte Gedichte, ab 1965 bis zu ihrem Tod in den Sechzigerjahren und ein paar Prosateste gibt es auch.

Anna Achmatowa wurde 1889 in Odessa geboren, hat einige Male geheiratet, früh zu schreiben begonnen, ist mit ihrem ersten Mann auch nach Paris gereist, wo sie den Maler Modgliani traf, ein paar Texte über ihm gab es auch in diesem Buch.

Sie war mit Michail Bulgakow und Jossip Mandelstam befreundet und mit ihnen in der Künstlergruppe der Akmeisten, zwei Gedichtbände sind im ersten Weltkrieg entstanden.

Nach der Oktoberrevolution war sie Bibliothekarin in einem landwirtschaftlichen Institut und hatte Schwierigkeiten mit der Zensur, weil sie zu erotisch und zu innerlich schrieb, dann auch Schreibverbot. Einer ihrer Ehemänner wurde wegen konterrevulionärer Tätigkeiten erschossen, der zweite und ihr Sohn wurden  in den Dreißigerjahren mehrmals verhaftet und Anna Achmatova verbrachte diese Zeit oft in Wartschlagen vor den Gefängnissen. Einmal hat sie eine sehr zusammengeschlagene Frau dort angesprochen und sie „Können Sie das beschreiben?“, gefragt.

„Und ich sagte: „Ja“ Da glitt so etwas wie ein Lächeln über das, was eimal ihr Gesicht gewesen war.“

So entstand das „Requiem, von 1935- 1940 geschrieben. Auch das gibt es in dem Buch  und noch viele andere Gedichte und Auszüge aus Zyklen, bis man zu dem Opus Magnum, dem „Poem ohne Held“ kommt, dem auch „Wikipedia“ eine ganze Seite gewidmet hat.

Zwischen 1944 bis 1962 hat Anna Achmatowa an dem Triptichon geschrieben, das eine Einleitung und einige Widmungen hat und das, wie man in den Text von Kornej Tschukowski über die Dichterin nachlesen kann und auch mir aufgefallen ist, die Lyrik sehr mit der Prosa, Tschukowski schreibt, glaube ich, Novellen verbindet, so gibt es eine Handlung, die auch genau beschrieben wird und das Ganze würde ich jetzt interpretieren, ist der Zerstörung der Stadt Leningrad oder St. Petersburg gewidmet, die Anna Achmatowa sehr geliebt hat..

So beginnt der erste Teil mit dem „Jahr Neunzehnhundertunddreizehn-Petersburger Erzählung“ und wir tauchen ein, in den Karneval, in die Ballnächte des „weissen Saals“, begegnen Sancho Pansa und Don Quichotte, kommen in das Schlafzimmer der Heldin, etcetera, um dann im zweiten Teil schon im Janur 1941 angekommen zu sein, wo „ihr Redakeur nicht zufrieden mit der Autorin ist und sie vielleicht eines Plagiates“ verdächtigen wird.

Im dritten Teil wir sind in der „weißen Nacht des 24. Juni 1942“ angekommen, gibt es dann einen Epilog, bevor es in das Wesentliche geht :

Und jemand sagte „Quo vadis?“

Doch er konnte die Lippen nicht regen,

Als mit seinen tunneln und Brücken

Zu donnern begann der verrückte Ural.

Und es öffnete sich mir der Weg,

Auf dem man vor mir gegangen

Und der meinen Sohn transportiert.

Lang war der Begräbnisweg, endlos,

ein feierliches, kristallenes Schweigen

Fesselte ring das SIBIRISCHE LAND

Fort von dem, was zu Staub war,

Marschierte, gepackt von tödlicher Furcht,

Wissend um die Frist der Vergeltung,

Die tränenlosen Augen gesenkt –

Vor mir her nach Osten, das

Die Hände ringende Rußland“

Beendet in Taschkent, wohin die Autorin, glaube ich, evakiert wurde, am 18. August 1942, steht darunter.

Anna Achitmatowa, die, wie Kornej Tschukowski schreibt, eine sehr liebenswürdige, bescheidene Frau war, die in den ärgsten Hungerszeiten, die Nestle-Dosen und Zuckerstücke, die man ihr schenkte, an andere weitergab, wurde  in den fünfziger Jahren rehabilitiert und ist am 5. März 1966, Stalins Todestag, in einem Erholungsheim gestorben. Herausgekommen ist die Versnovelle, 1967 erstmals als Ganzes in New York.

In dem  1993 in letzter Auflage, zweisprachig erschienenen Reclam-Buch ,das von Fritz Mierau herausgegeben wurde, gibt es Übersetzungen von Elke Erb, Sarah und Rainer Kirsch, sowie anderen.

Eine neuere Übersetzung des Poems ist auch von Alexander Nizberg erschienen, die man im Netz finden kann und ich würde mir  eine von ihm vorgetragene „Stunde der literarischen Erleuchtung“ mit dem Poem in der „Alten Schmiede“ wünschen, aber vielleicht hat es das schon gegeben.

2016-02-28

IG-Autoren, andere Buchmesse und japanischer Film

© Dieter Scherr

© Dieter Scherr

Wieder einmal Generalversammlung der IG-Autoren, der Art Autorengewerkschaft, die von Gerhard Ruiss gegründet wurde und die er einige Zeit mit Hannes Vyoral gemeinsam machte und sich jetzt als Geschäftsführer sozusagen alleine auf dem Podium für die Interessen der Autoren einsetzt, das heißt Vizepräsidenten gibt es auch und einen Vorstand und die Präsidentin, die Kinderbuchautorin Renate Welsh hat  eröffnet, als das Frühstück vorbei und die Versammlung beschlußfähig war.

Ich bin da ja schon seit einigen Jahrzehnten delegiert und gehe regelmäßig zu den Versammlungen, die Gerhard Ruiss auch heute damit begann, daß er die Aktivitäten der IG trotz stetig schrumpfender Subventionen lobte.

Da gibt es ja die Beteiligungen bei den Messen, Frankfurt, Leipzig und Buch-Wien mit einem großen Stand, einem Radio und Lesungen, die man dort machen kann, wenn man ein neues Verlagsbuch hat.

Da falle ich ja leider immer durch, obwohl ich auch heuer wieder nach Leipzig fahre. Es gibt den Katalog, der österreichischen Neuerscheinungen, da bin ich leider auch nicht drin und dann nicht jedes Jahr, aber jetzt wieder den Stückebörsenkatalog,  es gibt Rechtsberatung und voriges Jahr wurde auch der Musterverlagsvertrag gemeinsam mit dem Hauptverband ausgehandelt, da war ich bei dem diesbezüglichen Fest.

Bei der Generalversammlung gibt es die Anträge, die von den Mitglieder eingebracht werden können und die dann behandelt werden und da begann es gleich mit Aufregungen im Steuerrecht, denn seit einiger Zeit muß man beim Bund seine Rechungen, für Jurytätigkeiten beispielsweise, elektronisch stellen und die Steuererklärung muß man ab nächstes Jahr, was mich dann auch betreffen wird, ebenfalls online machen und dann ging es gleich weiter mit Ludwig Laher, der im Rat der Rechtschreibreform ist und von den diesbezüglichen Sitzungen berichtete.

© Dieter Scherr

© Dieter Scherr

Das ist weit weniger brisanter, denn die IG setzt sich dafür ein, daß die Autoren schreiben können, wie sie wollen und hat das im Vorjahr in einer Umfrage erhoben. Da wurden zwar auch nur Verlagsautoren betragt, aber deren Resultate gingen in eine Studie ein, von der Ludwig Laher berichtet hat und dann gab es Mittagessen, sprich das berühmte Würstlbuffet, Käse und Obst und viele Gespräche.

Die Ruth ist von ihrem Schiurlaub zurückgekommen und konnte diesmal daran teilnehmen, Erika Kronabitter war da, Christl Greller und was vielleicht interessant ist, die Kollegen aus den Bundesländern, die ich nur einmal im Jahr nämlich bei der GV sehe, wie O. P. Zier, den sehe ich zwar  auch bei der GAV-GV und habe ihn Samstagmittag auch beim Bücherschrank getroffen, als ich dort einen Abstecher hinmachte.

Am Samstagnachmittag ging es  weiter mit der Frage, was mit seinem Manuskript passiert, wenn man zwar einen Verlagsvertrag hat, aber der Verleger pleite macht und  mit dem Manuskript verschwindet? Eine kniffelige Frage, die mich ebenfalls nicht sehr betrifft und politisch wurde es natürlich auch, leben wir ja in Krisenzeiten und solchen, wo sich die Sprache gegen die Flüchtlingsfrage wenden kann. so formulierten Ludwig Laher und Renate Welsch auch ein Papier, das sich speziell damit beschäftigte und Peter Paul Wipplinger, der sich sehr für die Rechte von verfolgten Schriftstellern einsetzt, erzählte von einem Gerichtsurteil, in dem Holocaust-Befreite als „Landplage und Kriminelle“ bezeichnet wurden.

Am Sonntag ist es mit den restlichen Anträgen und der Wahl des neuen Vorstandes weitergegangen und anschließend hat es wieder die „Andere Buchmesse“ gegeben, die ja von Margit Kröll, die auch immer zu den Vorstandssitzungen kommt, Nicole Engbers, dem Verlag „Thorsten Low“, etcetera, seit 2010 an den verschiedensten Orten organisiert wird.

Heuer war es von halb zwölf bis sechs im Amtshaus Döbling. Es hat wieder ein Kinderprogramm und die Verlagspräsentation von Thorsten Low gegeben.

© Dieter Scherr

© Dieter Scherr

Zu dem Jugendkrimi „Zufallsopfer“ von Margit Kröll bin ich noch zurechtgekommen, das Theaterstück, die Zaubershow und das Literaturprojekt zum Thema Flucht habe ich versäumt.  Literaturslam und Musikprogramm hat es nicht mehr gegeben.

Dafür war die Verlagspräsentation von Thorston Low, der vier seiner Neuerscheinungen vorstellte, besonders spannend.

So gab es eine Geschichte, die von einem Turm handelte, eine über Piraten, dann ein Ausschnitt aus einem Text zum Thema „Wasser“ und dann ging es nach Japan.

Beziehungsweise fuhr ein gescheiterter Historiker mit seiner Frau dorthin, um dort sein Sachbuch über die K. und K. Monarchie vorzustellen, versucht sich den japanischen Sitten anzupassen, will seine Frau in ein Dirndl stecken, wird von Restaurant zu Restaurant geführt, wo er rohes Huhn, Fisch und Nudeln essen muß, und um sein „Amazon Ranking“ zu verbessern, wird ihm noch Stück für Stück von seinem Körper abgeschnitten, zuerst eine Locke, dann eine Ohr, eine Fingerkuppe, ein Tatoo wird ihm auch noch entfernt, etcetera, leider konnte ich den Schluß dieser Satire auf das japanische Leben beziehungsweise Literaturbetrieb nicht hören, weil ich mich um halb sieben mit dem Alfred im Kino verabredet hatte, um wie es der Zufall wollte, auch einen japanischen Film zu sehen, nämlich „Krischblüten und rote Bohnen“ nach dem Roman von Durian Sugekawa, der im März bei „Dumont“ auf Deutsch erscheinen wird.

 

2016-02-27

Wolkenreisen

Vier liebenswerte „Gespenstergeschichten“ der 1921 geborenen Märchenerzählerin Inge Maria Grimm aus der „Edition Taschenspiel“. Das Letztere habe ich wieder ergooglet, denn in der sonst so interessanten Books to go-Edition, die einen wahrhaft weiten Bogen durch die österreichische Gegenwartsliteratur spannt, fehlen zu meinem Bedauern  die biografischen Angaben,  weiß  aber jetzt, daß die alte Dame Kinder- und Jugendbuchautorin ist und im österreichischen Rundfunk, der einmal RAVAG hieß, als Sprecherin gearbeitet hat.

„Vom Traummännchen“ hat Lieselotte Stalzer in der „Gesellschaft für Literatur“ glaube ich, etwas erwähnt und daran kann ich mich auch erinnern. Es gibt aber außer dem „Wikipediaeintrag“ auch eine nicht mehr ganz aktuelle Homepage, auf der man sich weiter informieren kann und als ich da, am vorigen Dienstag, als ich von der Herrengasse nach Hause kam, nachgeschaut habe, war ich zuerst etwas enttäuscht, daß ich mir dieses Buch ausgesucht habe und die bekannten Namen, wie Erika Kronabitter, Petra Ganglbauer, Hanno Millesi, Sophie Reyer, etcetera ausgelassen habe, denn so „besonderns literarisch“ werden die Geschichten einer über neunzigjährigen „Märchentante“ nicht sein, habe ich etwas überheblich gedacht und mich geirrt, denn die vier „Gespenstergeschichten“, wie ich sie nennen will, sind absolut interessant und wenn ich mich nicht irre, wahrscheinlich in den Fünziger oder Sechzigerjahren geschrieben, denn sie haben diesen Ton, der mich ein bißchen an Elisabeth Gürt erinnert, denn ich lese ja auch gerne Chick Lit aus der ersten oder zweiten Hälfte des vorigen Jahrhundert und im charmanten Ton lernt man in den vier Geschichten halb Europa kennen und erfährt auch viel Historisches dabei.

Die erste „Marmor aus Carrara“ führt auch ein bißchen in das Krimigenre oder nach Italien, denn dorthin reist, wie sie sich vorstellt, die junge Ich-Erzählerin mit ihrer amerikanischen Freundin Liz. Es ist alles bestens, die Spaghetti liegen auf dem Teller, der Wein schmeckt gut und ein alter Herr, schickt die Beiden, die wenig Geld haben, in die „Villa  La Ninfea“, wo es einen Conte, seine Frau und eine Haushälterin gibt und ein paar Zimmer vermietet werden.

„Aber Achtung, es spukt!“, warnt der alte Italiener noch, die Haushälterin sagt  dasselbe und Nächtens hört man Harfentöne und am Morgen wandert die Contessa, schlampig gekleidet mit einem Hahn zu einem Brunnen und streichelt traurig die Figur deren Hände abgebrochen ist.

Sie war eine berühmte Bildhauerin, erzählt die Haushälterin, durch einen Autounfall, den der Graf verschuldet hat, wurde ihr Arm gebrochen, jetzt ist sie ein bißchen wirr im Kopf, die Harfentöne klingen weiter. Die Urlaubswoche vergeht und dreißig Jahre später kommt die Erzählerin noch einmal dorthin und erfährt, daß die arme Gräfin im Steinbruch mit dem berühmten Marmor verschwunden ist.

Daß es sich wirklich um Gespenstergeschichten handelt, habe ich erst bei „Rendezvous im Untergrund“ bemerkt, denn da geht es nach London in das U-Bahnnetz und da kommt schon der schwarze Charlie, der U- Bahn Geist heraufgestiegen, um einer schönen Dame mit lila Hütchen zu helfen, die sich  als die „Metro-Madleine“ aus Paris entpuppt, die hergekommen ist, um sich mit dem tschechischen Kollegen, einem Stümper, wie Charlie unkt, da er ja erst drei Linien hat und mit der Baba Jaga aus Moskau zutreffen, vor der der Charlie dann entflieht, da er mit der schon schlechte Erfahrungen machte.

Die dritte Geschichte führt in den Musikvereinssaal und sie ist es auch, die mich an Elisabeth Gürt erinnert, da will ein junger Mann, obwohl Fasching ist, in ein Konzert und nicht mit seiner Freundin Lieselostte auf eine Maskerade und was passiert? Während er Beethoven hört und sich auf den Bolero freut, zwinkern ihm die „goldenen Mädchen“, die Säulenstüzen zu und holen ihn dann noch im Stadtpark ein, wo der liebe Auugstin aufspielt, Johann Strauß geigt und auch noch zwei Stelenkollegen aus Antwerpen, die  Wiener Kolleginnen, besuchen kommen.

Am Schluß geht es  nach Prag, in das unterirdische Gemäuer und zu den Geheimwegen, die vom Hradschin  bis in die Niklasgasse führen. Die will ein Schulbub durchqueren und hat ein paar seltsame Begegnungen dabei.

Köstlich, köstlich, die Geschichten der Märchenerzählerin, die ihre Texte, wie  „Wikipedia“ verrät „mit Elementen der Gegenwart zu verbinden weiß“ und weil trotz der Europabezüge, das Ganze einen unverkennbar Wienerischen Ton hat, wahrscheinlich  das ideale Mitbrinsel für deutschsprachige Freunde oder als Souvenier für solche Touristen geeignet.

Dann sollte das Büchlein aber in einer zweiten Auflage aber um die biografische Angaben ergänzt werden, weil man in Hamburg, Berlin und Zürich vielleicht noch weniger den Namen Inge-Maria Grimm kennen wird, obwohl die, wie auf ihrer Homepage steht „eine Nachfahrin der Gebrüder Grimm ist“.

2016-02-26

Schönste Bücher und Hörspielgala

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:29
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Zwei Preisverleihungen an einem Nachmittag und Abend und im Kongreßsaal des Bundeskanzleramtes fing es um fünf Uhr mit den Staatspreisen der „Schönsten Bücher Österreichs“ an, das sind die, in denen es meistens nicht so viel zu lesen gibt, aber hervorragend in der Graphik- und Gestaltung sind, daher oft  Kunstkataloge, Kinderbücher und Diplomarbeiten sind auch manchmal dabei und die Bücher kann man dann in den verschiedensten Ausstellungen sehen.

Zweihundertsiebenundsiebzig wurden, glaube ich, eingereicht und davon wurden fünfzehn als die schönsten ausgewählt, wovon dann drei einen Preis bekamen, eine Diplomarbeit, eine Belletristik, ein Kinderbuch, ein paar Sachbücher und acht Ausstellungskataloge.

Michael Freund führte nach den Begrüßungsworten von Minister Ostermayer und Benedikt Föger vom Hauptverband durch die Veranstaltung, stellte jedes der Bücher vor und sagte dazu ein paar Worte, gewonnen hat dann ein Ausstelungskatalog aus dem kunsthistorischen Museum „Fäden der Macht“, sowie „Nowhere man“ Geschichten über Flüchtlinge aus dem „Luftschaft-Verlag“ und Jürgen Lagger, da da auch die „FM4-Preis- Anthologien“ herausgibt, verbeugte sich, interessant Zitha Beyreuther vom „Fm4“, war auch in der Jury und dann gab, die „Welt im Spiel“ von Ernst  Strouhal aus dem „Brandtstätter-Verlag“.

Nachher gab es wieder Wein und kleine Häppchen, aber diesmal hatte ich es eilig, das letzte Jahr bin ich ja bis dann das „MUSA“ begonnen hat, noch eine Stunde im Kreis gegangen, aber diesmal war auch die Hörspielnacht oder Gala, wie das jetzt heißt, seitdem es immer kürzer wird und da gaben sie ab sechs Zählkarten aus und sagten das den ganzen Tag in Ö1, reservieren konnte man nicht, aber es ist alles gut gegangen und Doris Glaser und Andreas Jungwirth haben den Abend wieder moderiert und die Shortlist der zehn besten Hörspiele vorgestellt. Da kann man ja abstimmen, aber da ich nie Hörspiele höre, nehme ich daran nicht teil, so ging es kurz durch die ausgewählten Stücke und eine Festrede gibt es seit einigen Jahren auch.

Die hielt diesmal Christian Kircher der künftige Geschäftsführer der Bundestheater-Holding. Dann wurde das beste künstlerische Hörspiel „Hornissengedächtnis“ von David Zane Mairowitz vorgestellt , wo es um einen Übersetzer bei den Nürnberger Prozessen geht, eine Geschichte, die der Autor, der zwischen Paris, Polen und Berlin hin- und herpendelt, einmal von seiner Mieterin erzählt bekommen hat.

Schauspieler des Jahres wurde  der vierundvierziigjährige und mir völlig unbekannte Markus Meyer vom Burgtheater, ja ich gehe  zu wenig ins Theater, dafür hielt der mir ebenso unbekannte  Gerd Wameling.

Dann gab es eine Pause und danach wurden die Kurzhörspiele, die man inzwischen per Internet wählen konnte, vorgestellt, da kannte ich den dritten Preisträger, es ist Jopa Joatin, der inzwischen auch im GAV Sekretariat arbeitet. Sein Hörspiel heißt „Ich mache mir mein Hörspiel selbst und erspare mir den GIS-Beitrag“ und erinnert an Ernst Jandl, denzweite Platz ging bekam das Hörspiel  „Parkplatz“ und den ersten eines mit dem schönen Titel „Sollbruchstelle“, die kann man alle demnächst in Ö1 hören und ein künstlerlisch Anspruchsvolles ausgesucht von der Schule für Dichtung gab es auch, das ist von Mario Wurmitzer und heißt „Ich werde auch länger bleiben“ und da kauert einer in der Küche oder im Wald und spricht in sein Handy seine Jobangebote und erinnerte mich irgendwie an Irmgard Fuchs Geschichten, ja richtig einer der anderen Preisträger Dominik Invancic von der „Solbruchstelle“ ist auch Absolvent oder Student der Sprachkunst und dann gings hinein in Medias Res, richtig zwischendurch gab es  wieder Musik vom „Koehne-Quartett“, die auch bei den Preisvergaben immer die „Schöne Adrienne“ tonierten, denn die gibt es jetzt ja als Trophäe und ein Geränkel um die ausgestellten Blumensträuße, die dann nicht an die Männer verteilt wurden, gab es auch.

Gewonnen hat dann die Hörspielfassung von Christine Lavant „Wechselbälgchen“, Platz zwei war ein Krimi von Bernhard Aichner „Play“ und der dritten ging an die Bearbeitung von Michael Feldners Roman „Aus meinem Leben“ von Helmut Peschina, und den hatte ich ja schon im Foyer gesehen, nachher gab es noch ein Extrastück und man kann sich morgen Samstag das Siegerstück anhören,  aber da werde ich ja bei den „IG-Autoren“ sein, man kann sich aber alles auch noch sieben Tage anhören.

2016-02-25

Neuer Konrad Bayer-Band

Eigentlich habe ich  heute zur Präsentation des neuen Romans von Gabor Fonyad gehen wollen, den ich in der „Gesellschaft für Literatur“ kennenlernte, dann habe ich mir wieder einmal die Facebook Seite der österreichischen Nationalbibliothek angesehen und bin darauf gekommen, daß da ein neuer Profilband über Konrad Bayer in der „Gesellschaft“ vorgestellt wird und habe umdisponiert, denn Konrad Bayer, ein Vertreter der „Wiener Gruppe“, der sich 1964 das Leben genommen hat, weil er, wie in „Wikipedia“ steht, von der „Gruppe 47“ nicht gut aufgenommen worde, ist ja sehr interessant, obwohl ich weder eine Anhängerin der Avantgarde, noch der experimentellen Literatur bin und mich bei der „Wiener Gruppe“ auch nicht so auskenne, aber wahrscheinlich gerade deshalb.

Bin ich ja sehr neugierig und war auch einmal im „MUSA“ als dort die Literatur der fünfziger Jahre präsentiert wurde und habe dann den Konrad Bayer falsch geschrieben, was von meinen damaligen Kommentatoren Rudi Lasselsberer und Frau Haidegger nicht gut aufgenommen wurde.

Letztere ist seit 2010 verschwunden, den lieben Rudi habe ich aber gleich getroffen, als ich sehr früh in die „Gesellschaft“ gekommen bin und er hat sich auch den umfangreichen Werkband, der von Klaus Kastberger, der jetzt Professor in Graz und Leiter des Literaturhauses ist und Thomas Eder, ein Wiener Germanistikprofessor, herausgegeben wurde, gekauft.

Die ganzem Anhänger der experimentellen Szene tauchten auf, Herbert J. Wimmer, der Doyen Friedrich Achleitner, der ja neben Oswald Wiener und Gerhard Rühm ebenfalls der Wiener Gruppe angehörte, Hermann Hendrich, der irgendwie auch damit zu tun hatte, Bernhard Fetz und noch einige andere Autoren und Experten.

Manfred Müller leitete ein und Klaus Kastberger erzählte, wie es  zu der Herausgabe gekommen ist.

Das Literaturarchiv hat den Rühm Vorlaß gekauft und da waren einige Seiten von Bayer Texten, beziehungsweise solchen, die seine Schrift und seinen Namen hatten, enthalten, vorwiegend solche, die noch nicht publiziert waren oder bei Ausstellungen verwendet wurden.

Auf die hat Klaus Kastberger dann seine Studenten angesetzt, ein Symposium in Mürzzuschlag gab es auch und ein Teil in dem Buch ist den Zeitzeugen gewidmet, Friedrich Achleitetner, Oswald Wiener, seiner Frau, etcetera, die alle, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erwähnte, ein sehr heterogenes Bild von dem 1964 verstorbenen hatten, beziehungsweise ihn unterschiedlich erlebten.

Diese Texte und diese Artikel sind jetzt in dem Band enthalten, der den Titel „Texte, Bilder Sounds“ trägt und wurden in der Gesellschaft auch auf die Wand projeziert.

Am Schluß gab es noch eine Tonbandaufnahme von einer Bayer-Lesung auf dem Jahr 1963 zu hören und eine Diskussion gab es auch, die Klaus Kastberger damit beendete, daß er meinte, daß man das heute alles gar nicht mehr so genau wissen kann, weil die Zeitzeugen sich alle an etwas anderes erinnern  und die Wissenschaftler wahrscheinlich die einzigen seien, die ein objektives Bild von dem berühmten Mitglied der Wiener Gruppe geben können, der den unvollendeten Roman „Der sechste Sinn“ geschrieben hat und die Romanmontage „der kopf des vutus bering“ der von „Jung und Jung“ vor einigen Jahren herausgegeben worden.

Interessant, interessant, obwohl ich wahrscheinlich keine Anhängerin der experimentellen Literatur werde und mir vielleicht auch denke, daß ein Text, der zehn Minuten lang nur aus „A gibt B die Hand, B dem C, etcetera, vielleicht nicht so ganz sinnvoll ist. Aber ich bin eben eine realistisch schreibende Psychologin und am Heimweg noch in die Ausstellungseröffnung von „Chagall zu Malevich“, in der Albertina zurechtgekommen, die  gut zu dem „Poem ohne Held“ von Anna Achmatova passt, das ich vor kurzem gelesen habe.

Stoffsuche

Mit „Paul und Paula“ bin ich gestern wieder fertig geworden und habe es, zusammen mit ein paar Beschreibungssätzen ein zweites Mal dem Alfred geschickt.

Das habe ich ja schon Ende Jänner getan, bevor wir nach Salzburg fuhren, dann kamen Gloria G.s kritische Anmerkungen und ich bin gesessen und gesessen und habe das „sie“ in ein „er“ verwandelt und ausgebessert, was falsch oder unlogisch war.

Das Lokal in „Maribou“ umbenannt, das „Sigmund Freud Museum“ in eine „Berg-Galerie“, etcetera. Ob es sprachlich so gut geworden ist, daß es Anerkennung findet, wage ich nicht zu hoffen, weil ich ja fürchte, daß das bei mir, ich weiß auch nicht, warum,  unmöglich ist, ich finde es aber dichter und kürzer ist es dadurch auch ein bißchen geworden, hat jetzt neunundvierzig Seiten, dann kommen noch zwei Zeilen Danksagung dazu, beziehungsweise 22 726 Worte.

Mein kürzestes Buch wahrscheinlich,  eine knappe Erzählung, das Cover „Paula und Paula“ auf roten Grund, habe ich schon im Jänner entworfen und die „Sommergeschichte“ ist jetzt auch soweit, daß sie an die Druckerei gehen kann.

Da gibt es  schon die Vorschau, wer also noch was gewinnen will, beeilen bitte, wenn das Buch da ist, werden die Fragen aufgelöst.

Es wird  aber bald die Vorschau für den „Adventkalender“ geben, wo wir aber erst das Cover machen müßen, obwohl wir Text und Foto schon haben und dann, was ist dann, wenn mein vierzigstes oder so Selbstgemachtes erschienen ist?

Was werde ich dann schreiben? Da fehlt nach wie vor die Idee füŕ den großen Roman, die ja inzwischen immer kürzer werden und dann hatte ich auch die Idee für die „Wurfgeschichten“, wie es beispielsweise in echt oder als Arbeitstitel heißen könnte, zwölf oder so kürzere Geschichten und die Ideen dazu könnte ich mir aus der Schreibgruppe mitnehmen oder, wie das die Blogger raten, in die Bibliothek gehen, ein Buch herausnehmen und ein paar Sätze herausnehmen und auf diese Art und Weise die Geschichte zusammenbasteln.

Mal sehen, ob das geht. Versuchen könnte ich es ja und von der letzten Schreibgruppe habe ich mir ja das Opernballthema nach Hause genommen und dann die Bundespräsidentin Awadalla dorthin geschickt, die jetzt ja noch eifrig Unterstützungserklärungen sammelt. Das hatte dann allerdings die Länge eines Blogartikels. Aber mal sehen, wie es weitergeht.

Gestern, als ich die „Paula“ abgeschlossen hatte, habe ich die Fenster geputzt und die Böden gesaugt, das ist so mein Ritual, zu putzen, wenn ich mit einem Text in der Rohfassung fertig bin, bevor es an den nächsten geht. Korrigiert wird es dann ja noch, wenn es der Alfred gesetzt hat, bis es an die Druckerei gehen kann und heute habe ich gedacht, gehe ich in der Stadt spazieren, gehe vielleicht ein paar Leuten nach, höre ihnen zu, mache mir ein Notizen, etcetera und schaue, ob ich so zu meinen Stoffen komme?

Ein paar diesbezügliche Ideen hatte ich mir schon in mein Notizbuch aufgeschrieben, aber das war nichts wirklich Neues, sondern ist eher, um das gekreist, worüber ich schon geschrieben habe, das Umgehen mit „Alzheimer“ beispielsweise oder wie macht man das, wenn das, was man schreibt, nicht berührt, aber man trotzdem einiges erlebt,  was wichtig ist oder wie geht es jemanden, wenn das Telefon nicht läutet, etcetera.

Man sieht dasThema „depressive Frauen“ ist eines, was mich nach wie vor beschäftigt, aber das habe ich  schon öfter thematisiert und sollte es vielleicht nicht wieder aufwärmen, wie mich schon einmal eine meiner Leserinnen mahnte.

Also heute Morgen ein kleines und das große Notizbuch eingepackt und mit einer Wasserflasche losgezogen, ein „Mc Donalds-Sparbuch“ mit ein paar Gutscheienen hatte ich auch und auf die Bank mußte ich, bezüglich meines Bausparvertrages, beziehungsweise wollen die jetzt wissen, ob man politisch tätig ist?

Das wäre vielleicht auch ein Stoff für eine Geschichte und mein Bankberater sagte mir noch, wenn er wüßte was die Zukunft bringt, würde er einen Lottoschein kaufen und sich ein schönes Leben machen!

„Sie werden sicher nichts gewinnen!“, habe ich gesagt und darüber, daß eine arbeitslos gewordene Frau ihr Erspartes abhebt, in eine Schuhschatel steckt und beschließt, wenn es weg ist, in den Wald zu gehen und nicht wiederzukommen, habe ich auch schon geschrieben.

Sie könnte es natürlich auch ausgeben und sich angesichts der Flüchtlingsproblematik, um sie herum, ein schönes Leben zu machen versuchen, das wäre vielleicht eine Idee für die nächste Kurzgeschichte, mal sehen?

Ich bin also in Richtung Stadt gegangen, habe einem Flüchtling oder Obdachlosen eine Zeitung abgekauft, beziehungsweise ihm zwei Euro gegeben. Man sieht jetzt wirklich mehr Bettler, eine Frau mit Kinderwagen hat mich angesprochen und wollte wissen, wie sie zu Fuß in den zwanzigsten Bezirk kommt

In dem Bücherkastl beim „Kupptisch“ lagen ganze Stöße „Bastei-Liebesromane“, ich habe nicht hineingeschaut, aber nachher gedacht, ob das nicht meine, vom Almweg, dem Haus, das die Anna jetzt verkauft hat, sind?

Dann bin ich zum Mc Donalds gegangen, einen Krapfen hatte ich schon früher gegessen, mir dort erste Notizen gemacht und zwei Medizinstudentinnen oder Ärztinnen auf Turnussuche zugehört und bin dann auf Paul und Paulas Spuren, die Berggasse hinunter und am „Freud Museum“ vorbei gegangen, bis zur Strudlhofstiege und die dann wieder hinauf, um mir beim Kutschera-Markt die „Büchertaschen“, die es dort an einem Parkgitter gibt, anzuschauen.

Dann bin ich zum AKH gegangen und habe mir meinen zweiten Notizblock aufgeschrieben und dabei vier möglichen Romafrauen beim sich Unterhalten beobachtet, während die zwei sie begleitenden Männer mit ihren Handy spielten.

So weit, so what und meine Ausbeute, vom zweiten oder dritten heurigen Recherchetag, jetzt werde ich wieder in meinen schon vorhandenen Büchern lesen, das tue ich auch immer gern vor dem Neubeginn und gehört zu meinen diesbezüglichen Ritualen und bin dann nach Hause gegangen.

Da ist dann die Dauerkarte, beziehungsweise, die Akkreditierung für Leipzig gekommen, wo es ja wieder literarisch werden wird, ein paar Neuerscheinungen sind bis dahin auch zu lesen. Ich warte auf das Ronja von Rönne Buch, habe mir ein neues Rezensionsexemplar bestellt, ich kann es nicht lassen, auch wenn die vorhandene Leseliste schon so  lang ist. Petra Ganglbauers Gedichte müßten auch noch kommen und noch ein Buch habe ich zu lesen, das mir Klaus Khittl alias Gloria G. der oder die unermüdliche, gestern, bezüglich meines „Paul und Paula“Texts vorbeibrachte.

Sybille Berg „Vielen Dank für das Leben“, auch eine vortreffliche Transgender Geschichte, auch wenn man das nicht sofort merkt, wie ich mich belehren ließ.

Nun ich bin gespannt,ich will ja immer wissen, was und wie es die anderen besser machen, bevor es ans Weiterschreiben geht und einige Todesmeldungen schleppe ich auch noch vor mich her und bin nicht dazugekommen sie zu bloggen.

Vorigen Freitag sind sowohl Harper Lee, von der ich ja nach Weihnachten ihr neues altes Buch gelesen habe und Umberto Eco gestorben, von dem ich einiges auf meiner Leseliste habe, gestorben.

2016-02-24

Israelische und palästinesische Spannungsfelder und Konflikte

Norbert Gstrein hat einen neuen Roman geschrieben „In der freien Welt“, der gerade erst erschienen ist und der heute Morgen im Morgenjournal vorgestellt und wahrscheinlich angekündigt wurde, daß daraus am Abend in der „Alten Schmiede“ gelesen wird. Das habe ich zwar ein wenig verschlafen, mir aber gedacht, daß ich früher hingehen soll, weil vielleicht viele Leute kommen werden. War aber nicht so, ein Platz in der ersten Reihe war jedenfalls noch frei und Kurt Neumann leitete, das neue Buch dann lange und umständlich ein.

Daß es um den israelisch palästinenischen Konflikt, beziehungsweise die Kriege dort, geht, habe ich schon im Morgenjournal mitbekommen und auch gewußt, daß der 1961 in Tirol geborene Norbert Gstrein, bekannt für seine provokanten Themen, beziehungsweise Spannungsfelder ist, so hat er auch über den Jugoslawienkrieg geschreiben und wurde, glaube ich „Beim Handwerk des Tötens“ angegriffen, daß man so nicht über den Krieg schreiben darf, hat über das Haus „Suhrkamp“ einen Schlüßelroman geschreiben, den ich mit Vergnügen gelesen habe, seine ersten beiden Bücher waren, glaube ich, experimentell und bei „Selbstportrait mit einer Toten“ geht es, glaube ich, um den Wiener Literaturbetrieb, mit „Eine Ahnung vom Anfang“ ist er auf LL von 2013 gestanden und den „Wildganspreis“ hat er auch bekommen.

Ich habe einiges von ihm gelesen, die „Englischen Jahre“, wo ich auch einmal bei einer Lesung im Literaturhaus war, stehen auf meiner Leseliste und jetzt also der israelisch-palästinensiche Konflikt.

So ganz habe ich bei der Einleitung von Kurt Neumann nicht ganz verstanden, worum es in dem Buch geht, er erzählte jedenfalls von einem amerikanischen Schriftsteller namens John, der Jack gerufen wird, der, Sohn einer jüdischen Mutter, um etwas Nützliches zu tun, nach Israel zuerst in den Kibuz und dann in die Army geht, danach in Amerika verkommt, trinkt, im Untergrund lebt und einen anderen österreichischen Schriftsteller namens Hugo kennenlernt.

Ein Festival in Gmunden gibt es auch und Hugo schreibt einen Schlüßelroman. Der eine hat dem anderen eine Freundin weggekommen, deshalb sind sie Freunde geworden, sagte Kurt Neumann. Da kannte ich mich schon nicht mehr recht aus, daß John bei einem Attentat ums Leben kam und Hugo über ihm schreiben wird, hat er auch erwähnt und noch hinzugefügt, daß er jetzt auf etwas vergessen hätte, da hat ihm das Publikum unterbrochen und gesagt, daß sie das selber lesen wollen.

Ja, ja, das Spoilern, was ich ja auch so gern betreibe, gilt als  inzwischen als Unart und „Amazon“ streicht, glaube ich, solche Kritiken hinaus, Kurt Neumann hat sich aber nicht unterbrechen lassen, weil Norbert Gstrein aus dem zweiten oder dritten Kapitel seines Buches lesen wollte, das aus drei Kapiteln und einen Epilog besteht und dann würde man es nicht mehr verstehen.

Norbert Gstrein hat dann auch ziemlich hinten mit einer Stelle, wo John, dem Hugo sagt, daß er alles über ihm, aber ein gutes Buch schreiben soll, denn was hat er davon, wenn er ein Held ist und das Buch ist schlecht und sich dann etwas nach vorn und wieder zurück gelesen.

Eine Stelle, wo Hugo in Amerika in eine Buchhandlung kommt und einen Nachruf auf den toten Freund halten soll und da von einem nackten drogensüchtigen Mädchen erzählt, das er gerettet hat und das  später die jüngste Physik Profesorin von Tel Aviv wird und dann noch eine Stelle, wo Hugo nach Israel fliegt und im Flugzeug von einer pensionierten Lehrerin angesprochen wird, die ihm erzählt, daß sie leider keine Jüdin wäre, aber gern und oft nach Isreal fliegt, worauf er ihr erzählt, daß er ein Eisverkäufer wäre, der den Israelis besondere Sorten andrehen will.

Nachher hätte es laut Programm eine Gespräch zwischen Norbert Gstrein und Kurt Neumann geben sollen, der war aber vielleicht  beleidigt, jedenfalls hat er das Wort an das Publikum weiter gegeben und seltsamerweise haben sich mehrere Damen, darunter Evely Holloway gemeldet den Autor angegrifen, warum die Frauen bei ihm so schlecht wegkämen und warum er meint, daß die jungen Leute glauben, alle Juden umarmen zu müßen, um die Schuld ihrer Väter und Großväter gutzumachen, worüber sich Gstrein, glaube ich, lustig machte.

Auch, daß sich John für seine Schwäche schämt und stark sein will, um sich zu wehren, wurde kritisiert, was mir aber ebenso logisch, wie Norbert Gestrein erscheint, der mit den Angriffen erstaunlich locker umzugehen wußte, da habe ich bei Daniel Kehlmann ja schon einmal etwas anderes erlebt und auf die Frage, wieviel er für das Buch recherchierte, erzählte, daß er einen Schriftsteller und einen Journalisten als Berater gehabt hätte, die in dem Buch auch vorkämen und, daß er nicht unbedingt von dem israel palästinensichen Konflikt schreiben hätte wolle, sondern daß sich das im Lauf des Schreibens so ergeben hätte.

Er las dann noch ein Stück, nämlich von einer Literaturveranstalterin in Bad Ischl, die unbedingt Philip Roth zu ihren Lesungen einladen will, der aber ablehnte, weil er nicht in Deutschland oder Österreich lesen beziehungsweise von ihr umarmt werden will.

Ein spannender Roman und eine  interessante Lesung, denke ich, die ich bezüglich Norbert Gstrein bisher vielleicht ein wenig skeptisch war, spannend auch, ob ich das Buch einmal finden werde und ob es auf die neue LL kommt, aber ich habe ja noch die „Englischen Jahre“ und auch einiges andere zu lesen.

Das Buch passt auch sehr gut zu der gestrigen Veranstaltung, denn ich interessiere mich ja sehr für den Holocaust und die Zeitgeschichte, obwohl ich keine Schuldgefühle habe und eigentlich nicht so viel umarmen will.

2016-02-23

Immer ready sein zu gehen

Jetzt war ich  schon lange nicht mehr bei Veranstaltungen in der „Wien-Bibliothek“, die ja im Rathaus ist und eine Musiksammlung in den „Loos-Räumen“ in der Bartensteingasse hat.

Dort war ich einmal bei einem „Mayreder-Abend“, wie das „jüdische Leben in Ottakring“ vorgestellt wurde und beim „H.C.Artmann-Symposium“, sowie einmal bei einem Konzert, wo es so voll war, daß ich kaum Platz gefunden habe.

Ich gehe ja eher selektiv zu musikalischen Veranstaltungen und bevorzuge die Literatur, aber die Geschichte und das Leben in Wien im vorigen Jahrhundert ist  auch sehr interessant und so bin ich heute zu zwei Filmen, über die Geschwister Grünschlag gegangen.

Das waren ein Geige spielender Bruder und zwei Klavier spielende Schwestern, zwischen 1914 und 1921, glaube ich, geboren, die nach Israel sowie Amerika emigrierten, jetzt gestorben ist und die „Wien Bibliothek“, den Nachlaß bekommen hat, wenn sie daraus eine Ausstellung gestaltet, beziehungsweise die dazugehörenden Filme zeigt.

Das ist heute geschehen. Um halb sieben hat der Leiter der Musiksammlung durch die Ausstellung geführt, die aus drei Vitrinen bestand und das Leben der Geschwister in Wien, ihre Emigration und dann ihr Leben, als Musiker in Israel und Amerika an Hand von Briefen, Fotos, Tonaufnahmen etcetera zeigte.

Der Bruder hat in Israel in einem Orchester gespielt, die Schwestern sind in Amerika im Duett aufgetreten,  haben auch Konzerte in Europa gegeben, bezeihungsweise sind sie auch einige Male nach Österreich gereist.

Danach gab es die Filme, der erste, der auch in der Ausstellung zu sehen ist „It runs in the Family“ wurde von der Tochter von David Grünschlag, Dorrit Straus gemacht, da war Toni Grünschlag schon gestorben und David auch, so erzählte die Tochter von ihrem Vater und die jüngere Rosi von ihrem Musikunterricht in Wien und der großen Tafel Schokolade, die sie für ein Konzert, das sie als junges Mädchen im weißen Kleidchen und Söckchen gegeben hat, von ihrem Lehrer bekommen hat. Sie erzählte das auf Englisch, alte Aufnahme vom alten Wien, in das die Nazis einmarschierten, gab es auch immer wieder zu sehen.

Der zweite Film heißt „Toni und Rosi“ und zeigen die beiden Schwestern in ihrem Haus in Amerika, beim Klavierspiel, sie erzählen von ihrer Jugend und sind auch in Wien zu sehen, wo sie, 2006, glaube ich, im Musikverein ein Konzert gaben.

Sehr interessant das Leben einer jüdischen Künstlerfamlie für die die Musik alles war, der Bruder war geheiratet, die Schwestern sind ledig geblieben und jetzt hat Wien ein Stückchen Zeitgeschichte mehr, das man in der schönen alten Bürgerwohnung, in der Bartensteingasse bewundern kann.

Der Titel der Ausstellung sind übrigens die Worte der jüngeren Schwester, die in dieser Sprachmischung, sie scheint das Deutsch ziemlich verlernt zu haben, die Bereitschaft das Leben zu retten, in dem man Hab und Gut zurückläßt und gerade mal die Noten in den Koffer packt, auszudrücken wußte.

2016-02-22

Stahl und Glas

Jetzt kommt der Erzählband, der jüngste Autorin, der „Edition Taschenspiel“, der 1991 in Graz geborenen Irene Diwiak, die in Wien Slawistik und Judaistik studiert oder studiere und 2013 den „Fm4-Preis“ gewonnen hat.

Das habe ich aus dem Netz, denn in dem zweiundfünfzig Seiten starken Bändchen gibt es leider, was ich sehr sehr schade finde und auch die Qualität der Reihe meiner Meinung nach, vermindet, weder biografische Angaben, noch einen Beschreibungstext am Buchrücken.

Dabei wendet sich die Reihe doch an den eiligen Leser und will ihm die österreichische Gegenwartsliteratur nahebringen und, ob der sich die Zeit nimmt, bei Google nachzuschauen, was man dort über Irene Diwiak oder die anderen „Taschenspiel-Autoren“ findet?

Inzwischen ist das, glaube ich, auch allgemein üblich, bei den „Büchergilde-Gutenberg-Ausgaben“ im Bücherkasten meiner Eltern hat es mir sehr gefehlt und Ulrich Becher habe ich deshalb einmal sogar abgebrochen. Inzwischen gibt es von „Kurz nach 4“  aber eine Neuausgabe und die hat eine sehr ausführliche Autorenbiografie.

Aber zurück zu „Stahl und Glas“, „Zwei Erzählungen über den Kommunismus und John Lennon“ und Lieselotte Salzer, die Verlagsleiterin, hat am Dienstag bei der Verlagsvorstellung in der „Gesellschaft für Literatur“, die flotte Sprache der jungen Autorin ausdrücklich hervorgehoben.

Die ist vielleicht nicht ganz so jugendlich hart, wie die von Ekaterina Heider oder so sprachkünstlerisch, wie die von Valerie Fritsch, aber sehr eindrücklich und, um die Gesellschaft und ihre Veränderungen scheint es dabei auch zu gehen.

Der Kommunismus ist wahrscheinlich in beiden Geschichten schon vorbei und das deckt sich auch mit Irene Diwiaks Biografie, in „John Lennon kauft Brot am Roten Platz“ geht es, glaube ich, aber in die Vergangenheit und in die Zeit, wo es die SU noch gegeben hat.

Gehen da doch Gregor, der einmal Gregorij gehießen hat und Valentin in Moskau spazieren und der Erste beginnt den Zweiten, einen Band-Leader oder Plattenproduzenten, nach  Mersey zu fragen. Aber die heißt jetzt wieder Marija, hat einen Oligarchen geheiratet und geht, nachdem ihr Gesicht durch eine Schönheits-OP verpfuscht wurde, nicht mehr aus dem Haus.

Die Beiden gehen zu ihr hin, bestechen den Portier und lassen sich vom chinesischen Hausmädchen zu ihr führen, um von den alten Zeiten, den Beatles,  den Rollingstones und, was immer zu sprechen.

In „Working  Class Heroes“ wird es noch direkter. Da spricht die Ich-Erzählerin, ein Mädchen, findet man nach und nach heraus, von ihrer Beziehung zu Daniel, der so stolz darauf ist, sich seine Schwielen an den Fingern, nicht nur durch Gitarrespielen geholt zu haben und einen roten Stern läßt er sich später auch eintätowieren. Seine Mutter, eine Ärztin, hätte zwar viel lieber, daß ihr Sohn Klavier spielen würde, aber der hat die philosophische Krise oder das Klassenbewußtsein und schreibt so auch in einem Schulaufsatz, daß er “ Weihnachten hasste, dass er Geschenke verabscheute, dass alles nur eine Erfindung der Kapitalisten wäre, die uns mit Konsumgütern berauscht halten wollten, während anderswo die Leute verhungern“.- „Liebe ist kapitalistisch“ steht in der anderen Geschichte.

Die Mutter ist  alleinerziehende Ärztin, mit Namen Beatrice, die nicht „Trixi“ genannt werden will, während, die der Erzählerin Ursula heißt und Krankenschwester war und seit sie arbeitslos ist, im Dachkammerl bei den Weihnachtsdekorationen bei Beatrice und Daniel wohnen darf.

Später schmeißt sie sie heraus, weil sie herausfindet, daß Ursula eine Geldbörse gestohlen hat und die Erzählerin muß das Gym, das sie mit Daniel besuchte auch verlassen und auf eine Gesamtschule gehen. Später findet sie Arbeit in einem Archiv und trifft dort Daniel, der  Chemie studieren wird, bei einem Ferienjob wieder, den er aber hinschmeißt, obwohl er doch so darauf steht, mit der richtigen Arbeit in Berührung zu kommen.

Nun ja, er wird aufsteigen und Karriere machen, während Ursula, die dann Arbeit in einer Putzerei gefunden hat, wo ihre Hände rot von all den Laugen wurden,  sie sich zu Tode hustete und einen Ausschlag bekam, an einem Gehirnschlag, der wie der Arz erleichtertfeststellt, nichts mit den Chemikalien zu tun hat, sterben wird.

So ist es im Kapitalismus und  den globalisierten Zeiten, in denen Irene Diwiak, seit es den Kommunismus und die SU nicht mehr gibt, aufgewachsen ist, ist das noch viel viel ärger mit den Arbeitsbedingungen und den sozialen Unterschieden geworden und wenn Irene Diwiaks  Texte darüber wahrscheinlich nicht wirklich viel verändern werden, kann man doch darüber nachdenken und hat eine neue österreichische Stimme kennengelernt und so bin ich  auch  sehr gespannt mehr über diese Autorin „unter Dreißig“ zu erfahren, die, wie ich dem Netz weiter entnehme, inzwischen ein „Start-Stipendium“ bekommen hat und ihren ersten Roman schreibt.

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