Literaturgefluester

2016-02-08

Kuchlweanerisch

Am Rosenmontag Ludwig Roman Fleischer bei den „Wilden Worten“ und der ist mir ein alter Bekannter, obwohl ich ihm eigentlich , unter die Kärtntner gereiht hätte, ich weiß nicht, wie ich auf diese Idee gekommen bin, wurde er doch 1952 in Wien geboren, wahrscheinlich weil der „Sisyphus-Verlag“ dort beheimatet ist und beim „Bachmannpreis“ hat er auch einmal gewonnen.

Ich habe einige Bücher von ihm gelesen, hörte ihn öfter in der „Alten Schmiede“ und habe auch schon mit ihm gelesen, mehrmals sogar und irgendwie ist der ehemalige Lehrer auch ein Stimmenimitator und Multitalent.

Jetzt also, Roman Ludwig Fleischer verfügt auch über eine breite Buchpalette, „Weanerisch learna“ ist das letzte oder  schon 2012 erschienen, wie ich dem Netz entnehme, es lagen aber  zwei verschiedene Ausgaben am Lesetisch, vielleicht also eine Neuauflage?

CDs waren auch dabei und ich bin leider ein wenig zu spät gekommen, um diesen Umstand zu erfahren.

Als ich die Galerie betrat hat der „Wickadl“, ich würde „Wickerl“ sagen, schon im tiefsten Slang gelesen und das war sehr unterhaltsam, bin ich ja eine, die laut ihrer Mutter immer Hochdeutsch sprechen mußte,  der besseren Aufstiegschancen wegen, wie das früher hieß und deshalb ist das „Wienerische“ vielleicht vom Aussterben bedroht. Der „Wickerl“ oder „Wickadl“ las gerade davon, daß die Leute das nicht mehr verstünden, weil sie im Burgtheater immer von den den Deutschen „Pifkinesisch“ hören und das dann für Hochdeutsch halten, die sogar Nestroy verballhornen.

Das kann man vielleicht für ein bisserl bösartig halten, ich gehe auch kaum ins Burgtheater und der Peymann ist dort  auch nicht mehr  und die heutige „Literatur, Musik & und Kleinkunst-Veranstaltung“ war auch mit „Kuchlweanerisch, Wuchtln und Repetadln“ angekündigt.

Das „Kuchlweanerisch“ kenne ich eher als „Kuchlböhmisch“, zumindest hat Rhea Krcmarova einmal bei einer Studentenlesung solches vorgetragen und was das „Essen und das Trinken“ oder das „papperln“ betrifft, fallen mir noch immer Richard Eybner und sein „Wien wörtlich“ ein. Da hatten wir zu Hause einmal eine Platte.

Roman Ludwig Fleischer ist aber gleich ins Medias Res gegangen und hat von einem Pensionisten gewienert, der immer gerne kochte, als Kind hat er seinen „Weiberleutn“, die nie nie vor vier Uhr fertig wurden, schon die „Schnitzerln“ gebraten, die echten aus Kalb und Fasane, Gulasch, Braterln und anderes wußte das Wunderbubi auch zu praktizieren, nur die Semmelknödel sind ihm schiefgegangen, weil er seiner Schwester ein Eigelb auf die Hauspatschn prackte.

Der hilft nun bei einem Rudl im Gasthaus aus, zu dem auch die Dornbacher Pfarrpartie kommt und dann wird „gepipperlt“ und „gepapperlt“.

Parliert wird auch ordentlich und damit das besser geht, gab es dazwischen immer wieder Grammatiklektionen im „Weanerischen“.

Ludwig Roman Fleischer hat das natürlich anders geschrieben und auch einen Vortrag über die Lautmalerei gehalten. Laut lesen, denn sonst versteht man die Sprache nicht und weil wir gerade in die Fastenzeit gehen, gab es darüber auch sehr viel zu hören.

Von den feinen Fischen, die die Mönche und die Priester in früeren Jahrhunderten zu dieser verzehrten, damit sie nicht vom Fleisch fielen und Rezepte gibt es im dem Büchel, das fünfzehn Euro kostete, wie sich eine Dame gleich erkundigte, auch.

Also sehr spannend das „Kuchelwienerisch“, das vor allem von Ottwald John, der auch im Publikum war, rege diskutiert wurde.

H. C. Artmann hat ja „Mit einer schwarzn Tintn“ gedichtet, aber das war nicht das echte Wearnerisch, sondern die Kunstsprache eines Wiener Gruppenmitlieds und vor kurzem habe ich auch „Wienerisch“ von einem Autor gehört, dessen Buch, wenn ich mich nicht irre, auch bei Sisyphus“ erschienen ist und der, ich verrate es gleich, nächstes Mal bei den „Wilden Worten“ lesen wird.

Der liest, wie Ludwig Roman Fleischer erklärte, zwar im besten Dialekt, verwendet beim Schreiben aber eher die Schriftsprache „Der neiche Frisör hat ihr die letzten Hoar ausgrissen“, wahrscheinlich, damit die Leute das Buch auch kaufen und sich nicht von dem Unverständlichen abnhalten lassen, aber  Thomas Losch hat ja in der „Alten Schmiede“, wie ich mich erinnern kann, auch bedauert, daß die jungen Leute keinen Wiener Dialekt mehr reden.

Richard Weihs tut das noch, aber der wird ja, wie er in seinen „Wunschgedichten“ verkündete, bald sechzig, hat sich doch Margit Heumann, glaube ich, das letzte Mal ein Gedicht mit dem Titel „Richard Weihs“ gewünscht und so las er, dann auch die fünf Gedichte, die das letzte Mal gewünscht worden sind.

Meines war dabei und es  hatte , passend zu meinen „Work in progress, das mir immer noch ein bißchen Sorgen macht, „Transgender zum Thema“, mal sehen, was Richard Weihs da gedichtet hat?

„Paul und Paula sind ein und dieselbe:

Paula trägt ein rotes Seidenkleid,

Paul hingegen eine schwarze Schirmmütze.

Aber die Stöckelschuhe verraten uns,

daß der Paul doch auch eine Paula ist.

Ganz passt das vielleicht nicht, sind es in meinem „Work“ ja doch zwei Personen und da tüftle ich noch immer herum und habe mir jetzt auch ein paar Transgender-Videos angeschaut, um  in die Thematik weiter hineinzukommen und werde das Szenelokal vielleicht „Maribou“ nennen und aus dem „Sigmund Freud Museum“ eine „Burg-Galerie“ machen, um niemanden auf den Schlips zu steigen.

Mal sehen, wie es wird, als ich das letzte Mal bei den „Wilden Worten“ war, war ich gerade mitten beim Schreiben, jetzt bin ich beim Korrigieren und hätte fast vergessen, daß die Präsidentschaftskanditatin  auch eine Dialektautorin ist.

Die war nicht da, dafür aber Ottwald John und der hätte eigentlich gestern zum Geburtstagsfaschingbrunch von Ruth Aspöck kommen sollen, war aber verkühlt.

Ja die Grippe geht um, aber heute waren eine ganze Menge Leute bei Richard Weihs und Ludwig Roman Fleischer. Mal sehen, ob es da  das nächste Mal mehr Wunschgedichte geben wird?

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