Literaturgefluester

2016-02-11

Abbrechen und Aussortieren

Die Fastenzeit hat begonnen und da soll man ja weniger essen, sich vom Alten lösen, leicht und lockerer werden, etcetera.

Da gibt es ja inzwischen viele Auslegungen des alten religiösen Themas, das man vierzig Tage kein Fleisch essen soll, weniger Alkohol und Schokolade wäre vielleicht auch ganz gut und die diesbezügliche Ratgeberliteratur füllt wahrscheinlich auch schon ganze Bibliotheken und da bin ich bei meinem Thema, beziehungsweise bei einem bei der „Klappentexterin“ oder „Buzaldrin“ entdeckten Artikel, über das Ausmisten, beziehungsweise Loslassen von Büchern.

Das ist auch kein  neues Thema, habe ich doch schon vor einigen Jahren darüber geschrieben, als Ö1 von den Billi-Regalen berichteten, die anders produziert werden, weil die Leute sie nicht nur mehr für Bücher verwenden.

Das war noch zu Zeiten, wo über E-Books heiß diskutiert wurde und alle schrieen „Nie, denn ich will, tasten, fühlen, schmecken!“

Jetzt scheint sich das  zu  ändern, denn ich lese bei den Bloggern immer öfter, daß sie sich, wenn auch schweren Herzens, von ihren Büchern zu trennen gelernt haben, hurrah!

Eigentlich habe ich bei Gary Shteyngart, das erste Mal gelesen, daß Bücher „ekelige, stinkige Dinger“ sind und war erstaunt, sehe ich das doch anders, aber der Autor kommt aus Amerika und da ist man ja schon viel weiter und wie ist das bei uns, beziehungsweise bei mir?

Ich habe einen E-Bookreader, der Alfred hat ihn mir vor ein paar Jahren zu Weihnachten geschenkt und es kommen die Bücher darauf, die ich geschickt bekommen, vier im Jahr vielleicht, derzeit und dann habe ich, als ich ihn bekommen habe, von den alten, lizenzfreien, die darauf waren, wie etwa „Der Trotzkopf“, die Klassiker und Charles Dickens „Weihnachtsmärchen“, einige auf meine Leseliste geschrieben und noch nichts davon gelesen.

Denn ich habe ja so viele Bücher, bin eine Büchersammlerin und gehe regelmäßig zu den Bücherschränken und freue mich da sowohl, wenn ich was ganz Altes, beziehungsweise ganz Neues finde.

Ddas hat zur Folge, das ich mir in den letzten Jahren zwei Bücherregale gekauft habe und sich im Wiener Schlafzimmer und im Bad die Bücher stapeln.

Ich sollte mir keine mehr nehmen, schreibe ich öfter, schaffe es aber nicht, denn ich bin eine Sammlerin und habe das, glaube ich, immer getan.

So bin ich als Schulmädchen nur ganz kurz in die öffentlichen Bibliotheken gegangen, denn ich wollte die Bücher haben, um immer nachschauen zu können und kann mich erinnern, daß ich einmal versucht habe ein, ich, glaube, Erika Mitterer-Jugendbuch, abzuschreiben. Weit bin ich nicht damit gekommen. Habe mit dem Büchereien aufgehört und erst jetzt wieder damit angefangen, gelegentlich ausgeborgte Bücher zu lesen.

Erst gestern hat mir Gloria G. John Irivngs „In einer Person“ gebracht. Das geht also auch und die Bücher, die mir gehören, sind nach dem Lesen benützt, denn ich lese vorwiegend in der Badewanne und streiche alles an, damit ich es mir für das Besprechen leichter merken kann und wiederfinde. Taschenbücher schauen nach dem Lesen dann auch oft schon sehr verbogen aus, dennoch würde sich in mir alles sträuben,  Bücher wegzugeben.

Denn Bücher sind für mich, glaube ich, immer schon Schätze und von den flapsigen Sätzen, daß die meisten von ihnen schlecht geschrieben sind oder, daß es so viele schlechte Bücher gibt, halte ich nicht viel, genauso wie ich fast nie ein Buch abbreche, auch wenn es mir nicht „gefällt“ oder ich es nicht verstehe.

Bücher wirft man nicht weg, das ist ein Satz, den ich in der Kindheit wohl, wie auch viele andere gelernt habe, zu dem ich aber stehe und von dem ich mich nicht trennen will.

In zwanzig, dreißig Jahren mögen meine Bücher in den Mist oder wo immer hin landen. Da ein paar davon dann über hundert Jahre alt sind und sehr schöne, zum Beispiel alte DDR-Ausgaben sind, werden sich manche Leute vielleicht freuen und die verbogenen Taschenbücher verschwinden vielleicht zu Recht.

Aber warum sollte ich sie weggeben und mich freuen wenn ich diese Trennung schaffe? Denn dann kann ich sie ja nicht mehr nachschauen, etwas suchen, darin schmökern, etcetera.

Ich weiß schon, daß ich das alles kann, wenn ich nach meinen E-Book, „Kindle“ oder „Tablet“ greife und damit wird ja geworben und junge Leute halten Wohnung mit Bücherregalen vielleicht wirklich schon für überflüssig.

Ich mit meinen zweiundsechzig Jahren nicht und so werde ich meine Fastenzeit damit verbringen, am Aschermittwoch einen Heringsalat zu essen und die überflüssigen Kilo loszuwerden, kann ja auch nicht schaden.

Bücher sind für mich Wertgegenstände, auch wenn ich, inzwischen begrifen habe, daß es wirklich sehr viele gibt. Zu viele? Ja, weil ich nicht alle lesen kann. Nein, weil ich finde, daß jeder, der es will, schreiben sollte.

Und man überlebt ja auch immer wieder Überraschungen, wenn man versucht einzukasteln und einzuschränken, um die Übersicht nicht zu verlieren. So habe ich mich am Dienstag beispielsweise gewundert, daß heute noch Romane mit  klassischen längst bekannten Metaphern und Mustern geschrieben und verlegt werden oder John Irvin eigentlich für einen routinierten Mainstreamschriftsteller gehalten über den die Kritiker die Nase rümpfen.

Es gibt sehr kritische Kritiker, die sind von ihm begeistert und halten „In einer Person“ für den besten Roman. Wenn ich das vorher aussortiere, würde ich das nie erfahren.

Aber natürlich ist der Wohnraum begrenzt und ich verliere bei meinen vielen Büchern auch schon allmählich die Übersicht, bin an sich eine, die das Leben ohne Geld und den Konsumverzicht propagiert, aber auch eine Büchersammlerin, wenn ich auch nicht zum Normalpreis kaufe.

Interessant ist auch, daß die, die sich gerade darin üben, ihre Bücher loszulassen, sie vermehrt in Mülltonnen und nicht in die offenen Bücherschränke stellen oder sie an gemeinnützige Vereine übergeben.

Daß das Verkaufen nicht wirklich funktioniert, habe ich mir auch schon gedacht, obwohl man immer von den Leuten hört, die angeblich die Bücherschränke kistenweise leeren, um das große Geschäft zu machen.

Ich habe schon Bücher darin gefunden, wo ich dachte, da war vor mir ein Antiquariar da und hat seine unverkäufliche Ladung abgeliefert und das wird auch in dem zitierten Artikel erwähnt, beziehungsweise habe ich einmal gehört, daß Antiquare nur mehr Erstausgaben nehmen.

Bücher kosten  im Ladenpreis mit der Buchpreisbindung zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Euro im Hardcover und über zehn, glaube ich, als Taschenbuch. Ein paar Wochen später sind sie aber, glaube ich, schon abschreibbar und oft landen sie dann bald  auf die Flohmärkte oder in die Abverkaufskisten, woraus ich sie dann nehme.

Es ist also ein vielschichtiges Problem, wenn man das so nennen will, denn eigentlich ist es kein Problem, sondern schön, daß es soviele Bücher gibt, soviele Bücher schreiben und wenn die Leute, die jetzt einen E-Bookreader verwenden, sie aussortieren, um sich von der Last zu erleichtern und weniger Staub in ihrer Wohnung zu haben, ist das auch in Ordnung.

Ich würde trotzdem die offenen Bücherschränke, nicht die Mülltonnen empfehlen, wenn ich auch weiß, daß manche gelesene Bücher  nicht mehr so schön ausschauen und das Meiste was die Leute lesen Krimis oder ChickLits sind und Hand aufs Herz soviele Klassikerausgaben werden wohl auch nicht gelesen. Ich persönlich tue mir damit auch recht schwer.

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