Literaturgefluester

2016-02-22

Stahl und Glas

Jetzt kommt der Erzählband, der jüngste Autorin, der „Edition Taschenspiel“, der 1991 in Graz geborenen Irene Diwiak, die in Wien Slawistik und Judaistik studiert oder studiere und 2013 den „Fm4-Preis“ gewonnen hat.

Das habe ich aus dem Netz, denn in dem zweiundfünfzig Seiten starken Bändchen gibt es leider, was ich sehr sehr schade finde und auch die Qualität der Reihe meiner Meinung nach, vermindet, weder biografische Angaben, noch einen Beschreibungstext am Buchrücken.

Dabei wendet sich die Reihe doch an den eiligen Leser und will ihm die österreichische Gegenwartsliteratur nahebringen und, ob der sich die Zeit nimmt, bei Google nachzuschauen, was man dort über Irene Diwiak oder die anderen „Taschenspiel-Autoren“ findet?

Inzwischen ist das, glaube ich, auch allgemein üblich, bei den „Büchergilde-Gutenberg-Ausgaben“ im Bücherkasten meiner Eltern hat es mir sehr gefehlt und Ulrich Becher habe ich deshalb einmal sogar abgebrochen. Inzwischen gibt es von „Kurz nach 4“  aber eine Neuausgabe und die hat eine sehr ausführliche Autorenbiografie.

Aber zurück zu „Stahl und Glas“, „Zwei Erzählungen über den Kommunismus und John Lennon“ und Lieselotte Salzer, die Verlagsleiterin, hat am Dienstag bei der Verlagsvorstellung in der „Gesellschaft für Literatur“, die flotte Sprache der jungen Autorin ausdrücklich hervorgehoben.

Die ist vielleicht nicht ganz so jugendlich hart, wie die von Ekaterina Heider oder so sprachkünstlerisch, wie die von Valerie Fritsch, aber sehr eindrücklich und, um die Gesellschaft und ihre Veränderungen scheint es dabei auch zu gehen.

Der Kommunismus ist wahrscheinlich in beiden Geschichten schon vorbei und das deckt sich auch mit Irene Diwiaks Biografie, in „John Lennon kauft Brot am Roten Platz“ geht es, glaube ich, aber in die Vergangenheit und in die Zeit, wo es die SU noch gegeben hat.

Gehen da doch Gregor, der einmal Gregorij gehießen hat und Valentin in Moskau spazieren und der Erste beginnt den Zweiten, einen Band-Leader oder Plattenproduzenten, nach  Mersey zu fragen. Aber die heißt jetzt wieder Marija, hat einen Oligarchen geheiratet und geht, nachdem ihr Gesicht durch eine Schönheits-OP verpfuscht wurde, nicht mehr aus dem Haus.

Die Beiden gehen zu ihr hin, bestechen den Portier und lassen sich vom chinesischen Hausmädchen zu ihr führen, um von den alten Zeiten, den Beatles,  den Rollingstones und, was immer zu sprechen.

In „Working  Class Heroes“ wird es noch direkter. Da spricht die Ich-Erzählerin, ein Mädchen, findet man nach und nach heraus, von ihrer Beziehung zu Daniel, der so stolz darauf ist, sich seine Schwielen an den Fingern, nicht nur durch Gitarrespielen geholt zu haben und einen roten Stern läßt er sich später auch eintätowieren. Seine Mutter, eine Ärztin, hätte zwar viel lieber, daß ihr Sohn Klavier spielen würde, aber der hat die philosophische Krise oder das Klassenbewußtsein und schreibt so auch in einem Schulaufsatz, daß er “ Weihnachten hasste, dass er Geschenke verabscheute, dass alles nur eine Erfindung der Kapitalisten wäre, die uns mit Konsumgütern berauscht halten wollten, während anderswo die Leute verhungern“.- „Liebe ist kapitalistisch“ steht in der anderen Geschichte.

Die Mutter ist  alleinerziehende Ärztin, mit Namen Beatrice, die nicht „Trixi“ genannt werden will, während, die der Erzählerin Ursula heißt und Krankenschwester war und seit sie arbeitslos ist, im Dachkammerl bei den Weihnachtsdekorationen bei Beatrice und Daniel wohnen darf.

Später schmeißt sie sie heraus, weil sie herausfindet, daß Ursula eine Geldbörse gestohlen hat und die Erzählerin muß das Gym, das sie mit Daniel besuchte auch verlassen und auf eine Gesamtschule gehen. Später findet sie Arbeit in einem Archiv und trifft dort Daniel, der  Chemie studieren wird, bei einem Ferienjob wieder, den er aber hinschmeißt, obwohl er doch so darauf steht, mit der richtigen Arbeit in Berührung zu kommen.

Nun ja, er wird aufsteigen und Karriere machen, während Ursula, die dann Arbeit in einer Putzerei gefunden hat, wo ihre Hände rot von all den Laugen wurden,  sie sich zu Tode hustete und einen Ausschlag bekam, an einem Gehirnschlag, der wie der Arz erleichtertfeststellt, nichts mit den Chemikalien zu tun hat, sterben wird.

So ist es im Kapitalismus und  den globalisierten Zeiten, in denen Irene Diwiak, seit es den Kommunismus und die SU nicht mehr gibt, aufgewachsen ist, ist das noch viel viel ärger mit den Arbeitsbedingungen und den sozialen Unterschieden geworden und wenn Irene Diwiaks  Texte darüber wahrscheinlich nicht wirklich viel verändern werden, kann man doch darüber nachdenken und hat eine neue österreichische Stimme kennengelernt und so bin ich  auch  sehr gespannt mehr über diese Autorin „unter Dreißig“ zu erfahren, die, wie ich dem Netz weiter entnehme, inzwischen ein „Start-Stipendium“ bekommen hat und ihren ersten Roman schreibt.

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