Literaturgefluester

2016-02-24

Israelische und palästinesische Spannungsfelder und Konflikte

Norbert Gstrein hat einen neuen Roman geschrieben „In der freien Welt“, der gerade erst erschienen ist und der heute Morgen im Morgenjournal vorgestellt und wahrscheinlich angekündigt wurde, daß daraus am Abend in der „Alten Schmiede“ gelesen wird. Das habe ich zwar ein wenig verschlafen, mir aber gedacht, daß ich früher hingehen soll, weil vielleicht viele Leute kommen werden. War aber nicht so, ein Platz in der ersten Reihe war jedenfalls noch frei und Kurt Neumann leitete, das neue Buch dann lange und umständlich ein.

Daß es um den israelisch palästinenischen Konflikt, beziehungsweise die Kriege dort, geht, habe ich schon im Morgenjournal mitbekommen und auch gewußt, daß der 1961 in Tirol geborene Norbert Gstrein, bekannt für seine provokanten Themen, beziehungsweise Spannungsfelder ist, so hat er auch über den Jugoslawienkrieg geschreiben und wurde, glaube ich „Beim Handwerk des Tötens“ angegriffen, daß man so nicht über den Krieg schreiben darf, hat über das Haus „Suhrkamp“ einen Schlüßelroman geschreiben, den ich mit Vergnügen gelesen habe, seine ersten beiden Bücher waren, glaube ich, experimentell und bei „Selbstportrait mit einer Toten“ geht es, glaube ich, um den Wiener Literaturbetrieb, mit „Eine Ahnung vom Anfang“ ist er auf LL von 2013 gestanden und den „Wildganspreis“ hat er auch bekommen.

Ich habe einiges von ihm gelesen, die „Englischen Jahre“, wo ich auch einmal bei einer Lesung im Literaturhaus war, stehen auf meiner Leseliste und jetzt also der israelisch-palästinensiche Konflikt.

So ganz habe ich bei der Einleitung von Kurt Neumann nicht ganz verstanden, worum es in dem Buch geht, er erzählte jedenfalls von einem amerikanischen Schriftsteller namens John, der Jack gerufen wird, der, Sohn einer jüdischen Mutter, um etwas Nützliches zu tun, nach Israel zuerst in den Kibuz und dann in die Army geht, danach in Amerika verkommt, trinkt, im Untergrund lebt und einen anderen österreichischen Schriftsteller namens Hugo kennenlernt.

Ein Festival in Gmunden gibt es auch und Hugo schreibt einen Schlüßelroman. Der eine hat dem anderen eine Freundin weggekommen, deshalb sind sie Freunde geworden, sagte Kurt Neumann. Da kannte ich mich schon nicht mehr recht aus, daß John bei einem Attentat ums Leben kam und Hugo über ihm schreiben wird, hat er auch erwähnt und noch hinzugefügt, daß er jetzt auf etwas vergessen hätte, da hat ihm das Publikum unterbrochen und gesagt, daß sie das selber lesen wollen.

Ja, ja, das Spoilern, was ich ja auch so gern betreibe, gilt als  inzwischen als Unart und „Amazon“ streicht, glaube ich, solche Kritiken hinaus, Kurt Neumann hat sich aber nicht unterbrechen lassen, weil Norbert Gstrein aus dem zweiten oder dritten Kapitel seines Buches lesen wollte, das aus drei Kapiteln und einen Epilog besteht und dann würde man es nicht mehr verstehen.

Norbert Gstrein hat dann auch ziemlich hinten mit einer Stelle, wo John, dem Hugo sagt, daß er alles über ihm, aber ein gutes Buch schreiben soll, denn was hat er davon, wenn er ein Held ist und das Buch ist schlecht und sich dann etwas nach vorn und wieder zurück gelesen.

Eine Stelle, wo Hugo in Amerika in eine Buchhandlung kommt und einen Nachruf auf den toten Freund halten soll und da von einem nackten drogensüchtigen Mädchen erzählt, das er gerettet hat und das  später die jüngste Physik Profesorin von Tel Aviv wird und dann noch eine Stelle, wo Hugo nach Israel fliegt und im Flugzeug von einer pensionierten Lehrerin angesprochen wird, die ihm erzählt, daß sie leider keine Jüdin wäre, aber gern und oft nach Isreal fliegt, worauf er ihr erzählt, daß er ein Eisverkäufer wäre, der den Israelis besondere Sorten andrehen will.

Nachher hätte es laut Programm eine Gespräch zwischen Norbert Gstrein und Kurt Neumann geben sollen, der war aber vielleicht  beleidigt, jedenfalls hat er das Wort an das Publikum weiter gegeben und seltsamerweise haben sich mehrere Damen, darunter Evely Holloway gemeldet den Autor angegrifen, warum die Frauen bei ihm so schlecht wegkämen und warum er meint, daß die jungen Leute glauben, alle Juden umarmen zu müßen, um die Schuld ihrer Väter und Großväter gutzumachen, worüber sich Gstrein, glaube ich, lustig machte.

Auch, daß sich John für seine Schwäche schämt und stark sein will, um sich zu wehren, wurde kritisiert, was mir aber ebenso logisch, wie Norbert Gestrein erscheint, der mit den Angriffen erstaunlich locker umzugehen wußte, da habe ich bei Daniel Kehlmann ja schon einmal etwas anderes erlebt und auf die Frage, wieviel er für das Buch recherchierte, erzählte, daß er einen Schriftsteller und einen Journalisten als Berater gehabt hätte, die in dem Buch auch vorkämen und, daß er nicht unbedingt von dem israel palästinensichen Konflikt schreiben hätte wolle, sondern daß sich das im Lauf des Schreibens so ergeben hätte.

Er las dann noch ein Stück, nämlich von einer Literaturveranstalterin in Bad Ischl, die unbedingt Philip Roth zu ihren Lesungen einladen will, der aber ablehnte, weil er nicht in Deutschland oder Österreich lesen beziehungsweise von ihr umarmt werden will.

Ein spannender Roman und eine  interessante Lesung, denke ich, die ich bezüglich Norbert Gstrein bisher vielleicht ein wenig skeptisch war, spannend auch, ob ich das Buch einmal finden werde und ob es auf die neue LL kommt, aber ich habe ja noch die „Englischen Jahre“ und auch einiges andere zu lesen.

Das Buch passt auch sehr gut zu der gestrigen Veranstaltung, denn ich interessiere mich ja sehr für den Holocaust und die Zeitgeschichte, obwohl ich keine Schuldgefühle habe und eigentlich nicht so viel umarmen will.

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