Literaturgefluester

2016-02-27

Wolkenreisen

Vier liebenswerte „Gespenstergeschichten“ der 1921 geborenen Märchenerzählerin Inge Maria Grimm aus der „Edition Taschenspiel“. Das Letztere habe ich wieder ergooglet, denn in der sonst so interessanten Books to go-Edition, die einen wahrhaft weiten Bogen durch die österreichische Gegenwartsliteratur spannt, fehlen zu meinem Bedauern  die biografischen Angaben,  weiß  aber jetzt, daß die alte Dame Kinder- und Jugendbuchautorin ist und im österreichischen Rundfunk, der einmal RAVAG hieß, als Sprecherin gearbeitet hat.

„Vom Traummännchen“ hat Lieselotte Stalzer in der „Gesellschaft für Literatur“ glaube ich, etwas erwähnt und daran kann ich mich auch erinnern. Es gibt aber außer dem „Wikipediaeintrag“ auch eine nicht mehr ganz aktuelle Homepage, auf der man sich weiter informieren kann und als ich da, am vorigen Dienstag, als ich von der Herrengasse nach Hause kam, nachgeschaut habe, war ich zuerst etwas enttäuscht, daß ich mir dieses Buch ausgesucht habe und die bekannten Namen, wie Erika Kronabitter, Petra Ganglbauer, Hanno Millesi, Sophie Reyer, etcetera ausgelassen habe, denn so „besonderns literarisch“ werden die Geschichten einer über neunzigjährigen „Märchentante“ nicht sein, habe ich etwas überheblich gedacht und mich geirrt, denn die vier „Gespenstergeschichten“, wie ich sie nennen will, sind absolut interessant und wenn ich mich nicht irre, wahrscheinlich in den Fünziger oder Sechzigerjahren geschrieben, denn sie haben diesen Ton, der mich ein bißchen an Elisabeth Gürt erinnert, denn ich lese ja auch gerne Chick Lit aus der ersten oder zweiten Hälfte des vorigen Jahrhundert und im charmanten Ton lernt man in den vier Geschichten halb Europa kennen und erfährt auch viel Historisches dabei.

Die erste „Marmor aus Carrara“ führt auch ein bißchen in das Krimigenre oder nach Italien, denn dorthin reist, wie sie sich vorstellt, die junge Ich-Erzählerin mit ihrer amerikanischen Freundin Liz. Es ist alles bestens, die Spaghetti liegen auf dem Teller, der Wein schmeckt gut und ein alter Herr, schickt die Beiden, die wenig Geld haben, in die „Villa  La Ninfea“, wo es einen Conte, seine Frau und eine Haushälterin gibt und ein paar Zimmer vermietet werden.

„Aber Achtung, es spukt!“, warnt der alte Italiener noch, die Haushälterin sagt  dasselbe und Nächtens hört man Harfentöne und am Morgen wandert die Contessa, schlampig gekleidet mit einem Hahn zu einem Brunnen und streichelt traurig die Figur deren Hände abgebrochen ist.

Sie war eine berühmte Bildhauerin, erzählt die Haushälterin, durch einen Autounfall, den der Graf verschuldet hat, wurde ihr Arm gebrochen, jetzt ist sie ein bißchen wirr im Kopf, die Harfentöne klingen weiter. Die Urlaubswoche vergeht und dreißig Jahre später kommt die Erzählerin noch einmal dorthin und erfährt, daß die arme Gräfin im Steinbruch mit dem berühmten Marmor verschwunden ist.

Daß es sich wirklich um Gespenstergeschichten handelt, habe ich erst bei „Rendezvous im Untergrund“ bemerkt, denn da geht es nach London in das U-Bahnnetz und da kommt schon der schwarze Charlie, der U- Bahn Geist heraufgestiegen, um einer schönen Dame mit lila Hütchen zu helfen, die sich  als die „Metro-Madleine“ aus Paris entpuppt, die hergekommen ist, um sich mit dem tschechischen Kollegen, einem Stümper, wie Charlie unkt, da er ja erst drei Linien hat und mit der Baba Jaga aus Moskau zutreffen, vor der der Charlie dann entflieht, da er mit der schon schlechte Erfahrungen machte.

Die dritte Geschichte führt in den Musikvereinssaal und sie ist es auch, die mich an Elisabeth Gürt erinnert, da will ein junger Mann, obwohl Fasching ist, in ein Konzert und nicht mit seiner Freundin Lieselostte auf eine Maskerade und was passiert? Während er Beethoven hört und sich auf den Bolero freut, zwinkern ihm die „goldenen Mädchen“, die Säulenstüzen zu und holen ihn dann noch im Stadtpark ein, wo der liebe Auugstin aufspielt, Johann Strauß geigt und auch noch zwei Stelenkollegen aus Antwerpen, die  Wiener Kolleginnen, besuchen kommen.

Am Schluß geht es  nach Prag, in das unterirdische Gemäuer und zu den Geheimwegen, die vom Hradschin  bis in die Niklasgasse führen. Die will ein Schulbub durchqueren und hat ein paar seltsame Begegnungen dabei.

Köstlich, köstlich, die Geschichten der Märchenerzählerin, die ihre Texte, wie  „Wikipedia“ verrät „mit Elementen der Gegenwart zu verbinden weiß“ und weil trotz der Europabezüge, das Ganze einen unverkennbar Wienerischen Ton hat, wahrscheinlich  das ideale Mitbrinsel für deutschsprachige Freunde oder als Souvenier für solche Touristen geeignet.

Dann sollte das Büchlein aber in einer zweiten Auflage aber um die biografische Angaben ergänzt werden, weil man in Hamburg, Berlin und Zürich vielleicht noch weniger den Namen Inge-Maria Grimm kennen wird, obwohl die, wie auf ihrer Homepage steht „eine Nachfahrin der Gebrüder Grimm ist“.

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