Literaturgefluester

2016-02-21

Eine Dame von Welt

Von der Reichstumsschriftkammer und dem Biedermeier komme ich nun ins neunzehnte  Jahrhundert und zu einem amerikanisch-britischen Schriftsteller, in New York geboren, in England vor fast genau hundert Jahren gestorben, nämlich Henry James, der zu diesem Anlaß für den deutschen Raum entdeckt und wieder oder neu aufgelegt zu werden scheint.

So hat der „Schweizer Literaturclub“ seine Dezembersendung seinem Roman „Die Europäer“ gewidmet, der mit den „Gesandten“ derzeit bei Anna Jeller im Schaufenster liegt. „Jung und Jung“, hat die von Walter Kappacher übersetzte Erzählung „Die mittleren Jahre“ herausgebracht und „Aufbau“, der mich seit Herbst ein bißchen in seine Neuerscheinungen schnuppern läßt, hat mir die, im Jänner erschienenen Salonerzählung „Eine Dame von Welt“ zugeschickt.

Soviele Neuerscheinungen von einem 1843 erschienenen Schriftsteller, der für mich bisher eher unbekannt war, erscheint mir eher ungewöhnlich und ich finde es auch spannend, die Hintergründe für die plötzliche „Jamesmanomie“ herauszufinden.

„Dieser Schriftsteller wird Sie nicht mehr aus seinen Fängen lassen, sobald Sie eine Zeile von ihm gelesen haben!“, steht auch am Rücken des kleinen gelben Büchleins.

Ich muß feststellen, für mich trifft das nicht zu und auch im „Literaturclub“ waren die Meinungen zweigeteilt. Einige waren begeistert von dem alten Herrn, der so  vortrefflich Charaktere beschreiben kann. Elke Heidenreich hat dagegen eher das Korsett und den Staub erwähnt, den sie beim Lesen verspürte und ich kann mich erinnern, das erste Mal von Louise Doughty den Namen Henry James gehört zu haben, als ich mich in ihr Projekt „Ein Roman in einem Jahr“ eingelesen habe, und sie war eher auch nicht begeistert.

Worum geht es in dem Buch und wahrscheinlich, wenn ich es richtig verstanden habe, überhaupt in dem Werk des Dichters, der ein Zeitgenosse von Melville und Charles Dickens war?

Um die Unterschiede der Amerikaner und der Europäer habe ich verstanden und die Geschichte beginnt in Paris, in einem Theater, wo zwei Amerikaner mit dem Feldstecher in die Logen schauen und dort von dem Anblick einer weißgekleideten Dame gefesselt werden.

„Ist sie ehrbar?“, lautet die Frage des einen an den anderen und in dem Stück, das sie gerade sehen, geht es auch darum. Da will einer heiraten, fragt einen Freund nach der Ehrbarkeit der Braut und dieser verneint, denn sie war einmal seine Geliebte.

Mister Littlemore, der Gesandte, verneint auch, denn er hat die Dame, Missis  Headway oder Nancy Beck, wie sie früher hieß, auf einer Veranda in San Diego, New Mexiko, wie es in dem Buch heißt, kennengelernt und war  für das späte Neunzehntejahrhundert ungewöhnlich, vier oder fünfmal geschieden oder verwitwet und  scheint auch sonst Beziehungen zu Männern gehabt zu haben.

Jetzt ist sie aber zu Geld gekommen und befindet sich an der Seite von Sir Arthur Demesne, der sie heiraten will. Nichts destotrotz lädt sie die beiden Amerikaner in ihr Hotelzimmer ein und erzählt ihnen, daß sie von der europäischen Gesellschaft aufgenommen werden will.

Die Amerikanische hat ihr das versagt, jetzt will sie in die ersten europäischen Häuser und verlangt von ihrem Bräutigam, den sie gar nicht gut behandelt, daß er seine Mutter, die auf den Weg nach Cannes, wo sie den Winter verbringen will, ein paar Tage in Paris Station macht, daß sie zu ihr kommen soll. Die kommt auch und wird wieder nicht sehr gut von der schönen Nancy behandelt. Dann geht es in das Landhaus der Demesnes, nach England und dort will die Mutter von den beiden Amerikanner auch wissen, ob es sich bei ihr, um eine ehrbare Frau handelt, die man heiraten kann?

Sie ist es offenbar nicht und Mister Littlemore würde sie auch nicht heiraten wollen, erklärt der Lady und dem Bräutigam aber, daß sie es ist und das Schicksal nimmt seinen Lauf, beziehungsweise wird die Ehe vielleicht bald wieder geschieden werden.

Für mich ehrlich gesagt, ein wenig schwer verständlich und weit hergeholt, einmal das neunzehnte Jahrhundert, dann die erste englische Gesellschaftschicht, etwas, was, wie ich meine, in Zeiten, wie diesen nicht mehr sehr so sehr interessiert, daß es mich fesseln würde.

Ich würde das Ganze auch eher, als Satire verstehen und dem guten Sir raten, die Hände von der Kokotte, die auch noch  einen Verfolgungswahn haben dürfte, sich von allen bespitzelt fühlt und, die Lady  als Hexe beschimpft, zu lassen. Warum George Littlemore  lügt oder schweigt, habe ich nicht ganz verstanden, halte es aber auch nicht für so  oder ähnlich wichtig, wie Richard Lugners neue Ehe oder das Seitenblicke TV.

Dagegen interessiert mich vielleicht auch die Frage, warum Henry James plötzlich in aller Munde ist, denn Emile Zola, oder John Galsworthy, von dem ich übrigens eine Menge Bücher in den Schränken gefunden habe, wird jetzt  auch nicht neu aufgelegt?

Ich bin auch gespannt, wie die Blogger auf Henry James reagieren werden. Die „Klappentexterin“ hat ja schon angedeutet, daß sie ihn demnächst lesen wird und mir ist noch ein Roman von Hedwig Courths-Mahler eingefallen, die ich ja einmal sehr begeistert gelesen habe und die ich trotz ihrer sehr verqueren Moralvorstellungen, für eine hervorragende Beschreiberin des Berliner Gesellschaftsleben des frühen zwanzigsten Jahrhunderts halte, der ein ähnliches Thema, wie ich finde, packender behandelt hat.

„Käthes Ring“ heißt er, glaube ich und da liebt ein armes Mündel, den Sohn des Hauses, der ist aber in eine schöne Schauspielerin verknallt und heiratet sie gegen des Willen des Vaters, der  den vorigen Liebhabern, der Dame dieselbe  Frage stellt und die antworten „Um Gottes Willen, so etwas heiratet man doch nicht!“ und schicken die Rechnungen der Pelzmäntel oder Kleider, die sie ihr kauften.

Die Gesellschaft hat sich aber verwandelt und heute muß man  nicht mehr so „ehrbar“, wie vor hundertfünfzig Jahren sein. Spannend aber trotzdem, daß die Dame so oft geschieden war, dachte ich doch, das ging im neunzehnten Jahrhundert nicht.

In einer Rezension habe ich gelesen, daß es sich um das England von Jane Austen handelt und von der habe ich ja demnächst ein Buch auf meiner Liste und einen diesbezüglichen Dating-Ratgeber vor kurzem gelesen.

 

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2016-02-20

Sein Leben ein Traum

Jetzt kommt etwas ganz Altes aus dem Bücherschrank, der in der Bücherbilde Gutenberg“ erschienene „Grillparzer Roman“ von Friedrich Schreyvogl, des Großneffens von Joseph Schreyvogel, der 1899 in Wien geboren wurde, ein katholischer Dichter war, 1933 vom Pen-Club in die illegale NDSAP eintrat, dort in der Reichstumschriftkammer tätig war, sich nach 1945 wieder auf seine Katholizität besann und bis zu seinem Tod 1976 in Wien im literarischen Leben aktiv tätig war. Er hat auch ein Ehrengarab am Zentralfriedhof und gilt wie ich „Wikipedia“ entnehme „als wendiger, schnell und vielschreibender Literat.“

So gibt es auch eine lange Werkliste und einige Grillparzer-Bücher sind dabei.

Mein Buch hat das Copyright 1940 aus dem „Zsonay-Verlag“ und ich habe es schon vor einiger Zeit gefunden und auf die Leseliste gesetzt, nachdem ich Ruth Aspöcks „Reisen mit Grillparzer“ gelesen habe.

Ich bin ja kein so besonderer Fan des österreichischen Nationaldichters, gehe auch nicht mehr viel ins Theater.

„Weh dem der lügt“, hat mich aber sehr beeindruckt und als ich als Hauptschülerin von der städtischen Bücherei mit einer Grillparzer-Gesamtausgabe nach Hause kam, habe ich sie glaube ich, auch ziemlich ungelesen wieder zurückgebracht.

Trotzdem sehr interessant den 1940 geschriebenen Roman mit all dem historischen Wissen, das man inzwischen hat, zu lesen, er  ist noch in der alten Schrift, die aber relativ leicht zu lesen ist und beginnt auf einem Schloß bei einem Grafen, wo der junge Grillparzer nach seinem Jusstudium Hofmeister war.

Der Graf jagt ihm bei Regen auf einen offenen Wagen zu einer Kirche, der Fieberwahn oder ode ersten Dichterphantasien wieder, später treffen wir ihn dann in Wien, wo er als Konzipient gearbeitet hat und ein Freund die ersten Verse entdeckt, die werden Joseph Schreyvogel, der damals Burgtheaterdirektor war zugespielt und der Aufstieg beginnt.

„Die Ahnfrau“ im „Theater an der Wien“, die den jungen Dichter sofort berühmt machen und während er an der „Sappho“ schreibt, erhängt sich die Mutter, der Bruder bringt sich um und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

„Medea“ wird geschrieben und Grillparzer lernt in einem Salon Kathi Fröhlich kennen, die jüngste von vier Schwestern, die ihr von ihrem Unheil erzählt, weil ihre Mutter mit den Kindern jeden Tag auf den Friedhof geht, um dort den toten Bruder zu besuchen, so daß die kleinen Mädchen, den als Spielplatz benützten.

Die großgewordene Kathi geht mit Grillparzer und Franz Schubert in den Weinbergen spazieren und dann auf den Grinzinger Friedhof und Schreyvogel deutet an, daß sie vielleicht deshalb die ewige Braut geblieben ist, weil es in ihrem Zimmer, als er sie besuchen wollte, so unaufgeräumt war und sie dann noch aus Trotz einen Hausschuh einfach unters Bett beförderte, während der zweite schon im Bett versteckt war.

Grillparzer, der schon an seinen „König Ottokar“ denkt, will sich, um sich ganz der Dichtung zu widmen auch aus dem Staatsdienst entfernen, ein hellsichtiger Minister hindert ihn daran, denn man braucht ja die Wurzeln, wenn der Geist in die Höhe fließen wird.

Er soll auch für Beethoven ein Libretti schreiben, entscheidet sich für die „Schöne Melusine“, die aber von dem tauben Titanen nie komponiert werden wird.

So trifft er sich mit Gleichgesinnten im „Ludmannsbund“, gerät dabei mit der Zensur in Schwierigkeiten und geht auf große Deutschlandreise, besucht in Berlin Hegel und in Weimar nimmt sich der doppelt so alte Goethe sogar einen ganzen Tag für ihn Zeit.

Beethoven stirbt und eine mögliche Geliebte, eine andere heiratet, war Grillparzer wirklich so ein Frauenheld, aber der verknöcherte Hofarchivdirektor, wie wir ihn von den Bildern kennen, wird einmal jung gewesen sein und in dem Biedermeier-Wien sehr beliebt.

„Ein treuer Diener seines Herrn“ wird geschrieben, „Des Meeres und der Liebe Wellen“ und, daß es an der Zeit ist, sich an „Ein Traum ein Leben“ heranzuwagen, daran erinnert ihn, ein bei einer Kur in Gastein gekaufter schwarzer Stock.

Die deutschen Dichter Heinrich Laube und Karl Gutzkow kommen nach Wien und besuchen den „Blauen Stern“, wo Nikolaus von Lenau, Grillparzer und andere Dichtergrößen ihren Stammtisch haben, dann geht es auf die von der Ruth beschriebenen Reisen nach England und Frankreich, wo Grillparzer in Paris im Palais Rothschild mit den Meistern Meyerbeer und Rossini zu Abend essen wird. Das der letztere ein Feinspitz ist, weiß ich von einem Kochbuch, das ich einmal geschenkt bekommen habe. Bei Rothschild darf der den Champagner goustieren und erkennt den Jahrgang am Geschmack, dafür komponiert er nicht mehr und Grillparzer soll auch bald in die Krise kommen, taucht doch plötzlich ein bisher unerwähnter Bruder auf, den er im Gefängnis in Linz begeben hat, denn der „wahnsinnige“ Zollbeamte, hat einen Mord gestanden, der nur in seinen Träumen geschah und Bruder Franz, jetzt Vierzigjährig schreibt „Weh dem der lügt“ und wird dafür im Burgtheater ausgepfiffen.

Es geht mit dem Schiff auf der Donau bis nach Konstantinopel. Erwin Riss hat darüber, glaube ich, ein Hörspiel gemacht und Ruth Aspöck ist ihm nachgefahren und zum dreiundfünfzigsten Geburtstag gibts für den ersten österreichischen Dichter ein großes Fest in der „Concordia“. Waldmüller hat dazu ein Portrait gemacht und dann kommt die Revolution.

Für ein Gedicht auf Feldmarschall Radetztky bekommt Grillparzer eine große Ehrrung, aber kein Geld und die Excellenzen bemühen sich in den vierten Stock des Hauses, in der die Wohnung der Schwestern Fröhlich liegt, in der Grillparzer ein Zimmer gemietet hat.

Die letzten Theaterstücke scheint er nur mehr für sich selbst geschrieben zu haben,  die Ehrungen und die Stürze kommen und im einundachtzigsten Lebensjahr, stirbt der grantige Herr Hofrat an Alterschwäche. Vorher hat ihn noch die Schauspielerin Charlotte Wolter besucht, ins Burgtheater, wo Heinrich Laube Direktor wurde, ist er dann nicht mehr gegangen.

Und so sind wir mit dem wendigen Dichter in sehr anschaulichen Bildern und vielen Wetterschilderungen in achtzehn Kapiteln und drei Teilen auf vierhundertfünfzig Seiten, durch Grillparzers Leben gegangen und haben seine Träume kennengelernt.

Friedrich Schreyvogl hat auch an der Herausgabe der Grillparzer Gesamtwerke mitgearbeitet und von seinem Großonkel vielleicht auch einiges an Wissen gehabt.

2016-02-19

Lyrische Texvorstellungen

Der 1972 geborene Michael Hammerschmid, der 2009 den Priessnitzpreis,  2015 den Heimrad Bäcker-Förderpreis bekommen hat und  in der „Alten Schmiede“ einige Lyrikfestivals organisierte, ist ein sehr lyrischer Mensch, dementsprechend waren die von ihm am Donnerstag moderierten „Texvorstellunge“n, auch drei Lyrikern, nämlich  Gregor M. Lepka, Ute Eisinger und Rene Steiniger gewidmet und trug das schöne Motto „Bilder, Tiere, Ding und Sprache“.

Ich wundere mich ja manchmal bei den „Textvorstellungen“ über die Motti, beziehungsweise stelle ich fest, daß es eigentlich keinen roten Faden zwischen den Texten gibt und die auch nicht sehr zusammenpassen.

Diesmal war es, Zufall oder nicht, anders, denn der Gedichtband des 1936 in Salzburg geborenen Gregor M. Lepka, den ich von den GAV-Generalversammlung, wo er regelmäßig mit seiner Frau Waltraud Seidelhofer teilnimmt, sehr gut kenne, „Die Sicht auf die Dinge“ besteht zu einem großen Teil aus einem Bildzyklus, die er für eine Ausstellungseröffnung eines Museums geschrieben hat und der bei „Arovell“ erschienene Band, der 1964 in Mistelbach geborenen Ute Eisinger, die ich kennenlernte, als ich 1996 in der Jury für das BUMUK-Nachwuchsstipendium war und dann noch einmal bei einer Lesung, ich glaube, auch in der „Alten Schmiede“ hörte, beschäftigt sich auch mit Bildbeschreibungen.

Da stach dann nur der 1970 in Paris geborene Rene Steiniger heraus, erstens hat in dem bei „Rote Zahlen“ erschienenen Band „In Margine“ Prosa und Lyriktexte vereint, zweites ging es bei ihm hauptsächlich um Tiergedichte, die dann noch so gestaltet waren, daß man sie öfter erraten oder durch einen Tierquizz bestimmen konnte.

Eine sehr interessante Art und Weise der Lyrik näher zu kommen, die Bildbeschreibungen waren es aber auch und der Monat der „Lyrik im März“ folgt auch sehr bald, so daß man sich schon ein bißchen auf die Lyrik einstimmen konnte.

Dementsprechend waren auch relativ viele Lyriker im Publikum, Christine Huber, beispielsweise, die ja auch das „DichtFest“ in der „Alten Schmiede“ organisiert, Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Waltraud Seidelhofer, aber auch Nils Jensen und Dieter Scherr.

Michael Hammerschmid hielt ein sehr schönes Einleitungsreferat,  fragte  in der anschließenden Diskussion, wie die Autoren zu ihren Beschreibungen kamen und wies  auf den Büchertisch hin, wo man sich mit den Texten versorgen und sie weiterlesen konnte.

Michael Hammerschmids bei „Klever“ erschienener Gedichtband „Nester“, habe ich mir übrigens beim Bücherflohmarkt bei der „Buch-Wien“ zugunsten der Flüchtlingshilfe gekauft.

2016-02-18

Neuerliches Luxusjammern

Da habe ich im Jänner ja fast manisch in einem Zug in einer guten Wochen fünfzig Seiten der „Paul und Paula“ hinuntergeschrieben. Das Ganze dann schnell durchkorrigiert und dem Alfred für den Satz übergeben, bevor wir nach Salzburg gefahren sind.

Dann sind die Rückmeldungen meiner Testleserin gekommen, die wieder nur von einem ersten Entwurf und von Pappfiguren, die kein Leben haben, gesprochen hat, etwas, was ich auch sonst öfter höre und immer noch nicht ganz nachvollziehen kann.

Ich habe die Anmerkungen zur Musikszene und, die zur Genderproblematik umgesetzt, dadurch ist der Text besser geworden, denn, daß da einiges hölzern war, habe ich gemerkt.

Es tauchten aber Probleme auf, sollte ich nicht das Ganze umschreiben? Denn die Paula ist ja jetzt ein „er“, der Paul aber eigentlich noch ein solcher und wenn ich allzu korrekt werde, sind dann meine Pointen weg und ich habe mich einige Zeit nicht gut gefühlt und gedacht, jetzt korrigiere ich mir mein Manuskript kaputt und das mit den Testlesern verflucht.

Da habe ich ja schon Geschichten von Leuten gehört, die ihr Manuskript auf Anraten des Lektores so lange geändert haben, bis der es dann nicht mehr haben wollte.

Videos von Identitätsänderungen habe ich mir angeschaut, auch da hatte ich vorher nicht viel Ahnung und wußte beispielsweise nicht, daß die Pauls, die zu Paulas werden, zu Logopäden gehen und, daß durch das Testeron, die Haare ausgehen und John Irvings „In einer Person“ gelesen.

Da habe ich mir dann gedacht, wenn der so viel Unglaubliches beschreibt, dann kann mein „Fräulein Paula vielleicht auch mit dem Paul auf ein Faschingsfest gehen, habe aus dem roten Kleid aber eine rote Bluse und aus den Higheels blonde Locken gemacht.

Geändert habe ich jetzt, daß, die ehemalige Paula in „er“ beschrieben wird, der Paul bleibt ein solcher, wie es ja in den Papieren steht. Paul Schneider spricht ihn aber mit „sie“ an, die Schwester, die Kinder, die Eltern bleiben beim „er“.

Damit bin ich jetzt ziemlich durch, ein paar falsche Formen werden wohl noch drinnen sein und ganz sicher, ob es jetzt stimmt, bin ich immer noch nicht, dazu fehlt mir wohl das persönliche Erleben.

Das Lokal heißt jetzt „Maribou“, da kann Fräulein Paula „Kann denn Liebe Sünde sein“,mit Schmollmund singen und aus dem „Freud Museum“ ist eine „Berg-Galerie“ geworden.

Kürzer ist das Ganze jetzt noch ein bißchen geworden, hat jetzt neunundvierzig Rohseiten, die fünfzigste ist dann meine Danksagung.

Das Gedicht bleibt weg, weil es vielleicht doch zuviel Klischee wiedergibt und es  ja auch zwei  Personen sind, um die es geht und ich bin jetzt wieder im Stadium der Endkorrektur, so daß es der Alfred bekommen könnte, wenn sich nicht noch vorher meine Testleserin meldet, die vor einer Woche eine noch nicht so ganz durchkorrigierte Fassung bekommen hat.

Sprachlich denke ich, ist es besser, beziehungsweise fühle ich mich sicherer, den Beschreibungstext macht, mir vielleicht  meine Leserin, sonst schreibe ich ihn.

Bei der „Sommergeschichte“ korrigiere ich noch herum und finde immer wieder einen neuen Fehler, bezüglich des „Adventkalenders“ haben wir jetzt das Bild mit der Puppe und ich erzähle neuerdings allen, wie gestern in der „Alten Schmiede“, daß ich nach vierzig Büchern und vierzig Jahren Schreiben, ausgeschrieben bin, weil ich schon alle Themen angeschrieben habe und wahrscheinlich sehr resigniert bin.

Da gibt es ja die Idee für einen Erzählband, zwölf oder dreizehn Geschichten, für jedes Monat eine, wie ja auch Jacqueline Vellguth zwölf Romane in einem Jahr schreibt und den für den Jänner schon veröffentlicht hat.

Ich habe aus dem Opernball-Schreibgruppenthema„Als Präsidentin auf dem Opernball“ gemacht und überlege, wenn ich jetzt mit dem Korrigieren, wieder fertig werden sollte, ob ich zuerst die Fenster putzen soll oder einen Tag mit einem Notizbuch in Wien herumgehen und alles aufschreiben, was ich so  erlebe?

Es muß ja nicht gleich eine kürzere oder längere Geschichte daraus werden. Ein bißchen Luftschnappen und Atmemholen, wäre vielleicht auch ganz gut, weil ich in den letzten Jahren wirklich vor mich hinrase, ein Manuskript nach dem anderen.

Drei im Jahr sind es jetzt ja schon , dann sind sie fertig, ich mache meine Promotion, ein Gewinnspiel, wo sich keiner meldet, halte in der „Alten Schmiede“ oder sonstwo, dem ersten den ich treffe, das neue Buch vor die Nase, der oder die schaut es mehr oder weniger intensiv an oder sagt gleich, „Ich habe fette Finger!“ oder „Keine Zeit!“ und dann war es das und ich schreibe das nächste Thema an, beziehungsweise mache ich eine Lesung, wo keiner kommt.

Sich entschleunigen oder Mut zur Lücke auch hier, denn das ist ja derzeit das große Thema auf den Blogs. Die, die von Verlagsvorschau zu Verlagsvorschau hetzten, die Covers der Bücher abbilden und die Pakete, die ihnen die Verlage schicken, auf Facebook stellen, rufen plötzlich „Alte Bücher Challenges“ auf, wo man sich melden kann, wenn man ein Buch liest, das älter als fünf Jahre ist und sprechen von „Backlist-Messen“, das sind wohl die, wo Verlage Neuauflagen vorstellen und die gibt es ja.

So wurde jetzt „Der Engel mit der Posaune“ mit einem Vorwort von Eva Menasse wiederaufgelegt. Ich habe noch das alte Buch gelesen, das ich im Bücherschrank fand und habe ja eine jährliche hundertfünzig Bücherliste, die vorwiegend aus älteren Büchern besteht, aber in den letzten Jahren durch die Neuerscheinungen, die mir die Verlage anbieten oder ich anfrage, durcheinander kommt.

Auch heuer wird es wieder so sein, denn „Jung und Jung“ hat mir jetzt das neue Buch der Nellja Veremej geschickt, auf den ersten Roman von Ronja von Rönne warte ich noch, zwei Bücher von der „Edition Taschenspiel“, stehen jetzt auch auf meiner Liste.

Petra Ganglbauer wollte, daß ich ihren neuen bei „Keiper“ erschienenen Gedichtband besprechen soll, dann bin ich  schon hübsch im Schleudern und von Entschleunigung keine Spur, denn ich lecke ja Blut, wenn mir der Lehrer aus Retz, den gestern, zwei Büchen in der Hand beim „Morawa“ getroffen habe, erzählt, daß er den neuen Gstrein schon gelesen hat und den neuen Köhlmeier, da habe ich noch ein paar alte auf meinen Stößen liegen, die schon in die ältere Bücher-Challenge fallen.

Die Blogger stöhnen, es gibt zuviele Bücher und wünschen sich von den Verlagen, daß die weniger verlegen. Da sträubt sich dann einiges in mir, obwohl die Verlage, das bei mir ja ohnedies nicht tun, ich aber trotzdem denke, wer schreiben will, soll es tun und manchmal denke ich, daß ich eine der wenigen bin, die die Bücher dann auch lesen.

Die Bücherblogger rufen  jetzt  auch zum Bücherweggeben auf und freuen sich, wenn es ihnen gelungen ist, ihre „Schätze“ in den Müll zu schmeißen.

Die würde ich dann herausziehen, komme aber mit dem Lesen nicht nach und auch nicht mit dem Schreiben oder mit dem vielleicht schon, aber dann bleibt es bei den „Rohentwürfen“ und den „Pappfiguren“, obwohl ich mir bei Lesungen, immer öfter denke, so gut bin ich eigentlich auch.

Nun ja, es ist ein Dilemma und wahrscheinlich wirklich ein Luxusjammern, wie mir meine gutmütigen Leser dann  tröstend schreiben.

Nun, ja, nun ja, für Leipzig habe ich mich jetzt doch akkreditieren lassen, damit ich in die Bloggerlounge kann, um Tobias Nazemis und andere Blogger zu treffen, die ich durch mein eifiges Bücherbloggen und diesbezügliches Kommentieren im vorigen Herbst vielleicht genervt habe.

Dort gibt es auch eine Bloggerkonferenz, aber dafür muß man fünfunddreißig Euro zahlen, wenn man eine Eintrittskarte hat und fünfundsechzig, wenn man ohne in die Messe gekommen ist.

Die Bücher für den „Leipziger Buchpreis“ sind auch schon nominiert, die sogenannten Bloggerpaten gibt es nicht mehr und so weit ich weiß, auch kein Wettlesen darum, mir sagen, die fünfzehn ausgewählten Bücher noch nicht sehr viel, habe noch nichts davon gelesen, bin also gespannt.

 

2016-02-17

Innere und äußere Textvorstellungen

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:15
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Drei unterschiedliche Texte und Autoren wurden heute in der „Alten Schmiede“ von Renata Zuniga unter dem Motto „Literarische Erkundungen im Inneren und im Außen“ moderiert.

Die erste Autorin war die 1953 in Gleisdorf geborene Andrea Wolfmayr, mit der ich schon einmal bei den „Textvorstellungen“ gelesen habe.

Ihr Buch „Roter Spritzer“ ist voriges Jahr erschienen und jetzt schon wieder eine Publikation in der „Edition Keiper“ „Jane & Ich oder die Therapeutinnen“, ein etwas  sperrig klingender Titel, es handelt sich um eine Familiengeschichte, wie Renata Zuniga in ihrer Einleitung erklärte.

Drei Personen, ein Vater, die Mutter und die Tochter erzählen, die Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven und Andrea Wolfmayr merkte an, daß die Hauptprotagonistin die Tochter Dora ist,  ihren Weg gehen wird. Andrea Wolfmayr erklärte etwas von einer bewegungslosen Hand und dann noch, daß sie über Dora zwei weiterere Romane schreiben will, Dora mit dreißig-vierzig und dann noch zwischen sechzig und achtzig, beide werden wahrscheinlich auch bei „Keiper“ erscheinen und für den ersten hat sie lange gebraucht, beziehungsweise ihn schon vor langer Zeit geschrieben, bis er verlegt wurde.

Sie las  zwei Stücke, eine Art Traumsequenz der Dora, die zu ihrer Therapeutin Elfi geht und dann ein Stück der Mutter Vera, eine alkoholkranke Lehrerin, die über ihr Leben und über die Achtundsechziger Generation aus der sie stammt, resumiert.

Dann kam ein Sprung, nämlich der 1937 in Baden geborene Geologe, Peter Steiner, mit dem Andrea Wolfmayr, wie sie sagte, einmal vor dreiunddreißig Jahren gelesen hat.

Der Autor hat, wie er erklärte, die meiste Zeit seines Lebens im Ausland, Afrika, Süd- und Nordamerika, etcetera gelebt, dort als Geologe gearbeitet und dabei vierzehn Romane geschrieben.

Aus den letzten „Der Sandfallenbauer“ bei „Laurin“ erschienen, las er vor.

Da geht es um ein Ehepaar oder einen Mann, der ein Stück Land in Amerika bebauen will, aber von den Bibern, die dieses für sich zurückerobern, gestört wird.

Der letzte Autor war Paul Jaeg, der 1949 in Gosau geborene Verleger des „Arovell-Verlags“, der sich dort, das ist  eher ungewöhnlich, selbst verlegt und in „Als ich mir einen neuen Mond kaufte“, eine etwas märchenhafte Prosa und Gedichtesammlung vorlegte.

Zwei Prosatexte las er vor, dann kam eine Performance, denn er suchte sich eine Dame aus dem Publikum, drückte ihr einen Hammer in die Hand und ließ sie damit seine Gedichte über die Liebe, den Tod, etcerta, untermalen.

Seine Tochter wunderte sich in der Diskussion, daß die Texte so kurz und auch einfach wären und Paul Jaeg erklärte, daß er früher experimentell gewesen wäre, jetzt aber, für sein Publikum, einen Schritt zurückgegangen ist.

Dem  hat es, wie es schien gefallen, es gab viel Gelächter und drei sehr spannende Texte, die wieder einmal demonstrierten, wie vielfältig Literatur sein kann.

 

2016-02-16

Noch ein Verlagsportrait

Man sollte es nicht glauben, die Verlage schießen wie die Schwammerln aus dem Boden und da klage ich doch immer, daß ich keinen finde.

Gestern die „Wortreich-Verlagsvorstellung“ im „Thalia“ mit drei mir mehr oder weniger bekannten GAV-Autoren und Kollegen.

Heute stellte sich die „Edition Taschenspiel“ in der „Gesellschaft für Literatur“ vor.

Karin Ballauf, mir bekannt vom „Milena-Verlag“, der nicht mehr „Frauenverlag“ heißt und inzwischen auch Männer verlegt, ist da die Lektorin, beziehungsweise hat sie den Band von prezzemola lektoriert.

Lieselotte Stalzer ist die Verlagsleiterin und wurde von Ursula Ebel vorgestellt, eine Buchhändlerin in der Nähe vom Augarten, die dort eine Verlagsbuchhandlung hat und weil sie den Leuten etwas Neues bieten will, die „Edition Taschenspiel“ gegründet hat und namen est omen, die Büchlein sind klein und handlich, es gibt inzwischen an die zehn davon, so, um in die Tasche zu stecken, da gab es ja auch einmal eine Reihe, „Books to go“, wo ich ein paar der Bändchen zu Hause habe, aber da wurden berühmte Autoren, wie Alex Capus,  etcetera verlegt, während sich die „Edition Taschenspiel“, sehr löblich mit der österreichischen Gegenwartsliteratur beschäftigt.

Also bekannte Namen am Lesetisch, Erika Kronabitter, Petra Ganglbauer, Peter Bosch, Hanno Millesi, Sophie Reyer und natürlich auch ein paar unbekannte, zum Drüberstreuen und kennenlernen.

Die jüngst ist dreiundzwanzig, die älteste über neunzig, sagte die Verlegerin und nannte keine Namen, meinte nur, die Leute, die ohnehin mit dem Lesen schon überfordert sind, wollen keine Wälzer, wie den Witzel oder Setz, das füge ich jetzt hinzu, lesen, sondern etwas knappes Kurzes und Erzählungen sind in und die meisten jungen Autoren würden  auch damit anfangen.

Dann gabs zwei Beispiele, nämlich Clementine Skorpils Geschichte „Hollerstraße 7“ und die kenne ich von einer Krimiveranstaltung in der Hauptbücherei und vom „Mörda-Frühling“ und habe, wenn ich mich nicht irre, auch etwas von ihr gefunden und auf meinen Bücherstoßen und die Geschichte, die sie las, passt zum zwölften Februar, der ja gerade erst vergangen ist, spielt zwischen 1931 und 32 und handelt von einer Familie, wo der tuberkolöse Vater stirbt, „Was tun wir?“, fragen die Kinder.

„Beten!“, antwortet!, die Mutter Fini und fährt nach Linz, um ihren Pelzmantel und ihr Abendkleid zu verkaufen und die Bank ist so nett, daß sie sie trotz Schulden in dem Haus wohnen läßt und sie nicht auf die Straße setzt.

Die zweite Autorin verwendet ein Pseudonym und nennt sich „prezzemola“,1970 in Graz geboren, in Wien lebend, steht im Programm, in den Büchern scheint es, was ich sehr bedauere, keine Autorenangaben zu geben und ihre Geschichte, „Ganz anders!“, wie die Verlegerin ankündigte „Im Schatten seiner selbst“, habe ich gar nicht so unterschiedlich empfunden.

Zumindest der Sozialanspruch scheint gleich zu sein, scheint es doch um Bettler zu gehen, die jeden Morgen ungewaschen in die Stadt strömen und dort Karten legen, zum Glücksspiel auffordern und sich am Abend dann die Füße in einem Brunnen waschen, sehr interessant.

Es gab noch ein Gespräch mit den Autorinnen und der Lektorin, wo die Verlegerin, zu den Schreibstilen fragte, wie man zu den Ideen kommt, wann der Text fertig ist und man ihm dem Verlag übergibt, ob man Testleser hat?

Etwas was mir  nicht so unbekannt ist, weil ich ja gerade einen Text nach den Wünschen oder Anmerkungen meines Testlesers umgeschrieben habe.

Nachher gab es Wein und Knabbereien und ich habe ein sehr nettes Gespräch mit Lieselotte Stalzer geführt, die mir  zwei ihrer Bändchen überlassen hat, Irene Diviaks „Stahl und Glas“ und Inga-Maria Grimms „Wolkenreisen“ und ich verrate gleich, daß ich damit die ganze Bandbreite ausschöpfe, handelt es sich dabei ja, um die jüngste und die älteste Autorin. Dann gibt es noch einen Text von einen Poetryslamer und wahrscheinlich noch andere in Planung. Kinderbücher hat die Verlegerin noch verraten, soll es zu Schulbeginn geben, während die Lyrik in der neuen Reihe nicht so vertreten ist.

2016-02-15

Wortreich-Verlagspräsentation

Es gibt einen neuen österreichischen Klein-oder Mittelverlag, das „Wortreich“, der in seiner dritten Saison im „Thalia“ auf der Marihilferstraße heute sein Frühjahrsprogramm und da drei GAV-Autoren vorstellt.

Sehr voll in dem Cafe im ersten Stock, „Fellows“, heißt das jetzt, die letzten Male war ich, glaube ich dort als Thomas Raab und Eva Rossmann ihre neuen Krimis vorstellten und mir „leselustfrust“ die gewonnene „Kafka-Schokolade“ brachte, jetzt viele GAV-Kollegen, die wahrscheinlich auch dort verlegen wollen oder das schon haben.

Christa Nebenführ, Patricia Brooks, Melamar, Elfriede Haslehner, Helmut Rizy, Hans Jörg Liebscher, Bettina Balaka,  betätigte sich, glaube ich, als Lektorin etcetera und Leute aus dem Lesetheater, denn eine der Autorinnen ist Judith Gruber-Rizy, die von der „Bibliothek der Provinz“, „Art Science“, „Limbus“, etcetera, jetzt hier landete und ob ihre Protagonistin jetzt wieder „Rosa“ heißt, weiß ich nicht so genau, denn der Roman hat eine Ich-Erzählerin“, zuerst teilte aber ein junger Mann Verlagszetteln aus, mit denen man später eines der Bücher gewinnen konnte und eine Musikeinleitung gab es auch, denn Heinrich Steinfest soll einmal gesagt haben, das Schlechte an der Literatur ist, daß es keine Musik gibt, also gab es eine, dann stellte der junge Mann, die sehr selbstbewußte Verlagsleiterin vor und Judith Gruber Rizys „Der Mann im Goldrahmen“.

Da geht es, glaube ich, um eine Fotografin, eine Frau auf jeden Fall, die sich, nachdem sich ihr Sohn David in eine WG verkrümeln will, ein Jahr in ein Sommerhaus am Land zurückziehen will, um dort ihr Leben zu überdenken und jeden Tat auf dem Fenster den Kirschbaum und den Kirchturm zu fotografieren.

Sehr langsam und bedächtig, das ist, glaube ich, auch eine Stärke von Judith Gruber Rizy und so erzählt sie von einem Mann der Kiesel in einen grünen See warf und von dem sie zwei Fotos, eines in der Wohnung und eines in dem Sommerhaus, geschossen hat.

Als es richtig spannend wurde, hörte sie auf und der zweite Autor ist der GAV-Kollege Friedrich Hahn, der in der „Alten Schmiede“ auch die „Textvorstellungen“ moderiert und der schon über dreißig Bücher hat und mich auf die Idee brachte zu meinen sechzigsten Geburtstag meine dreißig zu präsentieren, denn das hat er zu seinem dreißigsten auch so gemacht.

Sein Roman heißt „Von Leben zu Leben“ und da treffen sich zwei Männer, um sich ihr Leben zu erzählen. Das heißt, der einen tut es dem anderen, der offenbar sein Ghostwriter ist, einen Goldfisch gibt es auch, beziehungsweise zwei, esinen Tumor im Kopf und beim Begräbnis des einen, geht der andere mit seiner Frau offenbar ins Bett.

So sind die starken Männer halt, könnte man unken, während sich die Frauen zurückziehen und reflektieren, aber ich habe ja nur Auszge gehört und bei der Verlosung natürlich nichts gewonnen und der dritte vom Hermann Knapp, auch ein Oberösterreicher, der, glaube ich, für die NÖN schreibt und der von mir in die GAV aufgenommen wurde, als ich dort einmal in der Aufnahmejury war, wurde vom Verlag als der schrägste des Jahres oder des Jahrhunderts,  angekündigt „Der Tote, der nicht sterben konnte“, „präzise, sensibel,skurril, brutal“ und vielleicht auch ein bißchen absurd.

Da gibt es einen Schweine-, eine Vogel- und einen Kakerlakenvirus und wenn die drei sich mischen, wird man zum Untoten und so wacht der Held mit zerfetzten Bauch, Leber, Gedärmen, nach einem Autounfall im OP auf, der Chirurg rauft sich die Haare, gibt ihm zum Sterben Zeit, es geht und geht nicht, so flickt er ihm notdürftig zusammen und nach Amerika in die Gangsterhöhle führt es den „Ambrosianer“, nach dem Supervirus genannt, dann auch.

Dann gab es noch ein Konzert von Oliver Steger und Lorenz Raab, ein bißchen Wein und was zum Knabbern und viele Gespräche. Beim Bücherschrank habe ich dann den Josef getroffen, der mir erzählte, daß er in der „Gesellschaft für Literatur“ beim Thomas Stangl war.

2016-02-14

Die Henkerin

Filed under: Bücher — jancak @ 15:21
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Nun kommt wieder etwas ganz „Altes“ aus Alfreds Beständen, die er in Harland gesammelt hat, nämlich Pavel Kohouts „Die Henkerin“, die „Hoffmann und Campe-Ausgabe“ aus dem Jahr 1978, geht man zu „Wikipedia“ wird dort als Erscheinungsjahr 1993 angegeben, höre ich ja immer „Wikipedia“ sei sehr fehlerhaft, was ich eigentlich so nicht bestätigen kann und der 1928 in Prag geborene Pavel Kohout, der die Charta 77 unterschrieb, 1978 den österreichischen Staatspreis für europaische Literatur erhielt und seither in Wien lebt, seit der Wende wahrscheinlich auch in Prag, ist fast ein Klassiker.

Ich erinnere mich mit dem Willi, einem Freund meiner Studentenzeit, den ich im „Klub der logischen Denker“ kennenlernte, sein Stück „August August August“ gesehen zu haben. Gelesen habe ich noch nicht sehr viel, obwohl ich glaube, vor kurzem eines seiner Bücher im Schrank gefunden zu haben.

Als politischen Schelmenroman, der Klappentext schreibt von sich überbietender Absurdität, könnte man das Buch beschreiben und es ist ein sehr spannendes Stück Literatur, das einen voll sarkastischen Witz, in ein Stück der jüngeren Vergangenheit führt.

„Personen, Schauplätze und Geschehnisse sind leider frei erfunden!“, soll Kohout laut Klappentext dazu gesagt haben, „dafür sind die historischen Informationen und die zitierte Literatur gottlob streng authentisch“

Es geht gleich los in  sechs Kaptiel, die in zweiundsechzig Szenen unterteilt sind, die oft mitten im Satz aufhören und beginnen.

Die bildhübsche Linzinka, ein blonder Engel, fünfzehn Jahre alt, hat die Pflichtschule beendet und da müßen die Eltern in Prag, ich nehme an, die Handlung spielt dort, sich was für den weiteren Werdegang einfallen, beziehungsweise ihre Beziehungen und Reize spielen, lassen und Lizinka ist, sowohl bei der Eignungsprüfung fürs Gymnasium, als auch bei der des Konservatoriums durchgefallen.

Die Mama dreht durch, sperrt sich im Badezimmer ein, beschimpft den Papa, einen nutzlosen Philologen, der schon bei der Telefonseelsorge anruft, dann erscheint sie geschminkt und ruft den einflußreichen ehemaligen Liebhaber an. Der fährt zwar mit der Gattin auf Schiurlaub, verweist Mama Luzie aber an eine Kommission und der fällt zuerst Bäckerin und Melkerin ein, fragt dann aber, ob „Das Fräulein nicht vielleicht Vollstreckerin werden will?“

Lizinka nickt blauäugig, so rückt die Aufnahmekommission in die Wohnung der Tachecis an. Lizinka besteht mit Bravour und köpft, bezeihungsweise tötet im Badezimmer einen Fisch und einen Hahn, der aufrechte Papa bekommt zwar einen Tobsuchtsanfall, als er begreift, um welchen Beruf es sich handelt, aber Linzika-Täubchen nickt wiederum begeistert.

Die Aufnahmekommission bestand aus dem Scharfrichter Professor Wolf, seinen Assistenten Schimssa und den Gehilfen Karli und die ersten beiden begeben oder begaben sich gemeinsam mit einem nicht näher genannten Doktor, ein Jahr lang in ein Cafe, um dort den Lehrplan für ihre Scharfrichterakademie, ein einjähriger Jahrgang mit Abitur auszuklügeln.

Es gibt sieben Schüler, sechs Burschen und der Gleichberechtigung wegen, Linzinka, die die erste Henkerin der Welt werden soll und die Schüler beziehungsweise einer davon, der Fleischersohn Richard und die beiden Lehrer verlieben sich in die schöne Jungfrau.

Das wird mit der beschriebenen sich überbietenden Absurdität geschildert, dazwischen geht es in die Geschichte der Folterungen und Henkermethoden zurück und die sieben Schüler machen am Samstag mit ihren Lehrern auch immer Excursionen in Foltermuseen, etcerta.

Zuerst ist aber Weihnachten und da hängt bei den Tachecis ein so schweren Paket an der Tür, daß die Schnalle abfällt, Richard hat seiner Angebeten nämlich das beste Fleisch aus dem Hause seiner Eltern geschickt und kommt dann auf Besuch um sie zum Eislaufen auszuführen.

Das führt zu Streit zwischen den Eltern, ein Nebenbuhler taucht auch auf und als die Klasse zum Silvesterschiausflug aufbricht, hat die Klasse einen Schüler, nämlich Richard, weniger.

Das Leben geht aber weiter, denn im Juli muß die Meisterprüfung, sowie das Abitur bestanden werden.

Dann erfährt man viel vom Werdegang des Dozenten Schimssa, der vom Staat, das heißt von Waisenhäusern und Kasernen aufgezogen wurde, bevor er in Prof. Wolf seinen Mentor fand und bevor er Henker wurde, hatte er noch eine erstaunliche Karriere als Foltermeister hiner sich gebracht und der, obwohl er eigentlich auf schwarzhaarige Frauen steht, verliebt sich in das blonde Prinzesschen, so führt er, als Wolf der Hexenschuß plagt und die Samstagexcursion absagt, seinen Auftrag das auszurichten, nicht ganz aus, sondern fährt mit Linzinka in das Seminarhotel und will sie dann, damit sie Extrapunkte sammeln kann, als Gehilfin zu einer Vollstreckung mitnehmen. So führt er sie in sein Wochenendhaus, schickt sie in die Badewanne, füllt sie mit Whisky ab und dann kann er nicht. So schleppt er die noch Angetrunkene ins Gefängnis, holt den Deliquenten hinzu und die Schule hat dann einen Lehrer weniger und Wolf muß seine restlichen Schüler und die Schülerin alleine zum Abitur führen.

Aber erst beginnt er sie auf eine Excursion mitzunehmen, obwohl er zu Hause eine liebende Gattin hat, aber die kann ihm keine Kinder schenken, so nehmen die beiden einen Kranz und fahren damit nach Deutschland in ein ehemaliges KZ um ihn dort niederzulegen.

Das führt, wir ahnen es schon, zu Komplikationen, obwohl Engelchen Lizinka keinen Widerstand leistet und mit einem schwarzen Abendkleid und blonden Zöpfen ihren Lehrer und dem Leiter des KZ-Museums in ein Restaurant und dann zu einem makabren Spiel folgt, bei dem früher die Häftlinge, jetzt Hunde dran mußen.

Ein Kuß von Lizinka ist das Pfand, sie küßt am Ende beide und den sterbenden Hund und bevor sie zurückkommen gibt es im Zug noch eine unheivolle  Ent- oder Verwicklung, dann kommt Wolf aber reumütig zu seiner Marketa zurück und das Abitur beginnt.

Das besteht Linzinka mit Bravour, denn die Aufnahmekommission ist gnädig und die Mama hat ihr die wichtigen Fakten ohnedies auf die Handballen geschrieben, die praktische Meisterprüfung besteht aus einer Art Kabarett, das heißt ein Schwein wird gehängt, das bei der anschließenden Feier gleich gegessen wird, Dozent Schmimscha ist der zweite Aufknüpfungskanditat und mit dem Doktor gibt es, wie sich herausstellen soll, auch Probleme.

Prof. Wolf schwebt aber im siebenten Himmel, läßt sich von seiner Frau scheiden, hält bei der Feier um Linhzinkas Hand an, beschließt aber gleich, die Menage dann a la trois zu betreiben, mit Marketa, der schönen Ex, mit Mama Lucie die ihm auch Avancen macht und mit Engelchen Linzika, der weltweiten ersten Henkerin.

Ein wahres Schelmenstück der tschechischen Widerstandsliteratur, aber inzwischen hat sich die Weltlage ja geändert, geköpft und gehängt wird wahrscheinlich nicht mehr in der tschechischen Republik und was mir nicht so gefällt ist das Cover, da gibt es nämlich das Bild eines hübschen Blondchens mit  der Henkerkappe und einer Schlinge auf ihrem nackten Busen zu sehen.

Pavel Kohout spielt aber schon ein bißchen mit dem Weiblichkeitsklischee und stellt seine Heldin ein bißchen als nicht besonders eigenwillige femme fatal dar.

2016-02-13

In einer Person

Jetzt kommt ein Einschub auf meiner Leseliste, nämlich John Irvings, 2012 erschienener Roman, „In einer Person“, als Recherchelektüre zu „Paul und Paula“ und interessant, es ist nicht der erste Irving, den ich mir zum Vorbild nehmen wollte, denn als ich, lang lang ists her, die „Globalisierungsnovelle“ geschrieben habe, wo es um den Verkauf einer Niere geht, ist gerade „Die vierte Hand“ erschienen.

Sehr viel hat mir die Sprachgewalt des 1942 geborenen John Irvings, den ich inzwischen für einen Mainstreamschriftsteller hielt und von den Amerikaner, die ewig über ihren Sex schreiben, halte ich bekanntlichermaßen auch nicht so viel, glaube ich, nicht geholfen. Das lag aber wahrscheinlich auch an mir und meiner damaligen Gehemmtheit.

inzwischen habe ich, auch durch das „Literaturgeflüster“ meine schreiberischen Hemmungen ziemlich verloren und von John Irving habe ich inzwischen „Witwe für ein Jahr“ und „Laßt die Bären los“, gelesen, das war einmal Buch bei der „Eine Stadt-ein Buch-Aktion“ und da bin ich über die fürchterliche Übersetzung gestolpert, die, glaube ich, so schlimm war, daß ich als es, um Wien und den Bürgerkrieg oder die Okkupation der Nazis ging, nichts mehr verstanden habe.

Bei dem Buch ist mir nichts negativ an der Übersetzung aufgefallen und ich habe mich jetzt ein paar Tage lang, nachdem es mir, als sehr sehr gut, empfohlen wurde, eingelesen und war die ersten hundert Seiten lang nicht so davon überzeugt, beziehungsweise brauchten ich oder John Irving, die wahrscheinlich, um in das Buch hineinzukommen, denn da wird das Leben eines genau, wie der Autor, 1942 geborenen Mannes, in allen seinen Details erzählt.

Der, William Abbot, wächst in einem First Sister genannten Städtchens in Vermont auf und ist, glaube ich, dreizehn als das Buch beginnt und er sich in Miss Frost,  die Bibliothekarin des Ortes, verliebt, die ist viel älter, hat einen kleinen Busen und breite Schultern und, weil er sich in sie verliebt, will er auch Charles Dickens zweimal lesen und in dem Örtchen, beziehungsweise an seiner Schule, wird auch sehr viel Shakespeare gespielt.

Er ist der Sohn, der Soffleuse, seinen Vater, Franny Dean kennt er nicht wirklich, denn der ist schon nach oder vor seiner Geburt verschwunden, die Mutter zog ihn allein auf, tut sich dann aber mit einem Lehrer, namens Richard Abbot zusammen, der auch den Schülern Shakespeare beibringen soll.

Das geschieht in etwa auf den ersten hundert Seiten, dazwischen geht es gelegentlich nach vor, zu der Europareise, die William oder Bob nach seinem Schluabschluß mit seinem Mitschüler Tom Atkins  macht, geht vielleicht noch ein bißchen nach vor, zu der Zeit, wo er in Wien studierte, auch das hat sein Autor so getan und dort auch einige Romane geschrieben oder spielen lassen oder nach Hamburg, wo Bill schon als Schriftsteller mit der Transexuellen Donna in ein eher mieses Transvestitenlokal geführt wird.

Interessant an diesen Theateraufführungen ist  auch, daß die meisten Frauenrollen von Männern gespielt werden. Nun gut, die Schuler waren in den Fünfziger und Sechzigerjahren noch getrennt, aber auch sein Großvater Harry, der in fast jeden Stück mitspielt, spielt weibliche Rollen und nach dem Tod der Großmutter trägt er  nur noch ihre Kleider.

Ein großer Teil des Buches spielt 1960, da ist  Bill gerade achtzehn und liebt noch immer Miss Frost, die sowas, wie die Romantherapeutin für die örtliche Schuljugend ist, das heißt, falsch, soviele Jungen aus der Schule, gehen nicht in die städtische Bibliothek, aber Bill, in Miss Frost verliebt, tut es.

Sie empfiehlt ihm „Giovannis Zimmer“ und nimmt ihn in den Keller und in ihr Stahlbett mit. Sie betreibt dort mit ihm „Schenkelsex“ und er erkennt, daß sie einmal ein Mann war. Aber wieder falsch, das findet er heraus, weil er noch ein anderes Hobby hat. Er durchforstet nämlich die Jahrgänge der Schulabgänger und im Buch von 1935 findet er einen Albert Frost, einen Ringer. Die Familie findet inzwischen das skandalöse Buch und auch den BH, mit dem der bisexuelle Bill  onaniert und schickt den Großvater in die Bibliothek.

Die Bibliothekarin wird entlassen, die Mutter ist entsetzt und Bill geht mit seinem Freund Tom auf Europareise, der ist auch ein wenig seltsam, aber in Bill verliebt.

Der liest ihm „Madame Bovary“ vor, weil ihm das Miss Frost empfohlen hat und Tom ist eifersüchtig,  weint und windet sich am Klo. Nun ja, später wird Bill in Wien mit der Sängerin Esmeralda, die an der Staatsoper fast einmal auftreten durfte, sich das aber selbst vermasselte, weil an diesem Tag Kennedy ermordet wurde, Vaginalsex haben und er hat noch viele Begegnungen mit Männern und Frauen und noch von der Schule eine Freundin, Elaine, die von seinem Erzfeind Kittredge geschwängert wurde.

Ein bisschen verwirrend und schwierig, das alles wiederzugeben und dann kommen wir in die Siebzigerjahre.

Bill ist Schriftsteller geworden, lebt mit und ohne Elaine in New York und erlebt, wie alle seine Freunde nach und nach an Aids sterben.

Er hat aber, als er noch Schüler war und bei seinem Albumstudien zum Jahr 1940 kam, noch erfahren, daß sein Vater Franny auch sehr weiblich war und den soll er Jahre später in Madrid in einer Transvestitenbar wieder finden, wo er mit seinem Freund Mister Bovary auftritt und eine „haarsträubende Geschichte“, wie man durch das Lesen des berühmten Romanes zusammen kommt, erzählt.

Am Schluß kehrt Bill  nach Vermont zurück, er hat das Haus seines Großvaters geerbt und wird Lehrer an seiner Schule. Jetzt gibt es auch Mädchen dort und einen dicklichen Jungen, der eigentlich George heißt, sich aber, bis er zu einer Georgia werden kann, Gee nennt, der wird zuerst von den anderes Schülern als „Tampon“ oder „Weichei“ beschimpft, mausert sich aber, als so schönes Mädchen, daß Bill oder Mister A., wie er jetzt genannt wird, sie als Julia besetzen kann und viele viele andere hetero-homo-und transsexuelle Begegnungen, gibt es in dem Buch auch.

Zuviel für ein einziges Leben, eine einzige Familie, einen einzigen Menschen und wahrscheinlich eine maßlose schriftstellerische Übertreibung.  Aber sehr spannend zu lesen und wahrscheinlich auch sehr informativ, manchmal sträuben sich vielleicht die Haare, bei all den schriftstellerischen Zuspitzungen, so haben Bill und sein Freund Tom zum Beispiel Sprachfehler, sie können  die Worte „Vagina“ oder „Penis“ nicht aussprechen und müßen deshalb bei Elaines Mutter, die, an der Schule Lehrerin ist, Sprachunterricht nehmen.

Aber ich weiß schon, die Amerikaner sind Meister des spannenden Schreibens und  Bill und seine Freunde, die auch alle  Schriftsteller geworden sind, geben auch Unterricht im kreativen Schreiben.

Für mich, die sich ein bißchen in die Transgenderliteratur einlesen und  herausfinden wollte, wie man jetzt über Paul und Paula korrekt schreibt und keinen Klischees erliegt, war es sehr lehr-und hilfreich, denn wenn John Irving in seinem Roman soviel geschehen läßt, kann mein „Fräulein Paula“, vielleicht auch mit Highheels und einem roten Kleid zu einem Faschingsfest gehen, hat aber inzwischen ohnehin eine rote Bluse an und aus den Heels sind blonde Locken geworden.

Ich denke mir auch, daß das Buch, in dem prüden Amerika, wo Kinder zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts von der Polizei abgeschleppt wurden, weil sie ihre Schwestern auf den Topf setzten, sehr gewagt ist, denn einiges, was da passiert, der Schenkelsex, der transsexuellen ehemaligen Ringerin mit einem gerade Achtzehnjährigen, beispielsweise, ist vielleicht politisch doch nicht so korrekt. Aber John Irving gibt auch Unterricht in die sprachlichen Veränderungen.

So verwendet der 1942 geborene Bill, das Wort transsexuell, doch 2007, als er als Lehrer an die Schule kommt und dem oder der jungen Geee  gegenübersteht, sagt die ganz selbstverständlich „Das heißt jetzt transgender!“ und, daß an Aids mehr junge Männer gestorben sind, als im Vietnamkrieg, gibt vielleicht auch zu denken.

Die Jungen hatten 1960 in  ihrer Knabenschule einen Schularzt, der Homosexualität, als „heilbar“ erklärte und der junge Bill, geht 1970 zu einen „Schwulenarzt“, der schon ein Präservativ empfiehlt, aber leider hören die jungen Männer, die später qualvoll sterben werden, nicht darauf.

Bill hat aber Glück, er ist bi-, nicht transsexuell, von Aids bleibt er auch verschont und, als der Sohn seines Widersachers und erster Liebe Kittredge auftaucht und ihn als „Doppelstecker“ beschimpft, erinnert er sich an Miss Frosts Worte, die schon längst gestorben ist und sagt ihm „Mein lieber Junge, bitte steck mich nicht in eine Schublade!“, dann dreht er sich um und geht  ins Theater, denn dort beginnt die Vorstellung und Gee wird die Julia spielen….

2016-02-12

Zwei für immer

Nach dem „Datingbuch“ der Engländerin Laura Henderson geht es  weiter mit der englischen Literatur, in dem es irgendwie auch um Dates und Beziehungen geht, ein Buch aus dem Hause „Aufbau“, beziehungsweise „rütten & loening“, das auf dem ersten Blick, wie ein ChickLit wirkt.

Ist es aber nicht, der Autor, Andy Jones, Geburtsdatum wird im Klappentext keines angegeben, der mit seiner Frau und seinen Töchtern in London lebt und in einer Werbeagentur arbeitet, schreibt dort, „daß es ein Buch für Männer werden hätte sollen und ein Liebesroman herausgekommen ist.“

Ich würde es „Memoir“ nennen, obwohl ich nicht weiß, wieviel davon autobiografisch ist, sind die Angaben, die man im Netz über Andy Jones findet, ja eher spärlich und es geht um eine Beziehung, beziehungsweise um eine Schwangerschaft.

So könnte man den Roman auch fast als Sachbuch darüber bezeichnen, es geht aber auch um mehr.

Da ist William, Fisher wird er in dem Buch genannt, Anfang dreißig und Regisseur von Werbefilmen über Klopapier und Käse und der verliebt sich in Ivy, schon Anfang vierzig, die am Set als Maskenbildnerin tätig ist.

So beginnt das Buch, daß die Beiden, die ersten zwei Wochen ihrer Beziehung im Bett beziehungsweise in einer ihrer Wohnungen verbringen, dann fahren sie zu Fishers Familie. Es gibt nur einen Vater und eine Schwester mit drei Kindern, zwei davon sind Zwillinge, die Mutter ist bei einem Autounfall gestorben, als sie Fisher und seinen Freund El, als Jugendlichen vom Kino abholen wollte.

Nachdem Fisher, Ivy, die viele Narben hat, weil sie als Kind durch einen Glastisch gefallen ist, der Familie vorstellte, kommt es zur ersten Krise, Ivy verschwindet, Fisher glaubt, sie will mit ihm Schluß machen, dann bestellt sie ihm in ein Cafe und verrät ihm, daß sie schwanger ist.

Schon schwanger und die Beiden kennen sich  noch kaum. Wie kann das gehen?

Es geht auch nicht ganz so gut, obwohl sie zusammen ziehen, denn wenn man sich nicht kennt, kommt es zu Mißverständnissen. Kauft sie doch keine Vollmilch, läßt die Klotür immer offen und er versucht ihr zweimal sein Lieblingsgericht zu kochen und beide Male landet es im Müll.

Er wird auch ihrer Familie vorgestellt und der Bruder Frank, der sich scheiden lassen will, was die Eltern nicht wissen dürfen, zieht in Ivys Wohnung ein und stört das Paar, denn das Zimmer in dem er schläft, soll das Kinderzimmer werden und nach dem ersten Ultraschall stellt sich auch noch heraus, es werden Zwillinge.

Es gibt aber noch andere Komplikationen, so hat Fisher einen Freund, der im Sterben liegt und dessen Lebenspartner schon eine andere Beziehung hat und es taucht auch eine Suzy aauf, für die Fisher einen anspruchsvolleren Film drehen soll.

Die Schwangerschaft geht weiter und, wie eine solche passiert, wird in dem Buch  genau beschrieben und einige der vierzig Kapitel, bestehen nur aus ein paar Gemüse- und Früchtenamen“.

„Pfirsich, Zitrone, Apfel, Avocado, Zwiebel,Süßkartoffel“, beispielsweise und „Süßkartoffel“ ist die Größe, die ein Baby in der achtzehnten Woche hat.

Zu Weihnachten gibt es eine Krise, die Beiden wachsen aber zusammen, gehen zur Geburtsvorbereitung, besorgen zwei Babybettchen, zwei Körbchen, etcetera und richten das Kinderzimmer ein, nachdem Frank doch ausgezogen ist.

Sie suchen auch nach Namen für die Kinder und dann hört das eine mit dem Bewegen auf.

Die Kinder werden geboren. Baby Dan ist eine „stille“ Geburt, trotzdem hält ihn Ivy ein paar Tage in der Hand, bis das namenlose Baby oder Baby D auf der Intensivstation liegt, dann geht es nach Hause und Baby D hat sechsunddreiißig Tage keinen Namen. In England ist das offenbar vierzig Tage möglich. Ob das bei uns auch so ist?

Es geht aber alles gut aus, Baby D bekommt den Namen seines toten Bruder, die Familie zieht in ein größeres Haus  und geheiratet wird wahrscheinlich auch.

Ein interessantes Buch, ein bißchen ungewöhnlich und gar nicht so einfach hineinzukommen, bis man merkt, daß man schon drin und von der Thematik gefangen ist.

Ich habe vor kurzen ein anderes Buch über Mutterschaft gelesen.

Dieses wurde von einem Mann geschrieben und es vereinigt wahrscheinlich vieles in einem. Sachbuch, Erlebnisbericht, Liebesroman, um Sterbehilfe geht es auch, etcetera.

Es wird geheiratet und gesoffen, geliebt und gestritten und das rote weiße Cover, das ich ein wenig kitschig finde, verrät auch, daß sich da zwei oder drei für ein Leben gefunden haben, das der Beziehungsaufbau nicht ganz einfach ist, aber trotz Katastrophen und Schicksalschläge gelingen kann.

 

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