Literaturgefluester

2016-03-14

Trödelwochenende

Filed under: Schreibbericht — jancak @ 00:12
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Wie geht es weiter mit dem neuen Text, werden meine Leser vielleicht fragen, hast du schon dein Rohkonzept und bist du aus der Schreibkrise wieder heraus?

Die Antwort heißt nein, es gibt aktuell vier Szenen, die ersten drei sind mehrmals überarbeitet, die vierte kaum und auch nicht wirklich fertig, etwa zwölf Seiten, nicht ganz fünftausend Worte und das Konzept passt und stimmt nicht, das merke ich an meinen Widerwillen, wenn ich mich davor hinsetzen will.

Da habe ich vor ein paar Wochen nach meinem Recherchegang zu schnell etwas hingeschrieben, denn ja, das ist eine spannende Frage, warum meine Texte niemanden interessieren, wo man doch immer auf die Frage, was ein guter Roman ist, hört, daß er berühren soll!

Darüber kann man schreiben, aber dann denkt es sofort in mir, daß das ja dann wahrscheinlich wirklich niemanden interessieren wird und es ist auch die Frage, warum man angesichts der Flüchtlingsfrage sich seinen Pensionsreisetraum nicht erfüllen soll?

Wenn, gehört das besser ausgearbeitet und für ein Theaterstück, wo Stefan Zweig und Heimito von Doderer am 12. 12. 1934 im Cafe Central miteinander die Lage der Welt diskutieren, müßte ich wahrscheinlich viel viel mehr recherchieren, als es vielleicht geht.

In so einer Lage war ich schon einmal, im Sommer 1989 glaube ich, als die Ungarn zu uns kamen und auf der Mariahilferstraße die Computer aufkauften. Da wollte ich auch über die Diktatur in Ungarn und ihre intellektuellen Helden schreiben und habe viel zu wenig darüber gewußt, so daß, glaube ich nur eineinhalb Seiten zusammenkamen und als ich 1984 schon im Mutterschutz war, wollte ich über die Psychose  einer meiner Freundinnen schreiben und bin auch daran gescheitert.

Das sind die Fälle, wo es keine Bücher darüber gibt, sonst hatte ich während des Schreibens öfter das Gefühl, ich kann es nicht, ich kann es nicht, schrieb weiter, brachte das Buch heraus, das dann niemanden interessierte, aber wenn ich es nach Jahren wieder lese, denke ich erstaunt, „So schlecht ist das nicht!“

Das ist mir vorige Woche mit der „Dora Faust“ passiert und, daß mir das bei der „Mimi“, die der Ju Sophie ja so wenig gefallen hat, wieder passieren wird, habe ich eigentlich schon gewußt, denn  diese Geschichte von dem Bestsellerautor Johannes Staudinger, der in einen Plagiatsskandal verwickelt wird, der pensionierten Lehrerin Frau Tunichtgut und der Mimi mit dem Downsydrom, die den „Zungenkuß“ nicht gewinnt, habe ich schon öfter hineingelesen, sie  auch einmal vor dem offenen Bücherschrank in der Grundsteingasse vorgestellt, da die Frau Tunichtgut  eine Schrankbetreuerin ist.

Dann denke ich immer, wieso wird das nicht bemerkt, aber ich weiß schon, das trifft nicht bei allen meinen Texten zu und jetzt schnell eine Mischung aus meinen früheren Sachen zusammenzuschreiben, bringt es wahrscheinlich nicht wirklich.

Denn Fakt ist, ich weiß nicht, über was ich schreiben soll, denn, wenn ich so auf meinen Bücherstapel schaue und den Alfred stöhnen höre, schreib nicht soviel, bin ich ein wenig hilflos. Denn ja, ich habe in den letzten zwanzig, dreißig, vierzig Jahren unheimlich viel geschrieben und es bemerkt niemand.

Wahrscheinlich ist das das Problem, zum Teil wahrscheinlich, aber das kann ich  nicht lösen. Ich kann schreiben, bloggen, selber publizieren, reflektieren, das was man auf gut Deutsch, sich selber helfen nennt, aber wenn man alles versucht hat und es ändert sich nichts am Desinteresse ist es nicht sehr motivierend sich vorzustellen, jetzt das nächste Buch zu bekommen, das dann einem oder zwei Personen zu zeigen und das wars dann…

Dennoch wollte ich das  bei den „Ereignisreichen Sommererlebnissen“, wo ich  das Dummie schon abgesegnet habe, tun, das heißt, das Buch nach Leipzig mitnehmen, der Ute schenken und es auch am Dienstag, wenn der „Read!!iingroom“ seinen Büchertausch hat, dort hintragen.

Aber jetzt heißt es auf einmal beim „Digitaldruck“, der bisher immer so flott war, wir haben soviel zu tun, bitte warten und das Buch kommt nicht.

Ist eigentlich egal,  ich kann auch das Dummie nach Leipzig mitnehmen, die Vorschau gibt es schon lang und das Probekapitel auf der Website, selbstverständlich, aber andererseits, eine  neue Stelle, wo nichts weitergeht.

Nun ja, der Inhalt meiner langen Schreibe, ich habe das Wochenende vertrödelt, zuerst in der Badewanne ein Stück Emily Walton gelesen, dann den Klassiktreffpunkt gehört, wo Daniela Strigl über die Moderinität der Marie von Ebner-Eschenbach schwärmte, mir dann unzufrieden die vierte Szene vorgenommen und denke jetzt, ich sollte das Ganze völlig umändern, die Rahmenhandlung, das mit der Kritik von „Berührt ja nicht“ kann bleiben, und die Hildegard Hadringer, die nicht mehr Himmelblau heißt und das nächste Schreibprojekt der Anna Augusta Augenstern werden sollte, kann auch in die Bank gehen, das Geld beheben wollen und dann denken „Angesichts der Flüchtlingskrise sollte ich vielleicht nicht…“

Diese Szene sollte aber vielleicht umgearbeitet werden, die Anna Augusta kann  auch zu ihrem Psychiater gehen und ihm ihre Wurf- oder Greifgeschichten erzählen und die können dann das Ganze in Gang bringen und ein Roman oder auch eine Geschichtensammlung werden und vor allem sollte ich mir Zeit lassen und mich vielleicht wirklich mehr auf das, was ich schon habe, konzentrieren.

Auf die vierzig Bücher die es schon gibt, die nach und nach nochmals lesen, das hilft vielleichtund ansonsten in der Stadt herumgehen und schauen, was sich finden läßt und natürlich wäre es schön, wenn der Erfolg von der anderen Seite kommt, da hat es ja inzwischen auch ein paar Reaktionen gegeben, Manfred Lagler-Regall, der mich jetzt wieder aufmerksam liest, hat zur Selbsthilfe geraten, das tue ich aber, glaube ich, ohnehin schon und auf die Frage, wie man mir helfen könnte, antworten:

Aufmerksamkeit, Anerkennung, Interesse, Unterstützung, Rezensionen, etcetera, wären natürlich schön und, ob die Fahrt  auf die Leipziger Buchmesse, die demnächst ansteht, Abhilfe bringt, weiß ich nicht so genau.

Denn erfahrungsgemäß ist es   sehr depremierend, da mit seinen selbstgemachten Büchern herumzugehen, obwohl die inzwischen schon ganze Hallen füllen und den Erfolg der anderen zuzusehen. Aber Ablenkung kann es vielleicht bringen und dann in den Osterferien, das Vorhandene umarbeiten, entkrampfen, entwirren und vielleicht wirklich mit den Wurfgeschichten anfangen und die Anna Augusta und, die Hildegard, beziehungsweise, die Anne Frank, den Stefan Zweig und den Heimito von Doderer lassen, weil die vielleicht nur Schnapsideen oder Fallstricke sind.

Mal sehen, ich weiß es noch nicht so genau, werde aber die, die es interessiert, sicher informieren.

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