Literaturgefluester

2016-03-15

Wasser im Gespräch

Zur „Lyrik im März“ nun fast punktgenau Petra Ganglbauers „Mond und Pflanzengedichte“ aus der „Keiper-Lyrik Reihe“, der GAV-Kollegin und nunmehrigen Präsidentin, die ich wahrscheinlich schon von meinem GAV-Mitgliedsbeginn kenne, die experimentelle Lyrikerin, 1958 in Graz geboren, „Avantgardistin“, schreibt Helwig Brunner, der Herausgeber, Radiokünstlerin, Schreibpädagogin und auch meine eifrige Rezensentin, hat sie ja  im „Gangway-Net Magazin“ schon fünf Bücher von mir besprochen.

Passend zum österreichischen Lyrikschwerpunkt, wo man sich wenigstens in den Literaturinstitutionen ein wenig Gedanken, um das „Stiefkind der literarischen Gattungen“ macht, so bringt ja die „Gesellschaft“ zu dieser Zeit einige lyrische Veranstaltung und die „Lyrik im März“ der GAV wird ja seit dem Tot von Heidi Pataki und Rolf Schwendter von Petra Ganglbauer veranstaltet, während die Verlage zwar auch vermehrt „Lyrik Reihen“ herausgegeben, diese aber offenbar selber nicht zu promoten scheinen, denn es ja schon der dreizehnte Band der „Keiper Reihe“, von der ich in den letzten Jahren einiges gelesen und besprochen habe, Petra Ganglbauers Lyrik ist aber auf Umwegen und  auch  etwas verzögert zu mir gekommen.

Womit die Verlage wahrscheinlich nur dem Trend der Zeit entsprechen und vielleicht selber glauben, daß Lyrik  niemanden interessiert, obwohl sie kurz und also scheinbar schnell zu lesen wäre und angeblich inzwischen auch mehr Leute Gedichte schreiben. als solche lesen.

Schaut man auf die vorwiegend deutsche Bücherbloggerlandschaft, sieht man diesen Trend bestätigt, obwohl Tobia Nazemi, einer der vorjährigen Buchpreisblogger und vorjährige Bloggerpate des Leipziger Literaturmessenpreises (leider wurde diese Aktion auch schon eingestellt) in seinem neuen Bücherbrief Jan Wagner, dem vorigen Gewinner, mit seinem „Regentonnenvariationen-Lyrik Band“ gedenkt“ und den Autor zwar „Dichterfürst“ nennt und sich für ihn freut, daß er nun nicht mehr auf die „Writer in Residence-Programme“ angewiesen ist, aber gleich bekennt, daß Lyrik für ihn wie Sushi ist, irgendwie interessant, aber dann doch nicht sein Geschmack und es ihm, wie die meisten Bücherblogger mehr zur Prosa zieht.

Dem kann sich die realistische Schreiberin zwar anschließen, aber ich gehe, Österreich und auch die GAV machts möglich, regelmäßig zu Lyrik-Veranstaltungen und so habe ich, glaube ich, einige der Gedichte auch schon gehört und gelesen habe ich auch schon einige der „Pflanzengedichte“, hat doch Gehard Jaschke seine „Feribords“ und da gibt es einen Petra Ganglbauers „Pflanzengesichern“ gewidmeten Flyer und nun ein Gang durch die sehr kurzen  klaren Gedichte, die für die Realistin nicht immer leicht zu lesen waren, aber von Helwig  Brunner, den ich ja auch schon einige Male bei Lyrik-Veranstaltungen über Gedichte sprechen hörte, gut erklärt werden.

„Wasser im Gespräch“ ist  in zwei Teilen gegliedert.

Die „Mondgedichte“ haben wieder zehn Abteilungen und gliedern sich in „Leerer Narrenmond“, „Schwacher Herbstmond“, „Prunkender Heilmond“, „Strahlender Honigmond“, „Verdorrender Wintermond“, „Schwarzer Julmond“, „Karger Lämmermond“, „Klarer Eismond“, „Starker Unkrautmond“ und“ Finsterer Totenmond“.

Sehr poetische Benennungen, wobei es zum „Jul-Eis- und Totenmond“ wahrscheinlich keine Fragen gibt, das hat man  schon in anderen Lyriksammlungen so gehört und Heilwig Bronner betont auch die „Haiku oder Tankanähe“, aber was bitte, ist ein „Verdorrender Winter- oder ein „Karger Lämmermond und auch beim „Starken Unkrautmond“ tut sich, die Realistin in der Vorstellung etwas schwer.

Irgendwann kam dann auch die Frage, was  das mit dem titelgebenden „Wasser“ zu tun haben könnte?

Aber keine Angst auf Seite sechzig, gibts die Antwort zu lesen.

„Wasser im Gespräch, der Geste: Wir drehen uns weiter aberrund. Als Wunde, Herzpochen, Fluch. (Zu-Spruch also Nichtwort)“

Das als kleines Textbeispiel zu Petra Ganglbauers  abgehobener lyrischen Sprache und für die die es noch nicht so ganz verstanden haben, wird  dann von Helwig Brunner  noch erklärt, daß Wasser, „sowohl das Wachstum und die Beschaffenheit von Pflanzen und damit auch ihre Aussaat, Pflege und Ernten durch den Menschen bestimmt und der Mond tut das bei den Gezeiten.“

Helwig Bronner nennt Ganglbauers Gedichte lyrische Miniaturen und erklärt auch  die Beutungsverschiebungen, die vor allem in den „Pflanzengedichten“ zu finden sind, als beliebtes Mittel der experimentellen Literatur, so daß sich auch das theoretische Wissen, der Lyrikleserin, verstärkte.

Bei den „Pflanzengedichten“ geht es  über „Klatschmohn“, „Salbei“, „Gras“, „Pfingstrosen“, etcetera durch die gesammelte Flora, immer wird zuerst die Pflanze beschrieben, bevor es im Nachwort „(Mein Pfingstrosengedicht) Platzende Sonne, ein Streben, ein Platz, Greifendes Blütenversprechen reißt Dem Blau des Himmels den Sinn ein. Scherenschnittrundes rosa Paradies“ heißt.

Interessant, daß die experimentelle Lyrikerin, von der ich schon „Schräger Garten“ – Texte aus dem „Fröhlichen Wohnzimmer“ gelesen habe und wahrscheinlich bei mehreren Veranstaltungen war, die Groß und die Kleinschreibung verwendet und was die Veranstaltungen betrifft, so wird man wahrscheinlich, am Mittwoch, wenn ich schon in Leipzig bin, bei der „Lyrik im März“ im „Afroasiatischen Institut, in der Türkenstraße 3″ um 19 Uhr“ auf die ich alle Interessierte herzlich hinweise, wahrscheinlich  das Bändchen kaufen können, für das ich, weil ich keine österreichische Literatur nach Leipzig mitnehmen wollte, die „Ronja“ ein paar Tage warten ließ, ein kleiner Hinweis auf Tobias Nazemi , falls er das hier lesen sollte.

Sonst sind in der „Keiper Lyrik Reihe“ noch Bände von Wolfgang Pollanz, Helwig Brunner, Sophie Reyer, Michel Hillen, Udo Kawasser, Gertrude Maria Grossegger, Friederike Schwab, Marcus Pöttler, Ute Eckenfelder, Monika Zobel und Sonja Harter erschienen, die man sicher sehr empfehlen kann, denn man soll wahrscheinlich ja, egal ob als Mann, Frau, alt oder jung, mehr Lyrik lesen, um ein bißchen auszuspannen, zur Ruhe zu kommen, den Geist beziehungsweise, die Sprache zu schulen und Sushi schmecken ja auch sehr gut, beziehungsweise sind die Japaner als Meister der poetischen Sprache bekannt.

 

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