Literaturgefluester

2016-03-23

Osterpläne

Von Leipzig ist es nach einem intensiven Praxistag gleich nach Harland in die Osterferien gegangen, wo ich zuerst einmal die beiden mitgebrachten Taschen, eine mit dem Aufdruck von Wolfgang Herrndorfs „Tschik-Cover“ das jetzt ja verfilmt wurde, mit Leseproben, Büchern, Prospekten etcetera, auspackte und auf das neue Regal im Wohnzimmer verteilte.

Jetzt werde die Fenster putzen, die schon ordentlich verschmutzt sind, da ich mich um diese Aufgabe meist herumdrücke und es schon sehr nötig haben, bevor es  ans Radfahren geht.

In Richtung Wilhelmsburg oder St. Pölten, lauten ja die beiden Richtungen, die mir zur Verfügung stehen und zu Ostern fahre ich meistens auch einmal nach Herzogenburg. Wahrscheinlich morgen am Gründonnerstag. Am Karfreitag kann ich dann vielleicht wieder Blumen pflücken. Bärlauch haben wir schon vor ein paar Wochen gesammelt, als die Ruth in Harland war, um sich Alfred neuen Ofen anzusehen. Der ist aber in Wien eingefroren. Vielleicht gibts noch welchen, so daß ich ihn morgen mit Rösti und einem Spiegelei essen kann.

Ich bin zwar nicht sehr religiös und traditionell, an die Tages und Jahresstrukturen halte ich mich aber und so gehören zu Ostern Bärlauch und Osterpinzen.

Ein Lindt-Osterhase steht in Wien auch schon am Küchenfenster bei den Osterdekorationen, den mir der Alfred vor einigen Wochen mitgebracht hat. Den esse ich, wenn ich wieder in Wien bin. Die beiden kleinen Schokoeier, die ich  in Leipzig aus irgendeiner Schüßel klaubte, sind  bei der Rückfahrt in meiner Tasche geschmolzen und da sie sich mit dem Staniolpapier verklebt hatten, im Mistkübel gelandet.

Am Samstag gibt es aber wieder den schon traditionellen Spaziergang der LitGEs um den Viehofener See, dazu habe ich mich auch schon mit Manfred Lagler-Regall, der mir jetzt wieder eifrig kommentiert, verabredet und will eigentlich die „Fatma-Szene“ aus den „Sommerereignissen“ lesen.

Das Buch ist aber noch nicht da und soll angeblich heute ausgeliefert werden, so daß es der Alfred vielleicht morgen vom „Heimtierprofi“ oder der Änderungsschneiderei beim Mittersteig abholen kann und das Dummie, das es schon gibt, habe ich in Wien vergessen, beziehungsweise mir „Selmas Kopftuch“ eingepackt und nicht daran gedacht, daß das das falsche Buch ist.

Zu lesen gibt es in der Osterfrische natürlich auch und mehr als genug, denn ich habe es nicht lassen können und mir schon wieder einen Haufen Rezensionsexemplare bestellt.

Leipzig verführt dazu, denn Gertraud Klemm und Marlen Schachinger haben ein neues Buch und dann bin ich in Leipzig daraufgekommen, daß Hans Weigels „Unvollendete Symphonie“, wo er seine Erlebnisse mit Ingeborg Bachmann aufarbeitete, wieder aufgelegt wurde, habe bei „Atelier“ angefragt und die haben mir schon das PDF geschickt, so daß ich das jetzt einmal lesen werde, obwohl ich mir eigentlich vom Harland Stoß den „Braven Soldaten Schwejk“, den es bei Anna Jeller in der Auslage gibt, ich habe aber ein altes Exemplar aus Alfreds Fundus und „Die sieben Tage des Abraham Bogatir“ von György G. Kardos vorgenommen habe.

In Wien habe ich dafür die Jane Austen angefangen und liegen lassen, weil ich das Buch nicht aufs Land mitnehmen wollte, aber das PDF habe ich ja immer dabei, wenn ich den Computer mithabe.

Dann habe ich noch immer das Lesen meiner eigenen Bücher vor und da habe ich in den letzten Wochen die „Globalisierungsnovelle“, die „Mimi“ und die „Dora Faust“ wiedergelesen und hänge immer noch  mit dem Schreiben.

Das heißt der Widerwille, das „Ich kann es nicht, ich kann es nicht!“, ist immer noch da, obwohl ich mir in Leipzig beim „blauen Sofa“ öfter dachte, ich sollte vielleicht auch einfach  losschreiben, wie es die meist jüngeren Personen, die da oben sitzen und locker von ihren tollen Büchern sprachen, offensichtlich tun.

Mit der ausgeschriebenen Anna Augusta Augenstern habe ich mich ja vielleicht schon in eine Ecke geschrieben, denn wer will schon über das erfolglose Schreiben hören und die „Schwelle der Peinlichkeit“ ist da wahrscheinlich auch vorhanden und das mit den beiden Dichtern verlangt wahrscheinlich zu viel Recherchearbeit, obwohl ich glaube ich ein „Doderer-Buch“ in Harland habe und vermutlich auch was von Stefan Zweig.

Ich müßte vielleicht wieder von vorne anfangen und frei von der Leber etwas weniger Abgelutschtes, wie es das ja auch bei „Paul und Paula“, für die der Alfred jetzt von einem Graphik-Institut ein  rotes Cover machen hat lassen, so daß es bald wahrscheinlich dafür schon die Vorschau geben wird, schreiben, aber das was, habe ich noch nicht, habe ich ja in den letzten Wochen eher die abgelutschten zwölf Seiten von der Anna Augusta Augenstern und der Hildegard Hadringer korrigert und dabei vermehrt gedacht „Ich kann es nicht, ich kann es nicht!“

Nun ja, schreiben hat schon etwas Masochistisches, obwohl das Fabulieren ja schön und spannend sein sollte. Es stimmt aber, ich habe schon sehr viel geschrieben und niemanden hat es interessiert, beziehungsweise gefallen und das schleppe ich nun mit mir herum und kann es nicht so einfach loswerden.

Aber jetzt nach dem wahrscheinlich schon ein bißchen frustrierenden Leipzig-Gewusel, wie es Mariki Fallwickl vom „Bücherwurmloch“, die zu Hause geblieben ist, so nannte, in die Osterferien.

Da das Haus ein bißchen putzen, Blumenpflücken, Radfahren, mich in Hans Weigels unblückliche Liebe einlesen und dann mit einem meiner Bücher in die Badewanne steigen und vielliecht wieder denken, „So schlecht ist das nicht!“ und mich wieder  ärgern oder darüber wundern, daß es ausgerechnet bei mir nicht geht und darüber rätseln, woran das denn liegen mag….?

Ein bißchen Ostermediation ist vielleicht doch ganz gut, obwohl ich trotz der Osterdekorationen am Fenster, noch gar nicht in österlicher Stimmung bin und dann soweit kommen, daß ich einfach losschreibe, egal, ob von der depressiven Anna Augusta Augenstern, die in Theo Hardenbergs Praxis geht und ihm ihre Geschichten zur Lage der Welt erzählt oder etwas ganz anderes.

In Leipzig bin ich daraufgekommen, daß die Bachmnnpreis Autoren auch ganz schön Fabulieren und von Erscheinungen, Visionen, etcetera, schreiben, daß ich mich also vielleicht auch trauen und über meinen Schatten springen kann. Beim Lesen tue ich das ja auch und lese sehr viel über den Tellerrand.

Vielleicht finde ich also noch ein Thema das mich so phasziniert, daß ich frei von der Leber hinunterschreiben kann und mich nicht mit jeden Satz selber blockiere, in dem ich denke „Ist schon wieder nicht so gut und das habe ich doch schon mal geschrieben!“

Also auf das neue Buch freuen, das hoffentlich bald und problemlos kommt, beim Osterspaziergang daraus ein Stücken lesen und am Sonntag, wenn das Wetter schön ist mit dem Alfred nach Traismauer in das Donaugasthaus fahren, beim letzten Mal haben wir, glaube ich, Cornelia Travnicek bei der Rückfahrt am Traisenweg getroffen.

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