Literaturgefluester

2016-03-27

Planlosigkeit

Ich habs ja schon mal geschrieben, ich weiß nicht wirklich, worüber ich mein, das wäre dann das einundvierzigste, weil, Buch achtunddreißig, ja  gerade erschienen ist, der „Adventkalender“ und  „Paul und Paula“ warten noch, Projekt, schreiben soll?

Hab ich doch schon über so viel geschrieben oder so vieles angerissen, die depressiven Frauen, die Dementen, das erfolglose Schreiben und und und…

Wirklich nur angerissen vielleicht doch nicht so sehr, mache ich beim Wiederlesen doch gerade die Erfahrung, so schlecht ist das zumindest meiner Meinung nach nicht, obwohl sich meine hundertfünzig täglichen Leser, die ich jetzt so habe, für meine Gewinnspiele nicht sehr interessieren und sich nur einmal, lang langs ist her, eine Frau darauf gemeldet hat und mir dann noch schrieb „Sie machen aber viele Fehler!“

Natürlich ja, ich bin ein bißchen schlampig, verharre bei den scharfen „ß“ und bin auch nicht sehr abgehoben, trotzdem war ich in den letzten Tagen, sowohl von den „Zwillingswelten“ als auch von der „Frau auf der Bank“, die ich wiedergelesen habe, erstaunt, wie gut auskomponiert und, wie wenig unfertig das eigentlich war.

Denn ich habe beim Schreiben ja sehr oft das Gefühl „Das kann ich nicht!“ und muß mich oft regelrecht zum Schreibtisch prügeln, dann bin ich blokiert, gehemmt, aber wenn ich so in meine Bücher schaue, denke ich dann öfter“Na, so schlecht ist das nicht!“

Zumindest nicht das Allerschlechteste der Welt, wie manche Leser meinen, aber gut, das sind Trolls oder Spamer, die glauben, unter einem Blog „Das ist aber trottelig!“ schreiben zu müssen und das ist mir auch schon länger nicht  mehr passiert.

Trotzdem habe ich oft beim Schreiben das Gefühl steckengeblieben zu sein, wie mir  auch die Reaktionen meiner Leser zeigt, denn  „Paul und Paula“ haben  mir eigentlich gefallen, meine Testleserin hat sie trotzdem für Pappfiguren gehalten und nach einem knappen Monat war ich wieder damit fertig, obwohl ich ja wieder ein Jahr dafür brauchen haben wollen.

Ich habs dann zwar noch einmal umgeschreiben und der Paula eine männliche Stimme gegeben und bin dann auf Stoffsuche gegangen, obwohl ich eigentlich eine Zeitlang Kurzgeschichten schreiben wollte, wie ich ja schon vor ein paar Jahren in einer Krise war und mir mit dem „Literaturgefüster-Texte-Buch“ darauf geholen habe.

Jetzt sollte es Wurf- oder Greifgeschichten werden, dreizehn vielleicht, wie die „Dreizehn Kapitel“, die vielleicht ein ähnliches „mangeldes Einfallsprojekt“ waren oder auch der Versuch einen Roman von einem Kapitel zum anderen zu spinnen, dann kamen das „Sommer“ und das „Winterbuch“, danach was Neues mit dem Transgenderthema und jetzt, na gut, schreibe ich halt dreizehn Geschichten über „Dosenbier, Lügen, Erkundigungen“ etcetera…

Aber halt schön der Reihe nach, denn jetzt bin ich durcheinander und das mögen meine Leser nicht, die dann spamen „Sie wissen gar nicht gute Frau, wie Sie den echten Autoren durch Ihre Schreibversuche schaden, hat denn da nicht der Psychotherapeutenverband etwas dagegen?“

Hat er, glaube ich, nicht und ich denke schreiben soll ein jeder dürfen, das hat ja auch „Amazon“ so gesehen und den Selbstpublishern ihre Tore geöffnet und ich bin, als ich mit der „Paul und Paula“ nochmals fertig war, auf Stofftour für meine dreizen Kurzgeschichten gegangen, hatte da aber schon die vage Idee vielleicht über das „Eine gute Geschichte muß berühren und das tun Ihre Texte nicht!“, zu schreiben und nach der letzten Schreibegruppe in der ich war, habe ich die El Awadalla, die aber jetzt aufgegeben hat auf den Opernball geschickt.

Also kann sie nicht mehr, wie ich eigentlich schon vorhatte, in den „Berührungen“ vorkommen. Von dem Recherchetag bin ich aber mit der Idee zurückgekommen, einen Roman über eine depressive Schriftstellerin namens Anna Augusta Augenstern zu schreiben, die ihre Protagonistin Hildegard Hadringer nach ihrer Pensionierung auf Weltreise schicken will, aber angesichts der Flüchtlingskrise sich die Frage stellt, ob man das denn darf?

Sie geht mit dieser Frage und dem Buch der Ljudmila Ulizkaja „Lügen der Frauen“ in dem sie eine Widmung gefunden hat zu ihrem Psychiater Theo Hardenberg, der ihr von seiner Frau Sveti erzählt, die inzwischen Oberärztin geworden ist und ihm auch schon das erste oder zweite Kind gebar oder gerade damit schwanger ist.

Ja, richtig, Stefan Zweig und Heimito von Doderer sollen in dem Roman auch noch auftauchen, denn irgenwie hat sich bei mir die Idee von Romanfiguren eingemistet. Also gibt es eine Zarah Bashrami, die eine Dis über Anne Frank Schreibt und mit dem Exilrussen Juirj und Zoran aus Sarajevo in einem Kellertheater ein solches Stück schreibt und ich habe mich schon wieder an die Wand geschrieben.

Viel zu schnell und ohne wirklichen Plan, aber trotzdem vier Sezenen, beziehungsweise zwölf Seiten produziert, die inzwischen ein paarmal korrigert, verkürzt, aber nicht wirklich verändert. Die Anna Augusta zum Psychiater, die Hildegard auf die Bank geschickt, wo ja schon einige meiner Heldinnen aus früheren Büchern waren, zum Beispiel die Agathe aus der „Begrenzten Frau“ in der ich gerade in der Badewanne gelesen habe, die mir aber seltsamerweise nicht gefallen hat, um mich nicht nur immer zu loben.

Mit den vier Szenen war ich fertig, als ich nach Leipzig gefahren bin, dort war ich viel vorm „blauen Sofa“ und habe einige der dort sitzenden Autoren sagen gehört, daß ihre Figuren mit ihnen machen, was sie wollen, daß, die den Ton angeben und sie sich von ihren bestimmen lassen.

Sätze, denen ich eigentlich eher mißtrauisch gegenüberstehe und sie für Koketterie halte, denn natürlich bestimmt der Autor sein Buch und seine Figuren und natürlich ist es ebenfalls sehr gut, sich von seiner Fanatsie leiten zu lassen und eine, die ein Jahr vorausplottet und dann stumpf und schnell alles nieder schreibt, war ich auch nie.

So habe ich von diesen Sofa-Sessions und den Erfahrungen vom Wiederlesen meiner Bücher mitgenommen, daß ich es  eigentlich auch können müßte und mich von meiner Phantasie mehr leiten lassen sollte. Das heißt vielleicht wirklich einmal ein Jahr losschreiben, die Anna Augusta zum Psychiater gehen lassen, die Hildegard auf Weltreise oder auch in ein Flüchtlingsheim und über Heimito von Doderer und Stefan Zweig könnte ich auch recherchieren, beziehungsweise mich in die Beiden einlesen und wenn das alles nicht klappt, schreibe ich halt meine Wurfgeschichten über „Dosenbier,“ „Lügen“, „Rasierklingen“, etcetera, etcerta….

Am Donnerstag wollte ich dann nach Herzogenburg fahren, kurz nach St. Pölten war der Radweg aber auf beiden Seiten abgesperrt, weil ein Steg abgetragen wird.

„Macht ja nichts!“, habe ich gedacht, schreibe ich halt weiter und dann sind zwei Szenen entstanden, eine mit der Augusta beim Psychiater, die andere mit der Hildegard auf der Bank, wo ich eigentlich nur dachte „Ich kann es nicht, ich kann es nicht, das ist grottenschlecht und so sollte ich nicht schreiben!“

Gedanken, die ich allerdings, wie ich mich erinnern kann, auch bei Büchern hatte, nach deren Widerlesen ich jetzt öfters dachte „So schlecht ist das eigentlich nicht und eigentlich erstaunlich gut auskomponiert!“

Nun gut, meine Leser sehen das halt anders und die Schreiblockaden einer depressiven Schriftstellerin interessieren vielleicht wirklich niemanden und wie soll ich ein Stück über den 12. Februar 1934 schreiben, das sich eigentlich auf die Flüchtlingskrise von heute bezieht und was sollen der Juriij  und der Zoran eigentlich in dem Cafe Central tun?

Daß ich den Stefan Zweig und Heimito von Doderer auch auf der berühmte Wolke, am siebenten Himmelsbogen in einem Wiener Cafehaus auftreten lassen könnte, hatte ich von der Fahrt am Donnerstag nach Harland zwar auch schon gedacht, dann aber darauf vergessen.

Als ich gestern von der Ochsenburg zurückgekommen bin, ist es mir wieder eingefallen und dann hat das Fräulein Anne in ihr blaues Wachsttuchheft hineingeschaut, das ihr der Dichter Stefan gegben hat und nichts hineingeschrieben, denn ihr Tagebuch, das in einem Amsterdamer Hinterhaus liegengeblieben ist, als die Nazis kamen, ist ja inzwischen berühmt geworden und sie trifft sich täglich mit den zwei alten Dichtern, zwischen sechzig und siebzig sind die, habe ich mir ausgerechnet, während sie immer unter sechzehn ist, im Cafe Wolkenbogen, der Kellner Franz stellt ihr eine Tasse heiße Schokolade hin, der Dichter Heimito gibt ihr die „Strudelhofstiege“ zu lesen und ich habe mir die „Welt von gestern“, das „Tagebuch der Anne Frank“ und das „Heimoto von Doderer Buch“ aus meinen Harlander Regalen hervorgesucht.

So weit, so what und inzwischen dreiundzwanzig Seiten, acht Szenen, beziehungsweise 10071 Worte und immer noch kein Plan, worüber ich eigentlich schreiben will?

Ob das jetzt ein Roman den eine depressive Schriftstellerin ihrem Psychiater erzählt oder Wurfgeschichten werden sollen?  Ein Roman oder vier oder so Erzählungen über Zarah Bashrami, Hildegard Hadringer, Anna Augusta Augenstern oder Texte über Dosenbier, Rasierklingen, etcetera, die den Roman entstehen lassen, keine Ahnung oder doch ein bißchen.

Dazwischen werde ich mich durch meine achtundreißig oer so Bücher lesen und mir immer wieder sagen „Laß deine Phantasie spielen und dich von deinen Personen treiben und wenn du ein Jahr dazu brauchen solltest, ist es ja das, was du immer willst und vorhast zu tun und so schlecht bist du nicht!!!“

Das glaube ich wirklich, es wäre aber schön, wenn es auch die anderen so sehen und vielleicht von außen mal ein Anstoß kommt.

Tut es aber nicht, so muß ich mir alleine weiterhelfen und ich kann ja auch einmal ein Mansukript oder einen Teil davon wegschmeißen, von vorne anfangen, umschreiben, vom hundersten ins tausendsteund von der depressiven Schriftstellerin zu etwas wirklichen Berührenden oder Spannenden kommen.

Mal sehen, ich werde es versuchen und wenn es sein muß, immer wieder von vorne anfange, über Anregungen von außen werde ich mich freuen, aber jetzt war erst einmal der Osterspaziergang der „LitGes“, wo ich die vierte Szene aus dem „Sommerbuch“ gelesen habe und  zum Büchertausch am fünften April kann ich das neue Buch auch in den „Read!!dingroom“ tragen, was ich eigentlich schon vor Leipzig tun wollte, aber diesmal hatte der „Digitaldruck“ so viel zu tun, daß die Bücher erst vorvorgestern gekommen sind.

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